Der etwas andere Text zu Ostern

Der Höhepunkt eines jeden Gottesdienstes ist nicht die Predigt, sondern die Wandlung. Die Choreographie einer Messe konzentriert sich auf diesen Punkt hin. Die Wandlung wird so erklärt, dass Jesus Christus durch die Kraft des Heiligen Geistes Brot in seinen Leib und Wein in sein Blut verwandelt. Ein Christ glaubt daran, dass Christus wirklich, also leibhaftig, in Wein und Brot gegenwärtig ist. Brot und Wein wurden durch die Worte des Priesters in ihrer Substanz verändert. Eine Wesensverwandlung also. Transsubstantiation.

Unter Kommunion versteht man den Empfang der Gaben von Brot und Wein, die nun den Leib und das Blut Christi repräsentieren.

Jede Mahlzeit ist ein heiliger Akt, der uns mit allem, was lebt und ist, verbindet. Jedes Stück Brot erfährt, indem ich es esse, eine wesenhafte Verwandlung. Eine Transsubstantiation, geradeso, wie die Kirche sie für die Hostie beschreibt.

Was einmal Brot gewesen ist, wird zu meinem Leib. Und zwar ganz konkret: Das Brot wird in seine molekularen Bestandteile zerlegt, über die Darmwand in meinen Stoffwechsel aufgenommen und durch die emsige Arbeit vieler Zellen in meinen Leib verwandelt. An irgendeinem Punkt in diesem Vorgang hört das Brot auf, Brot zu sein. Es verwandelt sich in meinen Leib. Daran ist an sich nichts Geheimnisvolles und nichts Rätselhaftes, aber ein Wunder ist es dennoch.

Bevor es zum Brot wurde, reifte das Getreide dank Sonnenlicht, Wasser und Mineralien auf dem Feld heran. Im Getreide vereinigen sich die vier Elemente Erde, Wasser, Licht und Luft. Wenn ich Brot esse, habe ich teil an dieser Vereinigung. Sie hebt mich über mich selber hinaus und bindet mich in den großen Kreislauf der Natur ein. Nahrungsaufnahme ist nichts Banales. Nichts, das man achtlos nebenher erledigen sollte. Eigentlich seltsam, dass wir uns dieser Dimension unserer Existenz bei all unserer angeblichen Bewusstwerdung so wenig bewusst sind, ja sie immer weniger spüren und sogar vergessen. Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass Fast und Convenience Food sich immer größere Marktsegmente erobern. Der Herd und damit die Küche als das ursprüngliche Zentrum aller menschlichen Aktivitäten hat ausgedient. In Amerika gibt es anscheinend sogar schon Häuser, wo sich, was mal Küche war, auf Mikrowelle und Wasserkocher beschränkt.

„Stoffwechsel heißt, den eigenen Stoff mit der Welt zu tauschen. Wenn ich etwas esse, so durchläuft mich dieser Brennstoff ganz anders als einen Motor das Benzin. Dieses wird im Kolben gezündet, verbrennt und verlässt dann den Auspuff wieder als CO2. Die Nahrung aber, die ich zu mir nehme, wird stofflich zu einem Teil von mir. Die Zellen müssen dafür ein anderes Stück ihrer eigenen Substanz hergeben. Wir alle stoßen mit jedem Atemzug einen Teil von uns an die umgebende Luft ab. Im selben Maße entstehen wir neu aus den Produkten der Erde. Was eben noch ich war, ist jetzt schon das CO2-Molekül in der Lunge des Gegenübers und dann ein Stück Grashalm auf der Wiese. Was eben noch Korn auf dem Feld war, ist nun bereits „Ich“. Aber dieses Ich ist stets ein anderer, weil es nicht aus meinen eigenen spezifischen Stoffteilchen besteht, sondern weil der Stoff, der mich bildet, beständig wechselt.“ (Andreas Weber, Alles fühlt, S. 58).

Im Gottesdienst folgt die Kommunion auf die Wandlung. In Wirklichkeit ist es gerade anders herum. Zuerst erfolgt die Kommunion, der Empfang der Gabe, die Teilhabe, und dann die Wandlung, die wesenhafte Verwandlung der Nahrung in meinen Leib.

Doch nicht nur die Reihenfolge wird im religiösen Ritus verdreht. Er gründet zudem auf einer heimlichen Vertauschung von dem, was wir in dualistischer Weise als Geist und Materie definieren. Im religiösen Ritus wird der Geist zum verbindenden, die Körperhaftigkeit zum trennenden Element. Dem Gläubigen wird suggeriert, dass alle Menschen, über den Geist verbunden, eine Gemeinschaft, eine Einheit bilden.

In Wirklichkeit ist es unser stofflich-materieller Anteil, über den wir mit anderen Menschen und der Welt zutiefst verbunden sind. Diese Verbundenheit erwächst aus dem beständigen Austausch der Materie, aus dem wirbelnden Tanz der Teilchen. Es ist ein permanentes Geben und Nehmen, an dem alles Sein teilhat und von dem niemand ausgeschlossen ist.

Die Kirche lehrt uns, dass wir über unseren Geist am Göttlichen teilhaben. Das bedeutet, dass mein Geist zumindest ein Widerschein des göttlichen sein muss, denn wäre mein Geist dem göttlichen nicht zumindest ähnlich, dann könnte ich nicht an ihm teilhaben. Doch dieser Geist bedeutet Entfremdung: von der Natur, vom Leben, von den Anderen, von mir selbst.

Wenn ich meinen eigenen Geist beobachte, stelle ich fest, dass er es ist, der mich von allem trennt. Ich fange an, mich fremd zu fühlen, sobald ich andere Menschen oder die Welt als von mir getrennte Objekte betrachte. Das geschieht nicht über den Körper, sondern über den Geist. Da die materielle Seite nicht beständig ist, kein Ich kennt, sondern aus permanentem Geben und Nehmen besteht, also Stoffwechsel ist, kann die körperliche Erfahrung nicht objektiviert werden. Sie ist immer subjektiv, immer eingebettet in die Umwelt, immer in der Teilhabe mit den Anderen, immer im Austausch mit allem.

Wenn ich die Anderen und die Welt als von mir getrennte Objekte betrachte, muss ich einen künstlichen Weg (er)finden, um mich mit den Anderen zu verständigen oder mich in der Welt zurechtzufinden. An die Stelle von Kommunion im Sinne von Teilhabe tritt im geistigen Austausch die Kommunikation. Im Gegensatz zur Kommunion ist Kommunikation nicht unmittelbar, spontan und direkt, sondern vermittelt. Es gibt Sender und Empfänger, die über ein Medium miteinander in Verbindung stehen, ansonsten aber getrennt voneinander sind. Als Medium dient eine Sprache. Ob Bildersprache, Gestik, gesprochene Sprache oder Schrift, ist dabei unerheblich.

Da ich ein Medium (eine Sprache) benutzen muss, kann ich nie mit Sicherheit sagen, dass ich mein Gegenüber wirklich verstanden habe. Die Benutzung einer Sprache ist eine Quelle unendlicher Missverständnisse. Im Grunde weiß ich nicht, was im Geist eines anderen Menschen wirklich vorgeht, was er denkt oder fühlt. Ich bin auf das angewiesen, was er von sich preisgibt. Doch selbst, wenn der Andere mir einen Einblick in seine Innenwelt gibt, kann ich nicht sicher sein, dass ich es so verstanden habe, wie es gemeint war.

Was in der Kommunion Teilhabe durch wesenhafte Verwandlung ist, ist in der Kommunikation Information, die weder den Sender noch den Empfänger wesenhaft verwandelt. Es ist wie beim Motor, bei dem das Benzin bloß durchläuft. Wie beim Motor durch die Verbrennung von Benzin Energie freigesetzt wird, so geschieht das auch in der Kommunikation. Der Austausch von Information löst energetische Prozesse aus. Es ist jedoch ein Irrtum zu glauben, dass energetische Prozesse wie beispielsweise ein Shitstorm oder eine Bundestagsdebatte gleichzeitig mit einer wesenhaften Verwandlung einhergehen. Meist ändert sich dadurch nämlich erstmal gar nichts. Wenn Wissenschaftler uns nun einreden wollen, dass Information der Urstoff ist, aus dem alles besteht, dann heißt das nichts anderes, als dass wir Menschen der Welt vollkommen entfremdet sind. Noch entfremdeter kann man gar nicht sein. Wo alles nur noch Information und keine Teilhabe mehr ist, ist die Trennung absolut. Ich glaube, man sollte nicht immer auf die Wissenschaftler hören.

Unser Geist ist unser Gefängnis, aus dem wir nicht herauskommen. Genau darauf weist Platons Höhlengleichnis hin. Diese Trennung von der Welt und den Anderen durch unsere geistigen Gefängnismauern ist die Quelle all unserer Missverständnisse und all unserer Kriege. Deshalb führen Tiere in der Regel keine Kriege. Weil sie mit weniger oder gar keinem Geist wie dem unseren ausgestattet sind.

Ich frage nicht nur mich, sondern auch die Priester: Wie kommt die Kirche dazu, uns gerade das Gegenteil von dem zu lehren, was der Wirklichkeit entspricht und was jeder an sich selbst beobachten kann? Und wieso glauben wir das unwidersprochen? Warum gehen wir nicht von unseren eigenen konkreten Erfahrungen aus?

Kommunion und Wandlung sind in der Tat heilige Handlungen. In dieser Reihenfolge. Und nicht, wenn sie in der Kirche stattfinden. Wir vollziehen sie jeden Tag, und das heiligt unseren Alltag und macht unser Leben reich und kostbar.

12 Kommentare zu “Der etwas andere Text zu Ostern

  1. Ich frage mich, ob es zwischen diesem Artikel und der interessanten Diskussion auf dem letzten Thread „Der normierte Weltbürger“ nicht einen Zusammenhang gibt. Über den Ritus werden Inhalte transportiert, die durch permanente Wiederholung verinnerlicht werden. Das ist der Zweck des Ritus. Wenn durch den Ritus nun, wie oben beschrieben, der natürliche Ablauf verdreht wird, führt die Verinnerlichung dieser Verdrehung dann nicht automatisch zu Dekohärenz?

    Der natürliche Ablauf wird segmentiert, die einzelnen Phasen des Ablaufs vertauscht, und schon stimmt nichts mehr.

    Bei der Transsubstantiation in der Messe habe ich sowieso Verständnisschwierigkeiten. Kann es tatsächlich zu einer wesenhaften Verwandlung kommen, ohne dass sich an der Erscheinung auch nur das Geringste ändert?

    • Die verinnerlichten natürlichen Abläufe sind meiner Ansicht nach identisch mit Instinkt. Deshalb waren wir Menschen, als wir noch Waldaffen waren, in die natürlichen Abläufe eingebettet, nicht anders als Tiere. Das entspricht der Einheit von Außen- und Innenwelt. Die Sinneswahrnehmungen und die gefühlsmäßigen Reaktionen entsprachen einander. Diese Einheit wurde durch den Umgang mit dem Feuer zerstört. Es liegt nahe anzunehmen, dass unsere Vorfahren sich mit dem Feuer in gewisser Weise identifizierten, es zumindest als lebendig betrachteten. Vom Instinkt her scheut das Tier das Feuer. Unsere Vorfahren mussten also ihren Instinkt überwinden. Zu diesen Zweck erfanden sie Riten, aus denen sich im Fortgang die Religionen entwickelt haben. Von daher scheint es logisch, dass die Religionen sich gegen das Instinktive in uns wenden, und das tun sie ja auch.

      Dass sich unsere Vorfahren mit dem Feuer identifizierten, zeigt sich daran, dass das Sonnenfeuer, wie auch andere Himmelserscheinungen, in der Bronzezeit mit personifizierten Gottheiten gleichgestellt wurden. Der Sonnengott verdrängte schließlich alle anderen Gottheiten, eben auch die erdgebundenen, und wurde im Bewusstsein unserer Vorfahren allmächtig. Auch heute glauben die meisten immer noch, dass alles Leben ausschließlich von der Sonne kommt, obwohl in der sonnenlosen Tiefsee Mikroben nachgewiesen sind, die ihr Entstehen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht der Sonne verdanken.

  2. Du schreibst:

    “Auch heute glauben die meisten immer noch, dass alles Leben ausschließlich von der Sonne kommt, obwohl in der sonnenlosen Tiefsee Mikroben nachgewiesen sind, die ihr Entstehen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht der Sonne verdanken.“

    Das stimmt so nicht, denn all das sonnenaufgeladene Plankton sinkt irgendwann auf den Meeresboden. Zudem ist Meerwasser ein sonderbarer Stoff, mehr ein Gel, in dem feinste Strukturen verwoben sind, die quasi als Lichtleiter bzw. als Informationsleiter dienen. Je tiefer es ins Wasser geht, desto mehr Farbinformationen werden mit zunehmender Tiefe dem Licht entnommen. Lichtinformation besteht aber nicht nur aus den Farbfrequenzen. Somit kommt auch im Marianengraben noch Sonneninformation an. Vielleicht fungiert die Tiefsee als Blinddarm, zur Bewahrung von Information, die nicht ohne Grund im Dunkeln schlummern.

    Auch in den Tiefen von Gesteinsschichten gibt es reichlich mikrobielles Leben ohne direkten Zugang zum Sonnenlicht, allerdings gibt es die Beobachtung, dass der Erdkern mit der Sonne in Beziehung steht und somit indirekt Sonnenlicht aus dem Kern der Erde das Leben in (!) der Erde informiert. Wie gesagt, Sonnenlicht besteht ja nicht nur aus dem sichtbaren Anteil.

    • Man vermutet ja neuerdings unter den kilometerdicken Eisschichten der Saturnringe die Möglichkeit von mikrobiologischem Leben. Vielleicht ist die Fixierung auf die Sonne als einzige lebensspendende Kraft ebenfalls eine Verdrehung, die durch unseren Feuerwahn begründet ist.

      Ich neige ja schon ernstlich zu der Ansicht, dass Leben der Quell ist, aus dem alles kommt, eben auch die scheinbar unbelebte Materie. Dass Leben aus der physikalischen Selbstorganisation von unbelebter Materie heraus entsteht, ist doch nur eine von verschiedenen Möglichkeiten, Leben zu erklären. Ich denke nicht, dass Licht ewig ist, sondern Leben. Leben kann sich über die Energie von Sonnenlicht in materielle Formen ergießen, aber geradeso über Dunkelheit. Was spricht dagegen? Zumal das Sonnenlicht ja eben auch nicht aus dem Nichts kommt, sondern aus der Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium. Da liegt es doch nahe, den Quell des Lebens woanders zu vermuten. Vielleicht ist die Vorstellung von einem Urmeer gar nicht so falsch. So vakuumleer, wie behauptet wird, ist das Universum ja nicht, wenn da Neutrinos durchflitzen.

      Möglicherweise ist das, was die Physik als Hintergrundstrahlung wahrnimmt, nicht das Echo des Urknalls, sondern das Urmeer und unser Universum ist nichts anderes als eine Art Blase darin. Diese Vorstellung hat übrigens Fred Hoyle vertreten, der dann das Wort „Big Bang“ erfunden hat, das eigentlich dazu diente, die Urknall-Theorie mit einem etwas überheblichen Lächeln zu diskreditieren. Dieser Versuch ging wohl nach hinten los 🙂

      • Wenn die NASA vom Leben irgendwo im Sonnensystem spricht, dann doch am ehesten um als Organisation wichtig zu bleiben und sich Forschungsgelder zu sichern 😉

        Exformation ist Information, die für bleibendes Verständnis sorgt, aber eben mit weniger Information auskommt, weil der Unterschied zwischen der Exformation und der Information nicht immer wieder mitgeteilt werden muss. Exformation ist somit absichtlich ausgelassene Information, ganz im Sinne von: Beschränke alles auf das Wesentliche, aber zerstöre nicht die Poesie. Vielleicht ist das Universum nichts weiter als all (!) jene Informationen, die nicht mehr mitgeteilt werden müssen. Dann ist das All die Exformation und das Leben das Wesentliche und die Lebendigkeit, die HARMONIE, die LIEBE zum Leben die Poesie 🙂 …

        Jenseits vom Mars ist das Universum für uns materielos und nur eine Vorstellung. Es ist geradezu so, als würden wir von der Erde aus das All Schritt für Schritt materialisieren und in Tatsächlichkeiten umwandeln, indem wir aus dem Meer der Möglichkeiten schöpfen. Den Mond haben wir betreten, den Mars haben wir durch Newton greifbar werden lassen. Darüber hinaus ist alles möglich, denn darüber hinaus hatte Newton bisher keinen Zugriff. Soll heißen: Es lebe der Biozentrismus … denn die Weiten des Alls sind der biozentrische Schnee von gestern … ja, das Leben ist der Quell aus dem das All kommt 🙂

      • „Das Leben ist der Quell, aus dem das All kommt.“ Ja, das ist der Kern meiner Weltsicht.

        Vergiss Rosetta nicht, wenn Du darüber spekulierst, dass wir von der Erde aus das All Schritt für Schritt materialisieren. 🙂
        Dieser Gedanke von Dir ist mir übrigens ein bisschen zu sehr in der Geist-Materie-Trennung verhaftet, denn das würde doch wieder heißen, dass der Geist durch Beobachtung oder wie auch immer die materielle Welt erst erschafft. Das ist ein spekulativer Gedanke. Zu meiner Weltsicht bin ich durch die Aufhebung der Trennung von Geist und Materie gekommen.

  3. Wenn Kommunikation die Simplifikation der Kommunion ist und die virale Verbreitung der Smartphones eben Ausdruck dieser Vereinfachung von Kommunikation ist, dann offenbart sich, dass die Machinen nicht unsere Sprache irgendwann verstehen und sprechen wie wir, sondern dass wir immer mehr so sprechen wie wir sprechen müssen, damit uns die Maschinen verstehen können. Insbesondere Jugendliche telefonieren kaum noch, sondern verschicken Text und Sprachnachrichten. Es findet kein Dialog mehr statt, sondern eine Aneinanderkettung von ichbezogenen Monologen, die zudem aus einem zeitlichen Kontext herausbewegt werden. Im Grunde gleicht die menschliche Kommunikation immer mehr EINEM Flowchart, in dem aber der wesentliche Fluss, dessen, was Kommunion ausmacht, zerstückelt, fragmentiert wird. Diese Form der Kommunikation führt dazu, dass auch die Welt entsprechend wahrgenommen wir. Vor allem, wenn diese Kommunikation im Umgang mit anderen Menschen und der Welt an sich überwiegt …

    • Ja, genau das ist es, was ich beobachte. Kommt hinzu, dass sich die Sprache selbst vereinfacht, dass Worte und Begriffe fehlen für das, was man eigentlich sagen will, dass die Beziehungen zwischen Satzteilen aufgelöst werden, sodass man nicht mehr weiß, ist das nun kausal, final oder beiordnend gemeint, dass die Worte ihre Bedeutung verlieren, dass immer mehr Worthülsen in Umlauf kommen und … und … und … Sprache und diese Veränderungen von Sprache sind der Stein, der vor Platons Höhle gerollt wird. Aber das merken wir nicht, weil wir in der Höhle inzwischen ja Filmprojektoren haben, die Schatten von Schatten von Schatten werfen. So driften wir in die völlige Vereinsamung hinein, die aber notwendig ist, damit wir noch gar zum Maschinenwesen mutieren können.

  4. Passend dazu: http://www.focus.de/digital/internet/facebook/entwickler-stellen-projekt-vor-facebook-will-gedanken-lesen-und-in-geschrieben-text-umwandeln_id_6990980.html

    Dazu passen auch noch ein paar Worte bezüglich Zuckerbergs Dämon: https://guidovobig.wordpress.com/2017/04/20/ein-daemonischer-vergleich/

    Was nutzt eigentlich alles Teilen und worüber soll man reden, wenn Kontexte aufgelöst werden und jeder Mensch sein Leben derart “individuell“ gestalten kann, dass man nichts mehr mitzuteilen hat, weil keiner weiß, worüber ein anderer spricht? Schließlich macht sich irgendwann jeder seine digitale Welt, wie sie ihm gefällt.

    • „Schließlich macht sich irgendwann jeder seine digitale Welt, wie sie ihm gefällt …“
      Darauf läuft es hinaus: ein ewiges Kreisen um sich selbst.
      Soll niemand sagen, wir hätten das nicht absehen können.
      Wir sehen es! Überdeutlich!

      • Nun, mit dieser Entwicklung lässt sich in Zukunft reichlich Geld verdienen – während die Masse mit einem Minigehalt bei Laune gehalten wird. Es ist erstaunlich, wie bereitwillig die Masse sich bereits jetzt schon auf ihre Kosten abspeisen lässt, nur um sich in naher Zukunft, mittels Möglichkeiten, die das “komplexe“ Leben vereinfachen, noch weit mehr abspeisen zu lassen. Dazu mal in Kürze an anderer Stelle mehr … sozusagen als kleinen Vorgeschmack auf eine Geschichte aus Teil 4 des dissoziativen Romans.

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