Phasenübergang und Resonanzkatastrophe

Die griechische Wirtschaft ist am Ende. In Libyen, Syrien und Ägypten kommt es zu Aufständen und Bürgerkriegen, die durch fremde Mächte und ausländische Soldaten angeheizt werden. Die Türkei nutzt die Unruhen, um mit Gewalt gegen Volksstämme im eigenen Land vorzugehen. Jordanien ist mit Flüchtlingen überfüllt. Der Iran rüstet auf und übt sich in Drohgebärden. Im Irak geht es drunter und drüber. Bedeutende Schätze des Weltkulturerbes gehen für immer verloren.

In seinem spannenden Buch 1177 vor Christus. Der erste Untergang der Zivilisation führt Eric H. Cline den Leser aufs Glatteis, indem er ihn zunächst glauben lässt, dass es sich von ihm bei ähnlich formulierten Schlagzeilen um aktuelle Nachrichten handelt. Dann weist er darauf hin, dass exakt dieselbe Beschreibung genauso für die Zeit vor rund 3000 Jahren passt, als die großen Zivilisationen der Bronzezeit innerhalb von nicht mal hundert Jahren nacheinander zusammenbrachen.

Die Bronzezeit umfasst einen Zeitraum von etwa 2000 Jahren und ist weitgehend identisch mit dem von mir schon mehrfach beschriebenen Phasenübergang (hier und hier), der das Ende der Jäger- und Sammlerepoche einläutete, um eine grundsätzlich neue Form des Zusammenlebens zu etablieren, deren Grundpfeiler fortan Landwirtschaft, Berufstätigkeit, Sklavenhaltung, Verstädterung und Tempelkult waren. Vor der Bronzezeit lebte der Mensch noch als Teil mit und in der Natur. Nach der Bronzezeit hatte sich der Mensch ein gutes Stück weit aus der Natur herausgelöst. Er war zu einem Kulturwesen geworden, das überwiegend in einer von ihm selbst gestalteten Umwelt lebte. Vor der Bronzezeit wurden Tiere noch als Geistwesen verehrt, nach der Bronzezeit standen sie nicht mehr als gleichberechtigte oder sogar überlegene Geschöpfe neben dem Menschen, sondern der Mensch fühlte sich ihnen überlegen und degradierte sie zu Nutztieren.

Zwischen der Bronze- und der Jetztzeit gibt es viele Parallelen, die den Schluss zulassen, dass wir uns wieder in einem Phasenübergang befinden, der mit der Industriellen Revolution begonnen hat und noch nicht ganz abgeschlossen ist. Bei einem Phasenübergang handelt sich um eine grundsätzliche Neuorganisation des menschlichen Zusammenlebens. Stand im Zentrum der ersten Menschheitsphase die Jagd, so in der zweiten die berufliche Arbeit. Da heute jedoch immer mehr von diesen Berufstätigkeiten von Maschinen übernommen und zum großen Teil besser als von Menschen erledigt werden, ist absehbar, dass sich das Zeitalter der Arbeit dem Ende zuneigt, so wie vor fünftausend Jahren das Zeitalter des Jagens und Sammelns zu Ende ging.

Wie unsere moderne westliche Zivilisation seit dem Mittelalter aufgeblüht ist und sich in alle Teile der übrigen Welt ausdehnte, so war auch die Bronzezeit eine Zeit des Aufblühens, des internationalen Handels, des kulturellen Austausches, der gegenseitigen Befruchtung. Hier wie dort wurde das Aufblühen mit zahllosen Kriegen und Ausbeutung erkauft. Könige verbrüderten und bekämpften sich, schlossen Bündnisse und zettelten Kriege an. Beides, sowohl die Verbrüderung wie der Kampf, ließen die Völker erstarken, die Wirtschaft aufblühen. Das regte die menschliche Kreativität an und führte zur Schaffung von Kultur und (Waffen-)Technik. Damals wie heute gab es eine Menge Verflechtungen und internationale Beziehungen. Herrscher tauschten eifrig Geschenke (mitunter auch Töchter und Handwerker) und gründeten weitreichende soziale Netzwerke, indem sie sich fleißig eines neuen Informationsmediums bedienten: der Schrift. Sie schickten sich gegenseitig Tontäfelchen, von denen inzwischen Tausende gefunden wurden. Damals wie heute erreichte der Wohlstand zumindest einer bestimmten Bevölkerungsschicht ein erstaunlich hohes Niveau. Neben Handelskonzernen gab es Banken und Versicherungen. Es gab Rundreisen und Tourismus. Es gab Korruption, diplomatische Missionen, Handelsembargos und, wenn ein Krieg ausgetragen wurde, auch schon mal sogenannte False-Flag-Aktionen. Damals wie heute war man abhängig von einem steten Zustrom an Bodenschätzen, Baumaterialien, Nahrung und Arbeitskräften. Was für uns heute das Erdöl, war für die damalige Welt das Zinn, welches zur Herstellung von Bronze gebraucht wurde.

Die Welt damals war wie die heutige eine eng vernetzte Welt, die erste globalisierte Epoche der Menschheitsgeschichte.

Dann brach diese blühende Welt innerhalb von nur einem Jahrhundert vollständig zusammen. Völker wie die Mykener, die Minoer, die Hethiter, die Kanaaniter, die Assyrer, die Uguriter verschwanden von der Bildfläche, während andere wie die Ägypter, die Israeliten und die Zyprer sich so verwandelten, dass sie mit den ursprünglichen Völkern bis auf den Aufenthaltsort kaum noch was gemeinsam hatten. Es war ein kumulativer Untergang. Ein Systemkollaps. Gefolgt von einer Epoche, die als erstes Dunkles Zeitalter in die Weltgeschichte einging.

Für diesen umfassenden Zusammenbruch werden gerne die sogenannten Seevölker verantwortlich gemacht. Aber diese Antwort ist zu einfach. Erstens streiten sich die Wissenschaftler bis heute darum, wer diese Seevölker denn eigentlich waren. Es war nicht so, dass die großen Städte, die zwischen 1190 und 1130 in Schutt und Asche gelegt wurden, allesamt vom Meer aus angegriffen wurden. Es gab genauso viele Angriffe von der Landseite her. Manchmal ist deshalb auch von Fremdvölkern die Rede. Zweitens weiß man nicht, ob es sich bei diesen Fremdvölkern um Invasoren oder Migranten handelte. Drittens wurden nicht alle Städte, die niedergebrannt wurden, tatsächlich angegriffen. Manche scheinen einfach so aufgegeben worden zu sein. Viertens gibt es zahlreiche Hinweise, dass nicht nur Angreifer von auswärts über die Städte herfielen, sondern dass sich die Völker selbst gegen ihre Herrscher erhoben und rebellierten. Während manche Städte dem Erdboden gleichgemacht wurden, zerstörte man in anderen nur die Tempel und die Paläste der Reichen. Zudem dürfte in der fraglichen Zeit eine Reihe von größeren und kleineren Erdbeben stattgefunden haben. Und nicht zuletzt spielte anscheinend ein Klimawandel eine nicht unerhebliche Rolle. Nach einer schnellen Erwärmungsphase kühlte das Klima überraschend wieder ab, was im gesamten Mittelmeerraum eine mehrere Jahrzehnte währende Phase der Trockenheit und Dürre zur Folge hatte, was wiederum zu gravierenden Hungersnöten führte. Nicht eine einzelne Ursache führte zum Untergang, sondern ein unentwirrbarer Komplex verschiedener Ursachen.

Alle diese Erklärungen deuten darauf hin, dass es sich bei dem Zusammenbruch weniger um ein schlichtes Ursachen-Wirkungs-Gefüge als vielmehr um ein Resonanzphänomen handelt. Oder genauer: um eine Resonanzkatastrophe. Es fällt schwer, zwischen einem Erdbeben und einem Klimawandel einen Zusammenhang zu sehen. Ebenso haben Überfälle von Außen und Rebellionen im Innern in der Regel verschiedene Ursachen. Resonanzen entstehen jedoch, wenn verschiedene Systeme sich gegenseitig anregen.

Resonanz bezeichnet das Mitschwingen eines schwingfähigen Systems. Die im Resonanzfall anwachsenden Ausschläge entstehen dadurch, dass das System bei jeder Schwingung erneut Energie aufnimmt und speichert. Schwingfähige Systeme gibt es nicht nur in der Technik oder in der Physik. Resonanz ist universales Prinzip. Ein Ökosystem ist ein schwingfähiges System, ebenso das Klima oder eine Population.

Auch eine Zivilisation lässt sich als schwingfähiges System verstehen. Wenn eine Kultur aufblüht, gerät sie mehr und mehr ins Schwingen und dabei wird ihre Vernetzung dichter. Da die Ausschläge jedoch wellenförmig, also gegenläufig sind, nimmt mit dem Aufblühen einer Kultur entsprechend auch ihr Zerstörungspotential zu. Zu jedem positiven Ausschlag gehört ein negativer. Deshalb sind kulturelle Errungenschaften nie ohne Kriege und Ausbeutung zu haben. Das Schöne und das Hässliche einer Kultur sind unauflöslich miteinander verschränkt.

Dieses Muster ist durch die ganze Geschichte hindurch zu beobachten. Zum alten Griechenland mit seiner Kunst und seiner Philosophie gehören die Sklavenhaltung ebenso wie Krieg und Umweltzerstörung (Abholzung). Zum Römischen Reich die Eroberungsfeldzüge und die Grausamkeiten der Gladiatorenkämpfe. Zur Renaissance die Vernichtung der Ureinwohner Amerikas und die Pestwellen. Zum Humanismus die Hexenverbrennungen. Zur Aufklärung der Kolonialismus. Die technischen Erfindungen im Rahmen der Industriellen Revolution wurden mit dem Elend der arbeitenden Massen bezahlt. Der Wohlstand der Neuzeit hat Umweltzerstörungen in nie gekanntem Ausmaße und das Artensterben als negatives Pendant.

Das Aufblühen einer Kultur ist also identisch mit dem Aufschaukeln eines schwingfähigen Systems. Wenn das System (die Zivilisation) schließlich durch zu große Ausschläge aus dem schwingfähigen Amplitudenbereich heraustritt, zerstört es sich selbst. Es kommt zur Resonanzkatastrophe. Deshalb sind alle großen Reiche untergegangen. Deshalb kam es in der Bronzezeit zum Systemkollaps.

Eine Resonanzkatastrophe in Form eines umfassenden Systemkollapses steht im Zentrum eines Phasenübergangs. Die Trümmer des alten Systems sind sozusagen der Nährboden für das Neue. Zwischen dem Alten und dem Neuen liegt ein Bruch. Das Neue ist nicht einfach nur das Alte in gewandelter Form. Die alten Reiche mussten zusammenbrechen, um Platz für etwas Neues zu schaffen, wozu beispielsweise die Entwicklung der Demokratie, die Logosphilosophie und das Christentum gehörten.

Da die berufliche Arbeit als Organisationsprinzip verschwindet, muss das Zusammenleben früher oder später neu organisiert werden. Eine solche Neuordnung ist ein Phasenübergang. Wir befinden uns in einem solchen, ähnlich wie die Menschen der Bronzezeit.

Viele Menschen haben das Gefühl, in einem sich aufschaukelnden System zu leben. Sowohl die positiven wie die negativen Ausschläge werden immer stärker. In den letzten zwanzig Jahren haben wir überall Eskalationen erlebt: im Energieverbrauch, der Vermüllung, der Bevölkerungsentwicklung, der Schuldenberge, der Informationen, des Artenrückgangs, der Krankheiten. Immer mehr Teilsysteme geraten außer Kontrolle. Ebenso eskalieren die Maßnahmen und die Tricks, mit denen das System noch zusammengehalten wird. Um den Zusammenbruch zu vermeiden, werden Menschen immer mehr reglementiert und zur Kasse gebeten. Um das System zu finanzieren, muss ein Mitglied dieses Systems inzwischen mehr als die Hälfte seines Verdienstes hergeben. Dabei wird das System immer fragiler. Schon kleine Abweichungen wie Schneefall oder Regen verursachen heute ein Chaos.

Der Untergang unserer derzeitigen Lebensweise ist jedoch nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Welt und vermutlich auch nicht mit dem Ende der Menschheit. Für die vom Kollaps Betroffenen mag es heftig werden. Doch ist ein Ende immer auch gleichzeitig ein Neuanfang. Das Leben geht auch nach einer Resonanzkatastrophe, nach einem umfassenden Systemkollaps weiter. Das sollten wir nicht vergessen. Für die Bewohner der Neuen Welt werden wir die Alten und genauso interessant oder uninteressant sein, wie es für uns die Hethiter oder Minoer sind.

Nichts Neues seit 10.000 Jahren

Zwischen all den Nachrichten, die sich um das Attentat von Paris drehen, finden sich hin und wieder Meldungen, die unspektakulär daherkommen, bei mir jedoch eine rote Lampe angehen lassen. So lese ich, dass in einem demokratischen Land aller Voraussicht nach ein Abkommen unterzeichnet wird, das die Bevölkerung zu 97% mehrheitlich ablehnt. Die Rede ist vom Freihandelsabkommen TTIP und hier vor allem vom Investorenschutz, wonach künftig von nicht demokratisch legitimierten Schiedsgerichten entschieden wird, ob ein Staat einen Konzern für entgangene Gewinne entschädigen muss. In einer anderen Meldung ist zu lesen, dass der Europäische Gerichtshof Staatsanleihenkäufe zur Erreichung des Preisstabilitätsziels für gerechtfertigt hält. In beiden Fällen ist es so, dass Banken und Konzerne künftig gefahrlos Risiken eingehen können. Nicht sie, sondern der Steuerzahler wird fortan zur Kasse gebeten, wenn es denn schief gehen sollte.

Um zu verstehen, was in der Gegenwart vor sich geht, suche ich manchmal in der Vergangenheit nach vergleichbaren Situationen. Und tatsächlich bin ich fündig geworden. Wir befinden uns in einem Phasenübergang wie damals, als der Mensch seine Existenz als Jäger und Sammler aufgab, sesshaft wurde und fortan Ackerbau und Viehzucht betrieb.

Bei einem Phasenübergang betritt der Mensch neue Räume des Denkens, die von einem höheren Abstraktionsgrad als die alten sind. Mit jedem Schwellenübertritt entfernt sich der Mensch weiter von der Natur. Vor etwa 10.000 Jahren, als der Mensch die ersten Tempel baute, differenzierte sich in seinem Denken der Unterschied zwischen Licht und Feuer aus. Während sich das Feuer vom Numinosen zum gewöhnlichen Werkzeug entwickelte, wurde im Begriff Licht zusammengefasst, was sowohl Holzfeuer wie auch die Sonne und die Gestirne emittieren. Licht ist ein Überbegriff von einem höheren Abstraktionsgrad als das konkrete Feuer oder die am Himmel sichtbare Sonnenscheibe. Deshalb wanderte der Begriff Licht in den seelisch-geistigen Bereich ab und wurde zum Licht des Geistes, der Vernunft und der Aufklärung.

Unter dem Überbegriff Energie werden heutzutage die verschiedenen Arten von Licht sowie die verschiedenen Arten von Materie auf ihren gemeinsamen Nenner gebracht. Licht ist Energie. Masse ist Energie. Im Holz steckt Energie. Masse/Materie werden dem Begriff Energie untergeordnet. Wie unsere Vorfahren in der Flamme das Ewige und im Holz das Vergängliche identifizierten, so halten viele Menschen heute das energetische oder elektrische Universum für die wahre Wirklichkeit, während die materiellen Strukturen zur Illusion erklärt werden. Wie seinerzeit physikalisches und geistiges Licht ineinander überblendet wurden, so wird der Begriff Energie heute sowohl für physikalische wie geistige Phänomene verwendet. Von dieser Vermischung lebt die ganze esoterische Szene.

Die Begleiterscheinungen des damaligen Phasenübergangs erkennen wir in der heutigen Zeit durchaus wieder. Nach einer relativ kurzen Phase des Wohlstands, der Verschwendung und der Bequemlichkeit während der Brandrodungswirtschaft wurde das Holz im Mittelmeerraum zu einem knappen Gut, während gleichzeitig energieintensive neue Produktionsmethoden wie die Metallverarbeitung entstanden. In vergleichbarer Weise gehen nun nach einer Zeit gigantomanischer Verschwendung die Ölreserven allmählich zu Neige, während gleichzeitig die Schwellenländer zur Entwicklung ihrer Wirtschaft immer mehr Energie beanspruchen. Das Erschließen zusätzlicher, alternativer Energiequellen wie Kuhmist findet eine moderne Entsprechung in den regenerativen Energien.

Während damals Maße, Gewichte und Kalender vereinheitlicht und zum Gegenstand einer Vielzahl unterschiedlicher Schriftsysteme wurden, sind wir heute auf dem Weg zu einer gemeinsamen Sprache (englisch), die zum Gegenstand einer Vielzahl unterschiedlicher Technologien wird. Der Erfindung der Schrift entspricht die digitale Informationsverarbeitung, die neben der Sprache auch Ton (Musik) und Bild (Film) einschließt.

Die Erfindung der Schrift ermöglichte es den Menschen, sich in größeren Organisationseinheiten zusammenzuschließen. Um die Tempelanlagen herum wuchsen die ersten großen Städte und aus den halbnomadischen Stämmen wurden Völker und Nationen. Heute vernetzt der digitale Informationsfluss Nationen und Völker zu noch größeren Gemeinschaften. Die Vereinigten Staaten, die Europäische Union, die BRIC-Staaten, die NATO, aber auch die Börsen von New York, London, Tokio oder Firmenfusionen sind Beispiele von Zusammenschlüssen, die ihre Wirkung auf die ganze Welt ausüben. Die Globalisierungsanhänger träumen bereits von einer geeinten Weltgemeinschaft.

In der Organisation zu größeren Einheiten wie Städten bildete sich seinerzeit ein Klassensystem heraus mit höheren und niedrigen Rängen. Die höheren Schichten wie Priester, die über die Schrift, und Krieger, die über die Waffen verfügten, sicherten sich den Zugang zu Macht, Besitz und Prestige, während die niedrigen Schichten wie Handwerker, Kaufleute und die große Masse der Bauern die schwere Arbeit erledigen und zudem noch Steuern und Abgaben zahlen mussten, um den Luxus der höheren Klassen zu finanzieren.

Die schweren Arbeiten in der Landwirtschaft und in der Produktion werden heute in zunehmenden Maß von Maschinen erledigt. Die große Zahl der Arbeitenden ist in Verwaltungs- und Dienstleistungsberufen unterwegs. Hier hat also eine gravierende Verschiebung stattgefunden. Heute gibt es deshalb eine zweistufige Notwendigkeit zur Existenzsicherung. Nach wie vor brauchen wir natürlich Lebensmittel, die aus der meist industrialisierten Landwirtschaft stammen, wir brauchen aber auch Geld, um uns diese Lebensmittel kaufen zu können. Die Macht liegt heute bei denen, die über die Produktionsmittel, über Geld oder über die Informationsverarbeitung verfügen. Hier tobt nun ein neuer Klassenkampf. Wer über Geld verfügt, kann sich nicht nur die Produktionsmittel unter den Nagel reißen, sondern ganze Staaten in seine Abhängigkeit bringen. Dies führt zu einer neuen Art von Sklavenhaltung, in der ein Sklavenbesitzer sich einer bereits vorhandenen, ausgeklügelten Organisationsstruktur (Staat) bemächtigt und seine Sklaven (Staatsbürger) über diesen Umweg unterjocht und ausbeutet, ohne direkt in Erscheinung zu treten. Das geplante Freihandelsabkommen TTIP sowie der massenhafte Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB oder die Nationalbanken gehören in diesen Kontext.

Durch die Verlagerung der Berufstätigkeit weg vom produzierenden hin zum dienstleistenden Gewerbe und durch die Notwendigkeit der zweistufigen Existenzsicherung tritt heute der Banker an die Stelle des Kriegers. Wie früher der Krieger dafür sorgte, dass der Warenstrom ungehindert fließen konnte, so sorgt heute der Banker dafür, dass der Geldstrom fließt, und genau wie seinerzeit der Krieger nutzt er seine Machtstellung ungehemmt aus. Die Stelle der Priester nehmen heute die Informationstechnologen ein, wie Bill Gates, Steven Jobs und  Marc Zuckerberg. Wie vor siebentausend Jahren zwischen Krieger- und Priesterkaste, kommt es heute zwischen Bankern und Informationstechnologen zu Bündnissen und Grabenkämpfen.

Eines kann man mit Sicherheit sagen: Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Es dürfte noch eine Weile spannend bleiben. Weil die Karten neu gemischt werden. Weil es darauf ankommt, wie wir uns selber positionieren. Weil es vielleicht unentdeckte Schlupflöcher gibt, durch die wir den neuen Herrschern doch entkommen können.