Lektüre der Verwobenheit

Wir sprechen, schreiben, denken, kommunizieren in allen möglichen Sprachen, aber kaum jemand macht sich bewusst, dass wir, indem wir die Wirklichkeit begrifflich fassen und Beziehungen zwischen den Begriffen beschreiben, etwas Ähnliches tun wie der Detektor, der versucht, den Flug des Photons zu beobachten und dabei die Wirklichkeit grundsätzlich verändert, denn, was ohne den Detektor Welle war, wird durch die Beobachtung zum Teilchen und liefert ein ganz anderes Muster auf dem Schirm. Was als Welle Kohärenz verkörperte, verliert durch die Beobachtung seine innere Verwobenheit und wird zu einer Sammlung inkohärenter Partikel, die nur an der Oberfläche den Anschein eines verwobenen Musters simulieren. Beobachtung und Sprache sind Mittel, Kohärenz zu zerstören. Kann man mit Sprache diesen Bruch beschreiben und überwinden? Braucht es dafür eine neue Art von Poesie? In seinem dissoziativen, sechsteiligen Roman versucht Guido Vobig das Unmögliche. Ein Abenteuer für jeden, der sich darauf einlässt:

EIN dissoziativer Roman in 42 Kurzgeschichten.

CHRYSALIS: Band 1

  • Chrysalis
  • König der Lüfte
  • Der Buchladen
  • Massenphänomen
  • Zuckerbergs Dämon
  • Tiefen des Himmels
  • Soldat und Tänzer

268 Seiten – Taschenbuch: 9,99€ – E-Book: 6,99€

 

FRAGMENTE: Band 2

  • Steves Job
  • Apfel des Anstoßes
  • Innerer Dschungel
  • Gezüchteter Sturm
  • Gotteslicht
  • Breaking the pattern
  • Kintsugi

328 Seiten – Taschenbuch: 10,99€ – E-Book:: 6,99€

 

Überall bestellbar, wo es Bücher gibt, z. B. hier oder hier.

Band 3-6 sind in Vorbereitung.

23 Kommentare zu “Lektüre der Verwobenheit

  1. “Was mit uns kommuniziert, halten wir für lebendig, was nicht mit uns kommuniziert, für unlebendig.“

    So, wie uns gegenwärtig erscheint, was längst vergangen ist, sprich, wir vereinfachen Verschiedenheit auf Gleichheit. Viele Eindrücke setzen sich aus unzähligen zurückliegenden Ereignissen zusammen und erscheinen uns als ein Augenblick. Schau zum Sternenhimmel und sämtliche Sterne unterschiedlicher Entfernung erscheinen uns gegenwärtig. Aus nah und fern und noch viel weiter weg wird so EIN Augenblick.

    Beim Bewusstsein dürfte es ähnlich laufen. Wahrscheinlich ist Bewusstsein etwas ganz anderes, wahrscheinlich ist der Begriff auch über, weil Bewusstsein vielmehr die Beziehungsfähigkeit von Objekten inklusive aller lebenden Körper ist – inklusive aller Objekte selbst. Somit wäre Bewusstsein überall bzw. alles wäre ein Bewusstsein – ohne aber erst die Objekte hervorzubringen 😉 . Daher kann es auch nichts Einzelnes geben und schon gar nicht, einzeln betrachtet, als Rückschluss auf (alles) andere dienen.

    Bewusstsein ist nicht Geist. Geist ist der energieräuberische Einfluss auf die Beziehungsfähigkeit, in Form von Bindungszementierung, Begradigung und antikohärenten Absichten. Geist hat gebrandgemarkte Hände und weiß sie mehr und mehr zu verbergen …

    • Die Beziehungsfähigkeit/Beziehungen kannst du von den Objekten doch gar nicht trennen. Ob die Objekte die Beziehungen hervorbringen oder die Beziehungsfähigkeit (Sehnsucht)/ Beziehungen umgekehrt die Objekte hervorbringen, ist für uns ununterscheidbar. Sowohl die Philosophie wie die Wissenschaft scheitern an der Beantwortung dieser Frage.

      Die Sehnsucht nach Beziehung, die Beziehungsfähigkeit und die Objekthaftigkeit sind offenbar untrennbar miteinander verquickt: das ist für mich mit dem Begriff Leben viel besser abgedeckt als mit dem Begriff Bewusstsein. Weil Leben dem materiellen Aspekt des Ganzen viel eher gerecht wird. Du kannst sagen, was du willst: mit Bewusstsein ist automatisch die Konnotation Immaterialität verbunden. Und genau dagegen verwehre ich mich. Ich will der Materialität wieder ihren Wert zurückgeben, weil Materie nichts anderes als Bindung und Bindungsfähigkeit ist. Die „Innenseite“ von Bindung und Bindungsfähigkeit ist Gefühl. Aber Gefühl ist kein Bewusstsein. Gefühl und Bewusstsein gleichzusetzen ist ebenso falsch wie zu sagen „Alles ist Bewusstsein“.

      Seit der Begriff Geist verdächtig geworden ist, weil er Objekte wie die Atombombe hervorbringt, ersetzen die Esoteriker den Begriff Geist durch den Begriff Bewusstsein. Aber im Grund ist es dasselbe. So wie Windscale in Sellafield umbenannt wurde, so wurde Geist in Bewusstsein umbenannt. Es ist eine Verschleierungstaktik, um dieselbe Hybris aufrechterhalten zu können, die den Menschen prägt, seit er mit dem Feuer umgeht. Du kannst sagen, was du willst: sobald der Begriff Bewusstsein ins Spiel kommt, stellt man sich automatisch die Möglichkeit einer Welt ohne Objekte vor und ordnet damit die Materialität dem Bewusstsein unter. Und dazu sage ich definitiv nein. Diese Vorstellung lehne ich ab. Dass der Mensch ein derart zerstörerisches Wesen ist, liegt daran, dass er die Materialität, seinen sterblichen Körper zutiefst verachtet und sein Bewusstsein absolut setzt. Und das endet dann in schöner Regelmäßigkeit in „Alles ist Bewusstsein“. Aus dieser Denkschiene will ich heraus.

      Materie ist gebundene Energie. Im Wechsel der materiellen Formen wird Energie frei und wieder gebunden. Das heißt, Materie und Energie sind ko-existent und gehen ineinander über: das ist der Wandel, Evolution, die Dynamik, die in dem Ganzen steckt. Die Vorstellung von freier Energie ohne jegliche Bindung (also ohne Objekte) – das Nichts – kommt aus dem Christentum: Die Schöpfung aus dem Nichts. Das prägt unseren Geist immer noch. Und deshalb greifen die Esoteriker nun auf diesen Begriff „Bewusstsein“ zurück, um damit die Vorstellung einer Schöpfung aus dem Nichts aufrechtzuerhalten. Energie wird mit Bewusstsein identifiziert. Das versuchst du m.E. auch: wahlweise mit den Begriffen Kohärenz oder eben Bewusstsein. Aber Energie ist nicht Bewusstsein. Energie ist ein Begriff, mit dem die Außenseite von Phänomenen erfasst wird. Bewusstsein ein Begriff aus der Innenseite. Energie ist, wenn du willst, ein objektiver, Bewusstsein ein subjektiver Begriff. Die Verbindung, wo Außen- und Innenseite ineinander übergehen, ist das Gefühl und nicht das Bewusstsein.

      Und nein, die Vorstellung eines immateriellen Bewussten oder Bewusstseins oder freier Energie als Bewusstem oder dergleichen mehr lehne ich ab.

      Und zwar aus folgendem Grund: Aus solchen Vorstellungen eines immateriellen Bewusstseins leiten wir Menschen das Recht ab, beliebig mit der Materie umgehen zu dürfen, Bindungen zerstören oder mit Gewalt künstlich herstellen zu dürfen, grad wie es uns beliebt. Denn schließlich agieren wir ja im Dienste dieses großartigen, allumfassenden immateriellen Bewusstseins und führen diesem Bewusstsein wichtige Erkenntnisse hinzu. Wenn wir dieses großartige, allumfassende Bewusstsein nicht gar selber sind, nachdem wir unser niedriges, materielles Ego hinter uns gelassen haben. Wenn dieses Bewusstsein aber irgendwelche Erkenntnisse gewinnen muss, verhält es sich haargenau wie unser menschlicher Geist, und es wird sichtbar, dass es nur eine Projektion aus eben diesem unseren Geist heraus ist.

      Dass es sich so verhält, ist mir klar geworden, als ich erkannt habe, dass im Rahmen der Agrarisierung das Recht, Tiere und Pflanzen zu Sklaven des Menschen zu machen, aus der Erfindung der Götter und der Götterwelten abgeleitet wurde. (Erfundenen) Göttern zu dienen, gibt dem Menschen das Recht, Tiere zu züchten und Pflanzen in Monokulturen zu zwingen. (Erfundenen) Göttern zu dienen, gibt dem Menschen auch das Recht, andere Menschen zu Sklaven zu machen, auf Kosten von anderen Menschen sowie Tieren und Pflanzen zu leben und alle möglichen Greueltaten zu vollbringen.

      Mit diesem Alles ist Bewusstsein sind wir immer noch auf diesem Trip. Dieses „Alles ist Bewusstsein“ lässt uns immer noch glauben, dass der Mensch das am meisten bewusste Wesen ist, auch wenn wir gnädigerweise der einen oder anderen Tierart ein ähnliches Bewusstsein wie unseres zubilligen. Aber schon bei Pflanzen hört dieses „Alles ist Bewusstsein“ doch schon auf und kippt ins Gegenteil. Unser hoch entwickeltes „Bewusstsein“ gibt uns wieder das Recht, mit Pflanzen machen zu dürfen, was wir wollen. Ich finde dieses ganze Getue rings ums Bewusstsein total verlogen.

      Natürlich ist Geist dasselbe wie Bewusstsein. Hier irgendwelche Unterschiede reinzuinterpretieren, sind bloß Wortspiele, um zu verschleiern, dass es sich um ein havariertes Unternehmen handelt, das die Welt nach wie vor vergiftet, unabhängig davon ob das nun Windscale oder Sellafield genannt wird.

      Gefühl ist nicht dasselbe wie Bewusstsein. Wenn du dir über etwas bewusst bist, dann, weil du beobachtest und Schlüsse ziehst. Wenn du aus dem Gefühl heraus handelst, hast du keinen anderen Grund, als dein Gefühl. Bewusstsein entsteht erst, wenn du die Gefühle durchdringst und dir klar zu werden versuchst, warum du jetzt so oder so handelst oder handeln willst.

  2. Bewusstsein kann nur “entstehen“, wenn die Grundlage der Bindungsenergie Kohärenz ist und somit kein Energieraub vorliegt. Ist die Bindungsenergie aber geraubt, “entsteht“ nicht Bewusstsein sondern Geist, der sein Unwesen treibt.

    Wenn Leben nur gemeinsam unsterblich ist, bedingt durch die Sterblichkeit aller Einzelnen, ist der Mensch umso eher dem Untergang geweiht, je mehr Einzelne mit allen energieräuberischen Mitteln am Leben festhalten. Die Sterblichkeit jedes Einzelnen ist von Natur aus die Voraussetzung für Kohärenzbildung des Lebens. Festhalten am Leben mit Fremdenergie, die jenseits der eigenen Körperreichweite bezogen wird, ist Voraussetzung für Dekohärenz.

    Es geschieht aktuell nicht nur das sechste Artensterben, das der Individuen, es offenbart sich zudem, welcher Rohstoff rapide zur Neige geht, während wir EINEN noch über Phosphor und Erdöl reden: Kohärenz.

    Natürliches muss jederzeit, von Natur aus, vergehen können. Künstliches soll möglichst lange, von uns aus, bleiben.

  3. “ Leben ist ewig. Natürlich nicht DEIN und MEIN Leben, das wir jeweils als“Ich“ erfahren, sondern Leben als permanente Transformation.“

    Gemeinsam ist das Leben unsterblich 😉 … und es kann keineswegs nur EINEN Unsterblichen geben, der der EINE bleibt.

    Bewusstsein ist ENergie, die es vermag, Bindungen einzugehen und zu pflegen. Der Preis der Bindung ist ein der Bindung entsprechender Verlust von Kohärenz, da Kohärenz ungebunden, wechselhaft in ihrer Erscheinung und fließender Natur ist.
    Aufgelöste Bindungen geben ihre Energie frei, die wieder zu Kohärenz werden kann. Nichts anderes ist das Klima. Je kälter die Erde, je kälter ein Winter, desto mehr Kohärenz kann gebildet werdet. Je wärmer die Erde, je wärmer ein Sommer, desto bewusster ist (sich) das Leben. Daher die Zyklen in der Natur, Daher das Kommen und Vergehen. Daher die wechselhafte Diversität des Lebens. Daher die Kälte als Tod und die Wärme als Leben.

    Künstliches kann nicht bewusst sein, weil es nie Kohärenz erlebt hat, so, wie das Leben sie in den Eiszeiten immer wieder erlebt (hat). Künstliches kann aber Teil von Bewusstsein werden. Bewusstsein kann nicht isoliert und aufbewahrt werden, auch nicht im Kälteschlaf, denn Bewusstsein kann nicht in Kohärenz bewahrt werden, auch nicht umgekehrt. Sorry, ihr Transhumanisten 🙂
    Winterschlaf der Tiere ist ein vorübergehender Bewusstseinsverlust.

    Das Pflegen von Bindungen braucht Energie, die von Natur aus aus Kohärenz in der Umgebung gewonnen wird. Diese wird zyklisch wieder hergestellt (Winter/Eiszeit). Wird der Zyklus aber begradigt und wird fortwährend mehr Energie für EINE Bindung benötigt, so kommt es zur Dekohärenz, die wir mittels Energieraub zu umgehen versuchen, indem wir Energie anderswoher beziehen, die in dem Ausmaß nicht als Kohärenz vor Ort verfügbar ist. Die Diabetiker dieser Welt bezeugen diesen Zusammenhang.

    • Energie, die es vermag Bindungen einzugehen und zu pflegen, ist LIEBE und nicht Bewusstsein. Die Energie, die es vermag, Bindungen einzugehen und zu pflegen, geht dem Bewusstsein voraus. Bewusstsein ist die Reflexion über die LIEBE. Das „Wissen, das nicht weiß“, von dem die Mystiker reden, ist kein Bewusstsein. Sobald dir etwas bewusst wird, hast du es nämlich in Gedanken und Sprache gefasst und damit bist du bereits in dem Prozess, der die LIEBE zerstört. Je mehr du die Energie, die es vermag Bindungen einzugehen und zu pflegen, in gedankliche oder sprachliche Konstrukte fasst, desto mehr zerstörst du den „Wellencharakter“ der LIEBE und machst „Teilchen“ daraus, die dann zu Daten werden.

      Ja, da stimme ich zu: es kann nicht nur EINEN Unsterblichen geben. Wenn ich Leben sage, dann meine ich diese Energie, die Bindungen eingeht. Zwischen Leben und LIEBE gibt es keinen wesentlichen Unterschied. Leben ist nichts anderes als Gestalt gewordene LIEBE. Aber das sind bloß die beiden Seiten desselben Phänomens: ohne LIEBE gibt es kein Leben und ohne Leben keine LIEBE. Das kann man nicht trennen.

      Kohärenz definiere ich als das Vermögen (das Potenzial), Bindungen einzugehen. Das unterscheidet sich meiner Auffassung nur wenig von Leben und LIEBE. Kohärenz ist auf jeden Fall nicht das Gegenteil von Bindung sowenig wie Bindungsfähigkeit das Gegenstück von Bindung ist.

      Wenn anstelle von LIEBE das Wort „Bewusstsein“ benutzt wird, nehme ich das immer als Zeichen, dass der Geist, der Sätze bilden und rechnen kann, einem Geheimnis, das ich als Geheimnis bewahren will, den Schleier wegzureißen versucht, das Unantastbare antast, das Heilige entheiligt, um sich selber einen Glanz, eine Grö0e und eine Bedeutung zu verleihen, die ihm nicht zukommt. Zwischen diesem Geist, der Sätze bilden, rechnen und deshalb reflektieren kann, und Bewusstsein gibt es keinen großen Unterschied. Das ist doch bloß eine Spiegelfechterei von diesem Geist, sich einmal Geist und einmal Bewusstsein zu nennen, um damit sein wahres Wesen zu verschleiern.

      Bewusstsein ist Reflex, Reflexion, Spiegelung. Spiegelung in Spiegelungen, die sich in sich selbst verliert und sich an sich selbst berauscht, wenn sie nicht als Illusion erkannt wird. Es ist jedoch schwer, diesen Geist als Spiegelung in Spiegelungen zu erkennen, weil er der die Kanalisation, der Filter ist, durch den unsere Wahrnehmungen und Empfindungen hindurchlaufen. Bewusstsein ist jedoch nur ein Filter, nicht der Ursprung.

      Künstliches kann sehr wohl reflektieren und spiegeln wie unser Geist, und wenn Künstliches anfängt, über sich selbst zu reflektieren, hat es auch Bewusstsein. Aber es kennt keine LIEBE und deshalb kann es keine Bindungen eingehen, sondern Bindungen nur simulieren. Um Bindungen zu simulieren, ist Fremdenergie notwendig.

      Oder anders formuliert: Das Eingehen von Bindungen ist Energie. Wo Bindungen jedoch simuliert werden, entsteht keine Energie, sondern im Gegenteil, ein Energiemangel, der durch Fremdenergie gedeckt werden muss.

      Von Bewusstsein statt von LIEBE zu reden, läuft auf eine wahnwitzige Verkehrung hinaus: die Fassung des Brunnens hält sich für die Quelle, der Filter für den Ursprung.

      • Es IST einfach, sobald man sich dran gewöhnt hat, die Unterscheidung zwischen Geist/Bewusstsein einerseits und Materie andererseits aufzuheben. Geist/Bewusstsein und Materie können nicht auseinandergerissen werden und in ihrer Einheit sind sie Leben. Ja, man muss sich erstmal dran gewöhnen, einen Stein als ein Wesen mit einem sehr, sehr langsamen Stoffwechsel und damit als lebendig zu akzeptieren, weil wir eben dran gewöhnt sind, ihn als unlebendig zu erfahren. Aber im Grunde eine reine Gewöhnungssache.

        Andererseits ist es ja sehr merkwürdig, dass auch anscheinend Unlebendiges wie Steine, Salze, Schneeflocken sich in Strukturen anordnet, die uns schön erscheinen, weil sie alles andere als chaotisch sind. Ebenso merkwürdig ist, dass als lebendig erscheinende Phänomene aus nichts anderem zu bestehen scheinen als unlebendige. Ebenso merkwürdig ist, dass wir Pflanzen heutzutage Empfindungen, Gefühle, ein Innenleben rigoros absprechen, was für die Veganer für ihr Selbstbild ja sogar eine Notwendigkeit ist, und das obwohl sie lebendig sind.

        Im Grunde ein einfacher Gedankengang: Ich erfahre mich selbst mit einer gedoppelten Wahrnehmung, einmal über die Sinne und einmal über die Gefühle. Ich akzeptiere die Möglichkeit, dass, was für mich gilt, für alle Phänomene gilt: Sie haben eine Außen- und eine Innenseite. Manche lassen mich ihre Innenseite erahnen, andere nicht. Was mit uns kommuniziert, halten wir für lebendig, was nicht mit uns kommuniziert, für unlebendig. Dabei legen wir ziemlich enge Regeln für das fest, was Kommunikation ist. Wir halten für kommunikationsfähig, was sich im Spiegel selbst erkennt. Doch das ist Quatsch.

        Diese Innenseite ist zunächst mal Gefühl. Und dann: auch ein Stein kann ein Gefühl in mir auslösen. Warum soll ich das nicht als Kommunikation akzeptieren?

        Was Atome angeht, halte ich die für ein Abbild des wissenschaftlichen Prozesses, denn in Wahrheit „existieren“ sie ja erst als Ergebnis des wissenschaftliches Prozesses. Die Energie, die in der Versuchsanordnung steckt, erzeugt als Ergebnis Moleküle, Atome und deren weitere Substrukturen. Wenn der Forscher eine Pflanze gentechnisch verändert, ist das Ergebnis im Grunde keine Pflanze mehr, sondern ebenfalls das Gestalt gewordene Abbild eines Forschungsprozesses.

        Wer kleingeschrieben liebt, muss festhalten, weil es immer um ihn selber geht, weil er um sich selber kreist. Der kleingeschrieben Liebende hat mit der Liebe zum Anderen seine eigene Identität vervollständigt, sich dem Anderen übergestülpt bzw. ihn einverleibt. Wer kleingeschrieben liebt, sieht im Anderen sich selbst und eben gerade nicht den ANDEREN. Wer kleingeschrieben liebt, raubt dem Anderen die Innenseite und damit die Möglichkeit, zu kommunizieren, sich zu äußern. HARMONIE und LEBEN scheint auch dasselbe zu sein. LEBEN ist das Zusammenspiel aller LIEBENDEN, wozu auch wiederum der Stein gehört.

        Das kleingeschrieben Liebende enthüllt sein Wesen im Internet. Die Hässlichkeit dieser Art von Liebe wird dort offenbar. Der kleingeschrieben Liebende, der permanent von Vielfalt, Demokratie und Toleranz spricht, akzeptiert nur diejenigen, die genauso sind wie er selber. Wer ANDERS ist, wird geshitstormed oder ausgeschlossen.

        Alles, was ist, als lebendig wahrzunehmen und mich darin zu üben, ist für mich zumindest ein halber Ausweg aus dem zerstörerischen Wahn, in die wir uns als Menschheit reinbegeben haben und immer noch weiter reinbegeben. Da ist es mir dann auch egal, wenn ich mit dieser Sichtweise ziemlich allein dastehe.

  4. Künstliches Leben klingt wie Biosprit und Ökostrom, sprich, der Begriff rückt nicht mit der Wahrheit raus.
    Leben ohne Tod? Ohne ist Leben EINE Maschine.
    Was fehlt künstlicher Intelligenz? Natürliche Langeweile.
    Wie soll mittels Energieraub geklärt werden können, was Leben ist, wenn Leben Ausdruck der Abwesenheit von Energieraub ist?

    • Ich hatte jetzt noch keine Zeit, mir die Sendung anzuschauen. Ich wehre mich jedoch entschieden gegen die Vorstellung, dass wir mit unserem Geist Materie „erschaffen“. Wie das Leben ist Materie formbar und fügt sich den Wünschen derer, die Gewalt in welcher Form auch immer auf sie ausüben, aber deshalb „erschafft“ der Geist die Materie nicht. Für mich ist die Missachtung der Materie, die sich auch und gerade in solchen Vorstellungen ausdrückt, der Grund dafür, dass der Mensch ein zerstörerisches Wesen ist. Ich bitte dich, statt „Materie“ mal „Leben“ zu setzen: Der Mensch gibt vor, Leben zu erzeugen, indem er im Labor eine Samen- mit einer Eizelle verschmilzt. Ja, es sieht so aus, als hätte er durch seine Labortätigkeit Leben erzeugt. Aber es stimmt nicht. Wieso aus der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle Leben entsteht: niemand weiß es. So ähnlich ist es auch mit der Materie. Der Mensch kann Masse in Energie umwandeln und Energie in Masse, aber deshalb erschafft er weder das Eine noch das Andere. Das ist wieder die Verabsolutierung des sogenannten Geistes, der so tut, als wäre er der Schöpfer des Universums, dabei ist der Geist nur ein Parasit, den das Feuer über den Weg gekochter Nahrung in die Großhirnrinde eines affenähnlichen Wesens eingepflanzt hat. Ich bleibe deshalb lieber auf dem Teppich.

      • „Erschaffen“ war das falsche Wort: Gestalten, Konfigurieren, Konstruieren wäre ein besserer Begriff, dafür, wobei es da allerdings eine Grauzone gibt, in der man vielleicht doch von „Erschaffen“ sprechen kann. Allerdings nur in dem Sinn, in dem ich auch einen Turm aus Klötzchen „erschaffe“ – also nach den Regeln der (noch teilweise unbekannten) Naturgesetze.

        Ich hoffe wirklich sehr, dass du von deinem Ort aus die Sendung sehen kannst -. wenn nicht, müssen wir hoffen, dass sie jemand auf Youtuber vor dem Zwangsdepublizieren „rettet“. Ich kann aber auch erzählen:

        Ein erstes Beispiel, das gezeigt wird, ist ein Versuch mit Höhenkrankheit. In einer bestimmten Höhe schüttet das Gehirn Prostaglandin2 aus, das die Blutgefäße erweitert, aber auch Kopfschmerz verursacht. Atmet man Sauerstoff ein, wird das verhindert, der Kopfschmerz bleibt aus. Im Versuch bekamen zwei (zum Messen verkabelte) Studenten beim Aufstieg Sauerstoffmasken, doch nur eine gab wirklich Sauerstoff, Die zweite Person atmete unwissend Außenluft – und bekam dennoch keine Kopfschmerzen und blieb genauso ausdauernd wie die andere Person. Somit wurde gezeigt: das Setting, die soziale Interaktion, die Erwartung/der Glaube ist entscheidend und erzeugt eine körperlich andere Realität (nachweislich WENIGER Prostagladin2) als OHNE diese Erwartung. Für mich ein grandioses Beispiel für „Verwobenheit“.

        Das geht auch eine Zeit so weiter: Wie entsteht ein Selbst? (durch Andere), widmet sich dann dem Stand der Hirnforschung (wie repräsentiert es die Realität?), um dann (ab Min. 27) zur Quantenphysik zu kommen – beginnend mit einer ausführlichen Demonstration des Teilchen/Welle-Phänomens bis hin zum Verschränkungseffekt. Alles „unverständliche“ Phänomene, weil es das eigentlich nicht geben dürfte.

        Diese Forscher weisen dann nach, dass solche Doppelspalt-Effekte nicht nur mit Kleinstteilchen stattfinden, sie machen es auch mit großen Molekülen, inkl. Biomolekülen! („Auch hier passiert also das Unfassbare: Wenn diese Bausteine des Lebens erhitzt und durch eine Art Spalt geschickt werden, delokalisieren sie sich, also: sie lösen sich in Wellen auf. Wenn das mit „lebenden“ Molekülen passiert, wo ist da die Grenze?“)

        Was dann noch als Erläuterung folgt, bleibt mir gänzlich unverständlich: Das „als Welle erscheinen“ nennen sie „Delokalisieren“ – was (vielleicht?) dann und deshalb stattfinde, weil man den Molekülen jedes Bezugssystem wegnehme. Ohne Bezugssystem verliere der Begriff „Ort“ seinen Sinn, also delokalisieren sie und werden Welle.
        Nun ja, ich kann nicht nachvollziehen, wie Moleküle sich überhaupt „orientieren“ sollten, geschweige denn, dass sie SINN erkennen.

        Für mich ist das alles sehr sehr spannend, zeigt es doch, dass wir ganz grundlegende Zusammenhänge unserer Welt nicht verstehen – aber dennoch in Technik einbauen, die funktioniert! (Die Aufnahmen der Neuronenaktivität im Gehirn kleiner Fische wurden mit Nanokameras aufgenommen, die „mit Quantenoptik“ funktinieren – was immer das bedeuten mag).

        Zum Thema „Leben“ ist ja in der Forschung einiges im Gange, die Forschung macht Riesenfortschritte, auch der aktuelle Nobelpreis in Chemie steht in diesem Kontext. Und WAS ALLES schon gemacht wird, dazu gibt dieser Artikel im Philosophie-Magazin einen tollen Überblick – einschließlich philosophischer Implikationen:

        Kann man Leben künstlich erzeugen?
        http://philomag.de/kann-man-leben-kuenstlich-erzeugen/

        Er endet mit:

        „Just in dem Moment, wo wir die Fähigkeit erlangt haben, Genome zu gestalten und zu synthetisieren, scheinen wir paradoxerweise und vielleicht genau deshalb unsere Definition des Lebens verloren zu haben. Nicht, weil wir nicht wissen, was Leben ist, welche Mechanismen und Komplexität ihm innewohnen, sondern gerade, weil wir die – letztendlich relative – Fähigkeit erlangt haben, es zu kontrollieren und zu lenken. Wir stehen heute vor schwindelerregenden Herausforderungen: Das Leben zusammenbasteln, zähmen, neu erschaffen zu können, bedeutet gleichzeitig, entscheiden zu können, was es sein wird, und nicht mehr zu wissen, was es sein soll. „

      • Ich interpretiere das Doppelspalt-Experiment gerade anders herum. Wenn Licht, Elektronen, Moleküle (ja tatsächlich bis zu einer Größe von 60 Kohlenstoff- und 48 Fluoratomen) sich auf dem Schirm hinter den Spalte abbilden, zeigen sie ein Interferenzmuster, das auf den Wellencharakter der Ereignisse hindeutet. Werden an den Spalte nun Elektronen-Detektoren angebracht, verschwindet das Interferenz-Muster und stattdessen tritt ein Muster auf, wie es fliegende Teilchen erzeugen. Es gibt keinen Resonanz-Effekt wie beim Wellencharakter mehr.
        In dem Augenblick, in der Spalte und der Weg der Photonen mittels Detektor also genau beobachtet werden, verschwindet der Wellencharakter und übrig bleibt nur der Teilchencharakter. Vereinfacht gesagt, die Beobachtung macht aus einem kohärenten Wellenereignis dekohärente und damit lokalisierbare Päckchen (Teilchen). Die Beobachtung pixelt die Welle, zerstört damit den Wellencharakter und erzeugt ein prinzipiell anderes Muster.

        Ein ähnliches Phänomen beobachte ich in unserer Makrowelt. Sobald man lebendige Phänomene beobachtet, erforscht und untersucht, verändert man grundlegend ihren Charakter. Was Leben ist, verschwindet. Übrig bleiben Abläufe, Funktionen, Reaktionen, die man durchaus maschinell nachbauen kann, aber in diesen Nachbau kehrt das Leben nicht zurück. Das Objekt bleibt unbelebt.

        Ich glaube, dass der Mensch sich entscheiden muss: wenn er wissen will, verschwindet das Leben. Wenn er das Leben will, bleibt er unwissend. Beides geht irgendwie nicht zusammen. Ja, ich weiß, dass ich mit dieser These Widerspruch auslöse, weil der Mensch wahnsinnig stolz ist auf das, was er alles herausfindet. Trotzdem ist dies das Ergebnis, zu dem ich nach langem Nachdenken gekommen bin. Deshalb stimme ich auch dem angeführten Zitat zu: In dem Moment, in dem wir das Leben kontrollieren und lenken, haben wir es endgültig verloren.

        Vielleicht sind wir die, die entscheiden: dem Leben oder dem Feuer (dem Zerstörer des Lebens) zu dienen. Vielleicht sind deshalb beide Qualitäten in uns vereinigt. Wissenwollen ist die Qualität des Feuers: denn um zu wissen, müssen wir den Wellencharakter der Phänomene in Teilchenströme verwandeln. Teilchenströme sind die Asche, die bleibt, wenn das Lebendige verschwunden ist.

      • Sehr schön gedacht und gesagt! Da kann ich mal voll zustimmen! 🙂

        „wenn er wissen will, verschwindet das Leben. Wenn er das Leben will, bleibt er unwissend.“

        Ein philosophischer Freund formulierte: „der Geist ist bionegativ“.

        Weißt du eigentlich, WIE dieses „Beobachten“ im Experiment geschieht? Wir selbst beobachten ja mit den Augen/dem Sehsinn – und das funktioniert mit Licht. Wenn wir also mit einem Sinn, der auf Licht basiert, Licht beobachten, könnte ja irgendwas unstimmig werden. Wie so eine Maschine beobachtet, weiß ich nicht. – ?

      • Dieselbe Überlegung, die du machst – nämlich: Licht mit einem „Lichtsinn“ beobachten – hat seinerzeit Werner Heisenberg zur Formulierung seiner Unschärferelation geführt. Da steckt genau dieser Gedanke dahinter. Anstelle des „Lichtsinns“ musst du dir nur ein Elektronen- oder Lichtmikroskop vorstellen, mit dem du das Teilchen beobachtest. Das tust du, indem du das Teilchen mit Licht (Photonen) bestrahlst. Je genauer du dein Teilchen sehen willst, desto mehr Energie muss dein Lichtstrahl haben, d.h. du musst die Wellenlänge verkürzen. Dieses Plus an Energie wirkt auf das Teilchen und verändert seinen Impuls, der aus Masse x Geschwindigkeit besteht. Teilchen sind ja nicht statisch, sondern ständig in Bewegung. Dein Lichtstrahl aus dem Mikroskop verpasst dem Teilchen also einen Stoß. Je energieärmer der Lichtstrahl ist, mit dem du das Teilchen beobachtest, desto weniger veränderst du seinen natürlichen Impuls, aber dafür kannst du umso weniger bestimmen, wo genau sich das Teilchen jetzt befindet. Strukturen, die kleiner sind als die Wellenlänge von deinem Lichtstrahl, kannst du sowieso nicht erkennen. Bei Messungen machst du immer beides: einmal „beobachtest“ du mit einem starken und einmal mit einem schwachen Lichtstrahl, und das kannst du dann gegeneinander verrechnen und daraus dein Messergebnis gewinnen.

        Das ist jetzt aber nur eine bildhafte Darstellung, um das Problem zu beschreiben, dass die Beobachtung mit dem Teilchen was macht, es unwiderruflich verändert. Tatsächlich ist es nochmal anders. Wir sagen, ein Atom besteht aus Atomkern und Elektronen und der Atomkern besteht wiederum aus Protonen und Neutronen und die wiederum bestehen aus Quarks. Aber das Atom ist für sich genommen eine Einheit, die eben gerade nicht aus zusammengesetzten Teilen besteht. Ein Atom ist keine Tüte, in der sich M & Ms (Kern, Elektronen oder Protonen, Neutronen) befinden, wo man ein M & M nach dem anderen herausholen kann. Wenn du das Atom nicht mit hohem Energieaufwand traktierst, gibt es gar keine Teilchen, sondern nur das Atom als Einheit. Es ist also schon richtig, wenn man sagt, dass die Beobachtung die Teilchen erst erzeugt. Aber eben nicht in dem Sinne, dass vorher nichts da ist, sondern in dem Sinne, dass Etwas, das da ist, auf künstlichem Weg zerlegt wird. Dafür nehme ich ja gern das drastische Bild, dass die Physiker, wenn sie von Beobachtung reden, damit dasselbe Vorgehen meinen, wie wenn man eine Atombombe (die eingesetzte Energie) auf eine Stadt (das Atom) wirft, um hinterher die Asche (die entstandenen Teilchen) zu untersuchen.

        Man kann auch noch folgenden Weg gehen: Geist und Materie gar nicht als zwei verschiedene Phänomene betrachten, sondern wie das Atom als untrennbare Einheit. Diese untrennbare Einheit ist Leben. Wenn man das konsequent weiter denkt, kommt man zu dem Ergebnis, dass es überhaupt nichts Unbelebtes geben kann. Dass die Unterscheidung, die wir zwischen belebt und unbelebt machen, falsch ist. Das gibt die Weltsicht vor, die ich bevorzuge. Sie scheint mir die logischste von allen zu sein. Die Quantenphysik gibt mir da im Grunde sogar Recht. Die Quantenphysik beschreibt, genau genommen, lebendiges Verhalten. Das wiederum heißt, dass der Tod nur in unserem Kopf existiert. Denn wenn du stirbst, löst du dich zwar in Teilchen oder wahlweise in Asche auf, aber diese Teilchen oder die Asche formieren sich zu neuen Gebilden. Früher hatte man dafür das schöne Bild, dass auf einem Grab eine Blume wächst, als Symbol dafür, dass das Leben selber in einer ganz anderen Form weitergeht.

        Wenn ich sage, dass der Tod nur in unserem Kopf existiert, ist das auch nicht ganz richtig, denn das, was in unserem Kopf stattfindet, setzen wir Menschen ja in Realität um. Wir verleihen unseren Gedanken eine Form. Wir sind nicht nur Denker, sondern auch Baumeister. Mit dem, was wir tun, verleihen wir dem Tod eine sichtbare Gestalt. Genau das ist unsere menschengemachte Techno-Sphäre: Gestalt gewordener Tod. Das ist eine vom Leben inszenierte Tragödie, in der wir Menschen die Hauptrolle spielen.

        Dein philosophischer Freund scheint übrigens ein kluger Mann zu sein 🙂

      • Danke für die umfangreiche Erläuterung – das ist ja DER HAMMER, nicht nur als Metapher! Ich fasse es nicht: da wird wieder und wieder die „Unfassbarkeit“ dieses Phänomens kolportiert – und man staunt mit, denn wir gehen ja von unserem alltäglichen „Beobachten“ aus, in dem wir eben nicht die Gegenstände der Beobachtung mit irgend etwas beschießen! (Allerdings kann man auch im Alltag die Analogie zeigen, in dem man sich klar macht, dass es im Dunklen eine Lampe braucht, um etwas zu erkennen, nicht nur das Auge. Darauf kommt man aber erst, wenn das Elektronenmikroskop und sein „Beobachten“ erläutert wird).

        Wenn es sich aber so verhält, wie du es beschreibst: Warum erscheint es den befassten Wissenschaftlern als rätselhaft? Was würden sie zu deiner Darstellung sagen, die ja durchaus technisch ist, also nicht „bloß Meinung“ zu sein scheint ?

        Zu deiner Weiterung in Sachen „Leben“: das entspricht der buddhistischen Weltsicht, dass ALLES „eine Art Bewusstsein“ habe, auch der Stein.

        Zu deiner Beschreibung zu den Kleinteilchen unterhalb des Atoms („das Unteilbare“): das hab ich mir immer schon gedacht, dass es doch irgendwie seltsam ist, Atome so zu zertrümmern, wie es in der Natur offenbar nicht vorkommt – und daraus weitreichende Schlüsse zu ziehen.

        Zum Tod folge ich dir nicht, bzw. gilt das nur für eine von UNSEREM Leben sehr abstrahierte Welt. Die gängige Angst vor dem Tod hat jja durchaus recht, denn es ist das Ich mit seiner Geschichte und seinen Strebungen, dessen Tod wir fürchten und als Skandal bezeichnen. Und das stirbt ja wirklich.

      • Was ich dir beschrieben habe, ist die Heisenbergsche Unschärferelation, also die physikalische Erklärung zu deiner Überlegung mit dem Lichtsinn. Es beantwortet deine Frage nach dem Funktionieren von Messgeräten. Da ist weiter nichts Rätselhaftes dran. Das Rätselhafte für die Physiker ist, dass Photonen, die mit Detektoren beobachtet werden, ein grundsätzlich anderes Verhalten zeigen: statt eines Überlagerungsmusters (Interferenz) zeigt der Schirm hinter den Spalte bloß eine Abbildung von aufprallenden Teilchen. Wenn Licht Wellencharakter hätte, wie das Interferenzmuster vermuten lässt, müsste es doch IMMER ein Interferenzmuster auf dem Schirm geben, unabhängig davon, ob der Weg des Lichts mit einem Detektor verfolgt wird oder nicht. Wenn das Licht Teilchencharakter hätte, müsste auf dem Schirm IMMER das Abbild von Teilchen erscheinen, die eben, wenn sie beobachtet werden, durch die Messgeräte einen Stoß erfahren. Das Rätselhafte ist, dass die Beobachtung aus einem Phänomen mit Wellencharakter ein Phänomen mit Teilchencharakter macht.

        Stell dir mal vor, du läufst in einer großen Menge von Menschen durch die Stadt. Die Menschen direkt um dich rum sind deine Freunde, du unterhälst dich, lachst, zeigst auf etwas usw. Stell dir weiter vor, die Gespräche haben eine durchaus materielle Qualität in Form von Luftschwingungen, die du mit einem Atem, deinem Lachen erzeugst. Deine Freunde nimmst du auch mal in den Arm. Mit deinen Freunden zusammen bist du also so eine Art Resonanzwolke, wo es etwas Gemeinsames zwischen euch gibt. Es entsteht ein überlagertes Muster (Interferenz). Plötzlich kommt ein Riesenstoß von oben, der dich zweihundert Meter weiter durch die Menge katapultiert. Du findest dich wieder inmitten lauter Fremden, die alle stur an dir vorbeilaufen. Da ist niemand mehr, mit dem du reden kannst und niemand mehr, der mit dir lacht. Plötzlich kommst du dir in der Menge verloren vor und gehst deinen Weg vereinzelt weiter. Jetzt bist du ein Teilchen. Sobald man sich Materie belebt denkt, ist das Doppelspalt-Experiment plötzlich gar nicht mehr rätselhaft.

        In meiner Weltsicht heißt es nicht: auch der Stein hat Bewusstsein. Sondern: Der Stein lebt. Wenn man sagt, der Stein habe Bewusstsein, stellt man sich das Bewusstsein als isolierte Entität im Stein vor. Der Stein ist Hardware, das Bewusstsein die Software. Selbst in dieser buddhistischen Sichtweise sind Bewusstsein und Materie also nicht eins. Statt dieser Dualität setze ich Leben. Leben vereinigt beides untrennbar in sich: den materiellen und den geistigen Aspekt. Geist und Materie, jeweils für sich genommen, kommt in meiner Weltsicht so nicht mehr vor. Sondern nur Leben. Wenn wir Menschen nicht ALLES als belebt anerkennen, dann, weil unser Gehirn nur einen Ausschnitt aus dem Lebendigen erkennt, so ähnlich, wie wir ja auch nur ein bestimmtes Wellenspektrum bzw. bestimmte Frequenzen wahrnehmen können.

        Die Vorstellung, dass Leben irgendwann mal zufällig vor x Millionen oder Milliarden Jahren aus unbelebter Materie entstanden sein soll, hält näheren Überlegungen nicht stand. Es ist bestimmt kein Zufall, dass der Zeitpunkt der ersten Lebewesen (3,5 Milliarden Jahren) und die Entstehung der Erde (4 Milliarden Jahre) in den letzten Jahrzehnten immer näher zusammenrücken. Leben ist ewig. Natürlich nicht DEIN und MEIN Leben, das wir jeweils als“Ich“ erfahren, sondern Leben als permanente Transformation. Zur Transformation gehört der Zerfall ebenso wie der Aufbau. Die Vorstellung, dass die Transformation vollständig ist, dass also nichts vom „Ich“ in eine andere wie immer gerartete Existenz gerettet wird, hat für mich eher was Beruhigendes. Die Vorstellung einer unvollständigen Transformation, also dass da irgendwo eine Seele, Geist, Bewusstsein oder sonst was Unsterbliches übrig bleiben soll, löst eher Schaudern aus. Wenn Geist und Materie eine untrennbare Einheit bilden, muss ich mir keine Sorgen machen. Ich habe es noch nicht erlebt, dass etwas Zerfallenes in identischer Form wiederaufgetaucht ist. Vielleicht liegt das Geheimnis eines angstfreien Lebens darin, sich der Kraft der Transformation vertrauensvoll zu überlassen.

  5. Akupunktur war auch der Versuch etwas irgendwie Funktionierendes zu erklären.
    Heute ‚weiß‘ man, dass die ursprüngliche Deutung der Funktionsweise von Akupunktur so nicht funktionieren kann, also nicht stimmt.
    Akupunktur selbst ’stimmt‘ aber offensichtlich schon, denn in bestimmten Anwendungsbereichen funktioniert sie ja.

    ‚Wissen‘ würde man deshalb vielleicht besser als ‚Funktionsgewissheit‘ beschreiben.
    Das Wissen, das sich mit der Begründbarkeit von Funktionalität beschäftigt ist eigentlich überflüssig.
    Leonardo da Vinci hat den Vogelflug extrem sorgfältig studiert.
    Können wir heute fliegen wie Vögel? – Nein.

    Jetzt könnte jemand argumentieren, dass wir vielleicht durch Leonardos Interesse und Exegesen des Studierten letztlich ja doch irgendwie ‚fliegen‘ gelernt hätten.
    Da müsste man wohl antworten, dass es aber die Frage ist, ob jede Funktion/alität für uns erstrebenswert ist oder ob es nicht so ist, dass es gute Gründe gibt, warum wir nicht fliegen können wie die Vögel und was es für Konsequenzen haben kann, wenn man es trotzdem versucht?

    Ich kenne keinen Vogel, der Fische studiert um schwimmen zu können wie sie (schenkt euch den Pinguin, bitte 😉 ):

    Damit wären wir bei der Frage nach dem Sinn von Beschränkung und den Gefahren von Entschränkung.

    Eine Stammzelle kann zu jedem Gewebe, Organ heranwachsen.
    Aber ist sie mal eine Herzzelle oder eine Gehirnzelle, dann bleibt es dabei – aus gutem Grund.
    Diversifikation ist strukturell unumgänglich, damit Funktion entsteht.
    Der Mensch ist ein von der ‚Natur‘ diversifiziertes Produkt mit bestimmter Funktion.
    Die Funktion ist bestimmt durch seine strukturellen Eigenschaften.
    Die hervorstechendste Eigenschaft und sein Erfolgsparadigma war lange Zeit seine Variabilität.
    Durch Technisierung hat er diese verloren.

    Jetzt ist er ein Lebewesen, dass seine funktionale Beschränkung durch Technik aufhebt, aber gleichzeitig seine unumgänglichen, geistigen Beschränkungen – die ja dadurch bedingt sind, dass er auf eine beschränkte Form der ursprünglichen Funktionalität ausgerichtet ist – beibehält.

    Im Grunde müsste man also Leonardo den Vorwurf machen, dass er die Technisierung vorangetrieben hat, damit die Entschränkung und damit paradoxerweise auch die Dysfunktionalisierung des Menschen 😉

    • „Der Mensch ist ein von der ‚Natur‘ diversifiziertes Produkt mit bestimmter Funktion.
      Die Funktion ist bestimmt durch seine strukturellen Eigenschaften.“

      Und welche wären die? Auch unser weit entwickeltes Gehirn ist eine „strukturelle Eigenschaft“, die uns nun mal dazu befähigt, über das Leben eines Primaten hinaus zu gehen – natürlich beschränkt durch das Walten der Naturgesetze, aber durch Intelligenz in der Lage, diese zu erforschen und zur Gestaltung der eigenen Lebensbedingungen und der Umwelt zu nutzen.

      Auch wenn die „Primatenseele“ der Menschen – leider – verhindert, die Ergebnisse all dieses Forschens und Entwickelns maßvoll (!) anzuwenden, so ist es doch typisch menschlich, sich nicht mit Gegebenheiten abzufinden, sondern zu forschen und zu entwickeln.

      Welche „Funktion“ sollte der Mensch denn haben? Die Evolution hat kein Ziel, also gibt es auch kein „Sein sollen“ für Menschen. Und für mich gilt auch: Die ANDEREN sind ja doch alle schon da (und da gewesen) – wir sind etwas Anderes, keine Vögel (also müssen wir nicht fliegen wie sie) und keine Fische -. und auch keine Faultiere oder Menschenaffen, die in der Natur herum hängen und schauen, dass sie genug zum Fressen und Fortpflanzen haben.

      Wir sind keine zufriedenen Dulder der Gegebenheiten, das thematisiert schon der alte Mythos um Prometheus, der den Göttern den Stinkefinger zeigte.

      So sehr ich selbst den Zustand der Welt, der Gesellschaft und der vielfach vergewaltigten Natur beklage: ein bisschen Prometheus lebt auch in mir. Also spricht mich diese auf uns Menschen bezogene / selbsthassende Miesepetrigkeit, die hier zelebriert wird, auch nicht so an.

      • Tja, ich würde einfach mal versuchen nicht nach Teilaspekten zu schnappen und sie vorsätzlich durch unstatthafte Exzerption und einseitige Willkürdeutung missverstehen zu wollen, sondern lieber den Kontext nehmen und es als das verstehen als was es gemeint war – eine nüchterne Betrachtung dessen, was unsere Technik als Kompensationsinstrument für eingebildete Defizite mit uns und dem Rest anrichtet, weil wir uns Funktionen anmaßen möchten, die uns,- sinnvollerweise, da in unserem funktionalem Spektrum einfach nicht angelegt – nicht zustehen.
        Für die Denkfaulen als Tophinweis ein Zitat einer Redensart:
        „Schuster, bleib bei Deinem Leisten!“

        Und ‚Funktion‘ hat keineswegs, wie denkfaul unterstellt, zwangsläufig etwas mit Zielgerichtetheit und Absichthaftigkeit zu tun!
        ‚functio‘ bedeutet zuallererst einmal ‚Tätigkeit, Verrichtung‘.
        Alles was lebt ist tätig und verrichtet so etwas.
        Und Art, Umfang und Weise dieser Verrichtung hängt unzweifelhaft von dem funktionellen Spektrum des Organismus ab, also von seiner Struktur und den sich aus dieser im Wechselspiel mit seiner Umgebung ermöglichenden Wirkweisen.

        Was das mit ‚Zelebrieren selbsthassender Miesepetrigkeit‘ zu tun hat ist wohl für Menschen, die für die Nachvollziehbarkeit solcher geistlosen Statements wenigstens einen Schatten von Logik benötigen, also einen Anflug von Deutungskonvention, schlicht unerklärbar.

        Wir sind keine zufriedenen Dulder der Gegebenheiten, das thematisiert schon der alte Mythos um Prometheus, der den Göttern den Stinkefinger zeigte.“
        Gut gesagt – exakt DAS ist das Kernproblem.
        Und jeder, der mit diesem Stinkefinger zerebral onaniert muss sich über die Scheinschwangerschaften der sogenannten Wissenschaft nicht wundern 😉

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