Techno-Steuern

Gegenspieler der Natur und damit des Lebendigen ist unbestritten die zunehmende Vertechnisierung der Welt durch den Menschen. Natur verschwindet überall da, wo die sogenannte Technosphäre sich ausbreitet. Unter Technosphäre versteht man alle menschengeschaffenen Produkte vom Wattestäbchen bis hin zu Weltraumstationen. Die Technosphäre umfasst auch die gesamte menschliche Infrastruktur: Dörfer, Städte, Straßen, Krankenhäuser, Häfen, Staudämme und nicht zuletzt die öden Monokulturen industrieller Landwirtschaft. Sphärenklänge sind in diesem Kontext keine Engelsstimmen, sondern das Summen, Brummen, Kreischen, Schleifen, Schaben, Knattern, Rattern, Lärmen und Dröhnen von Maschinen.

In den vergangenen 50 (!) Jahren haben 11 Milliarden Menschen gleich viele Ressourcen verbraucht wie rund 95 Milliarden Menschen in den 50.000 Jahren davor. Pro Jahr verbraucht der brave Bundesbürger aktuell im Schnitt rund 10 Tonnen Metall, Mineralien, fossile Brennstoffe und Biomasse. Wir Menschen wandeln soviel Natur in Technosphäre und Abfall um, dass wir 2 1/2 Planeten von der Größe der Erde bräuchten, damit die Natur unsere Aktivitäten einigermaßen verkraften könnte. Da wir jedoch nur diese eine Erde zur Verfügung haben, leben wir auf Kosten der Substanz und verdrängen weiträumig die meisten der freilebenden Arten, deren Individuen mehr als ein Kilogramm wiegen. Dieser Vorgang ist als das sechste große Arten- oder Massensterben bekannt.

In den letzten 40 (!) Jahren haben sich weltweit die Bestände der Wildtiere im Durchschnitt mehr als halbiert, bis 2020 werden 2/3 der Wirbeltiere, die nicht zum Nutzvieh zählen, verschwunden sein. Und man kann wahrhaftig nicht sagen, dass die Welt um 1980 herum von Wildtieren noch gewimmelt hat. Auch damals waren das Artensterben und die Rote Liste schon ein heiß diskutiertes Thema, an dem sich, wie heutzutage auch, eine Menge Leute bloß bereichert haben, ohne dass sich irgendwas geändert hätte. Nicht umsonst war das ja die Zeit, in der die Grünen den Einzug in die Politik schafften, um alternative Lebens- und Regierungskonzepte der technisch-kapitalistischen Maschinerie als Fraß vorzuwerfen. War die Situation 1980 durch die explodierende Massenproduktion schon ernst genug, hat sie sich seit damals geradezu dramatisch verschlechtert.

Ein Blick auf unsere nächsten Verwandten veranschaulicht die Veränderungen: 7.500.000.000 Menschen stehen gerade mal noch 200.000 Schimpansen, 14.000 Orang-Utans und 4.000 Graue Gorillas gegenüber. 60% aller Affenarten sind vom Aussterben bedroht.

Die meisten der auch für den Menschen gefährlichen Umweltveränderungen gehen auf die Vertechnisierung der Welt zurück: Waldsterben, Ozonloch, Klimawandel, Entgleisung der fundamentalen, weltumspannenden Kreisläufe von Kohlenstoff und Stickstoff, überall sinkende Grundwasserspiegel, die zudem mit Antibiotika, Hormonen, Nitraten und anderen Stoffen verseucht werden, Vermüllung der Meere mit Plastikabfällen, Elektronikschrottberge in Afrika, radioaktive Abfälle, die noch Tausende von Jahren vor sich hinstrahlen werden und für die kein Endlager gefunden wird. Und nicht zuletzt droht im Hintergrund zudem der Ausbruch eines Atomkriegs mit dem Horrorszenarium, dass Atombomben auf Atomkraftwerke geworfen werden. Die meisten Menschen sind hochgradig technikgläubig. Sie nehmen es unbesehen hin, dass die Vertechnisierung jährlich Hunderttausende von Menschen das Leben kostet, sei es durch Unfälle, Krieg oder Vergiftung der Lebensgrundlagen. Sie halten die Vertechnisierung der Welt immer noch für eine großartige Leistung und sind – im wahrsten Sinne des Wortes – wahnsinnig stolz auf den Zivilisationsprozess, was ja nur ein anderes Wort für die Vertechnisierung ist. Genau das ist der Zivilisationsprozess: ein Wahn.

Bevor selbsternannte Weltretter überstürzt Maßnahmen ergreifen, um zu retten, was wohl nicht mehr zu retten ist, müssten sich die Menschen ihrer Destruktivität überhaupt erstmal richtig gewahr werden. Sie müssten erkennen, was sie tun. Die Zerstörung der Biosphäre ist nämlich nicht nur ein Kollateralschaden, den man mit ein paar halbherzigen Maßnahmen wie Pseudo-Kommunismus oder Veganismus oder dergleichen wieder beseitigen kann. Seit sich der Mensch mit dem Feuer eingelassen hat, ist die Zerstörungskraft des Feuers auch dem Menschen immanent. Erst, wenn man das kapiert hat, kann man sich Maßnahmen überlegen, um die menschliche Zerstörungskraft vorübergehend vielleicht etwas einzudämmen.

Die einzig adäquate Maßnahme, die mir einfällt, besteht darin, die Vertechnisierung so teuer zu machen, dass sie sich nicht mehr lohnt. Das wäre eigentlich ganz leicht zu bewerkstelligen. Statt die menschliche Arbeitskraft oder den gesamten Konsum zu besteuern, könnte man sämtliche Steuern und Sozialabgaben auf Rohstoffe, Energie und Technik umlegen.

Im Prinzip ist ein Staatshaushalt ja nichts anderes als eine doppelte Buchführung. Was auf der einen Seite die Einnahmen sind, sind auf der anderen Seiten die Ausgaben, und die Aufgabe besteht darin, die Einnahmen und die Ausgaben zur Deckung zu bringen. Wie man das anstellt, ist egal. Im Jahr 2017 arbeitet ein durchschnittlicher Arbeitnehmer bereits mehr als das halbe Jahr für den Staat. Das heißt, der Staat kassiert um die 55% des Einkommens und verspricht dafür Sicherheit, Bildung, Infrastruktur, Gesundheits- und Altersversorgung und dergleichen mehr.

Statt den Menschen nun 55% des Einkommens wegzunehmen, könnte man Energie und technische Geräte um eben diesen Betrag verteuern. Statt Unternehmenssteuer müssten die Betriebe Maschinen- und Robotersteuern bezahlen. Dann könnte die menschliche Arbeit wieder mit Maschinen und Robotern konkurrieren. Es würde sich wieder lohnen, selber irgendwo Hand anzulegen statt dauernd bloß Wegwerfprodukte zu kaufen, die aufgrund der Notwendigkeit, Umsatz zu machen, immer schneller kaputt gehen.

Da wir aufgrund des technischen Fortschritts unter massiver Überproduktion leiden, wäre eine Reduzierung der Produktivität ein echter Gewinn, um nicht zu sagen, ein Segen. Das könnte man mit einem bedingungslosen Grundeinkommen erreichen. Ich war bislang ein eingefleischter Gegner des BGE, weil es den Menschen total abhängig macht und den Lebenswillen lähmt. Es zerstört die Fähigkeit und den Wunsch, für sich selber zu sorgen. Wenn man jedoch der weiteren Vertechnisierung ein Ende setzen wollte, wäre das BGE vorübergehend vermutlich doch eine sinnvolle Maßnahme. Sollte sich die Gesellschaft irgendwann anti-technisch organisiert haben, könnte man es ja wieder abschaffen. Vielleicht kommen unsere Nachfahren ja irgendwann in ferner Zukunft an den Punkt, wo sie es wieder als ihre Aufgabe angucken, selbst für sich zu sorgen, und stolz darauf sind, wenn ihnen das ohne die Zuhilfenahme von Fremdenergie gelingt. Das wären dann allerdings keine Menschen mehr, definiert sich Menschsein doch eben durch den Fremdenergieverbrauch.

Das Grundeinkommen wäre dazu da, die Grundbedürfnisse abzudecken. Da fallen mir zuerst Nahrung, Wohnung und Kleidung ein. Vielleicht gibt es noch andere existenzielle Bedürfnisse wie ein gewisses Maß an Sauberkeit und gesellschaftlichem Austausch. Aber das kostet ja nichts oder zumindest nicht viel. Im Grunde ist das BGE so was wie Hartz IV für alle. Mehr nicht. Technische Geräte wie Waschmaschine, Wäschetrockner, Herd, Heizung, Kühlschrank, Gefriertruhe, Fernsehen, Musikanlage, Computer, elektrische Küchengeräte, Rasenmäher, Auto usw. gehören nicht zu den Grundbedürfnissen, die über das Grundeinkommen abgedeckt werden. Wer nicht in einem Wohnheim wohnen und sich stattdessen mit technischem und sonstigem Schnickschnack umgeben will, muss, wie bisher auch, dafür arbeiten. Ich gehe schon davon aus, dass angesichts der menschlichen Technikbesessenheit die meisten Menschen tatsächlich weiterhin arbeiten würden. Wer von uns will schon auf die obengenannten Gerätschaften verzichten? Wer will nicht in seiner eigenen Wohnung wohnen? Und wenn manche (oder auch viele) das nicht wollen, ist das auch okay. Aussteiger und Minimalisten sind in diesem Modell ja explizit erwünscht.

Wenn sämtliche Steuern und Abgaben auf Energie und Technik umgelegt würden, würde jedes technische Gerät vermutlich das Dreifache oder Fünffache kosten. Vielleicht sogar noch mehr. Dann muss man sich schon überlegen, ob sich die Anschaffung lohnt. Ob man nicht beispielsweise besser fährt, wenn man die Wäsche auf die Leine hängt anstatt sie in den Trockner zu stopfen. Ob es nicht günstiger ist, von Hand zu spülen oder den Teig von Hand zu rühren als mit der Maschine. Ob man wirklich bereit ist, sich das halbe Leben lang krumm zu legen, nur um sich ein Auto kaufen zu können. Natürlich würde auch die Energie sehr viel teurer werden. Sodass sich vielleicht mancher überlegt, wieder mit der Sonne schlafen zu gehen und mit ihr aufzustehen. Viele Menschen werden sich die Technik, mit der sie sich jetzt gerade umgeben, schlichtweg nicht mehr leisten können. Vielleicht wird es dann wieder modern, im Garten zu zelten. Vielleicht können die Kinder dann ja wieder mal auf der Straße spielen. Auf jeden Fall wäre die Techno-Steuer ein Mechanismus, der die Produktion den Bedürfnissen anpasst. Es gäbe keine Überproduktion mehr. Die Techno-Steuer wäre der Sand im Getriebe der Wirtschafts- und Marketing-Maschinerie. Sie würde die Vertechnisierung der Welt zumindest effektiv verlangsamen.

In diesem Modell kann jeder mit dem Grundeinkommen machen, was er will. Jeder kann selber entscheiden, was und wie lange er arbeiten will. Es besteht kein Zwang zur Arbeit, weil die existenziellen Bedürfnisse ja abgedeckt sind. Von seinem Einkommen kann jeder kaufen, was er will. Freie Entscheidungen finde ich besser, als den Menschen vorschreiben zu wollen, wieviel Energie sie verbrauchen oder wie oft in der Woche sie Fleisch essen dürfen. Allerdings muss der Mensch die Folgen seiner Entscheidung selber tragen. Wenn sich einer dafür entscheidet, sein Grundeinkommen in einen Laptop oder in ein i-Phone zu stecken, dann hat er eben nichts zu essen. Der Staat hat bereits für den Menschen gesorgt, zweimal für den Menschen zu sorgen, ist nicht mehr seine Sache.

Wichtig an diesem Modell ist, dass das Grundeinkommen zwingend mit einer vollständigen Umstrukturierung des Steuersystems gekoppelt ist. Solange die Einnahmen des Staates weiterhin von den Einkommen bzw. der menschlichen Arbeitskraft abhängen, macht ein Grundeinkommen keinen Sinn. In diesem Fall entsteht nämlich automatisch der Zwang zur Arbeit, um das Grundeinkommen überhaupt finanzieren zu können. Statt zu mehr Freiheit und einer Umstrukturierung der Gesellschaft führt das BGE für sich allein genommen in die paradoxe Situation, dass die Menschen gezwungen werden, freiwillig mehr zu arbeiten als im alten System. Für sich allein genommen, führt das BGE zu einer absolut verlogenen Gesellschaftsordnung, falls es nicht gleich in einem Desaster endet.

Das bisherige Steuersystem, in das der Mensch mit seiner Arbeitskraft eingebunden ist, stammt aus der Bronzezeit. Dieses Steuersystem war sinnvoll für eine agrarische Gesellschaft, in der die menschliche Arbeitskraft neben Ochs und Pferd die Hauptenergiequelle war. Nun leben wir nicht mehr in einer Agrar- sondern in einer Industriegesellschaft. Für eine Gesellschaft, die über Strom, Maschinen und Roboter verfügt, hat das alte Steuersystem deswegen eine Menge unerwünschter Effekte, von denen der ewige Zwang zum Wirtschaftswachstum nur einer ist.

Meiner Ansicht nach hätte das Steuersystem allerdings bereits vor hundert oder zweihundert Jahren dem veränderten Paradigma angepasst werden müssen. Jetzt sehen wir uns in der Situation, dass die Vertechnisierung mit einer den Rahmen der Naturverträglichkeit sprengenden Bevölkerungsexplosion einhergeht und eine Eigendynamik entfaltet, die niemand steuern oder beherrschen kann. In dieser Phase des vielgerühmten Zivilisationsprozesses stellt sich heraus, dass nicht der Mensch das Feuer beherrscht, sondern das Feuer bzw. die Vertechnisierung den Menschen. Deshalb gehe ich davon aus, dass wir auf einen Systemkollaps zusteuern, vergleichbar mit jenem, wie er sich auch in der Bronzezeit ereignet hat. Was danach kommt, ist schwer zu sagen. Vielleicht ein Zeitalter, in dem nicht-lebendige Systeme die Herrschaft über den Planeten haben und die Menschen, die den Kollaps überleben, kein eigenes Leben mehr haben, sondern Kapital in irgendeinem von Maschinenintelligenz ausgedachten Plan sind, ähnlich wie heute die Tiere in der Massentierhaltung. Wenn das die Zukunft ist, ist es mir egal, ob ich den Kollaps überlebe oder nicht. Deswegen mache ich mir auch keine großen Sorgen mehr.

Eine andere Lösung wäre nur denkbar, wenn der Mensch aus seinem Zivilisations- und Technikwahn aufwachen würde. Vom Erwachen reden die Buddhisten jedoch schon seit zweieinhalbtausend Jahren, ohne dass sie je kapiert haben, dass das Feuer (Vertechnisierung) und nicht die Gier oder der Egoismus das ursächliche Problem der Menschheit ist. Deshalb sehe ich für eine andere Lösung einigermaßen schwarz.

37 Kommentare zu “Techno-Steuern

  1. Nun, beim aktuellen Vorbestellerhype um die neuen Samsung und Apple-Smarties, die so teuer wie nie zuvor ausfallen, kämen auf jeden Fall reichlich Techno-Steuern zusammen. Besagter Wahnsinn zeigt sich nicht nur hier. Aber so EIN smartes Gerät ist ja dringend vonnöten, um, kaum dass man dem E-Auto entstiegen ist, das smarte Zuhause fernsteuern kann. Natürlich, um effektiv Strom zu sparen. Nee, um vergeblich zu versuchen als Belogener jene Energie wieder reinzuholen, die die Produktion, Entwicklung und Unterhaltung all dieser smarten Dinge bereits im Vorfeld benötigte bzw. benötigt. Nur scheint es dem einzelnen Belogenen, dass er Strom spart und “grün“ und “erneuerbar“ unterwegs ist, weil der eigene Stromzähler tatsächlich EINEN geringeren Verbrauch anzeigt, der aber in der Summe aller Einzelnen nicht das aufwiegt, was industriell bereits verbraucht worden ist. Ganz zu schweigen von der eigenen Energie, die EINEM im Alltag abverlangt wird, um sich mit seinen E-Smarties zu beschäftigen, sie am Laufen und instand zu halten, zu updaten, sich zu “informieren“ und das Geld zu verdienen, damit die E-Smarties auch bezahlt werden können. Ganz zu schweigen von den höheren Steuern, die für alles fällig werden, was als “erneuerbar“ und “grün“ heute so verkauft wird, inklusive des “erneuerbaren“ Stroms, der teurer wird, weil dem Staat andere Energieeinnahmen verloren gehen …

    • Dazu kommt, dass die „grünen Ideologen“ per Gesetzgebung die Produktionsstätten der energieintensiven Industrie wie Aluminium, Stahl, Chemie aus dem Land treiben, die ihre Betriebe dann halt irgendwo in China bauen. Wie ja auch Samsung und Apple ihre Produktion dort haben. Oder die Massentierhaltungsbetriebe, die halt in die Ukraine ausweichen, während bei uns die Bio-Höfe uns mit idyllischen Bildern was vorgaukeln. Das schönt die Energiebilanz im eigenen Land, juhu, wobei unterm Strich – Transporte, Infrastruktur, Bau der neuen Anlage im Ausland etc. pp. – der reale Energieverbrauch steigt und steigt und steigt…. . Und alles bloß, damit wir die negative Kehrseite unserer „schönen neuen Welt“ nicht zu Gesicht bekommen und uns einreden können, wir würden mit den E-Autos und den smarter Energieeffizienz die Welt retten. Wer glaubt, dass die smarte Verstromifizierung jeder einzelnen Lebensäußerung die Welt rettet, ist nicht nur Belogener, der belügt sich auch selbst und will offensichtlich belogen werden. Denn eigentlich gehört nicht viel Grips dazu, um zu erkennen, dass die Rechnung nicht aufgeht. Der sogenannte „gesunde Menschenverstand“ würde schon genügen, aber wahrscheinlich ist der in den 100 Jahren, als die Autos mit verbleitem Benzin gefahren sind, abgestorben. Denn Blei macht ja bekanntlich dumm.

      Jaja, nach anfänglichen Wir-teilen-alles-Bewegungen im Internet, um die Leute erst mal anzufixen und abhängig zu machen, legt der Kapitalismus die Maske nun allmählich wieder ab. Es endet damit, dass man für einen einzigen Zeitungsartikel soviel bezahlt wie vor dem Internet für eine ganze Zeitung. Kostenlos sind nur noch die Indoktrinationsartikel, die nicht der Information des Bürgers dienen, sondern seiner Umerziehung.

    • Das Propagieren einer neuen effizienten Bescheidenheit (~ Reduzierung von Konsum, Ansprüchen, Zielsetzungen aller Art, Reduzierung von Komplexität = Reduzierung von Transformation) ist extrem unpopulär und wird sich nicht durchsetzen bis es zwangsweise eingeführt werden wird.
      Außerdem müsste der Mensch sich, nachdem er sich ja ‚endlich‘ von seiner Abhängigkeit der Umstände relativ ‚erfolgreich‘ abgekoppelt hat, wieder in den Maßregelvollzug der Rückkopplung begeben, was er ja augenscheinlich als Unterwerfung in die Sklaverei der Verhältnismäßigkeit und unter die Diktatur natürlicher Regularien (miss)versteht und so seinen technologischen ‚Befreiungskampf‘ weiterführen wird bis zum Spartakusfinale, wobei hier die ‚Römer‘ die Technik symbolisieren und der Mensch den ‚Gladiator‘, der exakt diejenige Technik zu seinem Schwert machte, der er sich nun in Wahrheit beugen muss.

      Théâtre de l’Absurde par excellence….

  2. Oder mal ganz anders gefragt:

    Warum ist die Geschichte ‚Planet der Affen‘ absolute, also völlig unrealistisch Science Fiction?
    Weil der Affe schon längst eine Revolution hätte anzetteln müssen, angesichts der ultimativ drohenden Auslöschung vieler seiner Art (Orang-Utans, Berggorillas etc.)!
    Der Affe versteht ja nicht einmal ansatzweise, was da mit ihm geschieht.
    Der Affe wird ausgestorben sein, bevor er auch nur erahnt hat, wie das passieren konnte.
    Und das bei ’nur‘ 1.5% Unterschied in den Genen.

    Deshalb kann der Affe auch niemals so zerstörerisch wirken wie der Mensch – es fehlt ihm an Abstraktionsvermögen.
    Das Abstrahieren ist der ‚katastrophale‘ Faktor im Wirken des Menschen.

    Um Guido Vobig mal zu folgen:
    Das könnte in letzter Konsequenz so eine Art ‚Abnabelungseffekt‘ haben – dort, wo sich sozusagen die Seifenblase vom Pustefix löst.
    Vielleicht ist das ganze Universum so eine ‚Seifenblase‘, also das konkret gewordene Abstraktum eines Bewusstsein ‚außerhalb‘ unseres Universums.
    Oder es führt gerade darauf hin.
    Was so eine energetische ‚Seifenblase‘, so ein vollendetes Abstraktum vermag entzieht sich meiner Vorstellungskraft.
    Aber vielleicht ist es auch umgekehrt?
    Vielleicht sind es energetische Seifenblasen, die aus dem Abstrakten wieder zurückkehren zum Konkreten?

    http://www.foto-emotion.de/highspeed-mal-ganz-anders-platzende-seifenblasen/

    Vielleicht ist das Universum hier sozusagen die geplatzte Idee eines ‚Gottwesens‘, das magere Relikt einer ursprünglich schillernd-schönen Idee, die nun an der rauhe Realität zerplatzt ist?
    Die Bilder oben legen die Analogie schon sehr nahe, wenn man die Verteilung des Alls analog dazu setzt 😉
    Wer weiß….

    • Der Unterschied in den Genen ist völlig irrelevant, taucht aber immer wieder als Vergleich auf. Entscheidend ist die Expression der Gene. Ein Musikstück kann aus 1000 Noten bestehen, aber einzig die Betonungen (Lautstärke und Länge) jeder einzelnen Note plus der Pausen zwischen den Noten, können unzählige verschiedene Melodien mit diesen 1000 Noten, bei gleichen Notenwerten, hervorbringen.

      Vielleicht ist die Singularität, aus der das Universum “hervorging“, PHI und der Mensch der Faktor, der herauszufinden versucht, wie weit das Leben sich von PHI entfernen kann, ohne, dass das Universum, sprich, die Seifenblase, platzt?!

      • „Der Unterschied in den Genen ist völlig irrelevant, taucht aber immer wieder als Vergleich auf.“

        Ja, das ist schon völlig richtig, nur sollte es verbildlichen, dass trotz einer wirklich sehr großen Ähnlichkeit uns, durch den erwähnten Sachverhalt (Mensch ist das einzige Lebewesen mit einem Zeithorizont über seinen eigenen Tod hinaus), ein gigantischer Abgrund trennt.

        Meine persönliche Erfahrung sagt mir, dass da so eine Art Sollbruchstelle bei 33° Abweichung von Phi existiert.
        Man kann darüber hinaus gehen, aber dann ist die Abweichung irreversibel.
        Bis 33° ist eine Umkehr, also Korrektur möglich 😉

        Analog dazu kann man sich die Fraktionswerte bei Ästen ansehen = ab welchem Winkel bei welcher Belastung bricht der Ast…

      • Ein Teil der modernen Physikerschaft behauptet, das Universum mit seinen Bewohnern entstehe erst durch Beobachtung. Anstelle des Schöpfergottes tritt die Beobachtung, und hier vorzugsweise die Beobachtung durch den Menschen. Wenn der Mensch der Faktor ist, der austestet, ob er das Universum zum Platzen bringen kann, ist es dieselbe Hybris, bloß unter umgekehrten Vorzeichen.
        Ich denke, dass der Mensch durch die Feuernutzung in der Tat eine Sonderrolle unter den Tieren einnimmt, aber ihn deshalb zum Schöpfer oder Zerstörer gleich des gesamten Universums bzw. des gesamten Seins auszurufen, erscheint mir doch ziemlich anmaßend. Jaja, da merkt man doch nur, dass der maßlose Feuergeist unter jeder Schädeldecke hockt. 🙂

      • Wenn das Universum aber zum Symptom wird, dann ist es ja keine schöpferische, anmaßende Selbstdarstellung, sondern eher die Zurschaustellung der Ungereimtheiten, die der Mensch aber als zunehmend wesentlich erachtet, worauf die vermeintliche Expansion des Universums fußen täte.

      • Okay. Einverstanden. Das aus einem Urknall entstandene, expandierende Universum halte ich auch eher für das Symptom einer Krankheit als für eine adäquate Beschreibung der Wirklichkeit.
        Ich vermute mal, das Universum wird im selben Moment aufhören zu expandieren, in dem die Wirtschaft aufhört zu wachsen. 🙂

  3. “Wenn es so wäre, wie Guido vermutet, dass das Leben daraus was lernt, dann wäre das schade, weil es den SINN schwächen oder vielleicht sogar zerstören würde.“

    Nun, EINE Vermutung ist es nicht, mehr EINE Idee. Offenbar ist ‚lernen‘ der falsche Ausdruck, vielleicht passt besser zu sagen, dass das Leben mit diesen Möglichkeiten, die wir EINEN hervorbringen, experimentiert, ohne aber seinem Weg der Bewahrung von Lebendigkeit untreu zu werden. Somit wäre es eher eine Grenzerfahrung, um auszuloten, zu was die Fähigkeiten des Lebens in der Lage sind. Und da natürlicher Verwobenheit, sprich, Lebendigkeit sich möglichst viele verschiedene Möglichkeiten offen hält, gibt es natürlich nicht nur begeisterte Zerstörer sondern auch Loser, in verschiedenen Abstufungen des von Dir beschriebenen Loserseins. Allein dieser Umstand, dass es von uns EINEN verschiedene Bandbreiten der Zerstörung bzw. der Loser gibt, legt die Vermutung nahe, dass hier ein natürlicher Prozess im Gange ist, der aber durchaus das Potenzial hat EIN ANDERER zu sein als ein ANDERER allein. So gesehen, verliert EIN Loserdasein nichts von seiner Coolness 😉

    • ‚Experimentieren‘ legt eine Absichtshaftigkeit nahe, da dies ein beobachtendes und wertendes Bewusstsein zur Grundlage hat.
      Ob da etwas ‚beobachtet‘ kann durch uns nicht festgestellt werden.
      Feststellen können wir, dass Leben optional ist und Optionen, die verfügbar sind ausgefüllt werden, so wie Wasser jede zugängliche Lücke ausfüllt.
      Und dass sich im wechselwirkenden Vektorengeflecht immer wieder neue, andere Optionalitäten ergeben können, die dann vom Leben ausgefüllt werden, weil Energie das nun mal so tut.
      Der Ouroboros der ‚Alten‘ scheint ja auch darauf hin zu verweisen – das Leben als vernetzt-verflochtenes Werk von Rückkopplungen, das sich aus sich selbst nährt, indem es sich zyklisch ‚verspeist‘ und selbst wieder gebärt (siehe auch Phoenix-Mythos unten), neu erfindet, wie die Schlange mit ihrer Häutung.

      Frage also:
      Wer käme auf die Idee, der Schlange das Sich-Häuten abzugewöhnen, es ihr verbieten zu wollen oder es ihr genetisch weg zu programmieren und was für einen Effekt wie Sinn hätte das wohl? 😉

      • Mal EIN ANDERER Ansatz: Angenommen, das Maß aller Dinge und somit des Lebens an sich ist PHI, der Goldene Schnitt. Was, wenn es nur zwei Polaritäten braucht, die sich als Vielfalt allen Lebens zum Ausdruck bringen? Lebendigkeit bedeutet demnach, alles Mögliche zu unternehmen, das beide Polaritäten möglichst nahe an PHI heranbringt? PHI kann nie endgültig erreicht werden, weshalb das Leben irrational vom Wesen her ist. Das Leben könnte nie etwas falsch machen, weil durch die Diversität in all ihren verschiedenen Größenordnungen und zyklischen Spannen immer irgendwo eine Möglichkeit gegeben ist, sich PHI anzunähern, weshalb Entstehen und Vergehen von Lebewesen für das Leben essenziell ist und bleiben wird. Dann kann Leben beobachten (spüren), welche Möglichkeit näher zu PHI führt und auch werten bzw. sich entscheiden, wobei die Verwobenheit des Lebens nie den Eindruck einzelner Wertungen bzw. Entscheidung offensichtlich werden lässt, sondern nur den gemeinsamen Prozess aller Lebewesen zum Ausdruck bringt – als Lebendigkeit.

      • Ist es etwa nicht so, dass PHI sozusagen dem Universum ‚eingeboren‘ ist und es dies sowenig zu erkennen braucht wie eine Sonnenblume oder ein Nautilus?

  4. “Deswegen läuft alles auf die Vercyborgisierung als ultima ratio des Vereinheitlichungsbedürfnisses hinaus.“

    Aber immer, wenn eine Entwicklung dergestalt vorhersehbar ist und sich erwartungsgemäß entwickelt, dann kommt eine unvorhergesehene Unberechenbarkeit daher, sei es seitens des Umfeldes oder aber seitens der Menschen selbst (Zuckerbergs Dämon). Für mich kommt an dieser Stelle besagtes Kohärenzgefühl ins Spiel, das nach meinem Dafürhalten weder EINEM Willen noch EINER Entscheidung entspringt und auch kein Wunschdenken meinerseits ist. Es ist ein Gefühl, dass eine Lücke, eine Leere im Geschehen spürbar werden lässt. Zwischen dem Cyborg und dem Aussterben der Menschheit klafft noch etwas, das mit Worten nicht greifbar ist. Dass der Mensch in der Summe EIN Feuerwesen ist und sich mit fremden Energien schmückt, ist nicht von der Hand zu weisen. Es bleibt die Frage, ob die menschliche Entwicklung der Natur am kohärenten Allerwertesten vorbeigeht – oder ob die Entwicklung von uns EINEN nicht zwingend für die weitere Entwicklung EINER ANDEREN Spezies notwendig ist und somit zum Prozess des Lebens gehört, ohne aber das Lebendige abzuschaffen. Cyborgs wären demgemäß nur EINE Zwischenstation, auch wenn es uns mehr und mehr als Endstation menschlichen Lebens erscheint.

    • „… ob die Entwicklung von uns EINEN nicht zwingend für die weitere Entwicklung EINER ANDEREN Spezies notwendig ist …“ Hm, das hört sich aber sehr nach einem Plan, nach intelligent design an. Das ist aber so ziemlich das Gegenteil von Zukunftsoffenheit. Und ist diese Vorstellung von unserer NOTWENDIGKEIT nicht ein etwas kläglicher Versuch, uns Menschen doch nur wieder eine Bedeutung zu geben, die wir gar nicht haben? Bzw. der Versuch, unser destruktives menschliches Verhalten ins Positive zu wenden? Und warum soll nicht irgendwann mal „Endstation“ sein? Was wäre daran so schlimm? Warum sich immer und immer wieder über sich selbst hinaus erheben und so tun, als wäre man Gott oder würde die Evolution aus der Vogelperspektive als Ganzes überblicken?

      Ich denke, wir können im Rahmen von individueller und kollektiver Selbsterkenntnis feststellen, dass wir als Menschen immer unlebendiger werden, vercyborgisieren. Aber ob das im Prozess des Lebens eine Funktion hat oder nicht ist doch pure Spekulation. Vielleicht hat sich der Säbelzahntiger auch eingeredet, dass sein riesiger Zahn ihn zwar verhungern lässt, aber dass der Zahn im Prozess des Lebens eine wichtige Bedeutung hat. Und kann man sagen, dass der Zahn des Säbelzahntigers für die weitere Entwicklung des Lebens eine entscheidende Bedeutung hatte? Können wir solche Fragen denn überhaupt beantworten?

      • Da gebe ich Dir völlig Recht, in all Deinen Einwänden. Es ist mal wieder EIN Spiel mit Gedanken und Möglichkeiten, die durchaus von EINER Rechtfertigung unseres (Miss)Handelns zeugen. Sollte es zum Aussterben EINER Spezies kommen, dann wäre das letztlich nur die Konsequenz unserer Misshandlungen – nicht, dass es nicht genug Warnungen und Hinweise diesbezüglich gegeben hätte, die dann samt und sonders in den Wind geschlagen worden wären. Trotzdem könnte das von mir oben Beschriebene EINE Möglichkeit sein, nicht als Plan verstanden, sondern als Weg, der immer wahrscheinlicher, immer möglicher würde und sich daher mit der Notwendigkeit der Bewahrung von Lebendigkeit (durch das Leben selbst) in Einklang bringen ließe. Was das Leben mittels der Versäbelung des Säbelzahntigers “gelernt“ haben könnte, ist, dass ein solcher Zahn in der Tat höchst unpraktisch ist, was das Nichtüberleben des Tigers bezeugt. Gleiches könnte für EINE Spezies gelten, die über die Energie ANDEREN Lebens verfügen kann, ohne es zu würdigen. Die Idee EINES Räubers, dem Einzigen seit Bestehen des Lebens (!), wäre demnach einem Säbelzahn ähnlich – und selbiges Schicksal beschert. Bevor ich mich für fremde Zwecke vercyborgisieren ließe, würde ich allemal das Säbelzahntigerdasein respektive -gewesensein vorziehen …

      • Die Frage, die ich mir bisweilen stelle, ist, ob wir uns für fremde oder für eigene Zwecke vercyborgisieren lassen. Eigene Zwecke wären ja vom Lebenswillen motiviert. Die Vercyborgisierung ist jedoch von der Todessehnsucht motiviert. Was wir effektiv tun, ist Lebendiges in Totes, Natur in Technosphäre zu verwandeln. Und davon nehmen wir uns ja selber nicht aus, sondern wir verwandeln uns gemeinsam mit der von uns erschaffenen Technosphäre.

        Bisweilen stelle ich mir das Feuer als eine Art Dämon vor, der durchaus eigene Feuerzwecke verfolgt, bspw. einen Weltenbrand zu entfachen, der nicht durch Wassermassen begrenzt wird, sondern von Kontinent zu Kontinent springt, um überall auf der Welt die komplexen organischen Strukturen in Asche und Rauch zu verwandeln. Ich male mir aus, dass der Feuerdämon zu diesem Zweck einen naiven Affen in seine Gewalt gebracht hat, den er nun so verändert, dass dieses Feuerwesen das Zerstörungswerk vollenden kann. Je mehr der Affe sich in das Feuerwesen verwandelt, desto unlebendiger und technisch abhängiger wird er.

        An die Stelle des Feuerdämons können auch Außerirdische treten, die den Affen vor ein paar Millionen Jahren gentechnisch verwandelt haben: diese Geschichte wird in der SF ja schon lange erzählt. Auch die Geschichte, dass wir die Produkte eines viral-parasitären Prozesses sind, geht in diese Richtung. Es ist durchaus denkbar, dass unser sogenannter Geist, der ja außer Technik nichts sonst kann, uns von diesem Feuerdämon eingeimpft wurde und nun als Parasit unter unserer Schädeldecke sitzt und uns einredet, was für eine hochbegabte und weise Spezies wir sind. Dieser Geist konnte sich ja nur aufgrund gekochter Nahrung entwickeln, d.h. über die gekochte Nahrung hat sich das Feuer Zutritt in unseren Körper verschafft.

        Vielleicht sind wir Menschen bloß die Deppen, die als einzige von allen Spezies auf die Verlockungen des Feuerdämons hereingefallen sind. Und alle Götter, die wir im Laufe unserer Geschichte angebetet haben, sind nur Verkleidungen des Feuerdämons. In neuerer Zeit hüllt sich der Feuerdämon in die abstrakten Formeln der Wissenschaft, um uns das tun zu lassen, was seinen Feuerzwecken dient. Vielleicht nehmen wir deshalb alle anderen Planeten als unbelebt wahr: weil wir dabei sind, unseren eigenen Planeten ebenfalls in eine solche Wüste zu verwandeln.

        Im Vergleich mit dem Homo sapiens sapiens hat der Säbelzahntiger vielleicht wirklich noch Glück gehabt 🙂

        Auch das ist eine Möglichkeit, und man kann daraus zumindest eine in sich stimmige Geschichte basteln.

      • „Und ist diese Vorstellung von unserer NOTWENDIGKEIT nicht ein etwas kläglicher Versuch, uns Menschen doch nur wieder eine Bedeutung zu geben, die wir gar nicht haben?“

        Das, was die Menschen am schlechtesten akzeptieren und aushalten können, ist SINN-losigkeit.
        Deshalb wird seit ewigen Zeiten an allen möglichen Sinn-Varianten gestrickt – religiös, philosophisch, politisch etc.
        Und das Ego mag nichts wissen von seiner möglichen Bedeutungslosigkeit, von einer denkbaren Sinnlosigkeit seiner Existenz.
        Das Gehirn windet sich wie eine Schlange im Kescher der eigenen Logik, dem selbstgesponnenen Netz aus selbstreferentiellen Bezügen.

        Alles mögliche mag denkbar erscheinen und nichts davon ist beweisbar.
        So verliert sich das Denken in der optischen Täuschung einer unendlichen Spiegelung seiner selbst und ersinniert sich zwischen den zweidimensionalen Spiegeln seiner zerebralen Hemisphären eine existentielle Tiefe, die es aber sehr wahrscheinlich nun mal nicht hat.

        Denkbar ist eben z.B. auch, dass wir Produkte eines viral-parasitären Prozesses sind, also von etwas ganz Anderem gesteuert werden als wir uns einbilden und unsere Funktion erst recht eine völlig andere ist als wir uns einreden möchten.
        Oder dass eben alles nur eine Zufalls-Charade ist, kein ‚intelligent design‘ und noch weniger ein ‚göttlicher Plan‘ existiert.

        Wie immer die Antwort letztlich auch ausfallen mag – für die derzeitige Situation und unsere Befindlichkeit darin spielt alles das überhaupt keine Rolle.
        Ich bin nicht weniger hungrig, wenn geistige Nahrung mich sättigt.
        Mein Zahn schmerzt nicht weniger, wenn er durch eine smarte Teleologie betäubt werden soll.
        Meine Kinder werden es dadurch weder leichter noch tröstlicher finden, wenn sie mit den Folgen der aktuellen Scheiße konfrontiert werden.

        Und die aktuelle Scheiße stinkt derart zum Himmel, dass selbst ein Gott kotzen müsste, sofern es ihn denn gäbe.
        Und sie ist auch nicht zu vermeiden, weil eine Exformation als Ergebnis Jahrhunderttausender von Jahren nicht einfach mal durch einen Wahlzettel, ein technisches Gadget oder Retro-Chic zu transformieren ist.

        Das Leben selbst könnte dereinst auch von außerhalb gekommen sein, mit Meteoriten und Kometen.
        Sollte das zutreffen, dann muss man sich ja um das Leben selbst wohl keine Sorgen machen.
        Sollte es nicht zutreffen, ist es auch wurscht, weil wir dann nur der berühmte statistische Ausreißer innerhalb einer Entropiebilanz wären.

        Wenn wir hier sozusagen der ‚6er‘ im Lebens-Lotto sein sollten, dann ist es wie im richtigen Leben auch – auch wenn einer gewinnt, zahlen dafür Millionen andere drauf 😉
        Und am Leben der so ganz vielen anderen ändert sich durch den Lottogewinn eines Einzelnen überhaupt nichts – er hat also keine Bedeutung für´s Ganze.
        Und verhudelt der Gewinner seinen Gewinn und reiht sich wieder schön brav in die Reihe der Millionen Loser ein, dann merkt´s weder einer, noch kümmert es wen.

        So, what?

      • Es ist doch aber wieder nur dieser Geist, der mit seiner Bedeutungslosigkeit bzw. Sinnlosigkeit hadert. Ich finde mein Leben weder bedeutungs- noch sinnlos. Sinn und Bedeutung sind gleichbedeutend mit Existenz. Alles, was existiert, hat Sinn und Bedeutung. Der Irrtum liegt darin, dass der Geist darüber hinaus einen Sinn sucht. Katastrophen gehören zum evolutionären Prozess. Allein deshalb, weil es diese Katastrophen gibt, haben sie Sinn und Bedeutung. Denn ohne die Katastrophen wäre die Evolution anders verlaufen. Es spricht einiges dafür, dass der Mensch eben eine solche „Katastrophe“ ist.

        Die Frage ist, wie ich mir mein persönliches Dasein einrichte, wenn es so sein sollte, dass der Homo sapiens eine Katastrophe bedeutet, eine Art Feuerbrand, der Lebendiges in Totes verwandelt. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder nehme ich begeistert teil an diesem Zerstörungsprozess, bastle Atombomben und Drohnen, industrialisiere die Landwirtschaft, baue Städte und Finanzhochhäuser oder werde Banker oder Digitalisierer oder werde sonstwie erfolgreich. Oder ich verweigere mich, so gut ich kann, diesem Prozess, und dann bin ich in den Augen des Feuerdämons sowie der Gesellschaft eben ein Loser. Oder ich wähle irgendwas dazwischen und bin nicht ganz erfolgreich, dafür aber bloß ein halber Loser.

        So gibt doch jeder mit seinem persönlichen Leben, mit seiner Existenz eine Antwort auf das Dilemma bzw. die obige Frage. Der SINN liegt allein in dieser Antwort. Und das ist irgendwie cool und macht das Leben trotz allem kostbar. Wenn es so wäre, wie Guido vermutet, dass das Leben daraus was lernt, dann wäre das schade, weil es den SINN schwächen oder vielleicht sogar zerstören würde.

      • Zur Klärung:
        Mit ‚Sinn‘ meine ich die Absichtshaftigkeit, die planerische Zukunftsbezogenheit über unmittelbare Bedürfnisse hinaus, das damit zwangsläufig verbundene Transformieren-Müssen außerhalb seiner, damit das Gedachte und Erstrebte denn auch möglich wird.

        Der ‚SINN‘ in Form der eigenen Existenz auf diese selbst bezogen steht ja nicht in der Kritik.
        ‚Da-sein‘ erfährt seinen Sinn eben im Erfahren des Da-seins an sich.
        Oder wie der ’schlauere‘ Zen-Buddhist raunt:
        „Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich schlafe, dann schlafe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich.“ usw.
        Wenn mir mein Essen schmeckt, dann schmeckt mir das doppelt.
        das Schmecken an sich ist Sinn genug:
        Da brauche ich dann keine weitere Sinnhaftigkeit, um mir das Essen in Bezug auf einen zusätzlichen Sinn schmackhaft werden zu lassen („Du isst, damit du lebst, damit du…“) 😉

        Und der Mensch ist ‚Katastrophe‘ grundsätzlich und von Hause aus, weil er fehlerhaft ist.
        Seine Fehlerhaftigkeit ist der Katalysator der Ereignisse, die wir beobachten und deren kompromittierender Bestandteil wir ausnahmslos sind.
        Wir sind Kinder des Feuers und deswegen müssen wir auch zehren und verzehren – da gibt es keinerlei Alternative zu.
        Aber das Feuer ist unverzichtbarer Bestandteil und Mitverursacher des Lebens selbst hier und somit ist es halt so und man mag das schauerlich oder bedauerlich finden – was nun?
        Damit Dein Körper existieren kann, müssen jeden Tag ca. 60 Milliarden Zellen allein IN Deinem Körper sterben. Du bist also ein wandelnder Friedhof! 🙂
        All diese Zellen ‚verbrennen‘ auch energetisch gesehen und ‚brennen‘ dann selbst aus.
        Feuer ist keine Erfindung des nackten Affen, sondern war von Anfang an Katalysator des Lebens.
        Was der Mensch mit seiner Befeuerung katalysieren mag?
        Keine Ahnung.
        Ist auch nicht wichtig, weil jedwede Antwort nichts an diesem Umstand ändern könnte.

        Das Leben selbst, someine ich jedenfalls, kann und wird auch nichts aus dem ‚Katastrophenfall Mensch‘ lernemn, weil es da nix zu lernen gibt, weil dieses Feuerprinzip der Phoenix des Lebens selbst ist.
        Was lernt der Phoenix daraus, dass er immer wieder aus der Asche geboren wird und zu Asche wird???…

      • Fische sind wahrscheinlich der Meinung, dass Wasser der Katalysator des Lebens ist. Und Vögel halten die Luft dafür. Damit will ich sagen, dass wir als Feuerwesen ja gar nicht anders können, als im Feuer den Katalysator des Lebens zu sehen. Dieser Geist, der sich in Ko-Evolution mit dem Feuer entwickelt hat, kann logischerweise zu keinem anderen Schluss kommen. Womöglich ist alles ganz anders, und Leben im Sinne von Evolution/Wandel ist ewig und braucht gar keinen Katalysator. Wer weiß das schon?
        Dass die Zellen verbrennen und ausbrennen: auch das ist, was das Feuerwesen Mensch in seine Beobachtungen reininterpretiert. Kann man sicher wissen, dass der Körper tatsächlich aus Zellen entsteht, wie der Blick durch ein von uns gefertigtes Instrument uns suggeriert? Wären wir keine Feuerwesen, sähen unsere Instrumente, so wir welche bauten, womöglich ganz anders aus, oder wir würden das, was wir sehen, nicht als Zellen interpretieren, sondern als Fließbewegungen, Farbspiele, Tanz – oder vielleicht würden wir lieber dem Lied des Körpers lauschen als Zellen angucken.
        Phoenix aus der Asche: eine Feuermetapher.

        Ebenso wie der Forscher seine Experimente nicht wertfrei neutral, sondern interessengeleitet aufbaut, so ist der menschliche Blick auf die Welt von seiner Feuerprägung geleitet.
        Vielleicht verstehen wir Tiere und Pflanzen nicht mehr, weil wir statt Tieren und Pflanzen überall nur noch vom Feuer verursachte Schatten an den Höhlenwänden unseres Geistes sehen.

        Was Du über den Sinn sagst: ja, genau. Ich esse nicht, damit ich lebe … das ist nur wieder eine Interpretation des besagten Geistes … sondern ich esse, weil ich esse. Es steckt keine weitere Absicht dahinter. Wenn man sagt, dass das Leben aus dem Säbelzahn oder unserer Feuermentalität was lernt, dann unterstellt man diesen abstrakten Begriffen wie Leben, Universum, Kohärenz Absichten, als wären es Entitäten, die sich in nichts von Menschen unterscheiden. Und damit sind wir ja wieder bloß nicht bei uns selber, sondern turnen in abstrakten Begriffswelten herum, die nirgendwo eine Existenz haben außer im kollektiven menschlichen Geist.

        Lernen ist auch bloß wieder eine für unseren Feuergeist typische Eigenschaft, um uns die Zeit zu vertreiben, bis die Zahl sterbender Zellen von 60 Milliarden auf 30 Billionen ansteigt.

  5. @ Zhang:

    Sie schreiben:

    “Man kann natürlich versuchen jegliche Evolution zu unterbinden, so wie es jede Machtkonstellation aus konservativen Motiven heraus versuchen muss, aber dann wird diese konservierte Machtkonstellation überraschenderweise feststellen müssen, dass sie von der Evolution um sie herum (denn die ganze Welt lässt sich nun mal nicht einfrieren) links wie rechts überholt werden wird und aufgrund der Diskrepanzen der künstlichen Realtität der Machtkonstellation zur faktisch-evolutionären Realität um sie herum Friktionen exponentiell zunehmen werden.
    Dann kann das Machtsystem versuchen diese zu unterdrücken, auszulöschen, zu kompensieren, wie auch immer, aber es wird immer mehr seiner Ressourcen genau dafür binden und opfern müssen, bis es zum Erhalt des Systems selbst nicht mehr reicht und der System-Kollaps konsequent eingeleitet wird.“

    Genau so läuft es in der Sphäre der Menschen, die immer mehr Energie aka Aufwand betreiben müssen, damit nichts und niemand Fremdartiges in diese Sphäre eindringt. Im Rahmen von Hurrikan Harley und Irma wird man aktuell wieder mit Klimawandel-Propaganda “beglückt“. Dieses Thema passt sehr gut zu Ihren Darlegungen. Beides bewog mich, mich dieses Themas mal wieder EIN wenig ANDERS anzunehmen. Das Ergebnis, falls und wen es interessiert:

    http://guidovobig.com/2017/09/10/ein-abgoettischer-irrtum/

    • „…Menschen, die immer mehr Energie aka Aufwand betreiben müssen, damit nichts und niemand Fremdartiges in diese Sphäre eindringt.“

      Die Energieerzeugung des Menschen dient also der Erschaffung von Dekohärenz bzw. ist gleichzeitig auch deutlichstes Zeichen für die bereits existierende Dekohärenz.
      Affen können problemlos ohne jede Form von künstlicher Energie existieren, weil sie sich nicht als getrennt von ihrer Umwelt erleben.

      Der Zuwachs an Energieerzeugung/-verbrauch ist also das direkte Pendant zur ebenso exponentiell wachsenden Entkontextualisierung.

      Und der Aufwand zur Schaffung und Aufrechterhaltung einer Trennung von Mensch und dem Rest – die notwendig geworden ist aufgrund des Verlustes von Kontextualität, sprich Eingewobenseins in die Umwelt – verschärft diesen Prozess noch.
      Die Unfähigkeit die Umwelt zu integrieren, indem der Mensch sich selbst darein reintegriert, wächst damit ebenfalls bis hin zur Unmöglichkeit einer Reversibilität der Malaise.

      Was ich aber nicht integrieren kann, muss ich mindestens ‚draußen‘ halten, besser zurückdrängen bis reduzieren oder gleich ganz vernichten.

      Angesichts der Tatsache, dass ich mal bei einem Seminar versuchsweise (für nur EINEN Tag!!!) erproben wollte, allen Teilnehmern alles wegzunehmen, woran sich ihre Identität, Sicherheits-, weil Kontrollgefühl festmachen lässt (Uhr, Handy, Schlüssel, Geld, Ausweise etc.) und sich ausnahmslos ALLE vehement geweigert haben, dies auch nur zu diskutieren oder sich von dem erkenntnisschwangeren Effekt argumentatorisch überzeugen zu lassen, steht das Schlimmste zu befürchten und das meine ich ganz ernst.

      Die Unfähigkeit der Menschen sich auf etwas auch nur versuchsweise, temporär einzulassen, das ihre Trennschärfe zwischen sich und ihrer Umwelt einem ‚blur-effect‘ unterzieht ist ins Groteske angewachsen.
      Da können auch Survival-Happenings oder Schwitzhüttenromantik oder FKK-Enthusiasmus nicht hinwegtäuschen…

      • Der völlig verlogene Individualitätskult tut sein Übriges.
        Es ist conditio sine qua non geworden sich abzugrenzen von anderen (also nicht nur der Umwelt, sondern auch von allen anderen Menschen).
        Bruchstückhaft taucht der durchaus als solcher empfundene Verlust des Immersiven z.B. in Saufgelagen, Orgien aller Art (von Sex- bis Tötungsorgien) bis zu ‚SCHLAAAND!!!‘-Chören auf.
        Entsprechend erbärmlich wirken dann diese hilflosen Versuche einer Pseudo-Reintegration halt auch und entsprechend erfolglos sind sie überdies auch.

        Die gesamte Entkopplung der Menschheit – vom Individuum bis zur gesamten Spezies – bedeutet damit auch automatisch den Zerfall.
        Den jegliches Konstrukt ist definiert durch Verkopplung, nicht Entkopplung, andernfalls kann es keinen Bestand haben, logisch.

        Deswegen läuft alles auf die Vercyborgisierung als ultima ratio des Vereinheitlichungsbedürfnisses hinaus.
        In der ‚cloud‘ finden sich dann alle bits und bytes in trauter Gemeinsamkeit auf ‚ewig‘ – so eine Art permanentes Oktoberfest der Avatare…

      • Die Technosphäre ist ja nichts anderes als die „Trennmauer“, die sich zwischen Mensch und Natur schiebt und zu deren Aufrechterhaltung Fremdenergie notwendig ist. Je mehr uns diese „Mauer“ von der Natur, also auch von uns selbst trennt, desto mehr Fremdenergie ist zu ihrem Erhalt notwendig. Gab es in dieser Trennmauer anfänglich noch große Zwischenräume,so werden die Fugen und Lücken jetzt halt auch noch zugemauert. Ein wunderbares Beispiel für die „Vermauerung“ sind die Sensoren, mit denen nun Kühe und sogar Babies ausgestattet werden, damit der Tierhalter resp. die Mutter über die App abelesen kann, wie es dem Tier bzw. dem Baby geht. In modernen Massenbetrieben wird der Tierarzt ja schon automatisch vom Computersystem alarmiert und nicht mehr vom Bauern. Der Bauer verliert den Bezug zu seinen KÜhen. Die Mutter verliert den Kontakt zu ihrem Kind. Dem Grotesken sind in dieser Hinsicht keine Grenzen gesetzt.

  6. Lustigerweise ist ‚Technik‘ ja von dem griechischen Begriff für HANDWERK abgeleitet und beinhaltet zudem die Vorstellung von einer gewissen zu erlernenden Kunstfertigkeit zur Ausübung desselben.
    Die heutige Technik ist ja die revoltierende Karikatur davon.

    BGE: als Intermediärlösung denkbar aber nicht verhandelbar, solange der leistungshungrige Mensch sich über Arbeit definiert und ‚leistungslose‘ Einkommensnehmer als ‚Schmarotzer‘ und ‚Parasiten‘ denunziert.

    Außerdem muss das Geld dazu ja auch irgendwoher kommen und der Verweis auf Fiat-Money greift natürlich dabei nicht, denn eine wie auch immer geartete Wirtschaftsbilanzierung benötigt Gegenwerte – die leider ideell-immateriellen zählen dabei wortwörtlich nicht und ein Umdenken in diese Kategorie ist so gut wie ausgeschlossen.

    Dazu käme, dass ‚Geld‘ ja sowohl in seiner Barform als auch erst recht in seiner digitalisierten Form technikabhängig ist und bleibt.
    Die üblicherweise angeführten Ersatzwährungsformen (‚Wörgel‘ oder Chiemgautaler etc.) ‚funktionieren‘ nur (und es ist überraschend, dass das den Befürwortern entgeht), weil sie – ähnlich wie eine abgekoppelte Nationalwährung über Devisenverechnung – immer noch völlig abhängig vom überwältigenden ‚Rest‘ der ‚Normalgeld‘-Installationen sind!?
    Eine damit notwendige flächendeckende Umstellung verlangt unmissverständlich und unausweichlich somit eine Zentralmacht (NWO lässt grüßen), die dies gewaltsam verfügen und durchsetzen kann.
    Status quo ist hier status ante non-status post.

    Die im Artikel völlig zutreffende Schilderung beinhaltet außerdem sozusagen eine ‚alternative Umkehr‘, einen Rückgriff auf bereits evolutionär überholte Mittel, Methoden, Zustände.
    Was vor 50.000 Jahren mit maximal 1Million Menschen weltweit funktionierte, kann heute nicht mehr so funktionieren.
    Und: wenn es evolutionär erfolgreich war, warum wurde es dann weiter entwickelt?
    Der Hai etwa ist als Lebewesen perfekt und deswegen seit 400 Millionen Jahren unverändert.
    Das liegt aber daran, dass sich seine grundsätzlichen Lebensbedingungen kaum je geändert haben.
    Für den Menschen sah dies seit jeher ganz anders aus – man betrachte dazu nur mal die Ergebnisse der kulturellen Einflußkraft der Geographie.
    Der Mensch wurde zuerst von den Veränderungen, teilweise sogar Umwälzungen der geographischen Bedingungen exformiert und hat infolge dessen eben das daraus gelernt (nämlich ‚Technik‘), was ihn heute befähigt die Geographie selber in weiten Teilen nach Gutdünken zu verändern.
    Die ursprüngliche Überlebenstechnik avancierte so zur Zerstörungstechnik, wobei ohne die jetzige Technik direktemang Milliarden binnen kürzester Zeit verscheiden würden, wenn diese umstandslos in kürzester Zeit wegfallen würde (Stichwort: irreversibler Black-Out).

    Eine willkürliche ‚Umkehr‘ ist also zur Gänze ausgeschlossen.
    Auch im kulturellen Bereich gibt es so etwas wie ‚Entropie‘, die (zumindest makroskopisch) nur eine Richtung kennt!
    Wenn Entropie als Sammelbegriff für ‚Dissipation‘ verstanden wird, kann es nur weiterhin eine ‚Verstreuung von Energie‘ geben, zumal erst recht, wenn durch die Technik extrem gesteigert Energien erst erzeugt, akkumuliert und dann frei gesetzt werden!?
    Der Grundcharakter jeglicher Dissipation ist chaosdeterminierend.
    Der Energiefluss, der also durch die menschliche Technik im Laufe der Jahrtausende angeschwollen ist zu einem Energietsunami kann weder abgebremst noch irgendwie weggedämpft noch strukturerhaltend transformiert werden – er muss sich also an einer Scheidegrenze brechen und dort seine enorme Zerstörungskraft umsetzen.

    Bei einem echten Tsunami ist das eine Küste, bei einem Energietsunami ist diese ‚Scheidegrenze‘ eine Art Aggregatszustandwechsel bzw. das Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Aggregatszustände (hier flüssig, dort fest; hier strömend, dort isoliert).
    Wenn Strom auf Isolation trifft, bricht er ab, so wie der strömende Energieimpuls im Meer, sobald er auf festes Land trifft.
    Diese kulturelle Isolationswirkung im Bereich des ‚Energietsunamis‘ könnte z.B. ein ’stack-overflow‘ an Informationen sein.
    Ein ’stack-overflow‘ an Informationen tritt dann ein, wenn das diese Informationen verarbeitende System mehr Widersprüche produziert als es selbst aufheben kann.

    Man betrachte also unser derzeit gültiges menschliches System der Informationserzeugung und -verarbeitung und rechne den Wachstumskoeffizienten der systemimmanenten Widersprüche aus.
    Diese sind aktuell exponentiell anwachsend und damit außerhalb jeglicher systemischer Kontrollfähigkeit.

    Übersteigt das Wachstum dieser Widersprüche in seiner Geschwindigkeit wie Zahl die Kapazität der nivellierenden, kompensierenden, integrierenden Systempotentiale, dann MUSS dieses System an sich selbst scheitern, also kollabieren – ‚blue screen‘ auf der menschlichen Kulturmattscheibe quasi…

    …Fortsetzung folgt nicht… 😉

    • “Ein ’stack-overflow‘ an Informationen tritt dann ein, wenn das diese Informationen verarbeitende System mehr Widersprüche produziert als es selbst aufheben kann.“

      Man ersetze Informationen durch Daten, dann passt es, denn BIG DATA und digitales Gewölk sind nichts anderes als der Versuch besagten Energietsunami zu zähmen. Da aber zur Zähmung immer mehr Energie vonnöten ist, dreht sich der Versuch im Kreis, für dessen Quadratur aka Zähmung die Künstliche Intelligenz geschaffen wird. KI entzieht der Lebendigkeit menschlichen Daseins ihrerseits immer mehr Energie, um den Schein zu wahren die Lösung zu sein – damit nicht herauskommt, dass sie selbst Teil des Problems ist. Welch lustig Perpetuum mobile, zumindest, solange es noch etwas Lebendiges gibt, was in perpetuum für Energienachschub sorgen kann … ja, wir fortschreitenden Menschen verstehen unser Handwerk. Allerdings haben wir ja noch EINEN Trumpf im Ärmel – Zuckerbergs Dämon 😉

      Es sind genau die zuvor erwähnten Widersprüche unserer technologischen Entwicklung, die das bestärken werden, was uns aktuell gänzlich verloren gegangen zu sein scheint: das Bewusstsein für das Eingebundensein in das Leben. Technologischer Fortschritt ist ja nichts anderes als die beschleunigte Verlangsamung, dahingehend, die Konsequenzen unseres Strebens am eigenen Leib zu spüren zu bekommen. ‚Stack-overflow‘ bedeutet demnach: maximale Gefühlslosigkeit der Kohärenz des Lebens gegenüber.

      • Dieser Totalverlust des Kohärenzgefühls ist für mich schwer begreiflich, weil aus diesem Kohärenzgefühl heraus schöpfe ich alles, was mich wesentlich ausmacht: Lebensenergie, Widerstandskraft, Zufriedenheit und ja: sogar Sinnhaftigkeit, ohne dass ich diesen Sinn jetzt in Worte fassen wollte oder könnte. Vielleicht lässt sich das Kohärenzgefühl mit Glauben vergleichen, nur dass es – im Gegensatz zum Glauben – nicht im Geist verankert ist, sondern in der Totalität, also auch der Materialität meines Seins. Da das Kohärenzgefühl also das Fundament und die fundamentalste Erfahrung ist, die mich in der Welt verankert, fällt es mir schon schwer zu beobachten, wie leichtfertig diese Verankerung gekappt wird. Eigentlich kann ich nicht verstehen, dass in der Menschheit, als Kollektiv gesehen, etwas mächtiger wirkt als eben dieses Bewusstsein des Eingebundenseins ins Leben. Und doch ist genau das der Fall. Genausso finde ich es verblüffend, dass viele Menschen ja auch noch stolz sind auf diese maximale Gefühlslosigkeit sind, die sich als Wissen, Fortschritt, Wohlstand oder Technologie ausgibt.

    • „Die Wirtschaftsbilanzierung benötigt Gegenwerte“: Tut sie das wirklich? Die Werte von börsennotierten Unternehmen steigen nicht deshalb, weil tatsächlich reale Werte dahinterstehen, sondern weil die Leute glauben, dass das Unternehmen erfolgreich ist. Geld ist eine Sache des Glaubens und der Geschichten, die übers Geld erzählt werden. Geld ist eine Fiktion, die erst dadurch real wird, weil die Leute sich gegenseitig in ihren Geschichten übers Geld bestätigen.

      „Der Hai ist als Lebewesen perfekt und deshalb seit 400 Millionen Jahren unverändert“: Das liegt daran, dass der Hai seine Umwelt nicht selbst massiv umgestalten kann. Er hat keine Möglichkeiten, die Wassertemperatur zu erhitzen, die Meeresströmungen umzuleiten, Fischfarmen anzulegen, um nicht mehr jagen zu müssen. Wie Du sagst, hat der Mensch diese Möglichkeiten. Da der Mensch seine Umwelt dank seiner Technik ständig verändert, verändert er sich selber auch sehr viel schneller als Tiere das tun. Die meisten freilebenden Tiere über 1 kg sind offensichtlich nicht in der Lage, sich der durch Technik schnell verändernden Umwelt anzupassen. Im Gegensatz zu Nutztieren und Haustieren, die sich zusammen mit den Menschen über die Welt ausbreiten, und den sogenannten Kulturfolgern wie Mäuse, Eichhörnchen usw. Ob der Hai den Menschen überlebt?

      Wie lange dauert es, bis der Teich von Seerosen zugewachsen ist, wenn die von Seerosen bewachsene Fläche sich täglich verdoppelt und der Teich zur Hälfte zugewachsen ist? Einen Tag. In den letzten 40-50 Jahren hat sich die Situation ja dramatisch verändert, eben weil es die Phase des „letzten Tages“ ist. Dass eine willkürliche Umkehr nicht möglich ist, sehe ich auch so. Aber nicht nur die vom Menschen in Gang gesetzte Dynamik verunmöglicht die Umkehr, sondern auch der Umstand, dass der Mensch das Feuer bzw. seine Technik eben nicht dominiert, wie er glaubt, sondern dass sich dem Feuer und den daraus entstehenden Technologien mit Haut und Haar ausgeliefert hat und immer noch ausliefert.

      Entweder verschwindet der Mensch aufgrund einer Katastrophe oder einer Folge von Katastrophen oder er verwandelt sich in eine „Intelligenz“ auf nicht-biologischer Basis und wird zu einem sich selbst erhaltenden Computersystem bzw. zu einer sich selbst reproduzierenden Nano-Maschine.

      In SF-Romanen gibt es drei grundsätzliche Szenarien: Wüstenplaneten, Technosphären und künstliche Gärten, die den Anschein von Natur erwecken, aber keine sind. In diesen drei Szenarien ist ausgedrückt, wohin die Dynamik uns treibt. Entweder verwandeln wir die Erde in einen Wüstenplaneten, in Technosphäre oder in einen künstlichen Garten. Diese drei Möglichkeiten konkurrieren miteinander. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass sich eine davon oder vielleicht auch eine Mischung aus allen dreien verwirklicht. Aber was sich auch verwirklicht: es bedeutet in jedem Fall die Abschaffung der Natur, aus der wir mal hervorgegangen sind. Ein Wüstenplanet ist auch eine Fortsetzung … ebenso wie helle Riesen oder weiße, rote, braune Zwerge Fortsetzungen im kosmischen Geschehen sind …

      • „Die Wirtschaftsbilanzierung benötigt Gegenwerte – tut sie das wirklich?“

        Ja, denn auch wenn es generell und überwiegend eh schon virtuelle ‚Werte‘ sind mit denen gehandelt wird, so verlangt die aktuelle Wirtschaftsform zumindest den ANSCHEIN einer Gegenwertung durch (wenn auch ersimulierte) ‚reale‘ Wertschöpfungsoptionen, sonst funktioniert die Wirtschaftssimulation nicht, genauso wenig wie man dann Monopoly spielen kann, weil das ja eh alles Quatsch weil nicht ‚echt‘ etc.
        Wer Monopoly spielt, der TUT zumindest so als ob es um echte Werte ginge – und die anderen Mitspieler auch, sonst könnte man überhaupt nicht spielen.
        ‚Wirtschaft‘ ist mittlerweile nichts anderes als eine WETTE.
        Auch börsennotierte Unternehmen, die nichts ‚Substantielles‘ als realen gegenwert, als Bestandssicherung vorzuweisen haben (Facebook, Google, Alphabet, Twitter etc.) werden höchstgehandelt, aber nur deswegen, weil bei der Wette ein zumindest geglaubter Gegenwert, aber eben ein Gegenwert gegengerechnet wird.
        Der Börsenwert von Google etwa errechnet sich aus den potentiellen Optionen, die glaubhaft möglich sind und solange sich das Unternehmen auch nur in einer Tendenz (und sei es nur am äußersten Anfang der gegelaubten Wertschöpfungskette) bewegt, solange bekommt Google ‚Credit‘ in Form von Aktienkäufern, die wiederum eben dadurch diesen Trend auch noch verstärken.
        Klar ist das meiste davon schierer Aberglaube oder Wunschdenken, aber in einem virtuellen System können virtuelle Gegenwerte denselben Effekt haben wie in einer realen Wirtschaft – aber ‚Gegenwerte‘ müssen auch da sein.

        Nebenbei sind ‚Werte‘ immer fiktiv.
        Ein Stein ist ein Stein ist ein Stein.
        Einen ‚Wert‘, eine Bedeutung bekommt er erst durch die willkürliche Deutung eines Menschen.
        Siehe Kaurimuscheln oder die seltsame Tatsache, dass Indianer Gold für wertlos hielten, wohingegen die Spanier es als den ultimativen Wert erachteten.
        Selbst ethische oder moralische ‚Werte‘ sind dies nur, weil ausschließlich der Mensch so urteilt.
        Kein Affe weiß was von ‚Ethik‘ oder ‚Moral‘.
        Werte per se gibt es also nicht.
        Und wenn jemand in seiner Argumentation ‚EWerte‘ als begründung einfließen lässt, dann nur, weil sie seinen Interessen nützlich sind, die andernfalls vielleicht sonst keinerlei Gegeninteresse erwecken und damit eben nicht die erwünschte Berücksichtigung erfahren würden 😉

        Mit dieser Form der ‚Wertvorstellung‘ wird auch die Gesellschaft erpressbar.
        Sei es mit ‚Ethik/Moral‘ oder ‚Gesetz‘ oder eben ‚Geld‘ o.ä.
        Sobald nämlich ‚Werte‘ angeführt werden, gibt es ‚Hohepriester‘ dieser Werte und damit Verfügbarmacher, sprich Fügungswalter, denen sich die anderen unterzuordnen haben.

        Wirtschaft dient heutzutage vordergründig der Verfügbarmachung von Mitteln, dient aber in der Hauptsache der Erpressbarmachung.
        Mit der so entstehenden Deutungshoheit (siehe einfach Draghi oder Yellen) kann man ganze Staaten inklusive Bevölkerung nach seiner Pfeife tanzen lassen.
        Die Wirtschafts’wissenschaft‘ ist nichts anderes als die (Macht)Lehre eben davon.
        Die Religion war übrigens die erste Wirtschaftswissenschaft, die das verstanden hat.

        Der Hai wird uns nicht überleben, weil er an der Spitze der Nahrungskette sitzt, die wir nachhaltig zu zerstören im Begriffe sind.
        Es sind ja schon ganz andere, bis dato sehr gut angepasste und erfolgreiche Modelle ausgestorben, weil sie mit Veränderungsgeschwindigkeiten nicht Schritt halten konnten.

        Und:
        Natürlich ist der Mensch der Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wird und durch seine eigene Schöpfung zugrunde gerichtet werden wird, weil er etwas zu beherrschen glaubt, das in Wirklichkeit ihn beherrscht.

      • Werte sind nicht willkürlich. Was wertvoll ist, ergibt sich aus dem Kohärenzgefühl, aus der Verwobenheit mit den Anderen und der Umwelt. Ein Affe weiß vielleicht nichts von Ethik und Moral, trotzdem weiß er um den Wert der Beziehungen innerhalb seiner Gruppe. Deshalb lausen sich die Affen ja gegenseitig. Er weiß um den Wert der Bäume, von denen er sich ernährt. Jeder Affe hat eine kulinarische Landkarte im Kopf, er weiß genau, zu welcher Jahreszeit er wo welche Nahrungsmittel findet, und er weiß auch, welche Bäume er gegenüber anderen Affengruppen verteidigen muss. Er weiß um den Wert des Wassers, der Schlafbäume, der Termitenhügel. Er weiß sogar um den Wert von Heilpflanzen. Ein Affe kommt nicht auf die Idee, den Baum, von dem er sich ernährt, mutwillig zu zerstören. Oder das Wasser, das er trinkt, zu vergiften. Auf solche Ideen kommt nur der Mensch, weil dem Mensch eben das Gefühl für Werte abhanden gekommen ist und er überall nur noch Zahlen statt der Dinge oder der Lebewesen sieht.

        Was wirklich wertvoll ist, kann man nicht veräußerlichen, sprich man kann es nicht verkaufen. Der Irrtum vieler Menschen besteht darin, Werte zu quantifizieren. Sobald Werte jedoch quantifiziert werden, sind es keine Werte mehr.

        Datensammelfirmen wie Google, Facebook und Apple werden an der Börse so hoch gehandelt, weil sie Wesentliches dazu beitragen, den Menschen gläsern zu machen und den Überwachungsstaat aufzubauen. Wenn du die Leute fragst, will keiner den Überwachungsstaat, aber trotzdem trägt jeder Mensch seinen Teil dazu bei, dass dieser Superorganismus sozusagen zum Leben erweckt wird. Weil es interessanter ist, per PC, Laptop, Smartphone und per Apps miteinander zu kommunizieren, als Kartoffeln zu lesen, den Stall auszumisten, aus einem Stück Holz einen Stuhl zu machen. Weil viele Menschen sich mehr fürs Leben der Nachbarn oder Promis interessieren als für die schnöde Wiese vor ihrem Haus. Ich bin da keine Ausnahme und ich schätze mal, Du auch nicht.

        Mit dem Überwachungsstaat baut sich die Gesellschaft wieder mal ihr eigenes Gefängnis. Und dieses Mal dürfte es ein ziemlich ausbruchsicheres Gefängnis werden. Aber eben durch dieses Gefängnis wird ja erst sichtbar, dass wir die Technologien nicht beherrschen, sondern von ihnen beherrscht werden. Man kann die Menschheit ja nicht mal bedauern, dass sie in eine Falle läuft, weil sie sich die Falle selber bastelt und das ganze Geschehen offen vor Augen liegt.

        Freiheit bedeutet für mich, meinem Kohärenzgefühl zu folgen, wobei das Kohärenzgefühl nicht identisch mit dem Bauchgefühl ist. Dem Kohärenzgefühl zu folgen, hat nichts mit Willkür zu tun. Es ist ein Einwilligen, das jedoch nur möglich ist, wenn man um den Wert dessen weiß, in das man einwilligt. Und damit schließt sich der Kreis.

      • „Werte sind nicht willkürlich“ – natürlich sind sie das.
        Auch der Schimpanse ‚wählt‘ sich das als wertvoll aus für sich, das für ihn nützlich oder anderweitig wichtig erscheint.
        Der Wille zum Vorteil kürt also den Wert.
        Deshalb lässt auch ein Hund den 500€-Schein liegen und schnappt sich das Leckerchen.
        Und das ‚Wertbewusstsein‘ von Beziehungen beim Affen – naja, Vitamin B ist ja auch bei Menschen ein Wert und deshalb ‚laust‘ der MA seinem Chef den virtuellen Silberrücken.
        Und das vermeintliche Wertebewusstsein z.B. in Bezug auf das Wasser, das er trinkt und deshalb nicht vergiftet – naja, womit soll er es denn auch vergiften???
        Womit soll er seinen Urwald roden und abfackeln?
        Ich würde beim Affen nicht von Wertebewusstsein sprechen, solange ihm die menschlichen Mittel fehlen, um es möglicherweise oder eben auch nicht dem Menschen gleich zu tun?!
        Wo der Schimpanse töten kann, tut er es übrigens auch, obwohl das Leben eines Artgenossen sicherlich auch einen natürlichen Wert hat, oder nicht?
        Und ich sagte ja schon oben, dass es nicht um ideell-virtuelle Wertvorstellungen geht, sondern um WIRTSCHAFTS-Werte und die kann der Affe natürlich nicht haben, da er keine Wirtschaft kennt.
        Und natürlich sind die sogenannten Wirtschaftswerte rein quantitative, weil sie auch nur daran bemessen werden.
        Und natürlich hat das nichts mit Qualitätsbewusstsein zu tun, aber das ändert eben nichts daran, dass es um Wertvorstellungen geht, die Fakten schaffen.
        Und die wirtschaftlichen Wertvorstellungen sind demnach also sowohl willkürlich (weil rein nach subjektiver Interessen- u. Vorteilslage bestimmt), als auch echte Werte (=Bedeutungsskalen) insofern, als sie Begehrlichkeiten schaffen aufgrund tatsächlicher oder eingebildeter Defizite und damit Defizitausrichtungen, die ganz entscheidend das Handeln vom einzelnen Subjekt bis zur Staatengemeinschaft steuern.

        Der sogenannte Überwachungsstaat war ja schon immer einer.
        Auch bei den Sumerern wurde gemäß Staatsräson überwacht und interveniert bis zur Todesstrafe.
        Die Römer haben stets eifersüchtig darüber gewacht, dass ihre Staatsinteressen oberste Priorität bei allen Bürgern behielten und die gesinnungsschnüffelei wurde auch nicht erst von der Inquisition erfunden oder fand auch nicht erst in der Französischen Revolution ihren ersten perversen Höhepunkt.

        Man kan unschwer nachweisen, dass ausnahmslos alle (also nicht nur die DDR z.B.) damit grandios gescheitert sind.
        Das wird also im Falle einer NSA-Stümperei auch auf höchstem technischen Nibeau nicht anders sein.
        Nichts ist so gut kontrollierbar wie ein Programmiercode.
        Und nichts ist trotzdem so anfällig für Programmierfehler, denn ALLE Programmcodes enthalten Fehler und entsprechend versagen die Programme immer wieder.

        Und der DNS-Code ist auch ‚fehlerhaft‘ und selbst mit der ausgefeiltesten Biotechnik wird man das nicht verhindern können.
        Die Natur selbst hat ‚Fehler‘ immer ‚favorisiert‘, sonst wären sie schon längst selektionsbedingt abgeschafft worden.
        Man kann natürlich versuchen jegliche Evolution zu unterbinden, so wie es jede Machtkonstellation aus konservativen Motiven heraus versuchen muss, aber dann wird diese konservierte Machtkonstellation überraschenderweise feststellen müssen, dass sie von der Evolution um sie herum (denn die ganze Welt lässt sich nun mal nicht einfrieren) links wie rechts überholt werden wird und aufgrund der Diskrepanzen der künstlichen Realtität der Machtkonstellation zur faktisch-evolutionären Realität um sie herum Friktionen exponentiell zunehmen werden.
        Dann kann das Machtsystem versuchen diese zu unterdrücken, auszulöschen, zu kompensieren, wie auch immer, aber es wird immer mehr seiner Ressourcen genau dafür binden und opfern müssen, bis es zum Erhalt des Systems selbst nicht mehr reicht und der System-Kollaps konsequent eingeleitet wird.

        Man kann wirklich alles, was zu wissen ist über ein Pferd wissen und jahrzehntelang mitloggen und speichern – es gibt gerade mal NULL Prozent Gewissheit dafür, was das Pferd als nächstes tun wird oder wie es sich unter bestimmten Bedingungen verhalten wird!
        Da ist z.B. das Schulpferd (selbst erlebt und dabei gewesen) das seit 10 Jahren als das lammfrommste unter allen galt und nie, wirklich nicht mal ansatzweise jemals auffällig wurde.
        Dieses Pferd wird unter maximal kontrollierbaren Bedingungen gehalten, es wurde konditioniert und ständig überwacht.
        Und dann tritt dieses Pferd an einem schönen Sommertag ohne jeden äußerlich nachvollziehbaren Anlass einem Kind die Schädeldecke weg.
        Sämtliche verfügbaren Daten, die bis zu dem Zeitpunkt gesammelt worden waren, waren dagegen machtlos und somit WERTLOS!

        Stichwort Gefängnis:
        Ja, genau. Guck Dich mal um in so einem echten Gefängnis, was da für ein Überwachungsaufwand betrieben wird und TROTZDEM geschehen Dinge, die nicht geschehen dürften, weil so nicht geplant und sogar ausdrücklich gegenorganisiert durch das System!

        Ein Labor gehört zweifellos zu den bestdokumentierten und kontrollierten Örtlichkeiten dieser Welt.
        Ein Ort, wo eigentlich alle Bedingungen kontrolliert werden können.
        Und TROTZDEM passieren auch dort und gar nicht selten viele Ereignisse, die so nicht geplant waren, bzw. gegen die ausdrücklich Vorkehrungen getroffen wurden, damit sie eben nicht geschehen können?!

        Je rigider das Kontrollsystem, umso verheerender die Folgen, wenn es versagt!
        Und JEDES Kontrollsystem MUSS (irgendwann, irgendwo) versagen.
        Und spätestens dann wird das Kontrollsystem der Energien, die es bis dato zu beherrschen glaubte, nicht mehr Herr werden können.
        Wenn der Damm bricht, hält ihn rein gar nichts mehr auf.

        SO kann man die Überwachungsproblematik auch mal betrachten 😉

      • „Freiheit bedeutet für mich, meinem Kohärenzgefühl zu folgen, wobei das Kohärenzgefühl nicht identisch mit dem Bauchgefühl ist. Dem Kohärenzgefühl zu folgen, hat nichts mit Willkür zu tun. Es ist ein Einwilligen, das jedoch nur möglich ist, wenn man um den Wert dessen weiß, in das man einwilligt. Und damit schließt sich der Kreis.“

        Natürlich ist es Willkür dem Kohärenzgefühl zu folgen, denn DU hast Dich ja DAFÜR entschieden, es also ausgewählt?!
        Das war/ist ja wohl keine verhängnisvolle Schicksalswaltung gewesen?
        Denn ein ‚Einwilligen‘ bedeutet ja nichts anderes als willentlich zu wählen, denn man könnte es ja auch sein lassen, oder nicht?
        Und die Werte, um derer willen Du Dich dazu entschieden hast einzuwilligen, hast Du auch ausgewählt, denn da gibt es ja immer prinzipielle Alternativen.

        Es sei denn Du behauptest, dass Du nichts willst, weil Du quasi fremdgesteuert bist durch Instinkte, Veranlagungen, Defizite, Umstände etc., dann hast Du aber weder eingewilligt, noch hast Du irgendetwas in Deinem Leben entschieden (Du wurdest quasi entschieden) und die Werte, die Du als Begründung für Dein Verhalten anführst, sind entweder nur Werte, weil Du keine andere Wahl hattest, sie also – von Deiner subjektiven Wertvorstellung ausgeschlossen – Dir implementiert wurden und so determinierende Vektoren sind oder es sind projizierte Begründbarkeiten, um Dir Dein Verhalten vor Dir selbst (ggf. auch vor anderen) zu rechtfertigen.
        Paradoxerweise impliziert also das Postulat von ‚Werten‘, dass man den freien Willen zur freien Wahl aufgibt oder a priori negiert, denn ‚Werte‘ wären bereits determinativ und damit alternativlos!?

        ‚Kohärenz‘ wäre aber unter diesen Umständen gar keine, denn Kohärenz ist ja etwas anderes als ein zwingendes Kausalitätsgefüge und außerdem wäre dann Dekohärenz unmöglich, was aber ganz offensichtlich so nicht stimmt?!

        Hmmm….. 😉

      • Guido Vobig hat es in einem anderen Kommentar auf den Punkt gebracht: Leben ist Energie, die ein Zuhause gefunden hat, für das es sich lohnt zu sterben. Was ist demnach der Tod? Tod ist Leben, das an Ort und Stelle nicht länger verbleiben kann, weil die Möglichkeiten, sich weiter zu Hause zu fühlen, erschöpft sind.

        Der Lebenswille ist die Verbindung von Energie und Zuhause, das sichere Gefühl, momentan in einem Körper oder als Körper ein Zuhause zu haben. Leben ist deshalb nicht wertfrei, sondern das Erscheinen eines Wertes (Willens) der Körper geworden ist. Über diesen Willen kannst du nicht frei verfügen, sondern er verfügt über dich und lässt dich, solange er stark ist, die Entscheidungen treffen, die dich lebensfähig halten. Wenn die Möglichkeiten, sich zuhause zu fühlen sich allmählich erschöpfen, wird der Lebenswille schwächer. Das nennt man Altern. Auch darüber kannst du nicht frei verfügen oder entscheiden.

        Bei einem Tier ist dieser Lebenswille bzw. diese Verkörperung von Energie einheitlich. Deshalb ist jedes Tier in seine Umgebung eingebettet und wandelt sich zusammen mit seiner Umgebung. Das ist Kohärenz.

        Durch die Benutzung des Feuers ist im Menschen neben den Lebenswillen ein anderer Wille getreten: die Todessehnsucht. Denn Feuer zerstört Leben. Dem Lebenswillen im Affen mit seinen Instinkten steht plötzlich der Wille zur Zerstörung gegenüber. Erst in diesem Moment entsteht überhaupt eine Wahlmöglichkeit, nämlich die zwischen Leben und Tod. Der Mensch kann dem Lebenswillen folgen oder seiner Todessehnsucht. Diese zwei Willensäußerungen kämpfen im Menschen um die Vorherrschaft. Der Zivilisationsprozess mit Erziehung, Religionen, Bildung, Berufen, Gesellschaftsschichten, militärisch-agrarischem und militärisch-industriellem Komplex, industrieller Revolution, Digitalisierung ist eigentlich nichts anderes als der Sieg der Todessehnsucht über den Lebenswillen. Die Vercyborgisierung ist nichts anderes als die Todessehnsucht, die körperhaft wird, also Gestalt annimmt.

        Ja, ich behaupte, der Mensch ist Spielball dieser Dynamik, die aus der Verbindung Feuer und Affe entstanden ist und entscheidet nicht frei. Weil sich der Mensch mit dem Feuer eingelassen hat, hat er sowohl einen Lebenswillen, der aus dem Bios (Affe) kommt und die Todessehnsucht, die aus dem Feuer kommt, denn Feuer ist nun mal zerstörerisch und vernichtet den bios.

        Der Schimpanse wählt das aus, was er für sein Leben für nützlich hält. Da kann er nur entscheiden, was nützlicher oder weniger nützlich für sein Leben ist. Was anderes interessiert weder den Affen noch das Pferd.
        Der Mensch ist in seinen Wahlmöglichkeiten hin und hergerissen zwischen dem, was er für sein Leben nützlich hält und dem, was ihn umbringt. In ihren großen Bewegungen zeigt die menschliche Geschichte, dass der Mensch bzw. die Menschheit sich häufiger für das entscheidet, was sie letztendlich umbringt. Die Menschen lieben es, den Ast, auf dem sie sitzen abzusägen und ins Feuer zu werfen.

    • Vor allem, weil so gut wie niemand versteht, dass es die Technisierung ist, die uns in den Wahnsinn treibt. Die meisten sehen die Ursache entweder im Kapitalismus oder in der Gier bzw. im Egoismus. Der Kapitalismus ist jedoch nur eine logische Konsequenz der Vertechnisierung und keineswegs die Ursache, als die er ausgegeben wird. Und was Gier bzw. Egoismus angeht, wird der Lebenswille, der jedes Lebewesen antreibt, mit unserem Geist, der sich in Ko-Evolution mit dem Feuer entwickelt hat, entweder verwechselt oder in einen Topf geschmissen. Solange den Menschen nicht klar ist, was sie dazu antreibt, die Biosphäre zu zerstören, verschärfen die sogenannten Rettungsmaßnahmen das Problem anstatt dass sie es tatsächlich lösen können. Wer jedoch den Nutzen der Agrarisierung oder den Zivilisationsprozess in Frage stellt, macht sich in den Augen der Anderen zu jemand, mit dem man gar nicht diskutieren kann. Darüber muss man sich auch klar sein. Eine derart fundamentale Kritik ist ein Tabuthema.

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