Die Mär vom Ende des Ölzeitalters

Als Menschen leben wir in Geschichten, nicht in der Wirklichkeit. Was wir uns von morgens bis abends erzählen, sind unsere eigenen Erfindungen. Wir sind nicht die Schöpfer der Welt, aber von Geschichten über die Welt. Manche dieser Geschichten sind sehr mächtig. Sie haben das Potenzial, die Welt zu verändern. Mächtige Geschichten verbreiten sich. Das heißt, sie werden von immer mehr Menschen geglaubt, die ihr Leben schließlich an dieser Geschichte ausrichten. Die Geschichte vom Ende des Ölzeitalters ist eine solche mächtige Geschichte.

Die Geschichte, die uns erzählt wird, geht folgendermaßen: Wir haben in der Vergangenheit bereits mehr als die Hälfte der fossilen Brennstoffe verbraucht. Zumindest, was Erdöl angeht. Aber auch Erdgas und Kohle sind endliche Ressourcen. Atomkraft ist wegen der damit verbundenen Risiken keine wirkliche Option, und wäre sie eine, würde uns das nicht viel weiter bringen, denn das zur Verfügung stehende Uran hält auch nicht besonders lange vor. Auf die Zeit der Fülle und Verschwendung wird also demnächst unweigerlich die Zeit des Mangels folgen. Den fetten folgen die mageren Jahre, das wusste schon die biblische Geschichte um Josef, der McKinsey des damaligen Pharaos. Uns Modernen geht es heute nicht anders. Wie der kluge Pharao müssen wir dem kommenden Mangel vorbeugen und deshalb auf erneuerbare Energien setzen. Das sind Holz, Biomasse, Wasserkraft, Wind und Sonnenenergie. Wir können den Weltenergiebedarf auch bei steigender Weltbevölkerung ganz und gar aus erneuerbaren Energiequellen schöpfen, wenn wir uns entsprechend einschränken und die Energien achtsam und effizient nutzen.

Ich erinnere mich daran, dass in meiner Jugend Holzheizungen wegen ihrer schädlichen Emissionen verboten waren. Und jetzt sollen sie uns und unseren Kindern plötzlich die Zukunft sichern? Klar, die Abgastechnik hat in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht. Eine moderne Heizung stößt nur noch einen Bruchteil der Schadstoffe aus wie eine von 1960. Auch die Energieeffizienz dieser Öfen hat sich verbessert. Mit ein paar Scheiten Holz kann man die Wohnung wohlig heizen und am nächsten Morgen sogar noch die Nachwärme genießen. Das hört und fühlt sich wunderbar an.

Es gibt ein paar Sachen, die in der Geschichte nicht erzählt werden: Aufgrund unserer zunehmenden Neigung zum Alleinleben brauchen immer mehr Menschen einen Holzofen und die entsprechende Menge an Brennmaterial. Die Wohnfläche pro Person hat sich seit 1950 mehr als verdoppelt und dieser zusätzliche Raum will beheizt werden. Dass dies in der Geschichte nicht auftaucht, liegt daran, dass der oder die Erzähler auf die zusätzliche Wohnfläche nicht verzichten wollen. Ebensowenig wollen sie ihren beheizten Wohnraum wie früher mit der Großfamilie teilen, zu der eben auch schreckliche Tanten und Onkel gehören, die man lieber von hinten oder gar nicht sieht.
An solchen wundersamen Aussparungen erkennt man übrigens, dass es sich bloß um eine Geschichte und nicht um die Wirklichkeit handelt.

Was auch nicht erzählt wird, ist, dass Holz in Europa schon mal der Hauptenergielieferant gewesen ist. Holz hat schon in der Antike nicht ausgereicht, als bloß ein paar Millionen Menschen in Europa lebten. Das Ergebnis war nämlich, dass der Kontinent abgeholzt wurde. Das zur Verfügung stehende Holz hat selbst dann nicht gereicht, als neugegründete Forstbehörden Abgeholztes in schnell wachsenden Fichten-Monokulturen systematisch wieder aufgeforstet haben. Ersetzt man Holz durch noch schneller wachsende Biomasse, versucht man, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben, denn je schneller Pflanzen wachsen, desto mehr laugen die Böden aus und müssen mit Erdölprodukten gedüngt werden. Dass die Waldflächen in Deutschland im 20. Jahrhundert netterweise wieder zugenommen haben, ist übrigens den fossilen Energieträgern zu verdanken, die billiger als Holz waren.

Wenn Holz so langsam nachwächst, dass es nicht für eine Milliarde Menschen reicht, wie soll es dann für sieben, acht, zehn Milliarden Menschen reichen? Holz steht also nur in begrenzten Mengen zur Verfügung und kann die Energielücke, die durch den Wegfall der fossilen Brennstoffe entsteht, keinesfalls schließen. Zumal die Erzähler dieser Geschichte ja auch noch suggerieren, dass wir in Zukunft trotz verstärkter Holznutzung rings um uns herum naturnahe Wälder haben werden, die unserer Erholung dienen und schöne Wander- und Joggingwege für uns bereithalten.

Wasserkraft ist eine Energiequelle, die schon seit langer Zeit genutzt wird. Man hat nie damit aufgehört, Wasserkraft zu nutzen, wo es sinnvoll ist, sie zu nutzen, auch im Ölzeitalter nicht. Zur sinnvollen, also weitgehend schadlosen Nutzung brauchen Flüsse allerdings ein bestimmtes Gefälle, sonst veralgen und verschlammen sie und sterben ab. Wasserkraft kann in Europa nicht mehr in nennenswert größerem Umfang ausgebeutet werden. Hier sind die Grenzen schon fast erreicht.

Bleiben also Wind und Sonne. Beides sind sogenannte volatile Energieträger, das heißt, sie stehen nicht konstant zur Verfügung, sondern eben bloß, wenn der Wind bläst und die Sonne scheint. Zudem liefert die Sonne immer dann besonders viel Energie, wenn man sie gar nicht braucht, nämlich im Sommer. Weder will man im Sommer heizen noch vermehrt die Maschinen laufen lassen und arbeiten.

Ein Stromnetz ist eine empfindliche Angelegenheit. Wenn zuviel Strom eingespeist wird, bricht es ebenso zusammen, wie wenn zuviel entnommen wird. Wind und Sonne garantieren keine gleichmäßige Einspeisung. Die Energiewende in Deutschland sieht realiter so aus, dass die herkömmlichen Kraftwerke annähernd gleich viel Energie wie vor der besagten Wende produzieren müssen. Durch den in Angriff genommenen Verzicht auf Atomkraft wurden sogar alte Kraftwerke, deren Emissionen gewaltig und deren Effizienz schlecht ist, wieder in Betrieb genommen. Das angeblich ach so umweltfreundliche Öko-Deutschland ist deshalb, was die CO2-Bilanz angeht, durchaus kein Vorzeigeland. Seit der Energiewende sind die Emissionen nämlich angestiegen. Auch das ist etwas, das in der Geschichte der erneuerbaren Energien meist verschwiegen wird.

Wie man sieht, stimmt an der Geschichte, wie sie uns von den Verfechtern der Energiewende erzählt wird, so manches nicht.

Man könnte die Geschichte von den erneuerbaren Energien allerdings auch anders erzählen. Es ist richtig, dass die Vorräte an fossilen Brennstoffen, die in der Erde verbuddelt sind, zur Neige gehen. Aber es ist möglich, aus Sonnenenergie, Kohlenstoff und Wasser synthetische Treibstoffe herzustellen, also künstliches Benzin zu machen. Es ist auch richtig, dass die Sonne uns weitaus mehr Energie zur Verfügung stellt, als wir nutzen können. Es ist richtig, dass die Sonne eine schier unerschöpfliche Energiequelle ist. Energie steht uns im Überfluss zur Verfügung. Deshalb macht es auch nichts, wenn das Energieverhältnis von Sonne zu künstlichem Benzin ein miserables ist und man sehr viel Sonnenlicht braucht, um ein bisschen Benzin oder Öl zu gewinnen. So schlecht sieht es aber gar nicht aus. Aus 100 Megawatt Sonneneinstrahlung lassen sich anscheinend 16.000 Liter Benzin pro Tag gewinnen. Wer es nicht glauben will, kann es hier nachlesen.

In dieser Geschichte, die uns die Wissenschaftler der ETH Zürich erzählen, gibt es gar keine Mangelsituation. Vorzugsweise in den Wüsten der Welt, wo es sowieso kaum Leben gibt und also nichts zerstört wird, könnte man, wenn man wollte, gigantische Solaranlagen errichten, die synthetische Treibstoffe produzieren und den Weltbedarf abdecken. Das Leben könnte grade so weitergehen wie bisher oder sogar noch bequemer werden.

Diese Geschichte der Fülle, der Verschwendung und eines Lebens im technischen Schlaraffenland ist genauso möglich wie die Geschichte, dass wir nachhaltig wirtschaften, uns einschränken und klein machen müssen. Die Geschichte, dass wir bescheiden werden und uns überdies in unserer Bescheidenheit kontrollieren lassen müssen, ist die mächtigere der beiden Varianten. Tatsächlich werden überall in Europa in den Haushalten ja schon intelligente Stromzähler eingebaut, die uns in absehbarer Zukunft vorschreiben werden, wann wir die Waschmaschine einschalten dürfen und wann nicht. Warum tun wir uns das an?

Die Frage ist, warum wir lieber an eine Geschichte des Mangels und der Einschränkung glauben als an eine Geschichte der Fülle und der Verschwendung? Wieso findet die Geschichte des synthetischen Benzins nicht dieselbe oder sogar mehr Resonanz als die Geschichte vom Ende des Ölzeitalters? Zumal die Geschichte mit dem künstlichen Treibstoff weniger Lücken und Brüche hat als die Mangelgeschichte und uns ein deutlich angenehmeres Leben bieten würde. Das ist doch seltsam, oder?

Auf diese Frage gibt es zwei unterschiedliche Antworten. Die erste Antwort ist, dass die Geschichte vom Ende des Ölzeitalters und des darauf folgenden Mangels eine religiöse ist und dass es hier wie in allen religiösen Geschichten darum geht, die Mitmenschen in Angst und Schrecken zu versetzen und auf diese Weise nicht nur in Abhängigkeit, sondern auch klein zu halten. Das Herrschaftsinstrument aller religiösen Gruppierungen ist und bleibt nun mal die Angst, die man verbreitet. So eben auch hier.

Die zweite und das ist meine persönliche Antwort ist, dass ich in diesem technischen Schlaraffenland nicht glücklich bin. Ich brauche nicht noch mehr Straßen, noch mehr Hochhäuser, noch mehr Gewerbegebiete, noch mehr Ölraffinerien, noch mehr Stromleitungen, noch mehr Kondensstreifen am Himmel und noch mehr technischen und sonstigen Schnickschnack um mich herum. Die Welten wie sie in Star Wars, Blade Runner und anderen SF-Filmen gezeichnet werden, sind für mich Horrorwelten. Ich habe kein gesteigertes Verlangen danach, in Flugbooten durch irgendwelche Straßenschluchten zu rasen und die Nacht vollständig zum Tag zu machen oder umgekehrt. Ich brauche zum Glücklichsein Weite, Natur, Tiere und Pflanzen um mich herum, und das Ganze möglichst abwechslungsreich und bunt gestaltet.

Im selben Maß, wie die technisch-industrielle Welt um mich herum zunimmt, lähmt sie mich und nimmt mir die Lebensfreude. Ich denke automatisch, so wie die Welt in meiner Kindheit war, war sie noch in Ordnung. Klar, das ist natürlich subjektiv. Jeder technische Fortschritt, den ich live miterlebt habe, hat die Welt für mich nicht verbessert, sondern bei näherer Betrachtung immer mehr Nach- als Vorteile für mich gehabt. Allerdings bin ich schon in eine Welt mit Kühlschrank, Waschmaschine und Auto hineingeboren. Wobei sich die Zahl der Autos damals nicht mit der von heute vergleichen lässt.

Deshalb ist jede Geschichte, die den technischen Fortschritt zugunsten einer natürlichen Umwelt eindämmt, für mich zuerst mal eine gute Geschichte. Aber die Geschichten müssen wahr sein. Je wahrer, desto besser. Eine unwahre Geschichte bewirkt nämlich genau das Gegenteil von dem, was beabsichtigt ist.

Die Geschichte vom Ende des Ölzeitalters und den erneuerbaren Energien als zukunftsträchtiger Ersatz ist eine unwahre Geschichte, wenn sich Öl künstlich aus Sonnenlicht, Kohlenstoff und Wasser herstellen lässt. Die erneuerbaren Energien, so wie sie derzeit eingesetzt werden, haben bei näherer Betrachtung mehr Nach- als Vorteile und können unseren auf eine gewisse Konstanz angewiesenen Energiebedarf nicht decken. Das ist nämlich physikalisch nicht möglich, und gegen die Gesetze der Physik kommen unsere Geschichten dann doch nicht an. Diese Geschichte wird uns also nicht in die angenehme Zukunft führen, wie ich sie mir und vielleicht auch viele andere sich erträumen. Sondern in eine Diktatur. Wenn die Geschichte so umgesetzt wird, wie sie erzählt wird, läuft es darauf hinaus, die Menschen an die volatilen Energieträger Sonne und Wind anzupassen. Konkret sieht das so aus, dass dem Menschen die Energiemenge zugeteilt wird, die er verbrauchen darf. Und da gibt es eben jemand, der das bestimmt. Ob das nun ein Diktator, eine Öko-Partei, eine Expertenkommission oder eine KI ist, ist im Endeffekt egal. Die intelligenten Stromzähler sind schon mehr als nur ein Schritt in diese Richtung.

Wir sollten gründlich über die Geschichten nachdenken, die wir uns selber und unseren Mitmenschen erzählen. Es ist gut möglich, dass der bevorstehende Energiemangel in Wirklichkeit erst durch die Maßnahmen erzeugt wird, die aufgrund der Geschichten vom Ende des Öls und von den erneuerbaren Energien ergriffen werden.

17 Kommentare zu “Die Mär vom Ende des Ölzeitalters

  1. Ich finde mich mit deiner Bezeichnung „Öko-Freak“ auch angesprochen. Allerdings ist mir sehr bewusst, dass wir unsere moderne Lebensweise so nicht weiterführen können, sondern in vermutlich recht kurzer Zeit radikal zu ändern haben. Das kommt in meiner Version der Geschichte als zentraler Bestandteil vor. Diese Debatte findet übrigens verstärkt seit letztem Jahr auch in der Zeitschrift Oya statt.

    Du schreibst: „Wir sehnen uns ja auch nicht danach zurück, mit den Hühnern schlafen zu gehen oder im Winter in der ungeheizten Bude zu hocken.“
    Doch, manchmal sehne ich mich danach zurück. Weiss nur nicht, wo anfangen mit dem Aufhören. Einige meiner Entscheidungen widersprechen anderen.

    Davon abgesehen bin ich auch ein Fan der Cradle to Cradle-Herangehensweise von Michael Braungart. Der redet und schreibt ja auch sehr vehement gegen die Mangel-Ideologie an, indem er z.B. sagt, warum unseren ökologischen Fußabdruck kleiner machen, wenn wir ihn auch einfach verschönern können?

  2. Kann synthetischer Treibstoff EINE Lösung sein? Hat dieser Treibstoff eine vergleichbare Energiedichte, wie jener aus Erdöj gewonnene? Woher kommen die Anlagen und woraus werden sie gebaut? Ist genug Wasser vorhanden? Was passiert mit dem CO2 in der Luft und wie beeinflusst das die Vegetation weltweit? Welche natürlichen Kreisläufe werden durch die Synthese auf Dauer quadriert, sprich, als feedbackreicher Kreislauf zerstört? Das eigentliche Problem liegt doch eher in unserer Form der Fortbewegung, die nichts mehr mit dem Vermögen des Körpers zu tun hat sich selbst fortzubewegen.

    Ob synthetischer Treibstoff das kleinere Übel zum gegenwärtigen ist? Wohl eher nicht, eher ein weiteres, anderes Übel, was uns als Lösung erscheint, aber dadurch im Verlauf noch übler ist, weil neue Hoffnungen sich nicht erfüllen.

    • Synthetischer Treibstoff ist eine Lösung, die unsere Menschwerdung im Sinne der Vercyborgisierung weiter vorantreibt. Man braucht Temperaturen von 1.500 Grad, die man in der Wüste wohl mit Spiegeln gewinnen kann. Der Kohlenstoff wird der Luft entnommen, das hält also sogar den CO2-Gehalt der Atmosphäre stabil. Wir haben da so einige Meere, aus denen man reichlich Wasser entnehmen kann. Das Projekt hört sich tatsächlich gut an, wenn man dran glaubt, dass technischer Fortschritt eine feine Sache ist. Mit der Vercyborgisierung geht natürlich auch die Umwandlung der Biosphäre in eine Technosphäre einher, aber das kratzt uns wenig, weil wir unserem Wesen nach ja doch eher Cyborgs sind. Für unsere Nachfahren ist die Technosphäre so normal wie für unsere Generation der Kühlschrank und die Waschmaschine. Die werden nicht vermissen, was sie nicht kennen. Wir sehnen uns ja auch nicht danach zurück, mit den Hühnern schlafen zu gehen oder im Winter in der ungeheizten Bude zu hocken.

  3. “Wie wäre es, wenn man die Armen zur Abwechslung mal selbst entscheiden lassen und die Initiative ihnen überlassen würde?“

    Was für ein absurder Gedanke 😉 … das klingt, als würde ein amerikanischer Präsident sagen AMERICA FIRST und damit andeuten, dass Amerika seine Produkte gefälligst im eigenen Land produzieren soll und nicht in Billiglohnländern 🙂

  4. “Was für eine Arroganz, den Armen dieser Welt zu predigen, sie bräuchten all unsere technischen Errungenschaften im Grunde doch gar nicht, denn UNS mache all das ja auch nicht glücklich, sondern stressgeplagt und übergewichtig!“

    Da sollte man schon genau lesen und nicht die Worte verdrehen und ihnen eine andere Aussage geben. Ich schrieb nichts von technischer Vorenthaltung, zumal Technik einen sehr breiten Spielraum umfasst und auch anders zum Einsatz kommen kann. Zudem ist mein Kommentar keine Predigt für die Armen, sondern ein Hinweis auf jene Arroganz, die uns Modernen hier zu eigen ist. Wir betreiben im Grunde weiterhin Kolonisation, nur nicht mehr mit Segelschiffen, sondern mittels “gut gemeinter“ Welt- und Wertvorstellungen.

  5. Du schreibst

    “An solchen wundersamen Aussparungen erkennt man übrigens, dass es sich bloß um eine Geschichte und nicht um die Wirklichkeit handelt.“

    Genau dieser Umstand der Aussparungen führt mehr und mehr zur Verstrickung der Menschheit in den eigenen Lügen, sodass aus einer wirklichen Geschichte mit zunehmendem Fortschritt eine Lügengeschichte werden muss. Die Aussparungen sind die Vereinfachungen, die anschließend verallgemeinert werden und ironischerweise gerne als Komplexität verkauft werden. Diese Komplexität wiederum bringt weiteren Fortschritt unsererseits hervor, da wir uns von unseren Technologien die Beherrschung der Komplexität erhoffen, sehen aber nicht, dass sie erst durch unsere Lügen sich dergestalt entwickeln konnte.

    Es erinnert mich an die Geschichte der amerikanischen Ureinwohner, die zuverlässig, anhand von 50 verschiedenen Wolkenformationen, das Wetter bis zu 2 Wochen im Voraus zu deuten verstanden. Was benötigen wir heute für die Vorhersage?
    Allerdings wäre es den Ureinwohnern heute nicht mehr möglich das Wetter anhand der Wolken vorauszusagen, da unsere Industrien längst ihre eigenen Wolkengeschichten erzählen und die natürliche Wolkengeschichte verzerren – mit Lügen. Daher halten wir Wettervorhersagen heute für eine sehr komplexe Angelegenheit …

    Ich sehe in dem, was wir unter Komplexität nichts weiter als das Ausmaß unserer Verdichtung von Lügen, sprich, von Vereinfachungen, die verallgemeinert werden, von Aussparungen, die die Wahrheit immer mehr mit Lücken versehen. Wie gut, das die Künstliche Intelligenz uns beim Entwirren der Komplexität helfen wird 😉

    • Der technische Lösungsweg ist eine Problemerzeugungsmaschinerie, die uns beherrscht und nicht wir sie. Mit der KI als neu aufdämmernder allwissender Gottheit nimmt übrigens nur Form an, was sich schon seit Jahrhunderten vorbereitet. Unser Weg als Mensch wird vollendet sein, wenn wir alles, was wir an Kohärenz in uns tragen, veräußerlicht und damit digitalisiert und dekohärent gemacht haben. Der Mensch verwandelt die Erde in einen Ort der Dekohärenz, also in ein gewaltiges Grab. Die Sonne stellt uns genügend Energie zur Verfügung, um als Totengräber unterwegs zu sein. Ich habe letztes Jahr mal mit einem Energiefachmann gesprochen, der gemeint hat, nicht Energiemangel wäre unser Problem, da es davon dank Sonne schier unendlich davon gäbe, sondern der Abfall, den wir erzeugen. Das stimmt, denn durch die Zerstörung von Kohärenz machen wir in ein paar tausend Jahren sämtliche Kreisläufe kaputt, die sich in Jahrmillionen herausgebildet und aufeinander abgestimmt haben.

    • Was solche im weitesten Sinne spirituellen Geschichten mit Indianern, Aborigines, Tibetern usw. angeht, bin ich schon etwas skeptisch geworden. In diesen Geschichten ist es immer so, dass einer einen kennt, der einen kennt, der einen Freund hat, dessen Großvater …. es sind Geschichten.
      Mit Indianern und Aborigines kenne ich mich nicht aus, aber zumindest was tibetische Spiritualität angeht, kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Mönche Handys benutzen und nicht von Geist zu Geist miteinander reden 🙂 .

      • Es ist dieses keine spirituelle Geschichte, sondern Hörensagen im ursprünglichen Sinne, sprich, als Information aus erster Hand. Nachzulesen im Buch von Russell Means mit dem Titel IF YOU’VE FORGOTTEN THE NAMES OF THE CLOUDS,YOU’VE LOST YOUR WAY.

        Lesenswert in vielerlei HInsicht.

        Auch im Rahmen des elektrischen Universums sind die Geschichten alter Kulturen mit ihrer reichen Symbolsprache sehr informativ, denn vieler deren Symbole haben ihren Ursprung in Beobachtungen, die unsere moderne, lückenhafte Kosmologie gehörig auf den Kopf stellen.

  6. Nur zu einem Punkt:

    „Die chemischen Prozesse, die hinter dieser künstlichen Herstellung von Benzin und Diesel stehen, sind bereits seit Jahren bekannt. Allerdings gelang es in Zürich zum ersten Mal, beide Reaktionen hintereinander so in einer Versuchsanlage auszuführen, dass am Ende tatsächlich das gewünschte Endprodukt herauskam. Bis allerdings ein alltagstauglicher Solarreaktor Züricher Bauart mithilfe von Sonnenlicht Wasser und CO2 in Treibstoff verwandelt, dauert es noch eine Weile, glaubt Philipp Furler:“

    Das ist also noch sehr neu, was erklärt, dass es nicht bekannter ist.
    Wenn DAS die Lösung des Problems des zu Ende gehenden Öls sein sollte, dann bin ich absolut überzeugt, dass NIEMAND etwas dagegen haben wird sondern alle froh sein werden, dass wir nicht einer Treibstofflosen Zukunft entgegen sehen müssen!

    Und ja: WIR brauchen nicht unbedingt MEHR technische Umwelt, aber die Menschen in anderen Weltteilen schon!

    • “WIR brauchen nicht unbedingt MEHR technische Umwelt, aber die Menschen in anderen Weltteilen schon!“

      Das ist eine so typische moderne Antwort. Die Menschen in anderen Weltteilen brauchen wahrlich nicht jene Umwelt, die uns zu eigen ist, sondern eher WENIGER der Welt, in der sie leben müssen, weil deren zerstörte Umwelt Folge unserer technischen ist.

      Könnte Treibstoff aus Sonne, CO2 und Wasser hergestellt werden, dann hätten wir das Problem, dass alle Welt Straße wäre, da das Fahren von Fahrzeugen ja so umweltverträglich wäre und jeder jeden Meter mit dem Fahrzeug zurücklegen täte, selbst all die Meter, die nicht wirklich notwendig wären. Es gibt ja jetzt schon Menschen, die mit Hunden Gassi gehen, indem Herrchen/Frauchen im Auto sitzen und hinter dem Hund herfahren.

      • Dass in absehbarer Zeit die Wüsten genutzt werden, um aus Sonne, CO2 und Wasser große Mengen synthetische Treibstoffe herzustellen, halte ich für sehr wahrscheinlich. Dieser Weg entspricht den Wegen, die wir in der Vergangenheit immer gewählt haben, nämlich den technischen. Als Menschen können wir doch gar nicht anders, als technische Lösungen finden, also scheint mir das die logische Fortsetzung. Allein mit Wind, Sonne, Wasser und Holz als Energieträger funktioniert unsere moderne Lebensweise nicht, da lügen sich die Öko-Freaks selber was in die Tasche. Bei der Menge Menschen, die wir heute sind, können wir mit den erneuerbaren Energien nicht mal den Lebensstandard vom Mittelalter halten. Für eine vormittelalterliche Lebensweise werden sich nicht genügend Interessenten finden, wenn es einen anderen Weg gibt. Es wird demnächst schon ein neuer Rockefeller in Erscheinung treten, der die Wüsten der Welt aufkaufen und dort seine Solargeneratoren installieren wird. Wenn es nicht die Chinesen sind 🙂 .

        Ich halte diesen Weg aber auch noch aus einem anderen Grund für den wahrscheinlicheren. Wenn die Menschheit durch irgendeine Mangelsituation (also eine Form von Gewalt) auf einen Weg gezwungen wird, den sie gar nicht gehen will, löst das das Problem, das wir darstellen, nicht im Geringsten. Es wäre nur unter den Teppich gekehrt und würde bei nächster Gelegenheit in neuen Kleidern wieder hervorbrechen. Ich halte religiöse Geschichten, die den Menschen Angst machen und sie unter Druck setzen, für einen Teil des Problems und auf gar keinen Fall für die Lösung. Deshalb finde ich die Geschichte mit den synthetischen Treibstoffen sogar gut, weil sie Angst und Druck wegnimmt und den Menschen die Möglichkeit gibt, zu tun, was sie möchten. Und wenn sie im Auto hinter ihrem Hund herfahren, dann ist das eben so. Es ist immer noch besser, als wenn die Menschen aus Ängsten oder schlechtem Gewissen heraus agieren.

      • “ Die Menschen in anderen Weltteilen brauchen wahrlich nicht jene Umwelt, die uns zu eigen ist, sondern eher WENIGER der Welt, in der sie leben müssen, weil deren zerstörte Umwelt Folge unserer technischen ist.“

        @www.gold-dna.de: dann frag doch mal die Leute in Afghanistan, Pakistan, in der Sahelzone und vielen anderen armen Ländern, ob sie nicht doch gerne mehr befahrbare Straßen, moderne Verkehrsmittel, verlässlich bzw. überhaupt Strom in ihren Hütten hätten – und eine Arbeit, die ihnen einen Lebensstandard ermöglicht, der sich zu unserem noch immer verhält wie eine Camping-Ausstattung zum Apartement im Trumptower, aber für sie geradezu traumhaft wäre!

        Was für eine Arroganz, den Armen dieser Welt zu predigen, sie bräuchten all unsere technischen Errungenschaften im Grunde doch gar nicht, denn UNS mache all das ja auch nicht glücklich, sondern stressgeplagt und übergewichtig!

      • Ich frage mich, warum die Menschen in Afghanistan, Pakistan, in der Sahelzone und in vielen armen Ländern nicht selber die Initiative ergreifen und von sich aus mehr befahrbare Straßen bauen und Stromleitungen in ihre Hütten legen. Wenn man davon ausgeht, dass die Menschen überall auf der Welt gleich intelligent, fleißig, kreativ und geschickt sind, dann muss das ja einen Grund haben. Ich kann mir vorstellen, dass die Menschen in anderen Landstrichen mit ihrer Lebensweise vielleicht gar nicht so unglücklich sind, wie Du unterstellst, denn wären sie das, würden sie doch von sich aus Schritte unternehmen, etwas zu verändern, so wie der westliche Mensch ja auch Schritte unternommen und nicht nur seine eigene Umwelt, sondern die ganze Welt massiv verändert (hat). Verändern tut man ja nur etwas, wenn man nicht zufrieden ist. Der Motor für all das, was wir so treiben, ist ja doch Unzufriedenheit und die Jagd nach einem Glück, das wir offensichtlich verloren haben. Was denn sonst?

        WIR sind es doch, die unsere Technik häufig sogar ungefragt in diese Länder hineintragen, teilweise sogar aufdrängen, weil WIR es nicht ertragen, dass ANDERE womöglich ohne diesen ganzen Krempel auskommen.

        Es ist Arroganz, den Armen dieser Welt zu predigen, sie bräuchten unsere Technik nicht. Okay. Es ist jedoch nicht weniger arrogant automatisch davon auszugehen, dass die Armen der Welt nichts sehnlicher wünschen, als uns nachzueifern, regelmäßig arbeiten und sich vom Verdienst eine Stromleitung legen zu lassen. Wie wäre es, wenn man die Armen zur Abwechslung mal selbst entscheiden lassen und die Initiative ihnen überlassen würde?

      • Hier hab ich mich nicht mehr gemeldet, weil mir den letzter Kommentar

        https://fingerphilosoph.net/2017/01/22/die-maer-vom-ende-des-oelzeitalters/#comment-368

        echt die Sprache verschlagen hat. Soviel Weltfremdheit macht mich richtig fertig, ich kanns gar nicht glauben!

        Zum einen zu meinen, die Leute In Afghanistan und anderen armen Ländern könnten so einfach ihre individuelle Lage ändern (mit welchen Ressourcen denn? Mit welcher Bildung? Mit welcher Infrastruktur, welchem Rechtsstaat? Dazu die kriegerischen Clans, wie z.B. die Taliban… ich fasse es nicht!)

        Das andere ist noch ein Stück weltfremder. Aber um dir zu beweisen, dass du Unsinn redest, müsste ich wohl eine ganze Bibliothek an Informationen rüber reichen, die dir zeigen, dass nahezu ÜBERALL von den Menschen die technischen Errungenschaften durchaus gewünscht werden – allein schon Strom, aber auch TV, funktionierende Wasserversorgung, Mobilität etc. usw.

        Ich war in zwei Jahen länger in Kambodscha, habe dort bzw. hier dann Geld sammelnd ein Brunnenbau-Projekt (westliche Technik!) unterstützt: jeder so finanzierte Brunnen hat 17 Großfamilien vom mühseligen Kanister-weisen Wasser holen aus ungereinigten Teichen entlastet!
        Sie wollen aber nicht nur Wasser, die Jugend will auch Mopeds, Smartphones, moderne Klamotten… und es gibt viel mehr Jugend als hier.

        Der Freund, bei dem ich in PnomPenh wohnte, war 30 Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit in Asien und Afrika. Auch er hat bestätigt: sie alle wollen Teilhabe an den Errungenschaften der Moderne!
        Für mich war diese Erkenntnis, die ich schon in jüngeren Jahren hatte, enttäuschend. Da für uns das „naturnahe Leben“ im TV immer so idyllisch aussieht. meinte ich auch, die seien so doch ganz glücklich…. absurd! Lebensfern!

        „Vorschreiben“ will ich im übrigen niemandem etwas, wenn ich hier eine Meinung äußere.

        Wobei gerade bei all den Dingen, die zu haben bzw. leicht bekommen zu können, für uns hier selbstverständlich ist, kannst du davon ausgehen, dass der Rest der Welt sie im wesentlichen AUCH HABEN will. Niemand steht auf Mühsal und Entbehrung, schwere körperliche Arbeit, Unsicherheit, wo morgen das Essen herkommt, Unterernährung und auf das Sterben an mangelnder medizinischer Versorgung.

        Ich fasse es einfach nicht, wie man so denken kann wie du. Wir leben doch nicht im Tal der Ahnungslosen! Musste die ganze Woche über immer wieder dran denken – deshalb nur schreib ich das hier noch hin, damit es mir aus dem Kopf geht.

      • Hoppla, was für einen Knopf habe ich denn jetzt gedrückt, dass Du Dich so aufregen musst? 🙂

        Ja, klar: wenn man mich fragt, ob ich ein Millionenvermögen will, sage ich selbstverständlich ja. Wenn man mir diese Millionen dann hinterherträgt, nehme ich sie auch. Aber wenn ich die Millionen nicht geschenkt bekomme und ich mir dann auf einmal bewusst werde, was ich sonst aufgeben muss, um über die Millionen zu verfügen, wie bspw. Freizeit, Freiheit, In-den-Tag-hinein-Leben, dann sind mir die Millionen plötzlich nicht mehr so wichtig und ich verzichte dankend darauf. So ist es auch mit den technischen Errungenschaften.

        Ich spreche mit der Autorität eines Menschen, der selber mehrere Jahre auf einen Großteil unserer segensreichen Technik verzichtet und damit zu den sogenannten Armen und Bedauernswerten gehört hat, bloß eben freiwillig. In diesen Jahren habe ich eines gelernt: Glück und Zufriedenheit hängt nicht davon ab, wie das Umfeld aufgebrezelt ist, in dem man lebt. Ich war in jenen Jahren keinen Deut unglücklicher. Ich lebe auch jetzt wieder in einer Gegend, die als nicht besonders reich und wenig industrialisiert gilt.

        Ich schließe von mir auf andere. Klar denke ich, dass Jugendliche in Afrika und Kambodscha Mopeds und Handys wollen und dass sie die auch nehmen, wenn man sie ihnen schenkt. Wenn es aber drum geht, dauerhaft ein solches Leben zu führen wie wir in Europa mit festen Arbeitszeiten, Arbeitsteilung, Entfremdung, Sinnlosigkeit und was es sonst noch so alles gibt, haben viele eben doch keine Lust dazu.

        Du warst in Kambodscha, ich war in Vietnam. Vietnam holt mit Riesenschritten zu unserer westlichen Zivilisation auf. Die Großstädte kann man von westlichen kaum noch unterscheiden. Die Vietnamesen brauchen keine Entwicklungshilfe und europäischen Brunnenbohrer. Sondern die sind stolz drauf, dass sie das selber schaffen. Weil sie es wollen. Mit dem Ergebnis, dass die Landschaft zersiedelt und zerstört wird wie bei uns. Uns Europäer halten die Vietnamesen für ängstlich, zimperlich, überaltert und depressiv. Frag doch mal Vietnamesen, was die über die Kambodschaner sagen. 🙂

        Damit will ich sagen: Nicht die ganze Welt sieht uns Bewohner des Abendlandes so, wie wir uns selber sehen.

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