Das Sterben der Bauernhöfe

Im Jahr 1971 gab es in Deutschland 1.017.697 Bauernhöfe. 2016 waren es gerade mal noch 276.000. Deutschland ist nicht allein vom Höfesterben betroffen. Frankreich hatte zwischen 1963 und 2011 einen Rückgang von ursprünglich 1,9 Millionen Betrieben auf 499.000 zu verzeichnen. In den anderen europäischen Ländern sieht es auch nicht viel anders aus. Und das Höfesterben geht weiter. Ein Ende ist bislang nicht abzusehen.

 

Immer weniger Höfe erzeugen immer mehr

Dabei werden in Deutschland mehr Tiere geschlachtet als noch vor zehn Jahren. Wenn man mal die Schweineproduktion betrachtet, ergeben sich folgende Zahlen: Im Jahr 2000 wurden 45 Millionen Schweine geschlachtet, im Jahr 2013 waren es 15 Millionen mehr. Im Jahr 2000 wurden durchschnittlich 350 Tiere in einem Stall gehalten, im Jahr 2013 waren es sage und schreibe 2.163. In derselben Zeit, in der Öko-Freaks und Tierfreunde sich vehement gegen Massentierhaltung engagieren, versechsfacht sich also die Zahl der Schweine pro Haltung. Kann man daraus womöglich den Schluss ziehen, dass die Öko-Freaks die Massentierhaltung erst herbeigeredet haben? Ganz so abwegig, wie das scheint, ist das gar nicht.

Es wird durch das Höfesterben auch nicht weniger Ackerland bewirtschaftet. Die übrig gebliebenen Höfe vergrößern sich und intensivieren zudem die Landwirtschaft. Der Ertrag pro Hektar hat sich in den vergangenen fünfzig Jahren deutlich erhöht. Im Jahr 1970 wurden in Deutschland 23,7 Millionen Tonnen Getreide geerntet, im Jahr 2014 waren es 52 Millionen Tonnen. Also etwas mehr als doppelt so viel. Die Maisproduktion hat überhaupt erst in den 70er Jahren so richtig angefangen. 2013 wurden 4,4 Millionen Tonnen Körnermais und 80 Millionen Tonnen Silomais erzeugt.

Deutschland produziert inzwischen zuviel Milch, zuviel Fleisch und zuviel Getreide. Das Überangebot drückt die Preise in den Keller, was offenbar gewollt ist, weil der Preisverfall die kleinen und mittleren Betriebe zur Aufgabe zwingt. Hinzu kommt, wenn ich das richtig verstanden habe, dass die Subventionspolitik der EU die Großbetriebe bevorzugt. Mit unseren Steuergeldern finanzieren wir das Höfesterben also mit.

Die Biobewegung: Vorstellung und Realität

Außerdem haben die Bauern dank den Grünen, Tierrechtlern und anderen Ideologen einen schlechten Ruf. Häufig werden sie als Tierquäler bezeichnet. Und auch das trifft die kleinen und mittleren konventionell wirtschaftenden Betriebe mehr als die Großbetriebe. Was Besseres als die grüne Politik und die Verunglimpfung des gesamten Bauernstandes konnte den Großen der Branche gar nicht passieren.

In der Öffentlichkeit hat sich durch das lautstarke Geschrei der Öko-Freaks die Vorstellung verfestigt, dass eine 80 Millionen Bevölkerung locker mit Lebensmitteln von Bio-Höfen ernährt werden kann, wenn nur die konventionell wirtschaftenden Bauern nicht so dröge und unflexibel wären. Bio ist in und hat inzwischen auch die Supermärkte erobert. Trotzdem gibt es in Deutschland nur knapp 27.000 Höfe, die biologisch-ökologisch wirtschaften. Es gibt nicht mehr davon, weil es sich für die Bauern schlicht nicht rechnet.

Zwischen 2006 und 2016 hat die Zahl der Bio-Betriebe in Deutschland um 9.298 zugenommen, während die Zahl der konventionell wirtschaftenden Höfe zwischen 2008 und 2016 um 45.600 abgenommen hat. Das heißt, auf jeden Bio-Betrieb, der neu gegründet wurde, kommen mehr als vier konventionelle Höfe, die aufgegeben haben. Oder: auf einen Betrieb, der auf Bio umgestellt hat, kommen drei, die von Agrarfabrikanten oder ominösen Investoren, die mit der Landwirtschaft gar nichts am Hut haben, aufgekauft wurden.

Den Tieren, der Natur und den Menschen würde es weitaus mehr nützen, die konventionellen Höfe und damit die Artenvielfalt unter den Höfen zu erhalten statt mit ein paar wenigen Bio-Betrieben die zunehmende Konzentration auf immer größer werdende Agrarfabriken schönfärberisch zu verdecken. Die Bio-Höfe dienen doch hauptsächlich bloß dem Selbstbild einer naturfremden Stadtbevölkerung, die sich als tierlieb und naturverbunden imaginiert, während die Besitzer der Großbetriebe sich genüsslich die Hände reiben und die Bauern in den Ruin treiben. Und wie sich nun allmählich herausstellt, ist Bio ja noch nicht mal gesünder.

Der Verbraucher will biologisch angebautes Obst und Gemüse, glückliche Schweine und freilaufende Hühner. Er will einen Bauernhof, wie er ihn von seinen Bilderbüchern aus der Kindheit her kennt. Es gibt Bauern, die dieses Bedürfnis aufgreifen und befriedigen. Aber hinter dieser schönen Oberfläche verbirgt sich eine Wahrheit, die alles andere als idyllisch ist. Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind die mittleren und kleinen Betriebe.

Wenn wir als Gesellschaft die Artenvielfalt unter den Bauernhöfen erhalten würden, hätten junge Leute, die an der Landwirtschaft interessiert sind, viel mehr Möglichkeiten, einen Hof selber zu gestalten, dabei aufs Tierwohl zu achten und Überproduktion zu vermeiden. Wenn die Höfe erst mal in den Händen von Agrarfabriken und sogenannten Investoren sind, ist dieser Zug abgefahren.

Und tatsächlich ist dieser Zug schon längst abgefahren. Die meisten Bauernhöfe dürften unwiderruflich dahin sein, denn wenn ein Hof erst mal aufgegeben ist, wird es schwierig, ihn wiederzubeleben. Ist er aufgekauft worden, ist es sogar unmöglich.

Es wird nicht nur zuviel produziert, es wird auch zuviel weggeworfen. Pro Jahr wirft im Schnitt jeder Bundesbürger etwa 90 kg Lebensmittel in den Abfalleimer, wobei ich nicht weiß, ob da nicht auch Kartoffelschalen und Kohlstrünke mitgerechnet werden. Etwa doppelt so viel, also 180 kg pro Person, werden anscheinend vom Handel entsorgt, wo als oberstes Gebot gilt, dass alle Waren dem Konsumenten stets zur Verfügung stehen müssen. Wenn ich die Zahlen richtig interpretiere, wird in Deutschland pro Verbraucher dieselbe Menge an Nahrungsmitteln weggeworfen, die er zu sich nimmt.

Die Dynamik dahinter

Diese Dynamik, in deren Sog die Höfe sterben, wird meistens mit Profitstreben und Geldgier in Verbindung gebracht. Ich glaube, dass diese Erklärung zu kurz greift. Die Geldwirtschaft ist nur das Mittel, um den technisch-industriellen Komplex weiter voranzutreiben. Und dieser technisch-industrielle Komplex hat in letzter Konsequenz die Vernichtung der Natur als Ziel. In diesem Komplex wird Natur nur noch als Kulisse zu Erholungszwecken geduldet.

Beim Höfesterben handelt es sich nämlich um einen Selektionsprozess, bei dem nur diejenigen Betriebe übrig bleiben, die schließlich voll automatisiert werden können. Diese Vollautomatisierung hat parallel zum Höfesterben eingesetzt. Die Landmaschinen werden entsprechend den Ackerflächen immer größer. Die Ställe sind vollautomatisiert, mit automatischer Fütterung, automatischer Entmistung und Melkrobotern. Hier mal ein Beispiel, wie das aussieht. Man kann nicht sagen, dass die Tiere gequält wirken. Im Hintergrund sieht man, dass die Ziegen gern ins Karussell reinhüpfen.

Diese Entwicklung geht weiter. Längst hat die Robotik auch in der Landwirtschaft Einzug gehalten. Es gibt Roboter, die Unkraut jäten. Andere verspritzen gezielt und dosiert Herbizide oder Pestizide, wodurch die Menge an eingesetzten Schädlingsbekämpfungsmitteln erheblich reduziert werden kann. Es gibt Drohnen, die die Felder überwachen und dem Bauern Fotos auf den Computer senden. Es gibt Geräte, die die Kau- und Mahlbewegungen von Kühen messen und Alarm schlagen, wenn Abweichungen auftreten, weil das möglicherweise auf eine Krankheit hindeuten könnte. Am Ende dieses Prozesses werden nur noch ein paar Computerexperten notwendig sein, um die Ernährung der gesamten Bevölkerung sicherzustellen. Den bäuerlichen Menschen, der für die Verbundenheit von Mensch und Natur steht, wird es nicht mehr geben, weil die Verbundenheit von Mensch und Natur schon vor langer Zeit aufgekündigt wurde.

Es ist das, was der Großteil von uns Menschen will. Da brauchen wir uns nichts vormachen. Wir können uns die Klagerufe und die Trauergesänge sparen, die doch nur Heuchelei sind.

Wir glauben, dass wir ein Recht drauf haben, von der Natur oder vom lieben Gott ernährt zu werden, ohne einen Finger dafür rühren zu müssen. Und da weder die Natur noch der liebe Gott uns das Essen in den Mund schieben, bauen wir uns eben eine Maschinenwelt, die das übernimmt und unseren Traum vom Schlaraffenland erfüllt. Nahrung ist uns keine Mühe wert, deshalb klinken wir uns aus diesem Prozess der Nahrungsbeschaffung und -zubereitung mehr und mehr aus. Mit diesem Stoffwechselprozess, der ja das eigentliche Wesen von Natur ist, wollen wir nichts mehr zu tun haben. Denn zum Stoffwechselprozess gehört der Tod, und den wollen wir Menschen unbedingt vermeiden.

Und es scheint ja hervorragend zu funktionieren. Die Zahlen sprechen für sich. Die industrialisierte Landwirtschaft ist ein Erfolgsmodell, und zwar umso erfolgreicher, je industrialisierter.

 

Weniger Zeit für Kochen und Essen

Auch mit Kochen und Vorratshaltung verbringen wir heute viel weniger Zeit als noch vor zwanzig oder gar fünfzig Jahren. Kaum jemand weckt heute noch ein oder dörrt Obst oder macht Sauerkraut selber. Das Wissen über alte Konservierungsmethoden geht verloren, wozu haben wir schließlich die Kühltruhe? Beim Kochen ist convenience food angesagt, das man kurz in die Mikrowelle schiebt, oder der smoothie, der auf Knopfdruck aus dem Automaten kommt. Und dummerweise schmeckt billiges Industrie-Baguette aus dem Supermarkt tatsächlich oft besser als das vom Bäcker, das schon nach wenigen Stunden hart und ungenießbar wird. Dasselbe gilt für Brot. Wobei es weder das Brot vom Bäcker noch das aus dem Supermarkt mit selbstgebackenem Brot aus frisch gemahlenem Getreide aufnehmen kann. Da merkt man dann so richtig, dass Brot nicht gleich Brot ist. Das muss auch gesagt werden. Aber das ist mit Arbeit verbunden. Und wer macht das noch außer ein paar rückständigen Idioten? Lieber denken die Menschen schon über Nahrungsmittel aus dem 3-D-Drucker nach.

Sogar fürs Essen nimmt sich der Mensch im Alltag immer weniger Zeit. Dafür wird maßgeschneiderte Ernährung inklusive digitaler Ernährungsberatung immer wichtiger. Immer weniger Menschen vertrauen darauf, dass ihr Körper ihnen selber sagt, was er braucht und was gut für ihn ist, statt dessen kaufen sie haufenweise Ernährungsratgeber und halten sich an zeitgeistgebundene Theorien, die von vegan bis paläo und von low carb bis fettsäurereich eine ebensogroße Vielfalt bieten wie der Supermarkt. Dazu werden alle möglichen Nahrungsergänzungsmittel geschluckt, von denen man sich Gesundheit und Wohlbefinden erhofft. Schritt für Schritt entwickeln wir uns so in Richtung Chemitarier.

 

Die Abschaffung der Natur

Wir Menschen sind dabei, uns aus der Natur herauszulösen. Wir wollen mit der Natur nichts mehr zu tun haben, es sei denn, wir gestalten sie nach unseren Vorstellungen selbst. Stattdessen machen wir uns lieber von einer selbst geschaffenen Technologie abhängig, über die wir mehr und mehr die Kontrolle verlieren. Aber kümmert das jemanden ernstlich? Außer mir, meine ich. Die Allermeisten vertrauen darauf, dass die Megamaschine uns mit allem Notwendigen und mit noch mehr Überflüssigem bis in alle Ewigkeit versorgen wird, ohne zu wissen, ob wir morgen überhaupt noch genügend Energie zur Verfügung haben, um diese Megamaschine zu betreiben. In unserem Bestreben, die Natur zu kontrollieren und sie unseren Zwecken zu unterwerfen, werden wir als Einzelne mehr und mehr von einem technisch-bürokratischen Superorganismus aufgesogen, kontrolliert und versorgt. Aber anscheinend kommt das ja gut. Bei näherer Betrachtung will der Großteil der Menschen von der Wiege bis zur Bahre gepampert werden.

Wenn sich der Mensch zwischen Natur und Technik entscheiden muss, entscheidet er sich ausnahmslos immer für den technischen Weg. Handy, Smartphone und die Apps haben sich in Windeseile um die ganze Welt verbreitet, ohne dass irgendjemand Druck auf den Verbraucher ausüben musste. Facebook hat inzwischen mehr als zwei Milliarden Nutzer.

Der Wirtschaftsjournalist Daniel Ben-Ami formuliert das Glaubenscredo, dem fast alle Menschen, Bürokraten wie Wissenschaftler, grüne Ideologen wie Marktliberale, Veganer wie Fleischesser, Bauern wie Verbraucher gleichermaßen anhängen:

„Mit der Neugestaltung und Nutzbarmachung der Natur zu unserem eigenen Vorteil haben wir eine viel wohlhabendere Gesellschaft geschaffen … Wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt hängen exakt vom zunehmenden Einfluss der Menschen auf die Natur ab. Wir müssen unsere Kontrolle über die Natur ausdehnen, statt sie zu reduzieren.“

Daniel Ben-Ami sagt wenigstens, was viele nicht zugeben wollen. Denn so geht der Mensch seit jeher mit der Natur um, wenn man mal alle Schönfärberei und Heuchelei beiseite lässt. Und so gesehen, trägt jeder Mensch sein Scherflein zur Abschaffung der Natur bei, der eine mehr, der andere weniger. Die Abschaffung der Natur ist unser großes menschliches Gemeinschaftswerk, und ich denke, wir werden nicht aufhören, bis wir das Ziel erreicht haben.

Und da dies so ist, bliebe zu wünschen, der Mensch hätte wenigstens genügend Mumm, zu der von ihm gewollten und in Gang gesetzten Entwicklung zu stehen und die Folgen entsprechend zu tragen statt sich hinter angeblicher Natur- und Tierliebe zu verstecken und angesichts des Artensterbens in Jammergeschrei auszubrechen.

10 Kommentare zu “Das Sterben der Bauernhöfe

  1. Wenn immer mehr Bauernhöfe sterben und immer weniger Menschen naturbelassene Nahrung zur Verfügung haben, verarbeiten können, vertragen, dann wird die industrielle Nahrung immer größeren Anteil an unserer Nahrung haben. Du sagtest mal, schmeckt ja auch nicht schlecht, was da so angeboten wird und die Hygiene ist auch ein beachtenswerter Faktor, zumal manche Nahrung dann auch mitunter über Jahre haltbar ist. Somit leben wir immer mehr im Anschein EINER Krise, denn bislang war das Haltbarmachen von natürlicher Nahrung eventuellen Notsituationen vorenthalten. Wenn Nahrung mittels Fermentierung haltbar gemacht wurde, dann um überleben zu können. Heute ist fermentierte Nahrung in, weil sie so gesund sein soll. Das gilt aber nur für Menschen, deren Schilddrüse OK ist. Da aber die Masse an Unterfunktion leidet, ist Fermentiertes nicht unbedingt gesund. In EINER echten Notsituation wäre es aber egal, Hauptsache es wäre was zu essen da.

    Käme es heute zu EINER Notsituation, wären nur noch wenige in der Lage auf natürliche Weise zu überleben. Dann würden eher die überleben können, die sich bei der Plünderung des nächsten Nahrungstempels durchsetzen könnten.

    Je mehr Industrienahrung, je mehr Bequemlichkeit und ständige Verfügbarkeit und je mehr Abhängigkeit davon, desto wahrscheinlicher wird, bedingt durch eventuelle Katastrophen, das Überleben von Eigenschaften, die zum kohärenten Leben immer weniger taugen – survival of the most disordered, während von Natur aus, seit Jahrmillionen gilt: non-survival of the most disordered.

    Die komplette Umstellung sämtlicher Infrastrukturen auf Strom, auf das große E vor jedem Gerät, sei es Fahrrad oder Auto oder sonstwas, hat ebenfalls immer mehr Abhängigkeit zur Folge. Man konnte mal gefiltertes Frittierfett in den Dieselmotor kippen und der Motor fuhr. Versuch mal heute mit haushaltsüblichen Mitteln den Akku eines Elektroautos aufzuladen. Wir machen uns immer abhängiger von anderen und entfremden uns immer mehr von ANDEREN, so als wäre es abgemachte Sache, dass uns nie wieder irgendwelche Katastrophen, Unfälle oder ähnlich Einschneidendes geschieht …

  2. Nun, es verwundert nicht, dass China gerade von unseren westlichen “Zivilisationskrankheiten“ förmlich überrannt wird. Dass wir Menschen nicht zur REHARMONISIERUNG bzw. zur Mobilisierung von Rekohärenz taugen, scheint offensichtlich zu sein – und doch besteht noch immer die Möglichkeit der Maximierung EINES Dekohärenzprozesses, die Maximierung EINES Fiebers – um danach EINEN ANDEREN Weg der Ausheilung zu ermöglichen. Diesen Gedanken mag ich nicht aufgeben, denn täte ich es, wäre gänzlich absehbar, wohin der weitere Weg führen würde. Allein die Tatsache, dass der Weg derart vorhersehbar scheint, widerspricht allem Anschein nach der Vorhersehung, sprich, macht den Weg höchst unwahrscheinlich. Auch unsere gesamten technologischen Zukunftsszenarien und Machbarkeitsstudien sind inzwischen zu vorhersehbar. Aufgrund unserer enorm vereinfachten Weltbilder und der daraus hervorgehenden Annahme EINER komplexen Welt, wird das immer einfacher Vorhersehbare immer unwahrscheinlicher eintreten – und dafür immer wahrscheinlicher EIN ANDERES Weltbild sich zutragen.

    • Ja, es ist möglich, dass die Maximierung des Dekohärenzprozesses eine Wende herbeiführt, aber eben wie gesagt, nicht durch uns Menschen. Die Aufgabe des Menschen besteht ja offensichtlich genau darin, den Dekohärenzprozess zu maximieren. Das heißt, ich würde dem Ganzen mehr dienen, wenn ich ebenfalls Dekohärenz steigere und dazu beitrage, den Zenit herbeizuführen. Diese zunehmende Dekohärenz verursacht aber Leid, nicht nur mir, sondern einer Menge ANDERER Wesen. Und das sehe ich eben nicht ein und bringe es auch nicht über mich, dass ich mich nun also bewusst dem Feuerwahn anschließen und noch mehr Leid erzeugen soll. Tja, was anderes ist das Fieber als der Feuerwahn (oder auch Technik- und Machtbesessenheit)?
      Andererseits wenn ich mich dagegenstelle, wie ich das bislang so gut wie möglich versucht habe, verlängere ich ja nur den Zeitraum, in dem der Zenit noch nicht erreicht ist und verlängere damit ebenfalls Leid, denn je schneller der Wahn vorbei ist, desto besser.

      Ich sehe ein, diese Ableitung, die mich in eine total paradoxe, ausweglose Situation führt, ist aus meiner Gehirntätigkeit abgeleitet, was wiederum ein Hinweis darauf ist, dass dieses Gehirn, das nichts ANDERES kann als ja und nein, null und eins, sich letztendlich selbst ad absurdum führt. Das ist dann das Ende der Technik- und Machtbesessenheit, die ja doch nur aus unserem Gehirn kommt, das sich zusammen MIT der Technik entwickelt hat. Man kann ja feststellen, dass unsere Technologien wie auch die Schriftstücke in gewisser Weise nichts anderes als Abbilder unseres Gehirns und seiner Aktivitäten sind. Anhand der bronzezeitlichen Artefakte kann man ja schon Rückschlüsse darauf ziehen, wie die Menschen damals tickten. Weiter kann man feststellen, dass die gesamte Vergangenheit IM aktuellen Zeitpunkt PRÄSENT ist. Es ist stets alles da.

      Wenn der Wahn vorbei ist, sieht man plötzlich das Ausmaß der angerichteten Zerstörung, über das man vorher zwar ständig geredet, das man aber nicht wirklich verstanden hat.

      Vielleicht ist diese Müdigkeit, die ich gerade in allen Knochen spüre, ja ein positives Zeichen. Und wenn nicht: auch egal.

      • Was du beschreibst ist doch der “klassische“ Weg chaotischer Systeme, um sich wieder einzupendeln. Sicher geben wir uns alle dem Feuerwahn hin, aber jeder verschieden ausgeprägt und verschiedenen Ermöglichungen, die aus der Teilnahme am Wahn hervorgehen. Aus Sicht EINES Einzelnen mag sämtliches Treiben hoffnungslos scheinen, im Treiben aller aber ergeben sich jedoch auch die Möglichkeiten, die das Chaos letztlich eben nicht in die Resonanzkatastrophe führen, sondern es beruhigen. Wenn man mal verfolgt, durch welche “Zufälle“ die großen Namen der Forschung zu ihren Erkenntnissen kamen, die als Meilensteine gefeiert unser aller Leben veränderten UND den Wahn überhaupt erst weiter anfeuerten, sprich, für EIN weiteres Ausmaß an Dekohärenz sorgten, so gibt es auch derarte “Zufälle“, die entsprechende Rekohärenz ermöglichen. Nur nehmen wir sie im Feuerwahn gefangen nicht wahr, obwohl wir spüren, dass sie zugegen sind, woraus wahrscheinlich viele unserer Ängste hervorgehen, die unser Sicherheitsbedürfnis anfeuern. Diese Rekohärenz ist wie das fehlende Blau in der alten griechischen Literatur, siehe Homer – zwar war die Farbe zugegen, nur wurde sie vom Bewusstsein nicht derart wahrgenommen, wie es heute für uns selbstverständlich ist.

        Unser Feuerwahn mitsamt seiner Technologien ist wie EIN paar Stützräder. Noch lernen wir das Fahrradfahren und haben Angst, die Stützräder wegzulassen. Irgendwann wird es uns kindisch und lächerlich vorkommen, dass wir sie einst mal benötigten.

      • Wir haben inzwischen nicht mehr EIN Paar Stützräder, sondern HUNDERT. Und wir sind der Meinung, dass auch 100 Paar Stützräder nicht genügen, sondern wir 200 brauchen.

        Möglicherweise beruhigt sich das Chaos, möglicherweise führt es in die Resonanzkatastrophe. Dass es Resonanzkatastrophen gibt, hat die Geschichte schon mehrfach gezeigt. Jedes große Massensterben ist eine Resonanzkatastrophe. Wir sind also nicht außen vor.

        Es kommt mir schon ein bisschen nach Strohhalm vor, was Du da sagst. Aber gut, was ANDERES als dieser Strohhalm, an dem man sich noch klammern kann, ist weit und breit nicht in Sicht.

  3. Somit stellt sich mal wieder die Frage: Wie könnte sich diese Entwicklung ändern? Durch wen – oder vielmehr durch was? Durch uns EINEN wird höchstwahrscheinlich EIN ANDERER Weg nicht ermöglicht werden, weil es keine Geschichte gibt, in der sich die Menschen gemeinsam wiederfinden können. Wie auch, bei fortschreitender Vergesellschaftung, die sich dem Energieraub hingibt und sich bereitwillig selbst weiter berauben lässt. Bleiben doch nur die ANDEREN, egal wie sie zu uns EINEN stehen, denn wer/was sonst versteht wirklich konsequent zu HARMONISIEREN? In Sachen HARMONIE kann nix und niemand den einfachen Lebensformen das Wasser reichen. Non survival of the most disordered – das Nichtüberleben all jener, die reich an verkörperter Dekohärenz sind, ermöglicht durch Viren und Bakterien, ist keineswegs unmöglich – und EINE menschgemachte Pandemie ist sehr wahrscheinlich, sind doch alle bisherigen Epidemien und Pandemien menschlichen Ursprungs, eben weil wir die ANDEREN nach unseren Pfeifen tanzen lassen, seit Jahrtausenden … Influenza ist so EIN Kandidat, zumal Influenza an den Zyklus der Sonne “gekoppelt“ ist, quasi als Verstärkungsfaktor. Man vergleiche nur mal die Entwicklung des Umgangs der Menschen mit dem Sonnenlicht, welches wir immer mehr durch künstliches Licht ersetzen. Und nein, Vitamin D aus der Kapsel oder dem Fläschen ist nicht zu vergleichen mit Vitamin D durch Sonnenlicht. Es ist derselbe Unterschied, der Infektionen von Impfungen unterscheidet. Mit selbigen fatalen Auswirkungen auf das Kohärenzvermögen unserer Körper und der Spezies selbst. Wobei unsere Antwort auf EINE solche Pandemie sicherlich EINE Impfung sein wird. Vom Regen in die Traufe – und Dekohärenz würde zum globalen Flächenbrand … und natürlich wären mal wieder, wie immer, die ANDEREN Schuld an unserer Misere, die wir aber selbst heraufbeschworen, gar erst ermöglicht hätten.

    • Ich denke, dass der menschliche Weg noch weitergehen und so enden wird, wie in „Die Maschine steht still“ von E.M. Forster beschrieben. Meiner Ansicht nach zeichnet sich das bereits jetzt ab.

      Die Technologie entgleitet uns. Der Mensch verliert die Kontrolle über die selbstgeschaffene Maschine und ist schließlich nur noch mit Pseudo-Reparaturen beschäftigt, wie ich gestern Abend, als ich plötzlich mit Spammails zugeschüttet wurde. 🙂 Ich habe allerlei Einstellungen geändert, ohne zu wissen, was die nun genau bewirken, weil ja WordPress sich auch laufend verändert.

      Es gibt immer mehr Großbaustellen, wo richtig dumme Sachen passieren. Da führt die Straße nicht auf die Brücke zu, sondern zwei oder fünf Meter daneben und keiner merkt es. Da werden in einem Hochhaus die Aufzüge vergessen. Da wird ein Krankenhaus mit zu schmalen Türen gebaut, sodass die Krankenbetten nicht durchpassen. Der Berliner Flughafen und der Stuttgarter Bahnhof als never-ending Pannenstories, die Milliarden mehr kosten als ursprünglich geplant. Das sind alles Anzeichen, dass was aus den Fugen gerät.

      Man bekommt Updates auf den PC eingespielt, ohne dass man die geringste Ahnung hat, was die eigentlich tun. Niemand hat eine Ahnung, warum das Geldsystem immer noch funktioniert oder das Stromnetz oder wie Billionen von Daten in Mikrosekundenschnelle transferiert werden: ist doch vom Benutzer schon längst nicht mehr nachvollziehbar. Da schreiben Programme Programme, und wir vertrauen darauf, dass das alles halt irgendwie funktioniert. Wir wissen nicht, was mit unseren Daten passiert. Wir wissen nicht, wie es wirklich mit den Ölvorräten aussieht. Wir wissen nicht, was es mit Krebs auf sich hat, wo sich die Anzahl der Erkrankungen ebenso wie die Getreidemenge seit den 70er Jahren verdoppelt hat. Keiner wundert sich, dass Kurzsichtigkeit epidemische Ausmaße angenommen hat. Früher konnte der Einzelne sein Auto und sein Bügeleisen noch selbst reparieren, das ist heute unmöglich. Die Liste könnte endlos weitergeführt werden.

      Unser menschlicher Weg wird nicht von den ANDEREN unterbrochen werden. Hast Du nicht selber mal einen Artikel geschrieben, dass Viren und Bakterien ja gar nicht die Absicht haben, ihre Wirte zu zerstören? Dass die alles dransetzen, dem Wirt möglichst wenig zu schaden, weil das eine Erfolgsstrategie für die Viren und Bakterien ist. Wobei das Impfen diesen Plan natürlich empfindlich stört.

      Und andererseits ist es doch so, dass die Menschen die ANDEREN vollständig kontrollieren WOLLEN, weil wir eine angstdominierte Spezies sind, die es nicht erträgt, wenn ANDERE ein eigenes Leben haben. Die allermeisten wollen keine echte Wildnis um sich herum, sondern eben eine Parklandschaft. Am besten noch eine, wo der Wolf friedlich neben dem Lämmchen liegt. Die Menschen können auch nur noch in einer durchgestylten Kulturlandschaft leben. 99,9% haben die Fähigkeit, MIT den ANDEREN zu leben, im Lauf der menschlichen Evolution verloren.

      Tja, und da Du und ich Menschen sind, bleibt uns nichts anderes, als diesen Weg mit den anderen Menschen zusammen weiterzugehen. Also tun wir das eben.

      • Du schreibst:

        “Unser menschlicher Weg wird nicht von den ANDEREN unterbrochen werden. Hast Du nicht selber mal einen Artikel geschrieben, dass Viren und Bakterien ja gar nicht die Absicht haben, ihre Wirte zu zerstören? Dass die alles dransetzen, dem Wirt möglichst wenig zu schaden, weil das eine Erfolgsstrategie für die Viren und Bakterien ist. Wobei das Impfen diesen Plan natürlich empfindlich stört.“

        Ich weiß nicht mehr in welchem Kontext diese Aussage getroffen wurde. Muss wohl schon etwas zurückliegen, da die HARMONIE nicht vorkommt 😉 .
        Unsere Auswirkungen auf die Biosphäre und auf das Leben als Ganzes werden immer von Viren und Bakterien beantwortet – HARMONISIERT – werden, umso schneller, je mehr gegen alles Mögliche kontextbefreit geimpft wird. Ob wir EINEN einzig Experiment bleiben und vergehen werden oder aber gemeinsam mit den ANDEREN EINEN ANDEREN Weg ermöglichen können, das werden Viren und Bakterien im Laufe der Zeit klarlegen, egal wie sehr wir versuchen werden, die Folgen unseres Wirkens nicht ertragen zu wollen. Und mit jeder natürlich verwobenen Fläche, die wir uns aneignen, rückt die Antwort näher.

      • Die Lösung – oder REHARMONISIERUNG – kann auf jeden Fall nicht vom Menschen ausgehen, weil er Probleme nicht anders angehen kann als mit technischen Strategien. Auch hinter der Öko-Bewegung, dem Energiesparen und dem Veganertum steckt dieses selbe „technische Denken“, das die Welt doch bloß in den Griff kriegen will. Der Mensch tauscht Sinn gegen Macht. Ich komme dahin, diesen Weg der Menschheit als gegeben zu akzeptieren und nicht länger zu versuchen, Kohärenz „zu retten“.

        Es ist doch so, dass die Geburtenraten nur in jenen Regionen der Welt zurückgehen, wo ein bestimmtes Maß an Fremdenergie und Technisierung den Konsum in Schwung bringen. Die Menschen, die der Natur am nächsten sind, die Kleinbauern mit Subsistenzwirtschaft, leiden Hunger. Die Bauern, die noch mit der Natur arbeiten und von ihr leben, gehen pleite. Das heißt, die Menschen, die am kohärentesten leben, sind die Verlierer. Die Technisierer hingegen werden wieder und wieder von der Gesamtdynamik unterstützt. China schreibt mit dem Bau von Kraftwerken, dem Aufbau der Industrie und dem Aufkauf von landwirtschaftlichen Flächen in Afrika und Pakistan gerade Erfolgsgeschichte. Es gelingt dem Menschen doch sehr gut, den Folgen seines Wirkens auszuweichen. Jetzt schwafeln Wissenschaftler ja schon davon, mit Schwefelaerosolen das Klima kühlen zu wollen, wenn es denn zu heiß wird. Tja, was will man dem entgegensetzen? Außer einer gewissen grundsätzlichen Müdigkeit, die sich allmählich bemerkbar macht.

  4. Du schreibst:
    “Die Allermeisten vertrauen darauf, dass die Megamaschine uns mit allem Notwendigen und mit noch mehr Überflüssigem bis in alle Ewigkeit versorgen wird, ohne zu wissen, ob wir morgen überhaupt noch genügend Energie zur Verfügung haben, um diese Megamaschine zu betreiben.“

    Wie gut für die Megamaschine, dass ihr immer mehr Menschen bereitwillig in den Megastädten ihre Lebensenergie zur Verfügung stellen. Das Digitalisieren aller Lebensbereiche ist doch nichts anderes als der Transfer von Energie – fort vom Leben, hin zur Technologie, mittels Vereinfachung und Aufbruch(Stimmung) durch Fragmentierung. Und wehe man erkrankt an den Folgen dieser Energieverschiebung, dann ist man schnell dabei die Schuld dem Zufall zuzuschieben, oder den Genen, oder bösen Viren und Bakterien, oder den Russen, oder … . Hauptsache, man kann die Schuld dafür von sich weisen, der man selbst sein Leben lang Anteil an dieser Entwicklung hat, ohne sich dessen auch nur etwas bewusst sein zu wollen, ohne sich davon auch nur ein bisschen anzunehmen, ohne bereit zu sein auch nur ein wenig von diesem Weg abzuweisen. Und dafür erwartet man dann Trost und Zuspruch von Nahestehenden und anderen Beteiligten:

    https://guidovobig.wordpress.com/2017/05/13/empathie-ist-eine-runde-sache/

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