Das Wunder von Fukushima

Weihnachten naht mit Riesenschritten, und wie jedes Jahr rufen die Kirchen dazu auf, das Wunder von Christi Geburt zu feiern. Ich bin nicht mal davon überzeugt, dass Jesus Christus wirklich gelebt hat. Mir scheint diese Gestalt vielmehr eine symbolische Verdichtung verschiedener geistesgeschichtlicher Traditionen zu sein, die im Umbruch von Götterverehrung hin zu dem, was man gemeinhin Logos nennt, verwurzelt sind. Die Wunder, die Jesus Christus gewirkt haben soll, verlieren ebenfalls schnell ihren Zauber, sobald man sich näher mit ihnen befasst. Wasser in Wein zu verwandeln, war im Jahre Null unserer Zeitrechnung nämlich normal. Aus Kosten- und Kapazitätsgründen wurde Wein damals in konzentrierter Form transportiert, vergleichbar einem Suppenwürfel oder Sirup. Vor dem Verzehr wurde diese Masse mit Wasser aufgegossen. In gewisser Weise ist es natürlich schon ein Wunder, Wasser dank eines Brühwürfels in Suppe oder mittels Sirup in Wein zu verwandeln, indessen ist es ein Wunder, das keinerlei magische Fähigkeiten erfordert. Vergorenen Trauben die Flüssigkeit zu entziehen und sie in ein alkoholisches Konzentrat zu verwandeln, gehört in die Kategorie der technischen Verfahren.

Ich tu den Kirchen dieses Jahr jedoch den Gefallen, gehe in mich und mache mir mal ein paar Gedanken über Gott und seine Wunder.

Da ist beispielsweise das Wunder von Fukushima. Im März 2011 kam es nach einem schweren Erdbeben mit anschließendem Tsunami in Fukushima zu einer Reaktorkatastrophe. Vier von insgesamt sechs Reaktorblöcken wurden zerstört und riesige Mengen an radioaktiven Material freigesetzt. Damals habe ich jeden Tag damit gerechnet, in den Medien zu hören, dass radioaktiver Fallout nun Millionen von Menschen in Tokio vergiftet hat. Dass dies nicht geschehen ist, ist dem Wind zu verdanken, der damals konstant in Richtung Meer hinauswehte. Es wundert mich, dass über dieses Wunder so wenig gesprochen wird. Es ist doch wesentlich eindrucksvoller als die alte Geschichte mit dem Wasser und dem Wein, die eh niemand mehr nachprüfen kann.

Das Wunder von Fukushima macht mich schon nachdenklich. Seit wir Menschen geworden sind, gehen wir mit Kräften und Gewalten um, die wir nicht wirklich verstehen und die unser eigenes Vermögen um ein Vielfaches übertreffen. Trotzdem passiert erstaunlich wenig. Und wenn etwas passiert, ist in der Regel nicht technisches, sondern menschliches Versagen die Ursache der Katastrophe. Wie in Tschernobyl. Dort war es bodenloser Leichtsinn und ein selten dämliches Timing. Wie beim Untergang der Amoco Cadiz. Dort führte unverantwortliche Profitgier dazu, dass die Rettungsschiffe nicht rechtzeitig zum Einsatz kamen, um den havarierten Tanker zu bergen, bevor er auseinanderbrach.

Menschen fahren mit Millionen von Autos auf den Straßen herum. Setzen sich in Flugzeuge. Oder in Unterseeboote. Sie fahren durch Tunnels, die manchmal sogar unter dem Meer hindurchführen. Sie bauen gewaltige Staudämme. Hochgeschwindigkeitszüge und Seilbahnen. Brücken und Wolkenkratzer, dass einem schwindelig davon werden kann. Trotzdem passiert im Verhältnis wenig. Und wenn Unfälle passieren, dann ist häufig Alkohol im Spiel. Oder jugendlicher Leichtsinn. Oder regennasse Fahrbahnen. In den wenigsten Fällen ist es technisches Versagen. Und nur selten ein dummer Zufall. Das sind die wahren Wunder, mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden. Die meisten merken nicht mal, dass es sich hier um echte Wunder handelt und nicht um hanebüchen zusammengesponnenes Zeug aus vergangenen Jahrhunderten.

Der Mensch setzt mit der Atomspaltung ungeheure Energiemengen frei. Zu Beginn des Manhattan-Projekts gab es die Befürchtung, dass eine durch Atomspaltung hervorgerufene Kettenreaktion die gesamte Erde in einen Feuerball verwandeln könnte. Ganz ähnlich befürchten heute nicht wenige, dass ein im CERN produziertes Schwarzes Loch die Masse der Erde einsaugen könnte. Und was ist tatsächlich passiert? Auf der Nordhalbkugel wurde ein bisschen Plutonium verteilt, worauf die Lebenserwartung der Menschen um circa 20 Jahre gestiegen ist.

Längst sind überall auf der Welt gentechnisch manipulierte Organismen freigesetzt, aber die von Umweltschützern ausgerufene Katastrophe ist bislang ausgeblieben. Es gab bislang kein von einem genmanipulierten Organismus erzeugtes Massensterben, wie es in Hunderten von grünen Propagandaschriften heraufbeschworen wird. Nicht mal ein klitzekleines. Alle angeblichen Fälle entpuppen sich bei näherer Betrachtung als mühsam an den Haaren herbeigezogen und unsauber recherchiert. Stattdessen gab es 2011 in Deutschland die EHEC-Epidemie mit 53 Toten und 4000 Erkrankten, die von verseuchten Biosprossen hervorgerufen wurde. Man stelle sich das mal vor: ausgerechnet jene, die mit ihrer Lebensweise gegen die Gentechnik ein naturverträgliches Zeichen setzen, werden durch ihr superbiologisches Zeug ernsthaft krank.

Wenn Menschen massenhaft sterben, dann durch Naturkatastrophen. Im Mittelalter forderte die Pest 25 Millionen Tote in Europa. 1920 gab es 50 Millionen Tote durch die Spanische Grippe, 1958 kamen zwei Millionen durch die Asiatische Grippe um. 2014 kostete das Ebola-Virus in Afrika 12.000 Menschenleben. 1965-67 verloren in Indien über 1,5 Millionen Menschen durch eine Dürrekatastrophe ihr Leben, in der Sahelzone waren es 10 Jahre später etwa 2 Millionen. Und dann wären da noch die Erdbeben: 70.000 Tote im Iran (1990 und 2003), 230.000 in Indonesion und Indien (2004), 87.000 in Kaschmir (2005), 88.000 in China (2008), 316.000 in Haiti (2010) und 19.000 in Japan (2011).

Ist es nicht seltsam, dass der Physiker Stephen Hawking entgegen aller Prognosen und aller ärztlichen Vernunft immer noch lebt, während ausgerechnet Waldarbeiter von allen Berufstätigen die kürzeste Lebenserwartung haben? Also mir gibt das schon zu denken. Je technisierter ein Land ist, desto mehr bleibt es von Naturkatastrophen verschont. Ist doch so, oder? Wo bleibt denn das große Erdbeben von Los Angeles oder der Ausbruch des Supervulkans im Yosemite Valley? Die sind doch schon längst überfällig. Hält da etwa Gott seine schützende Hand drüber?

Wenn ich an Gott glaubte, müsste ich zu dem Schluss kommen, dass Gott die Technikbesessenen schützt, wo immer es möglich ist, während ihm die Naturburschen doch eher hinten den Buckel runtergehen. Womöglich werden die, die der Natur anhängen und sie hegen und pflegen, sogar abgestraft. Meistens bin ich verkratzt, wenn ich im Garten war. Oder eine Kreuzspinne hat mich gebissen. Oder ich habe Rückenschmerzen. Wenn ich an Gott glaubte, müsste ich das nicht als kleines Zeichen von ihm nehmen?

Heißt es nicht schon lange,  dass die Kirche sich modernisieren muss? Ich finde auch, dass es höchste Zeit ist, dass der Papst seine Lehre aktualisiert. Was sind schon Wasser-in-Wein-Wunder oder Bluthostien-Wunder im Vergleich mit dem Wunder von Fukushima? Wenn es Gott gibt, dann sollten die Gläubigen seiner Botschaft lauschen, die da lautet: Gott schützt die Atomspalter, die Genmanipulierer, die Brückenbauer, die Energieverschwender. Gott schützt all jene, die die Erde technisieren. Die Einzigen, die das bis jetzt wenigstens ansatzweise begriffen haben, sind die Amerikaner. Die beten immerhin manchmal dafür, dass Gott ihnen billiges Benzin schenkt.

Franz Alt soll doch mal in sich gehen und seine Position überdenken. Jetzt in der Vorweihnachtszeit.

53 Kommentare zu “Das Wunder von Fukushima

  1. Haha. der Witz ist ja, dass die Amis in der Finanzkrise vor paar Jahren tatsächlich an Tankstellen gebetet habn. Und daraufhin ging der Benzinpreis prompt in den Keller, und keiner von den Wirtschaftsfuzzis kanns bis jetzt erklären. Wär ja der Oberhammer, wenns wirklich so wär und all die Spaßbremsen wie Minimisten, Veganer und Windrädchendreher aufm ganz falschen Dampfer wären. Ich könnte mich kringelig und buggelig lachen. Haha.

  2. Für Johannes Kepler waren Astronomie und Gottesdienst dasselbe. Ebenso wie Galileo Galilei war Kepler davon überzeugt, dass die Mathematik die Sprache ist, in der Gott das „Buch der Natur“ geschrieben hat. Auf der Basis dieses Glaubens ist als Leitwissenschaft die Physik entstanden, deren Ergebnisse in konsequenter Umsetzung dieses religiösen Gedankenguts zur Zündung der Atombombe geführt haben. Die Zündung der Atombombe war für den Menschen ein Blick ins Antlitz Gottes und dieser Anblick hat ihn zutiefst verstört. Nach 1945 konnte der Mensch Gott nicht mehr als Wissenschaftler und Techniker dienen.

    Ich bin sicher, Johannes Kepler und Galileo Galilei hätten das „Wunder von Fukushima“ als solches erkannt und entsprechend gewürdigt.

    Dass die moderne Physik in der Sackgasse steckt, weil die Physiker nach 1945 ihren Glauben verloren haben, ist eine durchaus ernst zu nehmende Hypothese.

    • Ich frage mich, ob die Wissenschaften zum Glauben zurückkehren würden, wenn Wunder à la Fukushima sich derart häuften, dass Gottes Wirken tatsächlich die naheliegendste Hypothese wäre. Wenn die Wissenschaften wirklich so unvoreingenommen sind, wie sie behaupten, dürften sie diese Hypothese ja nicht per se ausschließen. Auf den modernen, aufgeklärten Menschen wirkt eine solche Erklärung lachhaft, zumindest hier und heute in Europa. Mal angnommen, ein Wissenschaftler würde Gottes Wirken als wahr annehmen müssen, würde er sich heute zugunsten einer solchen Wahrheit lächerlich machen? Oder würde er nicht vielmehr Wahrheit für die Erfindung eines Lügners halten, wie das Heinz v. Förster und Bernhard Pörksen tun, und an sich selber und seinen Schlussfolgerungen zweifeln?

  3. Wenn es so sein sollte, dass es a) Gott/etwas Gottähnliches gibt und b) dass diese Wesenheit Wissenschaftler und Technikfreaks bevorzugt, bleibt es dennoch jedem einzelnen Menschen überlassen, wie er darauf reagiert. Verschiedene Möglichkeiten sind denkbar:
    a) Der Mensch tut das, was er am liebsten tut, unabhängig davon, ob Gott ihm deshalb Vorteile gewährt oder nicht. Dieser Mensch ist ein selbstdenkendes Individuum.
    b) Der Mensch tut das, was Gott von ihm will, unabhängig davon, ob er Vorteile hat oder nicht. Dieser Mensch ist willfährig.
    c) Der Mensch tut das, was Gott von ihm will, aber nur, wenn er in den Genuss der erhofften Vorteile kommt. Dieser Mensch ist berechnend.
    d) Der Mensch tut Dinge, die er nicht will, und ignoriert seinen eigenen Willen. Dieser Mensch ist gebrochen.
    e) Der Mensch versucht, Gott in seinem Sinne zu manipulieren, indem er betet, Opfer bringt etc.
    Alle Typen bis auf a) sind korrumpierbar.

    Wahrhaft Mensch ist der, der seine Lebensweise nicht an der Existenz oder Nicht-Existenz Gottes festmacht.

    • Seine Lebensweise nicht an der Existenz oder Nicht-Existenz Gottes festzumachen, hat weitreichende Implikationen, weil man „Gott“ als Platzhalter für etwas Größeres, Umfassenderes verstehen kann. „Gott“ kann auch für „Leben“ stehen, dann würde das heißen, man lebt sein Leben, unabhängig davon, ob man dem Leben als Ganzes dient oder nicht. Und das hat durchaus eine gewisse Berechtigung, weil wir ja gar nicht wissen, was das Leben ist, ob und welche Zwecke es verfolgt. „Gott“ kann auch für „Welt“ stehen, dann geht es dem wahrhaften Menschen nicht darum, die Welt zu retten. Er lebt sein Leben unabhängig davon, ob die Welt weiterexistiert oder untergeht. Dasselbe gilt für „Menschheit“ und ähnlich gelagerte Begriffe.

      Es läuft immer darauf hinaus, dass man seine Lebensweise nicht an einem übergeordneten, umfassenderen, allgemeingültigeren und damit abstrakteren Prinzip festmachen kann, und zwar weil alles Übergeordnete, Umfassendere, Allgemeingültigere immer bloß eine Projektion des eigenen Selbst auf ein Größeres ist. Es ist nichts anderes als eine Aufblähung des eigenen Selbst. An anderer Stelle in diesem Thread war vom Energieraub die Rede. Mit Begriffen wie „Gott“, „Leben“, „Welt“ oder „Menschheit“ zu argumentieren und sein eigenes Selbst dahinter zu verstecken, ist Autoritätsraub. Über den Umweg dieser übergeordneten, umfassenderen Begriffe raubt derjenige, der sich dahinter versteckt, den ANDEREN ihre Autorität.

      Da wir jedoch das Tier des endlosen Outsourcing sind, sind wir gezwungen, ein übergeordnetes Prinzip zu akzeptieren, Energie- und Autoritätsraub zu betreiben. Die Intensivstation muss am Laufen gehalten werden, und das geht nicht mehr, wenn jeder das tut, was in ihm angelegt ist. Als Menschen stecken wir also in einem echten Dilemma. Ich sehe nicht, wie es sich auflösen lässt.

      • “Als Menschen stecken wir also in einem echten Dilemma. Ich sehe nicht, wie es sich auflösen lässt.“

        Wahrscheinlich ließe es sich auflösen, wenn das Szenario der Vercyborgisierung generell auf alle Menschen übertragen wird, weit über das hinaus, was bereits schon als Cyborg angesehen werden kann, z. B. Implantate oder Prothesen, auch wenn sich diese noch nicht selbst erneuern, sondern von außen erneuert werden müssen, und sei es nur, weil die Batterie leer ist.

        Während die ANDEREN Lebensformen Diversität im Licht der Sonne verkörpern, wo dem Mangel an Ressourcen durch die Zunahme (!) von Diversität einfacher Lebensformen begegnet wird und höhere Lebensformen weichen, machen wir EINEN das komplette Gegenteil: im “Licht“ fossiler Brennstoffe verkörpern wir eine Diversität an Vorstellungen (!) von Leben, die in diesem “Licht“ immer künstlicher dargeboten werden und somit Abstand von der natürlichen Verwobenheit nehmen, die wiederum von den Informationen des Sonnenlichts HARMONISIERT wird. Im Zuge dieser Entwicklung führt ein Mangel an Ressourcen zum Sterben “einfacher“ Menschen, während vermeintlich “höher“ gestellte Menschen eher überleben, was besagter Energieraub ist.
        In der Natur, ohne Energieraub, führt das Verschwinden einer einfachen Lebensform auch zum Verschwinden der höheren. Mit Energieraub können die “höheren“ Menschen dagegen umso besser und länger überleben, je mehr “einfache“ Menschen aus dem Leben scheiden. Da unser technologischer Fortschritt, mitsamt Cyborgs und sonstigen transhumanistischen Träumereien bzw. Spinnereien, Energieraub benötigt, da er nicht mit der natürlichen Verwobenheit sich entwickeln konnte, wird sich wahrscheinlich der Mensch irgendwann fragen müssen, wohin die Reise eigentlich gehen soll. denn irgendwann wird jeder “Höhere“ zwangsläufig zu einem “Einfacheren“ aus Sicht des aktuell “Höheren“, weil es immer weniger “Einfache“ geben wird.

        Der Film ARRIVAL bietet den Ansatz einer Lösung dieses Dilemmas, daher brachte ich ihn hier gestern ins Spiel. Es ist eine Frage der Wahrnehmung dessen, was Realität wirklich bedeutet und welche Rolle dabei die Vergangenheit speziell, und die Zeit allgemein, spielen, denn daraus geht der Umgang mit Energie hervor … und die wahre Bedeutung von Materie, die als Grundlage von Kommunikation wesentlich ist.

        Vielleicht hatte Einstein bei seiner weltberühmten Formel statt der Lichtgeschwindigkeit für das kleine c unbewusst ‚communication‘ im Sinn …

      • Materie ist in meinem Ansatz nicht die Grundlage von Kommunikation, sie ist Kommunion, und zwar in dem Sinne, wie der Begriff in der Religion verwendet wird: als Teilhabe. Es geht nicht um Kommunikation, sondern um Kommunion. Solange wir von Kommunikation sprechen, stellen wir uns Denken und Reden über etwas vor, setzen also einen Bruch voraus, aber das Leben funktioniert nicht in der Trennung von Subjekt und Objekt. Kommunikation lässt uns körperlich unberührt, unversehrt und ist deshalb eine Wunschvorstellung. Es geht um die Berührung und den damit verbundenen materiellen Wandel, eben Stoffwechsel. Zusammen mit dem materiellen Wandel verändert sich auch die Geisteshaltung, weil Materie und Geist dasselbe ist. Ohne dass die Materie mitzieht, kann sich das Bewusstsein nicht verändern, weil eben die Trennung von Geist und Materie auf einer falschen Annahme beruht. Es verändert sich immer beides gemeinsam. Deshalb werden unsere Enkel also vermutlich tatsächlich zu echten Cyborgs werden, auf diesem Weg, den wir gehen.

        Alle Materie ist Bindung und alle Bindungen, die wir kennen, sind nichts anderes als Stoffwechsel resp. energetische Wechsel, was aber prinzipiell dasselbe ist. Der Mensch ist geizig: er will seine Stoffe behalten und gleichzeitig alles über die ANDEREN wissen. Trotzdem ist der Einwand berechtigt, der in diesem Thread an anderer Stelle vorgebracht wurde: handelt es sich wirklich um Raub? Wem nehmen wir das Erdöl weg? Warum soll man das Sonnenlicht nicht nutzen? Dient die Wahl des Begriffs Raub nicht vielmehr dazu, die menschlichen Aktivitäten von vornherein negativ zu bewerten? Vielleicht sollte man genauer erklären, was mit dem Energieraub wirklich gemeint ist.

        Im Grunde ist es doch so, dass wir in unserer Diskussion ein metaphysisches Konzept mit einem realistischen in einen Topf werfen, und diese beiden Konzepte nicht so übereinstimmen, wie sie eigentlich müssten. Im metaphysischen Konzept bedeutet Energieraub etwas anderes als im realistischen. Ich selber gehe lieber von der Realität als von der Metaphysik aus, also von Erdöl und Sonnenlicht und nicht vom abstrakten Begriff Energie, der alles Mögliche bedeuten kann.

        Gestern war übrigens ein kleiner Artikel in der FAZ des Inhalts, dass Wissenschaftler ausgerechnet haben, dass die Technosphäre des Menschen, dh. alle Häuser, Straßen, Autos, Kugelschreiber, Handys, Stromnetze etc.etc. zusammengenommen ein Gewicht von 30 Billionen Tonnen haben. Das ist 100.000mal mehr als die gesamte Biomasse aller 7,5 Milliarden Menschen, stand da. Ein Ende dieser Umwandlung von Welt/Natur in Technosphäre ist ja nicht abzusehen. Wir tun ja überhaupt nichts anderes. Nicht nur unser Wirtschaftsleben, unsere ganzen Aktivitäten laufen eben darauf hinaus. Sogar der Austausch auf diesem Blog hier gehört in diesen Kontext. Die Technosphäre: da hast Du unsere Intensivstation.

        Der Film läuft bei uns erst Ende des Monats. Da muss ich mich also noch etwas gedulden.

  4. Der moderne Homo Technicus entschleunigt die zu erwartende Kausalität seines technologischen Fortschreitens durch den Einsatz von immer mehr geraubter Energie, während die unerwarteten Möglichkeiten der Akausalität immer schneller zunehmen, aber nicht als direkte Folge des Fortschritts wahrgenommen werden. Daher die scheinbare Zunahme von Komplexität, die einzig das Ausmaß des Energieraubes darstellt. Unser Fortschritt bedeutet einzig, dass ein Problem in immer mehr kleinere Probleme zerlegt wird. Hätten wir modernen Menschen nicht den Energieraub an unserer Seite, dann träte das Problem offensichtlich hervor, inklusive all seiner ursprünglichen Folgen, und könnte nicht über immer längere Zeiträume in andere Probleme und Problemchen zerlegt werden. Energieraub fördert aber die Zunahme der unerwarteten akausalen Möglichkeiten …

    Man kann einen Menschen ziemlich lange intensivmedizinisch am “Leben“ halten, doch es kommt der Punkt, da hilft auch kein Kunststück geraubter Energie mehr und der Patient verstirbt, weil das Kohärenzvermögen des Körpers endgültig aufgebraucht ist. Dein Text beschreibt einen solchen Patienten, zu dem die Angehörigen tagtäglich kommen, all die Maschinen sehen, zu denen sich allwöchentlich eine weitere Maschine hinzugesellt, und voller Hoffnung der Meinung sind, alles wird wieder gut werden. Technologischer Fortschritt bedeutet im Grunde die Beschleunigung der Verlangsamung negativer Folgen …

    • Meine aktuelle Lektüre passt zu diesem Kommentar: „Europa im Erdölrausch“ von Daniele Ganser. Das Buch ist jedem zu empfehlen, der mal auf das Gewebe auf der Rückseite des Teppichs, den wir Fortschritt nennen, gucken will. Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich lese, in welch kurzer Zeit der Energieverbrauch in welchem Ausmaß förmlich explodiert ist. Das ist so krass, dass einem die Spucke wegbleibt.

      Für mich stellt es sich inzwischen so dar, dass man das, was Du „Energieraub“ nennst und den Menschen nicht voneinander trennen kann. Der Mensch ist personifizierter Energieraub. Wenn der Mensch aufhört, Energie zu rauben, hört er auf, Mensch zu sein. Alles, was uns als Menschen ausmacht und worauf wir so stolz sind – unsere Kultur, unseren Fortschritt, unser gesamtes Dasein – ist identisch mit Energieraub. Die Vorstellung, als Menschen könnten wir im Einklang mit der Natur leben, ist eine Illusion von Menschen, die sich in die Spiritualität geflüchtet haben, weil sie sich mit der schnöden Wirklichkeit nicht auseinandersetzen wollen oder können.

      Damit will ich sagen: Die Intensivstation gehört zwingend zu unserer Wesensart. Menschsein definiert sich dadurch, dass wir ständig an unserer Intensivstation rumbasteln, damit sie uns nach der Nahrungszufuhr auch noch das Atmen, das Denken und schließlich sogar das Lieben und das Kinderkriegen abnimmt. Wer glaubt, er kann als Mensch aus der Intensivstation rausgehen und ein „normales“ Leben außerhalb führen, der macht sich was vor. So funktioniert Menschsein eben nicht. Die Vorstellung, die Intensivstation verlassen zu können, ist Flucht in einen Wahn. Die Flucht in den Wahn verstärkt die Abhängigkeit von der Intensivstation, weil der Mensch dann noch mehr Energie, Apparate und Pillen braucht, um neben seiner Person auch noch seinen Wahn aufrechtzuerhalten. Es ist doch kein Zufall, dass die „Grenzen des Wachstums“ vom Club of Rome und der sagenhafte Anstieg des Energieverbrauchs genau zum selben Zeitpunkt auftauchen. 1973 konnte man doch noch gar nicht wissen, in welchem Ausmaß der Energieverbrauch bis ins Jahr 2010 eskalieren wird. Noch nicht mal in den kühnsten Alpträumen sind damals auch nur annähernd die realen Verbrauchszahlen erahnt worden. Und es ist auch anders. Es handelt sich hier nämlich um die Koppelung zweier gegenläufiger Tendenzen, wie bei den verschränkten Teilchen, deren Spin ja auch gegenläufig ist. Je mehr man auf der einen Seite zieht, desto mehr verstärkt man damit auch die gegenläufige Tendenz.

      Wenn Energieraub und Menschsein jedoch dasselbe ist, dann kann es schon gut sein, dass die räuberischen Aktivitäten des Menschen resonanztechnisch unterstützt werden und eben gerade nicht das Energiesparen. Oder es kann sein, dass das Energiesparen in einem noch größeren Energieraub endet.
      Tatsächlich hat die Konzentration auf regenerative Energien in Deutschland ja am realen Verbrauch überhaupt nichts verändert, es wurde in der Endbilanz überhaupt nichts eingespart. Deutschland hat bloß in Sachen Klimawandel seine umweltschützerische Vorreiterrolle verloren, weil es jetzt mehr CO2 in die Luft bläst als viele andere vergleichbare Nationen

      Die resonanztechnische Unterstützung kann man durchaus auch so erfahren oder beschreiben, dass Gott wohlwollend eingreift und der Mensch als Energieräuber seinen Wohlgefallen findet. Man muss gar nicht lange suchen und man findet massenweise weitere „Wunder“ à la Fukushima. Es ist unglaublich, wie oft der Zufall bereits eine größere Katastrophe verhindert hat, gerade was die Geschichte des Atoms angeht. Jeder unvoreingenommene Mensch müsste zu dem Schluss kommen, dass der Mensch beim Atombasteln von einer höheren Macht beschützt wird. Das ist nämlich wirklich eine der besseren Hypothesen, auch wenn sie zuerst etwas abstrus scheint.

  5. Das Problem des Menschen, welches nach und nach zum Problem für das Leben an sich wird, ist:

    a) die Möglichkeit des Energieraubs, sprich, die Mobilisierung von Energie an einem Ort X und die Konzentrierung dieser Energie an einem anderen Ort Y, über das natürliche, verwobene Fassungsvermögen dieser Energie am Ort Y hinaus

    b) die strikte Vermeidung bzw. Verdrängung des Menschen, die Auswirkungen von a) am eigenen Körper zu spüren zu bekommen und die Konsequenzen des Energieraubes, sowie seiner kausalen Folgen und akausalen Ermöglichungen, selbst zu tragen, egal, wie diese ausfallen mögen

    Die chronischen, sogenannten Zivilisationskrankheiten, z. B. Diabetes, sind Folgen von a). Unser Umgang mit ihnen ist unter b) zusammengefasst.

    Ein Teufelskreis, dessen teuflisches Ausmaß zunehmend im Detail bzw. vielen, vielen Details steckt …

  6. Der zunehmende Bedarf an Energie, überwiegend aus Erdöl, ist letztlich DAS Symptom des Bedarfs, ursprüngliche Probleme eben nicht konsequent lösen zu wollen. Die dadurch erst ermöglichte Beschleunigung der Verlangsamung der Konsequenzen, ist DAS Merkmal moderner Länder, das sich am Energiebedarf ablesen lässt.

    Nun könnte man sagen, dass die Verlangsamung allgemein zu besseren Lebensbedingungen führt. Das wird von vielen Menschen ja so empfunden. So steigt die “Lebensqualität“ der Menschen, bedingt durch den Energieraub, aber zugleich geht es auf Kosten anderer Menschen anderswo und mehr und mehr auf Kosten allen Lebens überall. Die Verlangsamung strebt aber den kompletten Stillstand von Konsequenzen an, was die Digitalisierung mehr und mehr verdeutlicht, woraus sich die Frage ergibt: Wie weit ist die Verlangsamung möglich?
    Doch nur soweit, wie der Verlangsamung Raum und Energie zur Verfügung steht, wovon beides umso mehr benötig wird, je mehr die Verlangsamung weiter beschleunigt wird.
    Irgendwann kommt der Punkt, an dem der Mensch das Leben bzw. die Lebensbedingungen aller ANDEREN Lebewesen auf diesem Planeten derart vernichtet haben wird, dass das Leben, das menschliche inklusive, nicht mehr möglich sein wird. Hat der Mensch es bis dahin geschafft, die Konsequenzen derart zu verlangsamen, dass er nicht länger auf ANDERES Leben bzw. auf die natürliche Verwobenheit des Lebens angewiesen sein wird? Oder ist dieser Punkt gar nicht zu erreichen, weil die ANDEREN und wir EINEN das darstellen, was Du bereits anderweitig mit dem Spin beschrieben hast? Sind die ANDEREN und wir EINEN miteinander verschränkt und ist unser Weg die Auslebung menschlicher Beschränktheit mittels Energieraub? Ist Erdöl nicht das Erbe der ANDEREN und damit vergangene natürliche Verwobenheit, die uns nun zur Verfügung steht, um fortzuschreiten, indem der Fortschritt die Verlangsamung der Konsequenzen immer schneller vorantreibt?

    Ob Gott diesen Prozess fördert? Wie denn, wenn unsere Gotteserfurcht ebenfalls einzig Ausdruck eines Chiffres ist, mit dem wir unser Unvermögen, die Konsequenzen für unser Tun und (Miss)Handeln am eigenen (!) Leib zu erfahren, outsourcen?

    Wenn die ANDEREN und wir EINEN nicht miteinander verschränkt sind, dann hat das Leben, in Form lebendiger Verwobenheit von Kohärenz, keine Zukunft. Auch nicht auf dem Mars oder sonst wo. Denn was wir Menschen durch unseren Raub anstreben, entfernt sich mehr und mehr von Kohärenz und wird so immer lebloser. Müssen wir umdenken oder werden wir umgedacht, ohne dass EIN Gott hier würfelt oder sonst wie seine Finger im Spiel hat? Vielleicht fällt es uns leichter an EINEN Gott zu glauben, als uns mit dem Gedanken anzufreunden, dass das Leben nicht einzig das Leben der Menschen im Sinn hat und sich entsprechend entwickelt …

  7. Du schreibst:

    “Wenn Menschen massenhaft sterben, dann durch Naturkatastrophen. Im Mittelalter forderte die Pest 25 Millionen Tote in Europa. 1920 gab es 50 Millionen Tote durch die Spanische Grippe, 1958 kamen zwei Millionen durch die Asiatische Grippe um. 2014 kostete das Ebola-Virus in Afrika 12.000 Menschenleben. 1965-67 verloren in Indien über 1,5 Millionen Menschen durch eine Dürrekatastrophe ihr Leben, in der Sahelzone waren es 10 Jahre später etwa 2 Millionen. Und dann wären da noch die Erdbeben: 70.000 Tote im Iran (1990 und 2003), 230.000 in Indonesion und Indien (2004), 87.000 in Kaschmir (2005), 88.000 in China (2008), 316.000 in Haiti (2010) und 19.000 in Japan (2011).“

    Die Millionen Menschen, die Epidemien und Pandemien zum Opfer gefallen sind, sind im Grunde keine Opfer von Naturkatastrophen, sondern von Katastrophen, die durch uns Menschen (!) erst ermöglicht und erst recht in solch einem Ausmaß ermöglicht wurden – und weiter ermöglicht werden, denn diese Folge von Geschehnissen ergibt sich aus all den akausalen Ermöglichungen, die unser Fortschritt bewirkt, indem Konsequenzen vor Ort vermieden werden. Daher haben wir Menschen keineswegs unsere Technik, egal, in welcher Form, im Griff, denn es ist der Energieraub, der uns im Glauben lässt ein Leben, einzig nach unseren Vorstellungen, sei in greifbarer Nähe und zum Wohle der Menschheit.

    Die Pest zum Beispiel geschah in einem sozial-kulturellen Kontext menschlicher Lebensbedingungen, der von Natur aus nie derart zustande käme, weil bereits zuvor schon bestehende Unausgewogenheiten konsequent angegangen werden würden, ausnahmslos. Auch Fukushima ermöglicht irgendwo weiterhin Ereignisse, die den Namen Fukushima tragen und die seit dem GAU durch Energieraub in ihren Auswirkungen abgeschwächt, umgeleitet, abgewehrt, … wurden bzw. werden – aber deren Potenzial für weitere und andere Ermöglichungen weiterhin vorhanden ist, unter vielen anderen Namen, die unbedeutend(er) im Vergleich zu Fukushima sind, aber dafür zahlreicher.

    Gäbe es heutzutage zum Beispiel noch die Definition für Polio, wie sie vor der Einführung der Polio-Impfung angewandt wurde, dann wäre die Gegenwart keineswegs derart poliofrei, wie die Befürworter der Impfung es nicht müde werden zu verkünden, soll heißen, ein Problem, das in viele andere Probleme zerlegt wird, von denen jedes einen neuen Namen erhält, führt keineswegs zur Lösung des eigentlichen Problems, dessen Namen weltbekannt ist …

  8. Karl Olsberg schreibt im Nachwort zu seinem Roman “Mirror“:

    “Nicht die Technik ist unser Problem, sondern die Art, wie wir damit umgehen.“

    Das lässt das eigentliche Problem aber völlig außer Acht, denn nicht die Technik ist unser Problem, sondern die Energiequelle, die sie erst ermöglicht. Damit ein Gerät überhaupt funktionieren kann, sind weitere Probleme noch vor der ersten Nutzung bereits mit in das Gerät verbaut. Olsbergs Satz bezieht sich erst auf den Moment, wo das fertige Gerät zum Einsatz kommt. Allerdings entwickelt die Anwendung vieler Geräte durch den Menschen Unmengen weiterer Probleme, weil für den Geräte nutzenden Menschen der Energieraub längst ganz normal ist, beinahe schon natürlich erscheint, woraus sich die rasante Verbreitung(swilligkeit) der Geräte ergibt. Es soll ja Befürworter der These geben, dass alles, was von Menschen nicht kontrolliert werden kann, als Natürlich anzusehen sei, z. B. Börsencrashs oder auch besagter Atomunfall. Nun, Hauptsache, die Konsequenzen der Anwendung fallen nicht direkt auf uns selbst zurück – das ist ja wie in einen Spiegel schauen müssen …

    Energie ist der Schlüssel. Sonnenlicht das Schloss. Die Tür aber ist unser Verhältnis zum Leben als Ganzes – auch wenn wir immerzu versuchen über ein eingeschlagenes Fenster unbemerkt ins Haus des Lebens zu gelangen, um in der Küche die Speisekammer zu plündern …

  9. Ich las gerade anbei verlinkten Text:

    https://aeon.co/essays/how-ai-is-revolutionising-the-role-of-the-literary-critic

    Geht vielleicht auf den ersten Blick am Thema vorbei, findet aber über den Umweg der Digitalisierung zu selbigem zurück. Wenn immer mehr KI aus dem menschlichen Verhalten “lernt“ und das so “Erlernte“ immer mehr Verbreitung findet, um unser Leben zu “bereichern“, dann dürfte schnell klar werden, wer der Verlierer dieser Entwicklung ist und was die Folgen unseres Fortschritts diesbezüglich ermöglichen werden, woraus folgen wird, dass auch wir zu den Verlierern zählen werden. KI hat keinerlei Gefühl für die natürliche Verwobenheit, für Kohärenz im Sinne von Lebendigkeit. Die ANDEREN Lebewesen dieses Planeten durch die Augen von KI zu betrachten und zu bewerten, kann nur nichts Gutes verheißen. KI ist das digitale Antibiotikum, welches zum Einsatz kommt, weil immer mehr Menschen glauben Lebendigkeit sei eine Grippe und Antibiotika würden gegen eine solche virale (!) Verbreitung helfen …

    Ganz im Sinne folgenden Mottos:

    “Your mind is software. Program it. Your body is a shell. Change it. Death is a disease. Cure it. Extinction is approaching. Fight it. “

    Quelle: http://blakemasters.com/

  10. „Das Symptom, ursprüngliche Probleme nicht konsequent lösen zu wollen …“ Um ursprüngliche Probleme lösen zu können, müsste es welche geben und dann müsste klargestellt werden, wer überhaupt zum Problemlöser berufen ist. Der Mensch ist dazu nicht fähig, weil sein angebliches Weltwissen auf Abstraktionen (mathematischen Modellen) beruht, seine Wahrnehmung in vielerlei Hinsicht eingeschränkt ist und er das System als Ganzes nicht überblicken kann, von dem er ein Teil ist. Und mal angenommen, es gibt ursprüngliche Probleme, wer sagt denn, dass es eine Lösung gibt oder dass überhaupt eine Lösung angestrebt wird? Richtig, das sagt ein Mensch aus seiner Eingeschränktheit heraus, weil er verzweifelt oder auch nicht verzweifelt nach einer Welterklärung sucht. Es ist der Mensch, der anscheinend eine Welterklärung braucht. Weder das Tier noch die Pflanze noch die Welt müsssen ihr Dasein rechtfertigen. Vielleicht muss das menschliche Dasein ebenso wenig gerechtfertigt werden wie das tierische, pflanzliche, mineralische, energetische. Du gehst von Prämissen aus, die einer gewissen Willkürlichkeit nicht entbehren.

    Die meisten Menschen sind sich einig darin, dass die Lebensbedingungen für den Menschen insgesamt besser geworden sind. Schließlich darfst Du den Anstieg der Weltbevölkerung nicht außer Acht lassen. Der Planet beherbergt inzwischen 7,5 Milliarden Menschen, von denen es mehr als fünf Milliarden besser geht, als der Weltbevölkerung um 1800 herum. Natürlich gibt es am Ende der Menschenschlange immer noch große Not, aber hätten wir uns bei gleicher Entwicklung der Technik nicht wie die Karnickel vermehrt und wären bei zwei Milliarden geblieben, könnten alle zwei Milliarden in Saus und Braus leben. Der Preis für die menschliche Ausbreitung ist das Artensterben. Wo früher Tiere ein Habitat hatten, leben jetzt Menschen. Verdrängung. Aber das hat es doch schon immer gegeben, dass Arten sich ausbreiten, während andere aussterben. Das jetzige Artensterben ist das sechste große.

    Um die Behauptung aufstellen zu können, dass das Leben durch unsere menschliche Existenz vernichtet wird, müsste man erstmal wissen, was Leben überhaupt ist. Das wissen wir nicht. Leben für die Summe aller uns Menschen als Lebewesen erscheinender Formen zu halten, schränkt den Begriff „Leben“ schon ziemlich ein. Ich selber stelle den Unterschied, den wir Menschen zwischen „belebt“ und „unbelebt“ machen, inzwischen sehr in Frage. Er scheint mir nicht haltbar.

    Energie steht uns Menschen im Überfluss zur Verfügung, eben als Sonnenenergie. Und jetzt geht die Technik dahin, Sonnenenergie direkt für menschliche Zwecke verfügbar zu machen, ohne den Umweg über das Erbe anderer Lebensformen (fossile Brennstoffe). Wenn es möglich ist, Sonnenenergie zu verstromen, dürfte es auch möglich sein, Sonnenenergie technisch in Benzin zu verwandeln, und das wäre dann die Speicherform. Es ist denkbar, dass die Wüsten in riesige Solaranlagen verwandelt werden, um dort erdölähnliche Produkte herzustellen. Dann geht unsere Entwicklung grad so weiter, ohne Katastrophe. Und mal ehrlich: es ist uns Menschen im Grunde doch egal, ob andere Lebensformen überleben. Die sind doch sowieso bloß Dekoration für uns. Wir haben uns ja schon längst daran gewöhnt, diese anderen Lebensformen bloß in Form von Naturfilmen und Dokus zu konsumieren. Wozu brauchen wir die echte Natur?

    Was Du über Epidemien sagst, stimmt schon, aber Epidemien hat es immer auch im Tierreich gegeben, ganz unabhängig vom Einfluss der Menschen.

    Gilbert hat den Menschen das Tier des endlosen Outsourcing genannt. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Outsourcing ist nichts anderes, als die Intensivstation zu bauen, die uns jede individuelle Lebensäußerung abnimmt. Aber eben genau das will sich wohl verwirklichen, sonst würde die Technik nicht so funktionieren, wie sie funktioniert oder wir Menschen hätten in unserem Tun soviel Gegenwind, dass wir diesen Weg aufgeben würden. Haben wir aber nicht. Wir haben Rückenwind. Viel Rückenwind. So viel Rückenwind ist schon fast ein Wunder. Und das kann man eben nicht bestreiten.

    PS: Es ist nicht so, dass ich Deine Argumentation nicht verstehe oder sie gar abbügeln will, ich will unsere menschliche Entwicklung einfach von verschiedenen Seiten her beleuchten und diese Sicht, dass der Mensch als outsourcendes Tier genau seine Bestimmung erfüllt und deshalb in dieser Funktion vom Leben unterstützt wird, kann ebenso belegt werden wie die, dass der Mensch sich „falsch“ verhält.

    • Ergänzung: Wenn man sagt, der Mensch ist ein Energieräuber, sind damit durchweg negative Konnotationen verbunden, weil wir uns als Menschen selber immer moralisch beurteilen und schon in der Bibel steht: Du sollst nicht stehlen. Geparden, Löwen, Tiger und andere Raubtiere hingegen bewundern wir, auch und gerade, wenn sie töten, weil wir hier keine moralischen Wertmaßstäbe anlegen und das Bibelgebot Du sollst nicht töten nicht gilt. Dasselbe gilt für Krabben, die munter dem Kannibalismus frönen. Wir verurteilen sie nicht, weil sie Krabben sind. Andererseits heißt es: Gott lässt regnen über Gute und Böse, und das heißt in moderner Terminologie, dass es in der Evolution weder gut noch böse gibt, sondern nur Prozesse, die funktionieren. Alles, was ist, sind Prozesse, die momentan funktionieren, und nur darauf kommt es an. Die Prozesse, die in der Vergangenheit funktioniert haben, interessieren niemanden mehr, ebensowenig wie Prozesse, die vielleicht in der Zukunft funktionieren. Und Prozesse, die sich selbst gleich bleibend ewig funktionieren, scheinen nicht vorgesehen.

      Wenn es unsere Bestimmung ist, Energieräuber und Outsourcer zu sein, macht es dann Sinn, sich dieser Bestimmung zu verweigern? Das ist die spannende Frage, um mich aktuell beschäftigt.

  11. Also, jetzt lass mal die Kirche gefälligrst im Dorf. Ich bin kein Energieräuber und auch sonst niemand. Das Erdöl ist einfach so im Boden drin, da kann ich doch damit machen, was ich will. Das gehört niemand. Die Sonne auch nicht. Das Sonnenlicht verpufft, ob ich mir ne Solarzelle aufs Dach schraube oder nicht. Das mit dem Energieräuber soll ja nur mal wieder ein schlechtes Gewissen machen, aber darauf fall ich nicht rein. Ich hab die Schnauze voll davon, dass mir immer ein schlechtes gewissen eingeredet wird.

  12. Wo wir schon bei Wundern sind, möchte ich hiermit einen wunderbaren Film empfehlen, der aktuell (noch) im Kino läuft:

    ARRIVAL

    Warum ich ihn in diesem Zusammenhang hier empfehle, kann den zwei Links entnommen werden:

    Zum Film:
    http://www.spiegel.de/kultur/kino/arrival-filmkritik-amy-adams-ausserirdische-ufos-landen-a-1122335.html

    Zur Sapir-Whorf-Hypothese, die im Film eine Rolle spielen mag:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sapir-Whorf-Hypothese

  13. Nochmals zu ARRIVAL.

    Setzt man die Außerirdischen mit all den ANDEREN Lebensformen gleich, die uns auf der Erde umgeben und nicht zur Spezies Mensch gehören, dann zeigt sich anschaulich, wo das PROBLEM seinen Ursprung hat und was Entfremdung von ANDEREN Lebensformen bedeutet und bewirkt. Es wird auch deutlich, wie das PROBLEM der Entfremdung gelöst werden kann, im Film durch die Geschichte der Hauptdarstellerin dargeboten. Die ANDEREN ticken nicht umsonst so ANDERS als wir EINEN, nicht nur in diesem Film.

    Wir Menschen haben laufend ein Bild der Zukunft vor uns, woraus oftmals unsere Ängste in der Gegenwart hervorgehen und wir unsere Welt entsprechend wahrnehmen. Daher benötigen wir immer mehr Energie, um das Vergangene zu bewahren, denn Vergangenes soll dem Zukünftigen nicht zum Opfer fallen, weil das Vergangene zum künstlichen Kokon im Gegenwärtigen wird, in dem wir uns vor unseren Ängsten verkriechen können. Der Kokon ist der Grund, warum wir Menschen immer mehr Energie benötigen, die aber von Natur aus nicht in dem Maße vorhanden ist und deshalb anderswo geraubt werden muss.
    Von Natur aus ist derart viel Energie vor Ort nicht notwendig, da ein Kokon in der Natur nicht zur Bewahrung von Vergangenem benötigt wird, sondern zur Hervorbringung von Zukünftigem. Kein Raub von Energie ist erforderlich bzw. möglich (!), wenn das Leben einzig, mit allen Konsequenzen, im Gegenwärtigen ausgelebt wird und somit der Zeitlosigkeit nahekommt – ohne in der Vergangenheit zu verharren und die Zukunft zu fürchten. Oder?

    • Deine Formulierung, dass „das Vergangene zum künstlichen Kokon im Gegenwärtigen wird“, trifft es genau. Statt dem Kokon kann man sich auch die Intensivstation vorstellen, dann wird schnell klar, warum das Vergangene unbedingt bewahrt werden muss. Der Mensch als Tier des „endlosen Outsourcing“ hat bereits in der Vergangenheit Fähigkeiten ausgesourct, die er zum Überleben braucht. Wir müssen zwingend das Vergangene in der Gegenwart bewahren, weil die allermeisten von uns sonst nicht mehr überlebensfähig sind. Das Vergangene hat sich im Gegenwärtigen als künstlicher Nahrungsschlauch, als Beatmungsgerät, als Herz-Lungen-Maschine, als Herzschrittmacher und Defibrillator realisiert und ohne all das kann der Patient auf der Intensivstation nicht überleben, ebensowenig wie der moderne Mensch ohne Landwirtschaft, Industrie, Transportwesen, Plastikprodukte und ein Konto bei der Bank überleben kann. Die Umwelt, die wir um uns herum aufgebaut haben, waren in der Vergangenheit immanente Fähigkeiten zum Überleben, die outgesourct wurden. Durch das Outsourcing haben wir diese Fähigkeit allmählich verloren.

      Beispiel Geburt: Dank Kaiserschnitt haben Kinder mit großem Kopfumfang überlebt, die ihrerseits wiederum Kinder mit noch größerem Kopfumfang erzeugen, die noch weniger auf natürliche Weise zur Welt kommen können wie ihre Eltern und Großeltern. Heute kommt in hochzivilisierten Ländern, so weit ich weiß, bereits ein Drittel aller Kinder durch Kaiserschnitt auf die Welt. Kaiserschnitt gehört in den Komplex des Outsourcing der Reproduktion. Aber was willst Du konkret gegen diese Entwicklung machen? Soll man die Mütter bei der Geburt sterben lassen? Das kannst Du ja wohl nicht im Ernst als Lösung vorschlagen. Also bleibt doch gar nichts anderes übrig, als weiter dem Weg der Technisierung zu folgen.

      Was heißt, dass „wir uns in unseren Ängsten verkriechen“? Die Angst, die eine werdende Mutter hat, ist ja nicht irrational. Ob das Kind einen großen Kopf hat, sieht sie ja bereits im Ultraschall. Wenn sich die Mutter unter diesen Bedingungen für die natürliche Geburt entscheidet, setzt sie ihr Überleben aufs Spiel und das vom Kind, und damit handelt sie fahrlässig. Jedes Tier versucht, mit seinen Mitteln zu überleben. Nichts anderes macht der Mensch. Der Weg, den der Mensch seit der Feuernutzung gewählt hat: Outsourcing ist seine Überlebensmethode.

      „Von Natur aus“ gilt für uns Menschen deshalb eben schon lange nicht mehr. Deshalb nutzt es auch nichts, hier eine Idylle zu zeichnen, die so für uns Menschen gar nicht mehr existiert. Was mir nicht behagt, ist so zu tun, als hätten wir die Wahl zwischen der Aufhebung der Entfremdung (zurück zur Natur) und weiterer Technisierung. Diese Wahl haben wir als Bewohner einer Intensivstation doch gar nicht. Jeder von uns muss irgendeinen Beruf ergreifen, und alle Berufe bedeuten per se Arbeitsteilung und Entfremdung. Was bringt es denn, wenn Du in Deiner Freizeit barfuß über eine Wiese rennst? Das bewirkt doch keine essenzielle Veränderung der menschlichen Lebensweise, sondern ist eine frei wählbare Option, die keinen Einfluss auf die Hauptdynamik hat.

      Was sollen wir denn essen, wenn nicht landwirtschaftlich erzeugte Produkte? Ja, ein Einzelner mag von Kräutern, Kastanienmehl und selbst gepflückten Brombeeren leben, aber die Anzahl solcher Menschen ist durch das Vorkommen von Kräutern, Kastanien und Brombeeren festgelegt, und das wären in Deutschland, wenn’s hochkommt, ein paar Hunderttausend, aber ganz sicher keine 80 Millionen. Willst Du 79,5 Millionen also verhungert sehen? Willst Du die Fortpflanzung verbieten, um die Zahl wieder auf ein paar Hunderttausend zu drücken?

      Worauf ich hinauswill: Es ist doch eben nicht so, dass umso mehr Kräuter, Kastanien und Brombeeren wachsen, je mehr Menschen diesen „natürlichen“ Weg der Ernährung beschreiten. Auf diesem Weg haben wir doch überhaupt keinen Rückenwind, wenn mal alle Ideologien weglässt. Die ökologische Landwirtschaft ist ein Versuch, die Entfremdung ein Stück weit aufzuheben, aber sie ist ja nicht mehr durchführbar, sobald eine bestimmte Größenordnung überschritten ist. Was real passiert, ist: der Biobauer hat mehr Geflügel, als gut für sein Land ist, er muss seine Milch weit über Land zur Milchverwertungsstelle fahren, er baut Monokulturen an. Seine Art zu wirtschaften, nähert sich peu à peu wieder der industriell-konventionellen Landwirtschaft an, damit er selbst überleben kann. „Bio“ verkommt zu einem bloßen Label, das nur dazu dient, den Leuten ein gutes Gewissen zu verschaffen, womit mit dem „guten Gewissen“ ein weiteres Konsumprodukt erschaffen wurde. Das heißt, die ganze Öko-Bewegung hat letztendlich den Zweck, das „gute Gewissen“ outzusourcen. So sieht’s aus. Also ging der Schuss hinten raus und die Hauptdynamik, welche Entfremdung heißt, wurde auch durch diese anscheinend gegenläufige Maßnahme bloß weiter befördert.

  14. Du schreibst:

    “Was bringt es denn, wenn Du in Deiner Freizeit barfuß über eine Wiese rennst? Das bewirkt doch keine essenzielle Veränderung der menschlichen Lebensweise, sondern ist eine frei wählbare Option, die keinen Einfluss auf die Hauptdynamik hat.“

    In der natürlichen Verwobenheit ist Kohärenzbildung nur möglich, weil verschiedene Intervalle und verschiedene Ausprägungen miteinander für Verwobenheit sorgen. Gäbe es nur eine Spezies, wäre Leben nicht möglich. Gäbe es eine Diversität von Lebensformen, aber jede Spezies hätte die gleiche Lebensspanne, gäbe es kein Leben. Daher kann Kohärenz durchaus als Gleichklang von Verschiedenheit aufgefasst werden und das Kohärenzgefühl durchaus als Empfänglichkeit dahingehend aufgefasst werden, zu spüren, wo der Gleichklang aus dem Tritt gerät, denn genau das macht das Leben doch von Natur aus, mit allen Konsequenzen. Wenn nun jemand durch irgendwelche Möglichkeiten, die in sich nicht dekohärent sind, also ohne Energieraub auskommen, der Kohärenz zuarbeitet, durch einen eigenen Ausdruck von Verschiedenheit, dann ändert das sehr wohl die Hauptdynamik, nur auf sehr subtile Art. Daher benötigen natürliche Prozesse aus unserer Sicht so lange, dass wir meinen, sie existierten gar nicht, weil sie nicht für uns wahrnehmbar sind oder uns zufällig erscheinen. Zufall ist ja nichts anderes als die Unkenntnis der Vorgeschichten, die zum Ereignis führen.

    “Soll man die Mütter bei der Geburt sterben lassen? Das kannst Du ja wohl nicht im Ernst als Lösung vorschlagen. Also bleibt doch gar nichts anderes übrig, als weiter dem Weg der Technisierung zu folgen.“

    Auch hier spielen Intervall und Ausprägung eine wesentliche Rolle. Es macht einen Unterschied, ob nahezu jede Geburt per Kaiserschnitt geschieht, siehe z.B. Brasilien, oder aber nur in den Fällen ein Kaiserschnitt geschieht, weil das Leben für Mutter und Kind gefährdet sind. Würden alle Mütter, die keines Kaiserschnitts bedürfen, diesen nicht durchführen, dann werden auch im Laufe der Zeit die Köpfe wieder kleiner, wobei natürlich viele Faktoren am Wachstum großer Köpfe beteiligt sind, Diabetes z. B, doch auch Diabetes hat seine eigene Entstehungsgeschichte und ist bei uns Menschen längst ein weiteres Symptom unser künstlicher werdenden Umwelt. Es geht ja nicht um die komplette Abschaffung der technologischen Möglichkeiten, weshalb das Sterben unter diesen Umständen natürlich keine Option ist.

    Ich las kürzlich, dass in den USA erstmals die Lebenserwartung wieder zurückgeht. Das wird reichlich Rückenwind für unseren Fortschritt bedeuten, denn einmal an steigende Lebenserwartung gewöhnt, wird es der Fortschritt richten müssen. Ob der Rückgang dabei der Wahrheit entspricht ist dem Fortschritt indes egal, denn wer könnte wohl Interesse an solchen Meldungen haben, wenn nicht jene, die immer weiter fortschreiten meinen zu müssen.

    • Wenn Du barfuß auf der Wiese läufst, machst Du das dann, weil Du so was wie ein kindliches Vergnügen dabei empfindest oder aus der Überzeugung heraus, dass Du damit der Kohärenz zuarbeitest und weniger dekohärent bist? Meine persönliche Erfahrung ist die: wenn man sich selbst eine bestimmte Lebensweise aus rationalen Überlegungen heraus verordnet, dann geht der Schuss hundertpro nach hinten los. Deshalb funktioniert auch die Öko-Bewegung nicht. Weil sie den Leuten im Grunde keinen Spaß macht. Sondern wie eine Pflichtübung abgenudelt wird. Weil sie keinen Rückenwind hat.

      Ich vermisse in Deinen Ausführungen nämlich die Freude. Oder anders: Du hast viel Freude daran, theoretische Überlegungen anzustellen, da springt der Funke bei mir über. Aber er springt nicht über, wo es um das reale Barfußlaufen geht. Ich mache bspw. solche Erfahrungen: Wildwachsende Brombeeren schmecken sauer und haben Härchen. Die im Supermarkt sind süß und saftig und schmecken mir besser. Biozeug schmeckt oftmals schlechter und fader als Supermarkt-Zeug. Man kann sicher damit argumentieren, dass meine Sinne durch konstanten Zucküberschuss bereits erlahmt sind und ich auf der Droge Zucker bin, aber real möchte ich halt doch was essen, was mir wirklich schmeckt, und das mir nicht nur schmeckt, weil ich mir das rational einrede. Zumal diese von der körperlichen Erfahrung abgekoppelte Rationalität mir ja als die Wurzel des Übels erscheint.

      Ich weiß nicht, wie es in Brasilien ist, aber hier bei uns wird den Müttern von den Ärzten notwendigerweise Angst gemacht. Die Ärzte müssen den Müttern nämlich Angst machen, weil sie sonst haftbar gemacht werden können, wenn bei der Geburt etwas passiert. Da bei jeder Geburt etwas passieren kann, muss der Arzt der Mutter tendenziell zum Kaiserschnitt raten. Bei uns Menschen ist die Geburt ja schon lange eine riskante Sache, vgl. frühere Mütter- und Kindersterblichkeit. Im Tierreich ist das große Kindersterben übrigens sogar die Methode der Wahl. Bspw. die kleinen Schildkröten, die zu 100.000en gefressen werden, bevor sie das Meer erreichen. Wenn wir den Weg der Kohärenz gehen würden, müssten wir schwächliche Kinder und Frühgeburten dann nicht einfach sterben lassen? Das sind immer so Fragen, wo ich dann selber ziemlich ratlos werde. Das fühlt sich doch falsch an.

      Damit will ich sagen: die Technik hat ihre eigene Dynamik. Eine vorhandene Technik im Falle einer realen oder meinetwegen auch eingebildeten Bedrohung nicht zu nutzen, ist fahrlässig. Also muss die Technik genutzt werden. Wird sie genutzt, verändert sie uns und wandelt uns peu à peu in Cyborgs um. Ich sehe hier keinen wirklich gangbaren Ausweg.

      • Da gebe ich Dir völlig recht – als Pflichtübung angesehen vermag sich keine Kohärenz einzustellen, denn diese kann nicht erzwungen oder erwartet werden, sondern stellt sich durch Ermöglichung ein – oder eben nicht. Bei mir geschieht es überwiegend spontan und natürlich aus Freude am Tun. Aber es gibt auch Fälle, wo es gerade zeitlich passt, ich gestehe 🙂

        Unmittelbare Verfügbarkeit ist ja für viele Menschen der “Vorteil“ der Technisierung, geradezu der Grund dafür das eigene Leben immer mehr zu technisieren. Die Ware muss schneller geliefert werden, das Essen schneller fertig sein, … Vor ein paar Jahren genügte es einem User, wenn eine Webseite sich innerhalb von 4 Sekunden aufbaute, mittlerweile liegt dieser Wert bei einer halben Sekunde. Wie soll die Natur da mithalten, zumal ihr Tempo überhaupt erst die Bewahrung von Kohärenz und somit Lebendigkeit ermöglicht. Auch hier zeigt sich wieder unsere Andersartigkeit gegenüber all den ANDEREN. Unser Leben baut mehr und mehr darauf auf, dass Auffälligkeiten nötig scheinen, um weiter zu kommen, um überlebensfähig bleiben zu können, siehe Werbung. Statt Unverfügbarkeit stehen mehr und mehr Effekte im Vordergrund, die ihrerseits immer auffälliger sein müssen, um weiter auffallen zu können. Die ANDEREN legen sich zwecks Auffälligkeit auch gerne ins Zeug, siehe Weibchenwerbung, doch ich könnte mir vorstellen, dass diese Auffälligkeiten nicht dazu dienen das Weibchen zu beeindrucken, also “Kundschaft“ anzulocken, sondern sich selbst in Gefahr zu begeben und diese zu überleben, um sich dann paaren zu “dürfen“.

        Wir verwandeln Leben somit immer mehr in Effekthaschereien, ein Prozess, der gerade durch die Digitalisierung der Welt rasant fortschreitet und viele Menschen in ihren Bann zieht. ABER … bei anderen Menschen bewirkt dieser Prozess etwas anderes, etwas, dass für ANDERS-artigkeit zu sensibilisieren vermag. Siehe ARRIVAL ( Viel Vergnügen beim Anschauen und sich nicht vom Trailer irritieren lassen, BUMM BUMM ist absolut spärlich und Nebensache, denn die Effekte, die sonst die Masse ins Kino locken, sind hier nur Beiwerk).

        “Wenn wir den Weg der Kohärenz gehen würden, müssten wir schwächliche Kinder und Frühgeburten dann nicht einfach sterben lassen? Das sind immer so Fragen, wo ich dann selber ziemlich ratlos werde. Das fühlt sich doch falsch an.“

        Auch hier gebe ich Dir völlig recht. Es ist aber geradezu so, als müsste dieser Prozess der Technisierung derart laufen, wie er läuft, eben weil er für unsere Spezies Vorteile bietet. Und denoch verstärken gerade diese Zwiespälte meinen Eindruck dahingehend, dass wir EINEN eher EINE Art “Experiment“ für das Leben an sich sind. Das werden wir aber erst sehen, wenn sich etwas ganz Unerwartetes, bisher Unverfügbares, daraus ergeben wird. Vielleicht weil die Natur ein Problem verspürt und dafür bereits einen Lösungsweg sucht. Dieser Weg wäre die Technisierung einer einzigen Spezies, bis zu dem Punkt, wo die Lösung sich realisieren lässt. Das mag sich, in Anbetracht unserer Zerstörungskapazitäten, paradox oder irrational anhören, aber es ist eine Möglichkeit, die umso ausgefeilter sich gestalten lässt, je mehr Menschen eben nicht sich purem Zerstörungswahn hingeben …

      • Ich spiele auch gern mit der Vorstellung, dass wir Menschen ein Experiment der Natur/der Evolution sind. Diese Vorstellung versuche ich, mit meiner Feuertheorie bildhaft zu machen: das Experiment besteht darin, ein bepelztes, größeres Säugetier mit einer anorganischen Entität (Feuer) zu verschmelzen und daraus was Neues zu machen. Das Säugetier hat durch diese Kombination nicht nur das Fell verloren, sondern sich zu einer neuen Spezies entwickelt, die sich mit dem Vorfahr nicht mehr fortpflanzt, sondern nur mit ebenfalls mutierten Formen. Das Experiment ist aber noch nicht abgeschlossen, sondern befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Da der Affe mit dem Feuer kombiniert wurde, kann man den Menschen nicht ohne seine Techniksphäre denken. Die neue Entität heißt Mensch plus Techniksphäre (Intensivstation). Diese beiden Teile muss man in meinem Modell zusammendenken als eine untrennbare Einheit. Der Mensch plus Techniksphäre (was ich eigentlich als „Mensch“ bezeichne, aber vielleicht wäre „Cyborg“ besser) hat noch keine stabile Form erreicht.

        Ein Erfolgsmodell in der Evolution ist eine stabile Form, die sich durch größere Umweltveränderungen hindurch selbst zu erhalten vermag. Wie die Schwalben, die es seit 50 Millionen Jahren gibt, und die Eis- und Warmzeiten überlebt haben. Wenn die neue Lebensform bereits in der instabilen Versuchsphase untergeht, kann man das Experiment als gescheitert betrachten. Ich denke, dem Prozess als solchem, der Evolution, ist es egal, ob ein Versuch gelingt oder scheitert. Es ist mehr ein Spiel als eine Notwendigkeit.

        Es handelt sich meiner Ansicht nach mehr um ein Spiel als um eine Notwendigkeit, weil die eigentliche Dynamik in Ungleichgewichten besteht. Evolution ist nur als Ungleichgewicht möglich. Das Ziel des Spiels besteht darin, ein stabiles Gleichgewicht zu erschaffen, aber sobald dieses Ziel annähernd erreicht wird, kommt ein neuer Spielstein ins Spiel, der alles durcheinanderwirft und erneut Ungleichgewichte schafft. Dann geht es darum, von vorne damit anzufangen, ein stabiles Gleichgewicht zwischen allen Spielsteinen zu erschaffen. Entweder geht das Spiel endlos, weil es endlos viele neue Spielsteine gibt, oder das Spiel kommt an sein Ende, wenn ein absolutes Gleichgewicht erreicht ist. Sollte das Spiel endlos gehen, wird das Ziel des Spiels durch die Regeln des Spiels verunmöglicht, was das Ganze tatsächlich als Spiel entlarvt.

        Es ist gut möglich, dass dieser Energieraub, wie Du das nennst, gar keiner ist, da wir ja eben die Verschmelzung mit dem Feuer sind, und dazu gehört wesentlich, dass wir mehr Energie verbraten als eine rein biologische Lebensform wie unser Vorfahr, der Waldaffe. Denn wir sind eben keine rein biologische Lebensform mehr.
        Und das heißt eben, dass das Leben das Umfassende ist und nicht nur, was wir in der Vergangenheit als „bios“ festgelegt haben, sondern alle Materie einschließt und die Trennung zwischen belebt und unbelebt ebenso falsch ist wie die Trennung zwischen Geist und Materie.

        In der Vergangenheit wurde der Mensch/Cyborg vom Spaltungsfeuer geprägt, also vom Feuer, das davon lebt, dass es komplexe organische Bindungen auflöst. Diese Eigenschaft des Feuers ist in uns übergegangen, deshalb sind wir unserem Wesen nach ebenso zerstörerisch wie das Feuer. Und trotzdem kann man das Feuer nicht negativ sehen, denn ohne Spaltungsfeuer funktioniert das Leben nicht.

        Ein funktionierender Metabolismus besteht aus zwei Teilen, einem Biomasse aufbauendem (Anabolismus) und einem Biomasse abbauendem (Katabolismus). Beide Teile gehören zwingend zusammen. Nur Anabolismus funktioniert nicht, nur Katabolismus ebenfalls nicht. Wenn man alle Lebensformen zusammen als einen einzigen Organismus anguckt, ist der Mensch in diesem Kontext eventuell eine katabolische Reaktion. Und notwendig, um diesen großen Organismus aus allen Lebensformen zu erhalten. Würde kein Zerstörer auftreten, würde die Diversität immer kleinteiliger und schließlich an sich selbst ersticken. In der indischen Denkweise wird die abbauende Funktion, der Katabolismus, die Zerstörung viel normaler betrachtet als in unserer Kultur. Die Götterwelt der Inder ist beides, häufig sind sogar einzelne Götter beides, wie Kali. Aber Kali wird trotz ihres Rocks aus Schädeln in Indien durchaus nicht negativ bewertet.

        Für unser Selbstbild ist es zuerst natürlich nicht sehr angenehm, sich als Mensch mal in so einen Kontext der katabolischen Reaktion zu versetzen, aber warum nicht, wenn es für den Organismus insgesamt notwendig ist. Oder sich eben als Spielstein zu sehen, der eine erstarrende Dynamik wieder in Schwung gebracht hat.

        Ob wir auch mit dem Verschmelzungsfeuer, der Kernfusion, zur Entität werden können, ist noch nicht raus, denn die Kernfusion entzieht sich uns ja bis dato, dh. bis jetzt müssen wir mehr Energie reinstecken, um die Fusion zu erzeugen, als wir künstlich gewinnen können. Dieser Weg hat bis jetzt auf jeden Fall mal keinen Rückenwind. Da realisiert sich nichts.

        Alles, was Du über den Energieraub sagst, hat seine Gültigkeit, wenn man den Menschen als rein biologische Lebensform betrachtet. Ja, wir verbrauchen mehr Energie als uns unsere biologische Körperlichkeit zur Verfügung stellt. Das Bild sieht aber sofort anders aus, wenn wir den Menschen nicht als rein biologische Lebensform betrachten. Und das sind wir auch nicht. Wir sind keine Affen mehr. Wir sind schon auf dem Weg zu etwas Anderem, zum Cyborg. Wobei wir uns einen Cyborg ja immer bloß als supermächtige Kampfmaschine à la Terminator vorstellen. Das ist ein ziemlich einseitiges Bild. Viel wahrscheinlicher ist, dass wir als biologische Wesen immer schwächer und hilfloser werden und als „Kind in der Krippe“ enden, während die Intensivstation
        immer noch mehr wächst. Dieses religiöse Symbol vom „Kind in der Krippe“ ist eigentlich das Symbol für einen Parasiten, der alle seine Fähigkeiten verliert, hilflos und abhängig vom Wirt wird, wobei der Wirt ja die Technosphäre, also der andere Teil von uns ist.

        Möglicherweise steckt hinter der Evolution des Menschen auch das Ziel, das Leben auf einen anderen Planeten zu tragen, wenn es denn stimmen sollte, dass dieser Planet in ein paar Millionen Jahren für höhere Lebewesen wie Säugetiere aufgrund der Sonnenentwicklung unbewohnbar wird. Das ist auch eine Möglichkeit, die allerdings auf einer Kosmologie beruht, die ich selber so nicht teile.

        Daraus ergibt sich aber, dass alles, was wir tun, seine Berechtigung hat, eben auch das Zerstören. Die Menschen, die sich nicht dem Zerstörungswahn hingeben, sind nicht besser als die, die Atombomben bauen. Die, die Atombomben bauen, haben überdies den Rückenwind und die Wunder auf ihrer Seite, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass die Atombombenbauer dem Gesamten mehr dienen als die Umweltschützer und Bewahrer. Das sind keine marktkonformen Gedanken, ich weiß, trotzdem entbehren sie nicht einer gewissen Wahrscheinlichkeit.

        Dass wir in eine rein biologische Lebensform zurückkehren, halte ich für eher unwahrscheinlich. Ehrlich gesagt, will ich das auch nicht. Es fühlt sich für mich nicht richtig an, wenn wir wieder Waldaffe oder Naturvolk im Bastschürzchen würden. Das hätte so was Regressives. Manchmal frage ich mich allerdings schon, ob wir selbst in unserer Vercyborgisierung einen Stopp hätten setzen müssen. Jede natürliche Entwicklung hat ja immer einen Umschlagpunkt. Es kann nicht endlos Flut und es kann nicht endlos Ebbe geben. In einem Fall würde die ganze Landfläche irgendwann überspült, im anderen würden die Meere verschwinden. Die Realität zeigt sich als Wechsel der Gezeiten. Vielleicht war ein solcher Umschlagpunkt in unserer Entwicklung die Geschichte mit den Kindern, damals als im Verlauf der Agrarisierung, die eigenen Kinder dem Feuer geopfert wurden oder zum Besitz der Eltern erklärt wurden. Ich frage mich, wie wir uns samt unserer Technik entwickelt hätten, wenn der Mensch damals die Kinder als unantastbar geschützt hätte. Denn damals hat sich herausgestellt, dass der Mensch seine Kinder nicht liebt. Würde der Mensch seine Kinder lieben, würde er sie doch niemals verzweckmäßigen, weder als Brandopfer noch als Fortsetzung des eigenes Selbst, noch als Spielzeug noch als Fass, aus dem man Liebe trinken kann, oder als Rentenzahler, was auch immer.

        Letztendlich kommt man darauf, dass die Wirklichkeit, wie sie ist, jede Interpretation zulässt, das heißt, auch das Gegenteil jeder Interpretation. Und da ist man wieder bei Sokrates und Cusanus, die im Nicht-Wissen das Ziel der Erkenntnissuche sahen. Und dann geht es eben drum, wie man sein Leben auf der Basis des Nicht-Wissens lebt und das versuche ich, herauszufinden.

  15. Dem Weg der Technisierung immer weiter zu folgen, bedeutet die Welt immer vorhersehbarer werden zu lassen, da immer mehr BIG DATA vorgeben kann, wie die Welt zu erscheinen hat. Dadurch wird jeder Einzelne umso leichter manipulierbar, fernsteuerbar, während die Unverfügbarkeit natürlicher Verwobenheit auf ein Minimum reduziert werden kann, wodurch die Natur immer weniger Bedeutung für das Leben zu haben scheint. Aus dieser ausweglosen Situation geht meine Hoffnung / mein Gefühl hervor, dass dieser Prozess etwas ANDERES im Schilde führt, ohne dass es zum Untergang des Lebens kommen wird, oder zur Vermaschinisierung des Universums. Ein Weg, der EIN ANDERER sein wird. Dass über solche Themen nachgedacht und geredet wird, ist doch ein Indiz dafür, dass EIN ANDERER Weg jederzeit ermöglicht werden kann. Vielleicht braucht das Genom der Spezies Mensch auch einfach nur einen energieräuberischen Trigger, der eine unlängst im Genom verankerte Sequenz aktiviert … ähnlich wie im Roman von Greg Bear – “Das Darwin-Virus“ … damit der Einklang von Verschiedenheit wieder hergestellt werden kann, bereichert an Möglichkeiten, die dem Leben als Ganzes zugute kommen können und dergestalt zuvor nicht möglich waren. Evolution halt …

    • Ja, genau das passiert, wenn wir dem Weg der Technisierung weiter folgen. Wir werden austauschbar, fernsteuerbar, vielleicht trainieren wir uns auch die Gefühle ab. Was negative Gefühle wie Wut angeht, sind wir da ja schon fleißig dabei. Möglicherweise hat der Prozess etwas ANDERES im Sinn, aber das tangiert uns als Menschen nicht, weil wir dann nicht dabei sein werden. Menschsein ist identisch mit Outsourcen und Technisieren: das macht unser Wesen aus und wir können gar nicht anders.

      Dass über solche Themen nachgedacht und geredet wird, ist meiner Ansicht nach kein Indiz. Menschen denken und reden allen möglichen Unsinn und in aller Regel ist es eine Flucht vor dem, was sich real vollzieht. Die Menschen haben einen Haufen esoterischen Quark in die Welt gesetzt, aber ausnahmslos alle esoterischen Wunschträume wurden bislang immer nur auf technischem Weg in die Realität umgesetzt: der Traum vom Fliegen, vom Paradies, von der Einheit, von der der Verbundenheit. Realisiert hat sich das Flugzeug, der Supermarkt, die Globalisierung, die Smartphone-Kultur.

  16. Mal zum Energieraub. Sicher machen wir es uns leicht uns nicht des Energieraubes bezichtigen zu lassen und zu sagen, das Licht der Sonne gehört allen und jeder kann sie nutzen. Nur gibt es einen Unterschied zwischen z. B. Pflanzen und modernen Menschen. Die Pflanze nutzt, mit allen Konsequenzen, unter Einbeziehung ihrer eigenen Möglichkeiten vor Ort, das Sonnenlicht. Wenn ich aber meinen Strom aus Sonnenlicht nutze, dann hat dieser Strom einen weiten Weg auf der Erde hinter sich und verbrauchte bereits im Vorfeld seiner Ankunft bei mir reichlich Energie, die wiederum nicht vor Ort verfügbar war. Nicht ich mache mir den Strom mit meinen verkörperten Möglichkeiten verfügbar, sondern ich lasse ihn mir verfügbar machen, über eine Verkettung weiterer Verfügbarmachungen, die letztlich erst mir ermöglichen, den Strom nutzen zu können. Dieser Weg ist ein Weg des Energieraubes, denn unterwegs werden Ungleichgewichte geschaffen, die es bei der Pflanze von Natur nicht geben kann, und wenn, dann bekommt die Pflanze es selbst vor Ort zu spüren, muss also selbst die Konsequenzen tragen. Für meinen Strom trage ich nicht die Konsequenzen, die meine Forderung nach Strom anderswo bedingen, höchstens erst im Laufe der Zeit über eine Kasskade von Auswirkungen, die ich dann aber nicht mit meinem Strom in Verbindung bringe. In der natürlichen Verwobenheit ist immer mindestens ein lebender Körper an der Energiebeschaffung beteiligt, bei uns Menschen benötigt ein Körper immer mehr Maschinen zwecks Energiebeschaffung, sei es als Strom oder als Nahrung. Darin zeigt sich der Raub, weil meine eigenen körperlichen Möglichkeiten der Energiebeschaffung, nicht mit der Menge an Energie, über die ich verfügen kann, übereinstimmen. Das ist in der Natur ANDERS.

    Was ist das denn für eine Evolution, die sich lange Zeit tapfer und einfallsreich geschlagen hat, aber nun auf Technisierung und Energieraub umschwenkt? Vielleicht ist der Gedanke, dass Technisierung nicht in dieser bisherigen Form aufzuhalten ist und eine Weiterentwicklung des Natürlichen sein könnte, Ausdruck von Kapitulation oder Einfallslosigkeit … oder Energiemangel? Allerdings, vergleicht man einmal die Herangehensweise eines Körpers mit Krebs, dann zeigt sich etwas Interessantes:
    Krebs ist im Grunde das Symptom für Energieunausgewogenheit. Wo Krebs entsteht, da liegt Energie vor, die im Kontext der Zellen nicht dort in solch einem Ausmaß sein kann. Krebs ist somit ein Hinweis und setzt sich aus ehemaligen Körperzellen zusammen, die durchaus wieder kohärent zueinanderfinden können, wenn denn die Bedingungen, sprich, der Kontext wieder stimmig ist. Ist die Spezies Mensch in der Diversität des Lebens ein Symptom, welches im Energieraub seinen Ausdruck findet? Was mag mit dieser Spezies geschehen, wenn das Symptom nicht mehr vonnöten ist? Wie mag diese Spezies aussehen, wenn sie wieder in die Kohärenz finden mag? Ein Volk von Cyborgs?

  17. Du schreibst:

    “Ein Erfolgsmodell in der Evolution ist eine stabile Form, die sich durch größere Umweltveränderungen hindurch selbst zu erhalten vermag.“

    Aber kann sich der Mensch SELBST erhalten? Kann sich seine Technologie SELBST erhalten? Es sit doch mehr und mehr der Energieraub, allen voran das Erdöl, welches dem Menschen im Glauben lässt selbsterhaltend zu sein. Es genügt weiterhin ein virales Klicken im Genom der Menschheit und das Experiment könnte EINE ganze ANDERE Richtung annehmen. Die Notwendigkeit, auf dem das Leben fußt, ist das Vermögen der HARMONISIERUNG, welches erst durch das Kohärenzgefühl ermöglicht wird. Selbst das Feuer “funktioniert“ von Natur aus anders, als durch uns Menschen bedingt, denn wir legen Feuer mit anderer Absicht, als sich auf natürlichem Wege ergibt. Feuer durch Blitzeinschlag, welches zu einem Waldbrand führt, ist so ein HARMONISIERUNGS-Prozess, Brandstiftung unsererseits, aber auch bloße Unachtsamkeit, umgeht die HARMONISIERUNG. Gleiches gilt für alle anderen menschlichen Spielereien mit dem Feuer. Warum sollte die Evolution ihr HARMONIE-Vermögen aufgeben, nur weil wir EINEN, bzw. ein Teil der EINEN, EINEN anderen Harmonie-Bedarf hat, der sich aber von Natur aus nicht in Großbuchstaben präsentiert? Selbst wenn es dem Cyborg gelänge das Sonnensysten zu besiedeln und sich über das Universum auszubreiten, gelänge das nur, weil der Cyborg immer schneller neue Brände zu legen vermag, als der HARMONISIERUNGSprozess die Folgen in die Evolution einzubinden vermag … wobei die gebrannten Kinder der Cyborgs ewig weiter auf der Suche wären. Wenn unser Spiel mit dem Feuer nichts weiter als eine Flucht ist, eine Suche nach Harmonie, ohne aber der HARMONIE begegnen zu wollen, dann … ja, was dann? Vielleicht hast Du eine Idee, was dann wäre.

    Kürzlich stolperte ich über folgenden Link: http://www.gameplane.de/perfect-dem-alltag-in-die-virtuelle-realitaet-entfliehen/

    Mich beschleicht hingegen mehr und mehr das Gefühl, dass das, was wir als das Universum ansehen, als Abbild von längst Vergangenem, der größte aller Stolpersteine des modernen Menschen ist. Ein Universum, für welches wir ständig neue Worte benötigen, um es als Weltbild um unser Dasein herum zu gestalten. Unsere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und Vergänglichkeit gleicht einer gefrässigen Raupe, die sich an der Gegenwart laben muss, aber keine Chance auf Metamorphose hat und somit nicht zum Schmetterling werden kann, der etwas wahrhaft Neues beflügeln könnte. Unser Blick ins All ist der Blick ins Familienalbum voller Fotos. Fotos, die man nicht gemacht hat, um etwas loszulassen … obwohl die Zeit überreif ist loszulassen. Das ist meiner Meinung nach der eigentliche Ansporn für uns EINEN unseren Fortschritt immer schneller fortschreiten zu lassen, weil wir das Herabfallen der überreifen Frucht vermeiden wollen.

    Leben auf anderen Planeten? Dieser Wunsch, dieser Traum, entspringt eher dem Nichtloslassenwollen von Vergangenem und hat nichts mit Evolution zu tun. Der Film ARRIVAL greift für mich diese Gedanken herrlich und eindrucksvoll auf und lieferte mir ganz nebenbei das zentrale Puzzlestück des Romans, den ich gerade schreibe.
    Was hat der Mensch davon auf einem anderen Planeten zu leben, wo Mensch und Planet nicht zusammen eine gemeinsame Geschichte bilden können, wenn wir schon diesen Planeten, mit dem wir eine gemeinsame Geschichte teilen, nicht zu würdigen wissen?

    • HARMONISIERUNG bedeutet das Herstellen von Gleichgewichten in einem Netz. Der Endpunkt der HARMONISIERUNG ist das absolute Gleichgewicht. Das ist Stillstand, und Stillstand ist TOD. TOD nicht als Vergehen und Erscheinen von Lebensformen in immer neuen Variationen und Differenzierungen, sondern als Aufhören jeglicher Bewegung, jeglicher Dynamik. Um ein zu großes Maß an HARMONIE zu vermeiden, wird das Spiel, sobald ein bestimmter Grad an HARMONIE erreicht ist, komplizierter gemacht, indem eine neue Variable X hineingeworfen wird oder indem eine neue Ebene der Differenzierung ermöglicht wird. Der Cyborg-Mensch ist eine solche Variable, die eine beinahe erstarrte Dynamik wieder aufgemischt hat. Jetzt geht das Spiel natürlich dahin, diese neue Variable zu HARMONISIEREN. Sollte dies gelingen, steht der Cyborg-Mensch in der nächsten Runde auf der Seite der ANDEREN, wenn es dann drum geht, die nächste Variable Y, die wahrscheinlich noch schwieriger zu HARMONISIEREN ist, in die Kohärenz einzubetten. Es kann auch sein, dass es nicht gelingt, den Cyborg-Mensch zu HARMONISIEREN, das tut dem Leben aber keinen Abbruch. Davon hängt das Leben nicht ab. Der Cyborg-Mensch eliminiert sich selbst und vielleicht wird dann eine Variante (Mutation) ausprobiert, die sich in einer Eigenschaft unterscheidet und sich deshalb HARMONISIEREN lässt.

      Klar genügt ein Klicken im Genom, aber darauf zu wetten, ist doch pure Spekulation und findet bloß in Deiner Imagination statt. Mir gibt es schon zu denken, dass all die Katastrophen und Weltuntergänge sich stets bloß in unserer Fantasie und in Romanen abspielen, aber nie real eintreten. Stattdessen zeigt sich die Realität den menschlichen Aktivitäten wohlwollend gegenüber, sonst würde es doch gar nicht gehen, dass man Kinder im Reagenzglas zeugt, Eizellen entkernt, Gencrisping macht, Atome spaltet. Es ist doch komisch, dass bei all den Möglichkeiten zu Katastrophen diese eben nicht eintreten. Wenn man Angst-Projektionen in die Zukunft hinein mal rigoros weglässt, dann stellt es sich doch so dar, dass die Realität/Wirklichkeit dem menschlichen Treiben wohlwollend gegenübersteht.

      Und es ist auch kein Raub. Die Realität stellt dem Menschen die Ölquellen zur Verfügung, ebenso die unerschöpfliche Energiequelle Sonnenlicht. Genau genommen legt die Realität die Ölquellen doch gerade so hin, dass der Mensch förmlich über sie stolpern muss. Wenn du im Kinderzimmer hundert Tafeln Schokolade und tausend Tüten Gummibärchen ausbreitest, ist es dann Raub, wenn das Kind die Schokolade isst? Kann man da das Kind bezichtigen? Ich denke, nein. So ähnlich stellt sich aber die Geschichte des Menschen dar. Er wird doch immer in Situationen gebracht, wo es geradezu blöde und fahrlässig wäre, die zusätzliche Energie oder die Technik nicht zu benutzen (wie im Bsp. Kaiserschnitt).

      Mir stellt sich das Bild vom Menschen eben als Vexierbild da, je nachdem, wie man draufschaut. Das erste Bild besteht darin, dass der Mensch seine Bestimmung erfüllt, wenn er mit den ANDEREN schließlich ins Gleichgewicht kommt und HARMONISIERT (wird), das zweite Bild besteht darin, dass der Mensch eben gerade seine Bestimmung erfüllt, wenn er sich nicht HARMONISIEREN lässt und sich der HARMONISIERUNG mit immer neuen Finten widersetzt. Die beiden Bilder widersprechen sich, aber ich kann nicht eins zugunsten des anderen fallen lassen. Würde ich mich für eins entscheiden, hätte ich damit den Grundstein für eine Ideologie gelegt. Deshalb versuche ich beide Bilder auszuloten.

      Ich habe das Gefühl, dass das, was uns die Wissenschaften als Universum präsentieren, eine Projektion unserer selbst ist. Dieser Antrieb, sich ins Unendliche auszudehnen, ist in uns selbst zu finden. Er macht das Wesen des Menschen aus. In der Vergangenheit stand für diesen Trieb, für diese Sehnsucht Gott als Chiffre. Die Chiffre hat sich gewandelt. Es ist jetzt die Ausdehnung des Universums. Der bewusste oder unbewusste Wunsch uns selbst bis ins Unendliche auszudehnen wird als Ausdehnung des Universums interpretiert. Die beschleunigte Ausdehnung kommt daher, dass wir als Menschen immer schneller immer mehr von der Welt in Technosphäre umwandeln. In den Wissenschaften wird das, was Ding an sich oder Wirklichkeit an sich ist, nicht von dem getrennt, was Mensch ist. Zwischen Menschlichem und Universellem wird nicht differenziert. Deshalb entsprechen die Kosmologien immer dem, was uns als Menschen aktuell gerade beschäftigt. Der Industriellen Revolution entspricht das mechanistische Weltbild. Der Vermassung des Menschen entspricht die Quantenmechanik. Und logischerweise spielt im neuesten Bild vom Universum die Information die zentrale Rolle, eben weil wir gerade mit Computern rumspielen. Dass wir selber Rollen spielen und in verschiedenen Fragmenten von Realität leben, führt als Projektion zu Paralleluniversen usw. und so fort.

      Als Cyborg-Menschen können wir die Vergangenheit nicht loslassen, weil sich unsere Vergangenheit als Technosphäre abgebildet hat und als solche in der Gegenwart präsent ist und uns dominiert. Unsere ganze technisch-industriell-artifizielle Umwelt ist nichts Anderes als Wirklichkeit gewordene Vergangenheit, während sonstwo die Vergangenheit nicht mehr existiert.

      • Du schreibst:

        “Klar genügt ein Klicken im Genom, aber darauf zu wetten, ist doch pure Spekulation und findet bloß in Deiner Imagination statt.“

        Säugetiere konnten entstehen, weil es im Genom Klick machte, woraus die Plazenta hervorging und Säugetiere, uns Menschen inklusive, erst möglich wurde,. HIV ist im menschlichen Genom seit Tausenden von Jahren längst zugegen gewesen und nicht erst in den 80ern durch Zufall in einer Schwulenkneipe aus dem Nichts entstanden. Worauf ich hinaus will ist: es braucht keinen Cyborg, also ein Feuerwesen, um die Evolution in völlig neue Richtungen zu bewegen, und es kann jederzeit wieder Klick machen, mit weitreichenden Ermöglichungen, eben weil sich wieder zahlreiche Auswirkungen angesammelt haben und die HARMONIE dem Endpunkt gefährlich nahe brächten, ginge es derart weiter.

        “Unsere ganze technisch-industriell-artifizielle Umwelt ist nichts Anderes als Wirklichkeit gewordene Vergangenheit, während sonstwo die Vergangenheit nicht mehr existiert.“

        Und da wird immer behauptet Science-Fiction ist die Geschichte der Zukunft, dabei ist SF der Schnee von gestern …

      • Für Genom-Klicke braucht es keinen Cyborg, aber Genom-Klicke finden nur statt, wo eine DNS vorhanden ist. Aus der Verschmelzung einer nennen wir es mal „Wesenheit“ wie Feuer mit einer DNS-behafteten Lebensform ergibt sich notwendig der Cyborg, der nicht mehr aus dem Instinkt heraus agiert, sondern Erlerntes über Kultur und Zivilisation weitergibt. Was der Cyborg-Mensch über Sprache, Schrift, Kultur, Technik, Zivilisation transportiert, wird eben gerade nicht über die DNS weitergegeben. Aber warum sollte die DNS die einzige Übertragungsform sein? Neben elektromagnetischer Kommunikation über Nervensysteme gibt es ja auch chemische Kommunikationssysteme. Wenn Feuer eine „Wesenheit“ ist, kann es seine Eigenschaften nicht über DNS transportieren. Also, ich seh das anders. Meiner Ansicht nach ist ein Feuerwesen wie der Cyborg-Mensch durchaus eine Möglichkeit, Evolution in eine neue Richtung zu bewegen.

  18. Du schreibst weiter:

    “Daraus ergibt sich aber, dass alles, was wir tun, seine Berechtigung hat, eben auch das Zerstören. Die Menschen, die sich nicht dem Zerstörungswahn hingeben, sind nicht besser als die, die Atombomben bauen. Die, die Atombomben bauen, haben überdies den Rückenwind und die Wunder auf ihrer Seite, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass die Atombombenbauer dem Gesamten mehr dienen als die Umweltschützer und Bewahrer.“

    Ich meine mich erinnern zu können, dass hinsichtlich der Zerstörung Du vor ein paar Monaten noch anders gedacht hast. Wie dem auch sein, der Rückenwind bläst aus EINER Windmaschine und vermag auf Dauer nicht zu leisten, wofür Wind von Natur aus zugegen ist, und sei es nur, um ordentlich am Geäst zu schütteln und Früchte fallen zu lassen, die scheinbar am Baum festkleben. Gleiches gilt für die Wunder unserer Technologien, denn vielleicht stellt sich heraus, dass sie arg blass sind, gegen das, was wahrer Fortschritt Wundervolles hervorzubringen vermag. Nur dass der wahre Fortschritt bisher nur im Hintergrund bzw. Untergrund wirken kann, weil der technologische dick aufträgt. In diesem Zusammenhang von ‚besser‘ zu sprechen, passt meines Erachtens nicht ganz bzw. trifft den wesentlichen Kern nicht, denn Bewertungen können einen wahren Wert nicht erfassen. Der Prozess im Hinter- bzw. Untergrund ist langsamer, als der vordergründige und er bedarf einer gewissen Sensibilität, um, trotz aller Langsamkeit, wahrgenommen werden zu können. DAS ist in meinen Augen die eigentliche Funktion unseres technologischen Fortschreitens: die Sensibilisierung für etwas Wahrhaftiges, was Technologie (allein) niemals ermöglichen kann. Und das muss nicht bedeuten, dass Technologie per se aus dieser Ermöglichung letztlich verbannt werden muss. Es gilt einen Weg zu ermöglichen, der wahren und technologischen Fortschritt dahingehend verschmilzt eben ohne Energieraub das Leben auf EINE ANDERE Weise zu beflügeln, als wir EINEN es bisher für möglich halten. Der Schlüssel ist und bleibt, zumindest für mich, das, was wir unter Vergangenheit verstehen …

    • Ich habe keine Antworten und kein Weltbild, nur Fragen, Überlegungen, Beobachtungen, Interpretationen von Beobachtungen. Ich habe kein Problem damit, wenn es deswegen auch mal zu Widersprüchen kommt. Das scheint mir in der Natur der Dinge zu liegen.

  19. Du schreibt:

    “Dieses religiöse Symbol vom „Kind in der Krippe“ ist eigentlich das Symbol für einen Parasiten, der alle seine Fähigkeiten verliert, hilflos und abhängig vom Wirt wird, wobei der Wirt ja die Technosphäre, also der andere Teil von uns ist.“

    Seit ich das Buch THE PARASITE von Michel Serres gelesen haben, sehe ich Parasiten mit EIN wenig ANDEREN Augen, denn in der natürlichen Verwobenheit haben sie wesentlichen Anteil am Prozess der HARMONISIERUNG. In der Tat verhalten wir Menschen uns wie EIN Parasit, also ein Parasit, wie wir ihn allgemeinhin sehen. Das Thema hatten wir ja schon mal anderswo:

    https://faszinationmensch.com/2014/08/28/hilfe-so-helft-doch-ruft-911-nein-lieber-die-ritter-des-tempels-oder-freie-maurer-ruft-draghi-die-dragonier-ruft-die-nsa-egal-oh-mein-gott-die-oko-vampire-sind-unter-uns/

    Vielleicht ist weit mehr dran an der Sapir-Whorf-Hypothese, als uns EINEN, oder zumindest vielen von uns EINEN, lieb ist.

  20. Wunder:

    Sind unsere technologischen Wunder wahrhaftig wundervoll oder erscheinen sie nur derart, weil Maschinen, Funktionen und Programme dafür sorgen, dass sie wundervoll erscheinen können, weil sie wiederum die menschliche Beteiligung immer mehr umgehen? In der natürlichen Verwobenheit ist es das Leben selbst, welches alles aus eigenem Vermögen unter Kontrolle hat. Ist ein Smartphone wundervoller als die Umwandlung von Sonnenlicht in Zucker? Beim Smartphone können wir das Wunder jederzeit nachbauen, wir wissen um seine Entstehung und können den Weg des Wunders nachzeichnen und nachbilden, weil wir entsprechende Kontrollen und Kanalisierungen eingebaut haben, die zum Endprodukt werden. Diese Entwicklung kostet Geld und Energie, Energie, die derart erst anderweitig bescjhafft werden und gewährleistet bleiben muss. Wie schafft(e) es die belebte Natur Blätter hervorzubringen, die im Grunde jenem thermodynamischen Grundsatz ein Schnippchen schlagen, an welchem unsere Techniker verzweifen und weiterer Energie bedürfen, um über einen Umweg diesen Trick zu simulieren? Das Leben schafft das bei Raumtemperatur, plus, minus, ein paar Grad. Unsere Technologie braucht dafür reichlich Kühlenergie.

    Technologie gibt überwiegend vor Wunder vollbringen zu können, während die allgegenwärtigen und bereits lange bestehenden Wunder der natürlichen Verwobenheit im Vergleich dazu in Vergessenheit geraten, weil sie nicht immer verfügbar sind bzw. sich nicht mit zeitgeistigen Methoden erklären lassen. Der Mensch bedient sich mehr und mehr der Maschinen und des Energieraubes, um für seine Technologien bewundert zu werden. Nur so kann er Dinge größer und schneller und eindrucksvoller und effektvoller gestalten, als es der Natur derart möglich ist, doch muss der Mensch dafür die Kontrolle abgeben, weil er mit seinen körperlichen Möglichkeiten nicht mehr bändigen kann, was er erschaffen hat.

    In der Tat sind die fossilen Brennstoffe ein Geschenk der ANDEREN, welches uns überhaupt erst fortschreiten lässt. Da es ein Geschenk ist, mag das Wort Energieraub durchaus unangebracht erscheinen, aber wenn es ein Geschenk mit dem “Hintergedanken“ ist, EINER Spezies das Fortschreiten von der Verwobenheit schmackhaft zu machen und den Fortschritt so zu motivieren, dann wird sich das Geschenk für uns EINEN jedoch zunehmend als Kuckucksei entpuppen. Glücklicher, zufriedener, lebenswerter scheint das moderne Leben immer weniger zu werden, eher wird der Schein, all unserer Wunder wegen, dahingehend aufrechterhalten bzw.. überhaupt erst hervorgebracht, da ja alles irgendwie zu klappen scheint. Bin gespannt, wenn die Digitalisierung den Menschen mehr und mehr ihren Lebensunterhalt streitig macht, was dann geschehen wird. Bin gespannt, wie wir mit immer mehr fremden Zeichen umgehen werden, die wir nicht zu deuten wissen, wo Fremdartiges in vertrauter Umgebung nicht gerade zu beruhigen vermag, Zeichen, wie das hier verlinkte, z. B.: http://www.logistra.de/news-nachrichten/nfz-fuhrpark-lagerlogistik-intralogistik/8303/maerkte-amp-trends/autonomes-fahren-neues-schild-gibt-systemen-or

    Nicht von Energieraub zu sprechen und all diese Energie als Geschenk zu benutzen, zu unseren Gunsten, hat Vorteile, sicher, aber was geschieht mit den Lebensbedingungen und der Lebendigkeit, mit der Lebensqualität, der Resonanzfähigkeit? Ist es zunehmende Aneignung von Welt wert, jeglicher Anverwandlung von Welt aus dem Weg gehen zu können, einzig der Resonanzquantitäten wegen, auf Kosten der Resonanzqualitäten – Hartmut Rosa lässt grüßen 😉 ? Kann das auf Dauer gutgehen? Oder wie viel schwarzes Vokabular ist noch nötig, um nicht zu offenbaren, was unsere Technologien immer besser zu verstecken imstande sind?

    All diese Energie als Raub anzusehen, der Aneignung zur Folge hat, aber Anverwandlung mehr und mehr verunmöglicht, lässt die Sensibilisierungstür offen, um eben Resonanzqualität zu fördern und das Leben insgesamt lebenswerter zu gestalten, vor allem auch für Menschen, denen es weit schlechter geht bzw. auf deren Kosten wir meinen ein harmonisches Leben zu leben.

    • Die angeblichen Wunder der Technik sind nicht das Thema in meinem Artikel. Es geht in diesem Artikel weder um die Evolution des Feuers noch um unsere Leistungen. Der Ausgangspunkt für meine Überlegungen war der Wind, der die radioaktive Wolke von Fukushima konstant aufs Meer hinausgeweht und damit eine Riesenkatastrophe in Tokio verhindert hat. Dieser Wind war eine vollkommen natürliche Erscheinung. Ein echtes Wunder, kein von Menschen gemachtes.

      Wenn ich die Geschichte des Atoms lese, stehen mir die Haare zu Berge. Da wird mit Uran wie mit Drogen gedealt, spioniert und betrogen, Baupläne an Schurkenstaaten verkauft, exorbitante Hochrüstung betrieben, gefährliche Versuche gemacht, Atombomben verloren und Beinahe-Atomkriege angezettelt. Und immer und überall wirken die merkwürdigsten Zufälle, die verhindern, dass aus solchen Konstellationen Katastrophen entstehen. Mir geht es in diesem Artikel um eben diese merkwürdigen Zufälle, und die sind eben weder technisch noch menschengemacht. Wenn man die Geschichte des Atoms liest, muss man zu dem Schluss kommen, dass der Mensch mehr Glück als Verstand hat. Mir geht es um dieses Glück. Woher kommt es? Was bedeutet es?

      Der Wind, die Zufälle: das sind doch eben Wunder im Rahmen der natürlichen Verwobenheit. Das ist doch das Merkwürdige daran!

      August Kékulé ist im Traum der Ouroboros, die sich in den Schwanz beißende Urschlange, erschienen und so hat er die Struktur des Benzolrings entdeckt. Genauso spricht in der Bibel Gott mit seinen Propheten. Er schickt ihnen Träume. Der Traum ist ja eben nicht das Ergebnis rationaler Überlegungen und mathematischer Berechnungen. Solch ein Traum gehört eindeutig eher in die Kategorie der Wunder und des Wunderbaren. Woher kommen solche Träume? Warum haben Menschen solche Träume? Man kann das doch nicht anders erklären, als dass das Benzol entdeckt werden wollte. Wenn Resonanz oder eine höhere Macht dem Menschen solche Träume eingeben, wer sind wir dann, uns dieser Macht zu verweigern? Das ist die Frage, die ich hier stelle.

      Neben Thomas Edison gab es zwei oder drei Andere, die zum selben Zeitpunkt die Glühbirne an anderen Orten entwickelt haben und die in der Geschichte untergegangen sind, weil Edison der Erste und der Fokus war. Grob zusammengefasst. Im Detail ist die Geschichte komplizierter. Hätte sich Edison der Entdeckung der Glühbirne verweigert, wäre sie trotzdem erfunden worden. Resonanz, Gott oder was auch immer hat vorgesorgt und entsprechende Redundanz bereitgestellt, falls Edison versagt hätte. Vielleicht war Edison auch bereits die zweite oder dritte Wahl. Lies eine Geschichte der Technik und Du wirst feststellen, dass solche Redundanzen häufig vorkommen. An verschiedenen Orten auf der Welt machen unterschiedliche Menschen in voneinander unabhängigen Projekten dieselben Entdeckungen. Warum? Ich denke, weil es so sein will.

      Mir geht es in diesem Artikel drum, die Aufmerksamkeit auf eben solche Merkwürdigkeiten zu lenken.

      • Sollte ich Deinen Text dermaßen fehlinterpretiert haben? Auf mich wirkte er, als sei eben doch das Wunder der Technisierung vordergründiges Thema. Na, dann gehen wir die Sache mal anders an – obwohl, so viel ändert sich eigentlich nicht in der Herangehensweise. Später mehr dazu, auch bezüglich all der sinnlosen Kriege, die manche von uns EINEN meinen führen zu müssen, obwohl sie nur geführt werden können, weil alle Anderen von uns EINEN, die eigentlich keinen Krieg wollen, an der Ermöglichung von Krieg folgenreich beteiligt sind.

    • Wenn die fossilen Brennstoffe ein Geschenk der ANDEREN mit Hintergedanken sind, derart, dass die ANDEREN uns ein Kuckucksei ins Nest legen, das uns Menschen ins Unglück führt, dann wären die ANDEREN böse. Die ANDEREN lassen uns dann nämlich mit voller Absicht ins offene Messer laufen. Ja, danke! Wenn es so wäre, dann hätte ich null Bock auf natürliche Verwobenheit. Aber ich muss zugeben, es kommen jetzt in unserer Diskussion interessante Fragen auf.

      Wenn es so wäre, wie Du das hier zeichnest, müsste man wohl Heraklit Recht geben, der sagt: Der Krieg ist der Vater aller Dinge.

  21. Kriege der Menschen und Konflikte der ANDEREN – wo liegt der Unterschied? Für mich bedeutet Krieg die Auflösung von Kausaleskalation, sprich, es kommt über einen gewissen Zeitraum immer schneller zu sozio-kulturellen Vereinafchungen, die verallgemeinert werden, so dass im Grunde nur noch Kausalketten miteinander verkettet werden und diese Verkettung schränkt schließlich die Auslebung solzio-kultureller Entwicklung derart ein, dass praktisch nur noch ein Krieg die Verkettung der Gesellschaft zu sprengen vermag. Eine Verkettung, welche die Gesellschaft selbst herbeigeführt hat, indem sie die Verallgemeinerung von Vereinfachung, an der die Kausalität großen Anteil hat, in ihren Alltag mehr und mehr integriert. Je länger die Verkettung, die als praktisch für das Alltagsleben angenommen wird, bestehen kann, desto mehr Energie ist vonnöten, die aber nicht vor Ort verfügbar ist, was die Verkettung immer größere Kreise ziehen und einen Krieg immer wahrscheinlicher werden lässt.

    Konflikte in der Natur, die unvermeidlich sind, gar notwendig sind, laufen ANDERS ab, weshalb sämtliches kriegerisches Vokabular, welches wir EINEN der Natur überstülpen, eher ein Spiegelbild unseres Unvermögens ist uns einzugestehen, dass natürliche Verwobenheit ANDERS tickt. In der natürlichen Verwobeneit werden nämlich Ermöglichungen einfach miteinander verwoben und keine Kausalitäten vereinfacht miteinander verstrickt.

    Es dürfte sehr wahrscheinlich sein, dass überall dort, wo reichlich Dekohärenzpotential bzw. Unordnung bzw. Unausgewogenheit vorliegt, das Leben sich konzentriert und mehr Diversität zur Auflösung des Potentials bzw. der Unordnung bzw. der Unausgewogenheit hervorbringt, u.a. an mehr Nachkommen abzulesen. Wo Ungleichgewicht vorliegt, da vermehren sich Bakterien rasant, da schleudern Pflanzen Unmengen Pollen durch die Luft, da gelangen unzählige Eier in Umlauf, weil Diversität der natürliche Gegenspieler von Dekohärenzpotential ist, erst recht, wenn dieses Potenzial über lange Zeiträume zugegen ist. Dass die Weltbevölkerung der Menschen stetig steigt mag primär als Verhütungsproblem betrachtet werden, doch deutet das Wachstum eher auf zunehmendes Dekohärenzpotetial seitens der Menschheit hin. Du fragst, wo all die Katastrophen und Folgen bzw. Auswirkungen unseres Fortschritts bleiben? Die Antwort ist, so wie ich es sehe, doch offensichtlich, nämlich in der Motivation der Menschen, sich an die technologische Kette legen zu lassen, siehe Intensivstation, siehe Abwendungsmöglichkeiten von Konsequenzen. Oder anders ausgedrückt: je mehr Menschen leben, desto mehr Katastrophen können ausbleiben, weil ihr Potential auf immer mehr Menschen verteilt werden kann, was aber nicht bedeutet, dass das Leben von immer mehr Menschen auch immer lebenswerter wird.

    Erdbeben, die in dicht besiedelten Gebieten ausbleiben (wenn auch nicht ewig) oder auch Vulkane, die in dicht besiedelten Landstrichen scheinbar eingeschlafen sind (aber trotzdem ausbrechen können), werden für gewisse Zeiten durch die Anwesenheit von Leben neutralisiert, zumindest solange, wie das Ausbruchspotential von der Bevölkerung der Gegend aufgenommen und andrweitig kanalisiert werden kann, auch wenn das Aufnahmepotential nicht ewig wachsen kann.

    Heute fand ich endlich eine Zusammenfassung unseres technologischen Treibens, auf welches ich lange gehofft hatte. Es geht um die Umwandlung des Sonnenlichts in Kunstlicht und der daraus erfolgenden Ermöglichungen all jener Symptome, die wir als Zivilisationskrankheiten bezeichnen:

    https://www.jackkruse.com/reality-3-wake-september-2016-ends/

    Zwar in sehr speziellem Englisch niederschrieben, aber mehr als augenöffnend, wenn man denn sehen will, was dargeboten wird.

    Womit ich noch einmal zu Deiner Frage komme, was es mit den ANDEREN und dem Energieraub bzw. dem Geschenk auf sich haben mag.
    Böse Absicht, wie auch immer geartet, mag hinter besagtem Geschenk gar nicht stecken. Vielleicht eher etwas wie Neugierde, um zu erfahren, was passiert, wenn EINE einzige Spezies in die Lage versetzt wird, über mehr Energie zu verfügen, als allen ANDEREN Spezies, aus guten und kohärentem Grund, eben nicht örtlich möglich ist. Vielleicht aber auch so etwas wie die Ermöglichung der Gewahrwerdung sinnlicher Verwobenheit und deren Vermittelbarkeit. Ich nenne es mal die Begeisterung für Verwobenheit und deren Weitergabe, z. B. in Form von kreativen Prozessen, wie z. B. Poesie oder auch Gesang. Sicher, was wir mit Schönheit meinen oder was uns tief im Innern zu ergreifen vermag, was wir gerne mit anderen Menschen teilen mögen, ist ein kulturelles Gut, aber ich denke mal, dass alle Menschen auf diesem Planeten diesbezüglich etwas Wesentliches eint, egal, in welcher Kultur und in welcher Sprache man aufgewachsen ist. Technologie ist dabei oftmals der Wegbereiter der Erfahrbarkeit, der Sensibilisierung, über die Bewusstwerdung des drohenden Verlustes dessen, was Wesentlich ist. Und genau dafür bedarf es des Geschenks, welches dann wieder ein solche wäre, aber zugleich, aus Sicht der Menschen, EINEN Energieraub bedingt, sonst hätten wir ja auch keine entwickelten und unterentwickelten Länder …

    • „Sozio-kulturelle Vereinfachungen, die verallgemeinert werden, sodass nur noch Kausalketten miteinander verkettet werden und diese Verkettung schränkt die Auslebung sozio-kultureller Entwicklungen derart ein, dass nur noch ein Krieg die Verkettung der Gesellschaft zu sprengen vermag …“
      Nicht, dass ich dir jetzt grundsätzlich widersprechen will, aber wie erklärst du dir dann, dass Weberameisen ebenfalls Kriege führen?

      Was deine Ausführungen angeht, spricht mich vieles davon an, aber ich denke, dass du letztendlich in dieselbe Falle tappst wie alle Wissenschaftler, die glauben, sie hätten begriffen, wie die Welt funktioniert und daraus künftige Verhaltensweisen ableiten. Jedes Muster, das irgendein Mensch begriffen hat, ist doch ein vergangenes. Was du bspw. über die wahren Ursachen von Diabetes oder Vitamin-D-Mangel sagst, mag ja stimmen, da widerspreche ich gar nicht, aber es gibt eben verschiedene Lösungswege und nicht einen Königsweg, der darin besteht, sich wieder mehr im Freien aufzuhalten und im Winter mehr Fett und Proteine zu essen. Der Weg, im Winter Zucker zu konsumieren und dafür Insulin zu spritzen, ist ebenfalls eine Lösung. Es gibt Leute, die empfinden es als größere Einschränkung ihrer Lebensqualität, wenn sie sich im Freien aufhalten müssen als wenn sie Insulin spritzen oder Vitaminpillen schlucken. In der Evolution geht es auch gar nicht um persönliche Gesundheit, sondern darum, dass was funktioniert. Bis jetzt funktioniert die Lösung mit der Intensivstation für den Menschen offensichtlich besser als eine grundsätzliche Veränderung der Lebensweise, die sich ja schon in der Vergangenheit nicht bewährt hat. Früher waren die Menschen viel mehr an der frischen Luft und haben im Winter keine Orangen gegessen, sie waren aber ebenfalls krank, hatten ein schwereres Leben und sind wesentlich früher gestorben. Als ich noch Kind war, war es normal, dass die Menschen mit 70 alt und verbraucht waren und mit 73 gestorben sind. Heute sieht man eben sehr viele Menschen, die zwischen 70 und 80 noch fit sind. Sicher sind sie es mit Hilfe von Pillen, aber das ändert doch nichts daran, dass Leute mit 70, 80 heute ihr Leben noch genießen können, was sie meiner Erfahrung nach auch tun. Und da geht es eben wieder ums Konkrete. Willst du den Leuten anraten, auf Pillen zu verzichten und dafür wieder zehn Jahre früher zu sterben? Das wäre die logische Schlussfolgerung aus dem, was du sagst.

      Es ist ja nicht so, dass die Menschen in früheren Jahrhunderten besser dran waren als die Heutigen. Sie waren kohärenter, aber das hat einen Preis gehabt. Kann man es den Menschen vorwerfen, wenn ihnen der Preis zu hoch ist und sie nach einer bequemen Lösung suchen?

      Mit dem, was du sagst, bist du auf die biologische Seite des Cyborg-Menschen fixiert und siehst die technische mehr oder weniger als eine Fehlentwicklung an, weshalb du auch Begriffe wie Energieraub wählst, obwohl es sich gar nicht um einen solchen handelt. Meiner Ansicht hältst du am bisherigen biologischen Weg fest und denkst, dass es auf diesem Weg weitergehen muss. Aber das ist doch keineswegs gesagt. Vielleicht ist die Evolution anderer Ansicht und dass der Mensch wesentlich mehr Energie verbrät als ihm aus eigener Kraft zur Verfügung steht, folgt Regeln, die eben gar nicht biologisch sind. Vielleicht geht es ja darum, das Biologische und Nicht-Biologische zu verweben, was die biologische Kohärenz mit Viren und Bakterien aufbricht und in einen neuen Kontext stellt. Vielleicht geht die Evolution ja tatsächlich kybernetisch-technisch weiter. Wer kann das sagen? Wenn das der Fall ist, macht es keinen Sinn, an alten Kohärenzmustern festzuhalten, denn wie soll dann etwas Neues geschehen? Das Neue ist ja immer das Unvorstellbare, aber wenn man sich immer bloß am Altbekannten entlanghangelt, schränkt das die Möglichkeiten ja in der Weise ein, wie du das ja schon öfter thematisiert hast.

      Es gibt viele Lebewesen, die nicht optimal an ihre Umwelt angepasst sind, sondern gerade so lala. Bei Vögeln sind bspw. die Füße die Schwachstelle, und da siehst du sehr viele verkrüppelte Füße, die jetzt nicht unbedingt auf menschlichen Einfluss zurückgehen. Das passiert eben dadurch, dass alles ständig im Wandel begriffen ist. Der Cyborg-Mensch ist eben auch noch in der Entwicklung, deshalb nicht optimal angepasst und deshalb wird er krank. Vielleicht verändern wir unsere Genstruktur dahingehend, ob per Crisper oder von selbst sei mal dahingestellt, dass wir 1000mal so viel Zucker futtern können, ohne Diabetes zu entwickeln. Das ist doch alles gar nicht absehbar.

      Die Hauptsache scheint doch immer zu sein, dass was funktioniert, egal wie. Und niemand kann vorhersehen, wie sich ein Lebewesen in Zukunft weiterentwickelt, weil niemand in die Zukunft sehen kann.

      Was ich in deiner Weltsicht auch nicht teile, ist, dass du der Evolution oder den ANDEREN menschliche Gedankengänge unterstellst. Wenn du den ANDEREN Neugierde unterstellst, ist das für mich eindeutig eine Projektion einer typisch menschlichen Verhaltensweise. Doch die ANDEREN zeichnen sich ja eben dadurch aus, dass sie nicht-menschlich sind.

      • Für mich haben Weberameisen nichts kriegerisches im Sinne unserer Kriege und der Motivationen, die zu unseren Kriegen führen. Ameisen haben einen großen Anteil am HARMONISIERUNGS-Potenzial aller ANDEREN, daher sind sie derart verbreitet und widerstandsfähig bzw. antifragil. Unsere Art der Kriegsführung unterscheidet sich grundlegend vom Treiben der Ameisen oder anderer ANDERER, eben weil ihr Kontext das Leben ist, während unser Kontext mehr und mehr einzig unserer Kontext zu sein hat.

        Es geht weder ums Begreifen noch Vorhersagen. Wenn gar das Universum nicht grundlegend auf festen Naturgesetzen aufgebaut ist, sondern sämtliche Gesetzmäßigkeiten evolvieren, dann ändern sich auch Kontexte und Zusammenhänge, somit ergeben sich immer neue Möglichkeiten der Betrachtung und Interpretation. Du schreibst, dass diie Menschen früher schlechter dran waren, nicht so alt wurden, härter schuften mussten. Das stimmt, aber es gilt nur innerhalb der Betrachtung des damaligen Kontextes, in welchem sich das Leben abspielte. Man kann Deine Aussage z. B. nicht generell auf früher beziehen, also auf die gesamte Zeit vor der Moderne. Früher gab es Hungersnöte in Europa, weil das Klima bei weitem kälter war. Davor gab es aber auch wärmere Perioden, in denen die Kulturen aufblühten. Alle großen Kulturen sind letztlich durch Klimaabkühlung zugrunde gegangen, nicht durch Erwärmung, die es ja nicht erst seit heute gibt, sondern schon immer zum Leben gehörte, gleichwohl die Kältephasen. Heute fürchten wir die Erwärmung, weil unsere Sicht verdreht wurde. Soll ich nun der Verdrehung den Weg frei räumen und der Technisierung dahingehend mein Leben übergeben, dass diese Verdrehung bestimmt, wie ich leben soll? Nur weil es sein könnte, dass die Technisierung unaufhaltsam ist und das biologische Leben weichen muss?

        Du spielst gerne mit dem Gedanken der unaufhaltsamen Cyborgisierung und der Verfeuerung der Biologie. Ich spiele gerne mit dem Gedanken, dass die ANDEREN und wir EINEN gemeinsam auf EINEM ANDEREN Weg unterwegs sind, nicht nur folgender Zusammenhänge wegen, die einen fragen lassen, was unsere Gedanken und Ideen wirklich sein mögen:

        http://www.medicaldaily.com/food-thought-gut-bacteria-mood-behavior-379915

        Wahrscheinlich loiegen wir beide eh völlig daneben, aber darum geht es ja auch nicht, weil richtig und falsch immer ihren eigenen Kontext haben, der keineswegs ewig zu bestehen vermag und bestehen kann, es sei denn man bringt reichlich geraubte Energie auf, einzig um auf seinem richtig beharren zu können, obwohl die Annahme ohne derartige Energiezufuhr längst verschwunden wäre.

        Technologie ist für mich keineswegs eine Fehlentwicklung. Aus meiner Sicht gibt es diese Entwicklung aus EINEM ANDEREN Grund, als einzig wir EINEN meinen.

        Du schreibst:

        “Kann man es den Menschen vorwerfen, wenn ihnen der Preis zu hoch ist und sie nach einer bequemen Lösung suchen? “

        Nein, kann man nicht. Aber man kann ihnen vorwerfen, es sich auf Kosten anderer Menschen anderswo und vieler ANDEREN bequem zu machen und dieses als Lebensrecht anzusehen. Wie sagte einst Madame de Pompadour: Nach mir die Sintflut.
        Ein angenehmes, zufriedenes, lebenswertes Leben kann bestimmt auch so gestaltet werden, dass es nicht auf derartige Kosten geschehen muss. Uns ist das Maß verloren gegangen und ohne EINE Sensibilisierung für dieses Maß, kann der Mensch kein Kohärenzgefühl entwickeln und entfernt sich so vom Vermögen zu HARMONISIEREN.

        “Die Hauptsache scheint doch immer zu sein, dass was funktioniert, egal wie.“

        Nun, Funktion ist doch bei Weitem nicht das Aushängeschild der Evolution bzw. des Lebens. Wenn der Energiehaushalt nicht mit den Funktionen im Einklang ist, ist Leben nicht möglich. Das, was aus einer solchen Unstimmigkeit sich entwickeln mag, kann nicht lebenswert bleiben, sondern schreit zunehmend nach einem Dasein in anderer Form. Cyborgs zum Beispiel. Aber dann funktioniert man nur noch …

      • „Wenn gar das Universum nicht grundlegend auf festen Naturgesetzen aufgebaut ist, sondern sämtliche Gesetzmäßigkeiten evolvieren, dann ändern sich auch Kontexte und Zusammenhänge …“
        Hier stimme ich hundertpro zu! Kommt noch hinzu, was wir mal an anderer Stelle diskutiert haben, nämlich, dass die Kosmologien vermutlich eher eine Projektion des Menschen aufs Universum sind als eine Beschreibung des Universums an sich. Deshalb denken wir beide doch, dass die angeblich beschleunigte Ausdehnung des Universums in irgendeinem (nicht ganz begreiflichen) Zusammenhang mit dem beschleunigten Wirtschaftswachstum samt seiner Ressourcenverschwendung steht.

        „Heute fürchten wir die Erwärmung, weil unsere Sicht verdreht wurde.“
        Die Ansicht, dass wir Menschen eine verdrehte Sicht auf die Welt haben, teile ich. Mir stellt es sich so dar, dass der Mensch die Feuernutzung psychisch nicht verkraftet hat und darüber größenwahnsinnig geworden ist. Um seine Angst vor dem Feuer zu überwinden, musste unser Vorfahre sich mit dem Feuer identifizieren, ähnlich wie Medien/Propheten sich mit der Gottheit identifizieren. Die Geschichte des Menschen besteht nun darin, diesen Größenwahn auszuleben. Das und nichts anderes ist die Technisierung der Welt.

        „Du spielst gerne mit dem Gedanken der unaufhaltsamen Cyborgisierung und der Verfeuerung der Biologie.“
        Ja, weil ich mir den schlimmsten Fall vorstellen muss, um mich orientieren und mein Selbst bewahren zu können. Es nützt mir nichts, mir den besten Fall vorzustellen, denn wenn der beste Fall eintreten sollte, bin ich auf den auch vorbereitet, wenn ich versuche, mich mit dem schlimmsten Fall auszusöhnen. Darum geht es in diesem Blog: mich auch mit dem schlimmsten Fall auszusöhnen. Das halte ich für wichtiger, als mich an den besten Fall zu klammern.
        Und dieses Aussöhnen fällt verdammt schwer.

        Tatsächlich sehe ich wenig bis keine Hinweise darauf, dass die Menschheit dabei ist, aus dem Wahn aufzuwachen, falls das überhaupt möglich ist, denn es wiederholt sich doch permanent folgendes Muster: Der Wahn manövriert die Menschen in eine Krise (Krieg, Kollaps, Hungersnot, Katastrophe etc.), entzieht sich jedoch jedesmal der Auflösung, fragmentiert und affiziert dabei weitere Teile des noch Kohärenten, was nach einer Weile wiederum in die nächste, umfassendere Krise führt. Ich kann mir auch schon denken, was nach dem Klimawandel zur nächsten Krise wird, nämlich die Magnetfeldumpolung der Erde.

        „Technologie ist für mich keineswegs eine Fehlentwicklung. Aus meiner Sicht gibt es diese Entwicklung aus EINEM ANDEREN Grund, als einzig wir EINEN meinen.“
        Ja, das weiß ich, aber in diesem Punkt vertrete ich eine entschieden andere Ansicht. Meiner Ansicht nach vermenschlichst du die ANDEREN. Du unterstellst ihnen Motivationen, dabei kannst du, genau genommen, nicht mal sagen, ob die ANDEREN überhaupt Motivationen haben. Und wenn sie welche haben, dann kannst du nichts drüber aussagen, was du aber tust. Das ist in meinen Augen unseriös und übergriffig. Wenn du die ANDEREN wirklich als ANDERE ernst nehmen würdest, müsstest du ihnen ihr Geheimnis lassen und sie als das ansehen, was sie sind: das FREMDE, UNBEGREIFLICHE. Indem du so tust, als würdest du die ANDEREN begreifen, entsteht statt einer offenen doch wieder nur eine geschlossene Weltsicht. Und in dieser geschlossenen Weltsicht gibt es ja dann doch wieder ewig gültige Gesetze, wie dieses, dass ein System nur existieren kann, wenn der Energieraub sich in Grenzen hält oder gar nicht stattfindet. Du stellst eben andere „ewige Gesetze“ auf. Ich sage hingegen, in einem wirklich offenen System muss es möglich sein, dass eine wahnhafte Spezies ihren Wahn auch auf ewig aufrecht erhalten kann.

        Kann man einem wahnhaften Wesen seinen Wahn vorwerfen? Kann man von einem wahnhaften Wesen Einsicht verlangen? Oder dass es aus seinem Wahn aufwacht? Kann man einem wahnhaften Wesen vorwerfen, dass es seinen Wahn auslebt? Kann man von einem wahnhaften Wesen eine Änderung seines Verhaltens erwarten, während der Wahn andauert? Nein, das kann man eben alles nicht. Was du den Menschen wirklich vorwirfst, wenn man mal alle mehr oder weniger wissenschaftlichen Umschreibungen weglässt, ist der Mangel an Liebe. Nenne es so und du erkennst deine Ohnmacht: Liebe lässt sich weder erzwingen noch einfordern noch herbeireden noch anerziehen. Ist Liebe (was du das elektrische Universum nennst) der Seinsgrund, dann ist wahrscheinlich alles möglich, sogar ewiger Wahn.
        Und deshalb ist es besser, man setzt sich mit dem schlimmsten Fall auseinander und nicht mit dem besten.

  22. Du schreibst:

    “Vielleicht war Edison auch bereits die zweite oder dritte Wahl. Lies eine Geschichte der Technik und Du wirst feststellen, dass solche Redundanzen häufig vorkommen. An verschiedenen Orten auf der Welt machen unterschiedliche Menschen in voneinander unabhängigen Projekten dieselben Entdeckungen. Warum? Ich denke, weil es so sein will.“

    Es erinnert mich an das Verhalten eines Lichtstrahls, der auf Wasser trifft, das sogenannte Fermatsche Prinzip:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Fermatsches_Prinzip
    http://nautil.us/blog/to-save-drowning-people-ask-yourself-what-would-light-do

    Oder auch das Verhalten eines Photons in der Photosynthese, welches, bevor es “zu Wärme wird“, den kürzesten Weg dorthin findet, um ein “Elektron zu aktivieren“. Das geschieht indem das Photon quasi alle möglichen Wege zugleich (!) ausprobiert und so den kürzesten ermittelt. Vielleicht verhält es sich mit Deinen Beispielen von Entdeckungen ähnlich, nur dass das einzelne Photon bzw. dessen zeitgleichen Aufspaltungen der Menschheit entsprechen und so die Erfindung ermöglicht werden kann, die unter den gegeben Umständen am besten passt, wo das “am besten passen“ wieder zahlreiche Fragen aufwirft. Bedenken sollte man zudem, dass mit jeder Erfindung auch alle daraus hervorgehenden Probleme der Erfindung mit erfunden bzw. ermöglicht werden. Da könnte man wieder eine Brücke zum Film ARRIVAL und der Art der ausserirdischen Kommunikation schlagen, wobei ich hier nichht mehr verraten will 😉

  23. Dank merkwürdiger Zufälle hat Adolf Hitler 12 Attentate überlebt. Bis 1942 hatte er enormen Rückenwind. Dann hat sich das Blatt gewendet. Dieses Kapitel der Geschichte endete bekanntlich mit dem Selbstmord Hitlers.

    1. Der sogenannte Rückenwind ist kein Kriterium, das man heranziehen kann, um den Wert oder Unwert eines nicht abgeschlossenen Prozesses zu beurteilen. Was Hitler für die Welt bedeutete, war nicht zu erkennen, so lange Hitler lebte. Hätte sich das Blatt 1942 nicht gewendet und wäre es Hitler gelungen, das 1000jährige Reich zu begründen, würden wir heute unter Garantie in einer anderen Welt leben und Hitler als Gründervater verehren und feiern. Das tun wir Gott sei’s gelobt nicht.

    2. Wäre Hitler vorzeitig durch ein Attentat umgekommen, wäre nicht ersichtlich geworden, wer Hitler in Wirklichkeit war. Hitler wäre in diesem Fall zum unantastbaren Mythos und Vorbild geworden und die Welt würde heute nach seinen Ideen leben. Das Kapitel „Hitler“ durfte nicht vorzeitig durch ein Attentat abgebrochen werden, sondern musste zu Ende geschrieben werden. Hitler konnte nur durch Selbstmord enden.

    3. Den Menschen, die im Widerstand waren, wird heute widerwillige Anerkennung zuteil, aber nur, wenn sie dabei ihr Leben verloren haben. Überdies waren es Hitlers Gefolgsleute, die nach 1945 erneut an die Macht kamen, nicht die Widerständler.

    In der Übertragung auf das Kapitel Technik analog:

    1. Den Wert oder Unwert der Technisierung lässt sich nicht beurteilen, während dieser Prozess noch im Gange ist.
    2. Das Kapitel „Technisierung“ muss wie das Kapitel „Hitler“ zu Ende geschrieben werden. Ebenso wie Hitler an sich selbst zugrunde gegangen ist, muss die Technisierung an sich selbst zugrunde gehen, wenn es denn der falsche Weg ist.
    3. Widerstand als l’art pour l’art und hat keinen nennenswerten Einfluss auf den Prozess. In der Regel wird er abgestraft.

    • Das deckt sich mit der Beobachtung des allgemeingültigen Verbesserungswiderstandes, abgesehen von wenigen Menschen, die doch eine Verbesserung anstreben. Soll heißen, Alkohol wird weiter getrunken, Tabak geraucht, dem Einfluss künstlichen Lichts weiter gefrönt, Kohlenhydrate im Winter verzehrt, Pillen geschluckt und Nahrungsergänzungsmittel weiter eingekauft. Gleiches gilt für wissenschaftlich vermittelte Weltbilder, die sich weiter halten können, obwohl vieles dagegen spricht, siehe z. B. die Erklärung der Sonne aus Sicht des Elektrischen Universums, oder Kraterbildung oder Canyonbildung.

      In diesem Zusammenhang sei noch auf eine herrliche Kurzgeschichte von Ted Chiang verwiesen, mit dem Titel DIE GESCHICHTE DEINES LEBENS, welche die Grundlage für den Film ARRIVAL bildet. Man kann die Zukunft nicht vorherkennen und zugleich von einem freien Willen ausgehen – und umgekehrt. Ist Widerstand somit tatsächlich generell zwecklos oder ist der Weg des geringsten Widerstandes der einzig wahre Weg, damit Kausalfriktion minimal geschehen kann und der Gesamtprozess möglichst glatt verläuft?

      • Ich weiß nicht, was ich unter „Kausalfriktion“ verstehen soll. Können Sie den Begriff bitte näher erläutern.

        Es gibt übrigens eine nette Geschichte, was versteckten Widerstand unter dem Hitlerregime angeht. Statt der ganzen Hand streckten manche beim Hitlergruß nur drei Finger aus und statt „Heil Hitler“ murmelten sie „Drei Liter.“

  24. Kausalfriktion: Wir Menschen denken, schreiben, handeln und nehmen unsere Welt überwiegend als Kausalverkettung wahr. Das rührt oftmals aus der Vereinfachung vieler Ermöglichungen her, sodass letztlich nur eine Tatsächlichkeit übrig bleibt, die zudem sehr gerne verallgemeinert wird. Da dadurch das Wesentliche einer Entwicklung, insbesondere der Kontext, verloren geht, in welchem viele Ermöglichungen zu wirken vermögen, erzeugt die Konzentration auf das Kausale zunehmende Reibung, die das Erspüren des Wesentlichen erschwert. Kausalfriktion führt zu scheinbarer Komplexität, obwohl das Komplexe im Grunde ganz einfach ist. Ein Beispiel von Unzähligen ist zuvor erwähnter Austausch von Sonnenlicht durch Kunstlicht bzw. die zunehmende Verbreitung von Kunstlicht. Die Ermöglichungen der Symptomvielfalt diesbezüglich bringen wir so nicht mit unserem kausalen Handeln in Verbindung, wodurch das Thema Licht sehr komplex erscheint, obwohl es aus Sicht von Sonnenlicht ganz einfach ist.

    Kann Widerstand nicht als wesentlicher Input von Leben angesehen werden, um dekohärente Impulse zu setzen und so die Ermöglichung von Kohärenz zu gewährleisten? Gäben wir uns alle ausnahmslos komplett sämtlicher Technologien hin, wäre das aus Sicht des Lebens wahrscheinlich genauso unbrauchbar, wie die komplette Verteufelung und Bekämpfung.

  25. Danke für die Erklärung. Das heißt, in der konzeptuellen Erfassung ist die Summe der Einzelteile, oder besser gesagt, -fälle mehr als das Ganze, das, um als Ganzes konzeptuell erfasst zu werden, zwangsläufig Vereinfachung und Verallgemeinerung sein muss. Habe ich Sie darin richtig verstanden?

    Das erinnert mich an den Prozess der Gesetzgebung, wo das Bestreben dahin geht, mit allgemein formulierten Gesetzen möglichst viele der Einzelfälle zu erfassen, mit dem Ergebnis, dass das Gesetz gerade durch die Verallgemeinerung dem Einzelfall nicht gerecht wird. Noch kann das Gesetz adäquat angewendet werden bei Einzelfällen, die neue Konstellationen oder neue Aspekte aufweisen.

    Neu auftretende Einzelfälle, die vom Gesetz bislang nicht erfasst wurden, werden bei Aufnahme in den Gesetzeskodex wiederum vereinfacht und verallgemeinert. Der Gesetzeskodex wird dadurch immer umfangreicher und komplizierter, deshalb braucht es zur korrekten Anwendung des Gesetzes immer mehr Fachleute, die nun nicht mehr über die Einzelfälle, sondern über die verschiedenen, einander widersprechenden Paragraphen diskutieren.

    Es heißt zwar immer, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Mit Blick auf die Gesetzgebung stimme Ihnen darin zu, dass dies vermutlich für die Wirklichkeit, nicht aber für die sprachliche Erfassung der Wirklichkeit zutrifft.

    • Liebe und großgeschriebene HARMONIE ist in meinem Weltbild dasselbe. Aber ich glaube nicht, dass wir Menschen mit unserem zerbrochenen Innenleben diese HARMONIE wirklich verstehen und nachvollziehen können. Alles, was wir uns ansatzweise vorstellen können, ist möglich, und darüber hinaus noch unendlich viel mehr. Ich entschuldige mich, dass ich stellenweise hart im Tonfall war. Tatsächlich bist Du ja der Einzige überhaupt, der in ähnlicher Weise denkt.

      • Kann es nicht einfach nur ein glücklicher Umstand gewesen sein, dass die Wolke durch günstiges Wetter auf das Meer hinausgetragen wurde? Es hätte zufällig auch anders sein können. Und warum Umweltkatastrophen und Epidemien in weniger entwickelten Ländern verheerender ausfallen, hat wirklich etwas mit Technik zu tun, die Standards sind einfach besser (Häuser erdbebensicher, Krankenhäuser aufnahmefähig und ausgerüstet etc.), Man kann dafür Worte finden wie „Gott hilft den Tüchtigen“ oder so, aber was bringt das? Ich würde vermuten das hat alles mit Wunder genauso viel zu tun, wie Wasser in Wein zu verwandeln. Alles Technik oder eben Zufall/Wetter.

      • Das „Wunder von Fukushima“ ist ein Pars-pro-Toto für eine lange Reihe von erstaunlich glücklichen Zufällen in der Geschichte des Atoms. Ich hätte wahrscheinlich einen beeindruckenderen Artikel schreiben können, wenn ich mir die Mühe gemacht hätte, nochmal genauer zu recherchieren. Das war mir aber zuviel Arbeit. Die Geschichte der Weltraumfahrt weist im Gegenzug eine lange Reihe von erstaunlich unglücklichen Verkettungen auf. Sowohl Atom wie Weltraumfahrt sind Technik, die NASA ist nun auch nicht gerade „untüchtig“, trotzdem: die eine Technik hat sogenannten „Rückenwind“, die andere erheblichen „Gegenwind“. Sicher kann man es dabei belassen, das alles als bloßen Zufall abzutun. Doch mir scheint, dass der Zufall Methode hat. Oder wie es Louis Aragon in den Abenteuern des Telemachos ausdrückt: Zufällig gibt es keinen Zufall.

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