Abgesang auf die Natur

Ende September bin ich über halb Europa geflogen. Ich hatte das Vergnügen, in kleinen Fliegern zu sitzen, auf einer Teilstrecke war es sogar ein altes Propellerflugzeug. Deshalb war die Flughöhe weitaus geringer, als dies bei großen Passagierflugzeugen der Fall ist. Da es zudem ein schöner und wolkenloser Tag war, konnte ich mir also ein gutes Stück Europa in aller Ruhe von oben betrachten.

Europa hat aus dieser Perspektive was von einem Schachbrett und die einzelnen Felder was von Ritter-Sport-Schokolade: quadratisch, praktisch, gut. Das Land sieht überwiegend aus wie mit dem Lineal konstruiert. Braune und gelbe Quadrate bzw. Rechtecke wechseln sich ab mit grünen und dunkelgrünen, aber viereckig ist fast alles. Selbst die großen Naturparks sehen von oben nicht natürlich aus, sondern nur wie größere Flicken innerhalb des menschengemachten Patchworks. Abgesehen vom alpinen Hochgebirge, von Seen und Flüssen sind es ausgerechnet die Stadtlandschaften, die nicht so aussehen, als wären sie am Reißbrett entworfen, sondern willkürlich und ungeordnet in die Gegend geklatscht. Von oben betrachtet, sehen Städte natürlicher aus als das, was wir für Natur halten.

Mir ist wieder einmal klar geworden, dass es in Europa Natur überhaupt nicht mehr gibt, wenn Natur als ungezähmtes, sich frei und unabhängig vom Menschen entfaltendes Leben verstanden wird. Das gibt es nicht mal mehr in den Wäldern, die uns ach so natürlich erscheinen. Die europäischen Wälder sind reine Kulturprodukte. Durch die umfassende, alles bestimmende Verschachbrettisierung der Landschaft, auch Landwirtschaft genannt, legt der Mensch in großem Stil fest, welche Tiere leben dürfen und welche nicht. Europa ist ein durch und durch von Menschen gestalteter und rein menschlichen Zwecken unterworfener Kontinent. Wo immer ein Europäer behauptet, er würde in einer natürlichen Umgebung wohnen, macht er sich selbst was vor.

Was in Europa wächst, blüht und gedeiht, sind Lebensformen, sie sich mit uns Menschen als dem alles bestimmenden Umweltfaktor arrangiert haben. Der Mensch glaubt gern, dass er Wildtiere gezähmt und Getreidesorten gezüchtet hat. Doch man kann das auch anders sehen. Nämlich so, dass sich die ehemaligen Wildformen dem Menschen angepasst haben. Aus Wölfen wurden Schoßhündchen. Aus Wildrindern Milchkühe. Aus Wildschweinen Massenware für die Fleischproduktion. Steppengräser mutierten zu Getreide und Mais. Nachtschattengewächse zu Kartoffeln und Tomaten. Als Menschen leben wir in Symbiose mit all den Nutzpflanzen und Haustieren, die heute unsere Umwelt bilden. Was anderes gibt es nicht. Wer es nicht glaubt, soll einfach mal in einem kleinen Flugzeug quer über Europa hinweg fliegen.

Umgekehrt hat sich in dieser Symbiose auch der Mensch angepasst und im Laufe der vergangenen zehntausend Jahre beispielsweise neue Verdauungsenzyme gebildet, die ihm den Verzehr von Milch, Brot, Butter, Wurst und Schokolade überhaupt erst erlauben. Es war nämlich nicht immer so, dass der Mensch das, was wir heute als gesunde Nahrung ansehen, auch vertragen hat. Vielleicht ist das, was heute als gesund gilt, schon wieder dabei, unverdaulich zu werden. Manche Allergien deuten auf eine solche Veränderung hin.

Jede Art von Landwirtschaft ist das Ergebnis der Herrschaft des Menschen über die Natur. Landwirtschaft ist nichts Natürliches, auch die angeblich ökologisch-biologische nicht. Bei näherer Betrachtung entpuppen sich Öko und Bio als bloße Label, die dem Menschen ein gutes Gewissen verschaffen, damit er ungestört seine Dominanz über die Natur ausüben kann. Der Flächenverbrauch ist im biologischen Landbau beispielsweise wesentlich höher als im konventionell-industriellen. Bei den meisten Getreidesorten wird für denselben Ertrag mindestens ein Drittel, bei manchen sogar doppelt so viel Fläche verbraucht. Richtige Mischkulturen sind auch im Öko-Anbau unüblich. Es gilt ja schon als herausragende Leistung, wenn zwischen dem Getreide mal ein paar Kornblumen wachsen. Zudem kultiviert die ökologisch-biologische Landwirtschaft immer noch Anbaumethoden, die als überholt betrachtet werden können und durchaus nicht umweltfreundlicher sind als industriell-konventionelle Landwirtschaft. Im Gegenteil. So wird im Bio-Anbau beispielsweise als Pflanzenschutzmittel Kupfersulfat eingesetzt, das, würde es heute neu entwickelt, keine Zulassung mehr bekommen würde, da es in erheblichem Maß Mikroorganismen und Wasser schädigt.

Mit dem Schutz oder der Bewahrung einer nicht-menschlich geprägten, ursprünglichen Natur hat das alles überhaupt nichts zu tun. Die gibt es nämlich gar nicht mehr. Umweltschützer und Ökofreaks bilden bloß den Trauerzug hinter einem Sarg. Sie glauben, die Natur bewahren zu können, während sie in Wahrheit um etwas trauern, das längst dahin und verloren ist. In Europa sind wir am Endpunkt einer langen Entwicklung angekommen. Wir haben die einstmals wilde Natur vollständig gezähmt und auch den letzten Winkel in Kulturlandschaft umgewandelt. Requiescat in pace!

Was in Europa passiert ist, passiert überall auf der Welt. Der Mensch breitet sich aus, besetzt alle nur möglichen Lebensräume und verdrängt dabei die Lebensformen, die ihm keinen Nutzen bringen.

Weltweit sind von ursprünglich 62 Millionen Quadratkilometern Wald heute noch 14 Millionen übrig. Das ist nicht mal ein Viertel. Jedes Jahr schrumpft dieser kümmerliche Rest um weitere 130.000 Quadratkilometer. In Südamerika hat die Abholzung des Regenwaldes in den vergangenen drei Jahren wieder deutlich zugenommen, schon mal beschlossene Pläne zu seinem Schutz werden von Regierungen ad acta gelegt und von Unternehmen unterlaufen.

Manche Menschen glauben, die Zerstörung der ursprünglichen Natur aufhalten zu können, indem sie Vegetarier werden. Das führt jedoch nur dazu, dass die Tiere, die mit dem Menschen jetzt in einer Symbiose leben, auch noch verschwinden und durch weitere Menschenmassen ersetzt werden. Und wenn nicht durch Menschenmassen, dann durch weitere Technisierung. Alle unsere Fortschritte und Errungenschaften haben nämlich nur den Zweck, unsere menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Welt wird durch die Vegetarier also nicht vielfältiger, sondern nur noch eintöniger. So drehen wir uns ständig um uns selbst, in Kreisbewegungen, die immer größer werden.

Das, was der Mensch in der Welt anrichtet, kann man nur ertragen, wenn man davon ausgeht, dass der Mensch ein Experiment der Natur ist. Natur dieses Mal nicht im Sinne einer Gegenüberstellung zum Menschengemachten, sondern als Prozess verstanden, in den der Mensch eingebettet ist. Mit all dem, was wir anleiern, erfinden, verändern, bewahren, zerstören und bauen, können wir uns aus diesem Prozess weder ausklinken noch ihn in die von uns gewünschte Richtung lenken. Wie sich ein mathematisches System nicht mit den Mitteln des Systems beweisen lässt, so lässt sich die Natur, als umfassender Prozess verstanden, nicht mit den Mitteln des Prozesses beherrschen. Und in diesem Fall ist der Mensch  nur ein Mittel.

Wenn sich der Mensch ethische Regeln geben will, dann sollte er das tun auf der Basis des Hineingeworfenseins in einen Prozess, den er weder beherrschen noch kontrollieren kann. Alles Andere ist Illusion. Der Schlüssel liegt in der Erkenntnis, dass der Mensch weder die Natur bewahren noch sonst einen Status quo aufrecht erhalten kann. Das Gegenteil trifft zu. Der Mensch steht nicht für Bewahrung, sondern für eine umfassende Umwälzung. Er ist der Katalysator für einen globalen Verwandlungsprozess, der bereits soweit fortgeschritten ist, dass er nicht mehr aufgehalten oder umgelenkt werden kann. Ethische Regeln müssen berücksichtigen, was der Mensch seinem Wesen nach tatsächlich ist, sonst sind sie sinnlos, weil sie gar nicht eingehalten werden können und nur Schuldgefühle verursachen, die weder der Welt noch dem Menschen etwas nützen.

Bei Nacht erinnert Europa übrigens an ein überdimensionales Gehirn. Die einzelnen Städte mit ihrer grandiosen Beleuchtung haben was von Nervenzellen, während die Straßen mit dem Fluss der Autos an Dendriten erinnern, die elektrische Impulse von einer Nervenzelle zur anderen weiterleiten und diese miteinander verbinden. Von oben betrachtet ergibt das ein dicht verwobenes, funkelndes Netzwerk mit einer ganz eigenen Ästhetik. So wie die steinernen Köpfe auf den verödeten Osterinseln eben auch ihre ganz eigene Ästhetik haben. Es war noch nie einfach, mit einer Bestimmung zu leben, die für andere Lebensformen zwangsläufig den Untergang bedeutet.

 

5 Kommentare zu “Abgesang auf die Natur

  1. Jedem, der sich gerne als ‚Naturschwärmer‘ darstellt oder sich als so unglaublich ’naturverbunden‘ einschätzt, empfehle ich einfach mal sich ins Höllbachgespreng im Bayerischen Wald zu begeben und sich abseits der Wanderpfade und ausnahmsweise mal nicht besoffen von malerischen Ausblicken direkt ins Dickicht zu begeben und dort einfach mal einige Stunde zu verharren oder sich durch dieses zu bewegen und gleichzeitig mal alles abzulegen, was man halt so als Touri mit sich trägt inclusive Kleidung (ok, Unterwäsche oder wahlweise Badeanzug ist erlaubt 😉 )….und sich vorzustellen, das bleibt jetzt so und ist flächendeckend in Europa so.
    Das kuriert sehr schnell, sehr effizient jegliche sentimentale, ‚typisch deutsche‘ Waldduselei und befreit von Försterromantik.

    Man kann sich auch mal in einen Dschungel begeben, der diesen Namen verdient, also weitgehend frei ist von menschlichen Eingriffen und das ungeschminkt auf sich wirken lassen.
    Ich persönlich war darauf grundsätzlich vorbereitet, wurde aber trotzdem massiv überrascht wie unglaublich mühsam jeder Schritt abseits werden kann und wie einem die Natur erbarmungslos zusetzen kann (Temperatur, Luftfeuchte, Insekten, Bodenverhältnisse, Parasiten, Wassermangel, Nahrungsproblematik, Hindernis auf Hindernis, keine Schlafstätte die diesen Namen verdient usw.).
    Das heilt Illusionen.

    Das ist das Eine.

    Das Andere ist:
    Habe gerade Leonardo diCaprios neuen Film gesehen ‚Before the flood‘.
    Klimawandel als Hauptthema.
    Keine Ahnung, ob sich das Klima wirklich verändert oder nicht; keine Ahnung, welcher der zitierten Wissenschaftler nun näher dran ist an der Wahrheit und wer nur ein Mietmaul ist – Fakt ist das Zitat: Wir bekommen klimatische Zustände wie zuletzt vor 4 Millionen Jahren 😉
    Aha. In der Erdgeschichte gab es Zeiten, da war der Sauerstoffgehalt bei 30% oder die Temperatur im Schnitt 10° über der heutigen und das Leben brummte wortwörtlich.
    Vulkane hatten und haben eine CO2-Ausschüttung aufzuweisen, die um das Hundertfache über dem liegen was alle Menschen zusammen erzeugen können und haben dies zeitweise hunderttausende(!) von Jahren getan – zu Lebzeiten von Leben.
    Und das Grönlandeis und Antarktiseis schmilzt seltsamerweise nicht von oben, sondern von unten!

    Aber egal, welches Modell sich da als nun zutreffend heraus stellen sollte –
    Es gibt nur wenige Aussagen, die man relativ unbedenklich als gegeben hinnehmen kann und diese ist so eine:
    Das gesamte Universum, das wir so erkennen können, ist seiner Grundnatur nach DISSIPATIV.
    Das bedeutet, dass es in allen Ecken, Winkeln, Phänomenen nur ‚bestrebt‘ ist Energiedifferenzen auszugleichen, also sich entropisch verhält.
    Erdöl, Erdgas, Kohle etc. sind gebundene Energie, die jetzt freigesetzt wird und so die Dissipation fördert.
    Der Mensch ist eine Dissipationsschleuder par excellence.
    Und steht damit ganz im Dienste des Universums 😉

    Sicher ist für mich:
    Nichts von dem, was der Mensch aktuell unternehmen könnte kann den derzeit ablaufenden Wandel aufhalten und – schlimmer noch – es würde auch gar keinen ‚Sinn‘ machen, selbst falls dies gelingen könnte.

    Das Urproblem siehst Du in der einst erlernten Feuerbeherrschung – und ich sehe die Ursache dafür darin, dass irgendwelche Individuen vor Urzeiten ihr Fell verloren.
    Als ich als Jugendlicher Berichte über Hiroshima las und wie die Radioaktivität unter anderem zum Haarausfall führte, kam mir dias Bild vor Augen, dass Vorfahren von uns einer vergleichbaren Strahlenquelle ausgesetzt worden sein könnten und dies genetische Mutationen auslöste mit entsprechend zunehmendem Kompensationsbedürfnis.
    Denn unsere ganze, ach so hochgelobte, Zivilisation ist doch komplett(!) Ausdruck für die Notwendigkeit, unsere Defizite, Inkompetenzen ausgleichen zu müssen, die kein Tier vor uns kannte?!

    Tier kommen mit so extremen Verhältnissen lar, dass teilweise noch nicht mal unsere NASAtechnik da auch nur ansatzweise mithalten kann (apropos NASA: siehe das Bärchentierchen – ein komplexer Organismus, der frei im Weltraum überleben kann 😉 ).
    Jeder ‚lächerliche‘ Piepmatz lässt uns verdammt alt aussehen mit unserem Technikgehabe.
    Wir sind maximale Biokrüppel, die ohne ihre Technik so wenig überlebensfähig wären, wie Komapatienten ohne Herz_/Lungenmaschine und PEG.

    Wir atmen CO2 aus als Resultat unserer biologischen Prozesse.
    Maschinen atmen auch CO2 aus als Resultat ihrer mechanischen Prozesse.
    Und ohne Maschinen leben wir nicht lange (Ja, der Einzelne kann natürlich als Trapper oder Gemüsebauer für sich überleben – aber nicht innerhalb der restlich vorhandenen Bevölkerung oder diese nicht als Ganzes ebenso, wenn’s demnächst kurz vor knapp steht…).
    Bau und Betrieb von Maschinen benötigen Energie in einem Umfang, der nicht reduzierbar ist, solange Menschen in der Menge da sind und diese sogar noch vergrößern.

    Vegan rettet die Erde sowenig wie Solarenergie oder Hanfklamotten.
    Wir befinden uns auf der Spitze einer sich überschlagenden Exponentialkurve und erkennen diese erst JETZT an ihrem tipping point.
    Das Ganze hätte vielleicht (vermutlich aber auch schon damals nicht mehr) aufgehalten werden können als wir vor der ‚Wahl‘ standen: Ackerbau und Viehzucht oder weiter Jäger und Sammler.
    Aber vermutlich war der ‚point of no return‘ sehrt viel früher, als wir unsere Haare zu verlieren begannen.
    Und was hätten die Betroffenen damals (noch dazu ohne Alpecin forte) dagegen tun können? 😉

    Ein ‚Zurück zur Natur‘ ist nicht nur für ganz wenige wünschenswert (s.o.), es ist schlicht unmöglich einen entropischen Prozess, inmitten dessen wir uns befinden und einer der Transmissionriemen sind, die ihn antreiben, umzukehren!
    Eine zerbrochene Tasse wird nie wieder ihren ursprünglichen Zustand einnehmen, auch wenn man sie kitten kann.
    DiCaprio & Co. tun so als ginge es darum, den Fall der Tasse aufzuhalten, dabei sind wir schon viel weiter – die Tasse ist schon aufheschlagen und zerschellt gerade (wenn auch in Zeitlupe) und ist irreparabel geschädigt.

    • Ich habe diese Erfahrung in Kanadas Wäldern gemacht, wo ich nicht nur den Pick-up lieben und die Insekten fürchten lernte, sondern schnell eingesehen habe, dass, auf mich selbst gestellt, mit längerfristigem Überleben rein gar nix drin wär. Ein passender Film zu diesem Thema: „In die Wildnis“ von Jon Krakauer.
      Umso mehr schätze ich den deutschen Wald mit seinen Wanderwegen, Förstern und Haselhühnern. Und abends nach dem Wald den Landgasthof mit Schnitzel, frisch gezapftem Bier und einem sauberen Bett, so man gerade wandertechnisch ein paar Tage durch einen Naturpark streift. Okay, ich hab beides, Urwald und Naturpark, bloß einmal gemacht und das ist auch schon wieder eine Weile her. Meistens coache ich als potato.

      Einerseits strebt das Universum seiner Auflösung entgegen, da hast Du Recht, aber andererseits bildet es erstaunlicherweise gerade auf dieser Folie des Todes Strukturen. A. Weber formuliert es so: „Der materiellen Welt wohnt die Tendenz inne, sich am Abgrund des Scheiterns beständig zu neuen, kreativen Gestalten zu organisieren. Sie könnte in den Wärmetod sinken, stattdessen aber erfindet sie stets mehr Komplikationen und verspielte Arabesken. Energie verklumpt zu Atomen, Atome finden sich zu Molekülen, Moleküle sammeln sich zu Reaktionskreisläufen und diese kapseln sich als lebende Zellen gegen jene Umwelt ab, die sie hervorgebracht hat. Während der energetisch beruhigte Tod droht, bilden sich unerhörte Beziehungen zwischen den Elementen …“
      Ich denke, diese beiden absolut gegenläufigen Tendenzen gehören zusammen und bedingen sich gegenseitig.
      Das ist der Grund, warum ich trotz allem so ein „Wow!“ in mir spüre.
      Und ein Faible für Materie habe.
      Materie: Wenn das Zerfallende dem Zerfall im Zerfall den Stinkefinger zeigt 🙂
      Das haut mich echt irgendwie aus den Socken.

      Mir geht es inzwischen schon mal gehörig auf den Senkel, dass seit den 70er Jahren (Club of Rome: „Die Grenzen des Wachstums“) gleichbleibend so getan wird, als wäre die Uhr auf fünf vor zwölf stehengeblieben und als könnte der Mensch die Tasse immer noch auffangen, wenn er sich denn endlich anders benimmt. Dabei ist der Mensch Teil der Tasse und kann gar nichts auffangen, weil er nun mal nicht neben sich steht. Bei diesen ganzen Weltrettungsfantasien handelt es sich, genau genommen, um ein Macht- und Herrschaftsinstrument. Ein Teil der Menschen (die Guten) wollen einem anderen Teil der Menschen (den Bösen) bestimmte Verhaltensweisen aufzwängen, die letztendlich nicht der Welt, sondern den Guten nutzen. Dahinter steckt nichts anderes, als dass die Guten die Bösen ebenfalls in Gute, also in sich selbst verwandeln wollen. Es geht um die Aufblähung des eigenen Selbst, das sich über ANDERE drüberstülpen will. Weltrettung und Klimawandel sind die vorgeschobenen Gründe, hinter denen sich schamhaft die Sucht nach Inkarnation der ANDEREN verbirgt.

      Tja, vielleicht hat der Mensch die Haare verloren, weil er zu nah am Feuer gesessen hat :-). Okay, ich hab irgendwo gelesen, dass der Mensch sein Fell verloren hat, weil er seine Beute per Dauerlauf gejagt hat und angestaute Hitze abgeben musste. Meiner Ansicht nach sind wir nicht nur Biokrüppel, wir sind dabei, unsere biologische Basis aufzugeben und uns in Roboter zu verwandeln. Ob das funktioniert? Warum nicht? Die Evolution ist immer für eine Überraschung gut. Ist zwar eine gruselige Vorstellung, aber der Mensch ist ja auch ein gruseliges Wesen.

      PS: Lohnt es sich, den Film mit diCaprio anzugucken?

      • Man kann ja über den Menschen denken was man will, aber selbst gemacht hat er sich nicht.
        Zur ‚Natur‘ gehörte auch die hier spekulative kosmische Strahlungsquelle, die vielleicht unsere Deformation eingeleitet hat.
        Zur ‚Natur‘ gehört auch das Natursurrogat Bionik, das letztlich in die Robotik mündet.
        Die Transhumanitas ist also letztlich ein reines Naturprodukt, so verquer sich das anhört.
        Natürlich (sic!) muss ein defizitäres Wesen wie der Mensch sich Kompensation verschaffen, sonst geht er unter.
        Was hat er dazu benutzt?
        Das Gehirn, das ihm Mutter Natur verschafft hat.
        Die Hände, die Mutter Natur ihm verliehen hat.
        Der Mensch vernichtet so gesehen also nicht die Natur, sondern er erfüllt sie und seinen Zweck als Transformator derselben, was sie selbst seit Beginn des Lebens so gehalten hat.
        Wenn man sich die Natur ja einfach mal etwas weniger gefühlsbesoffen beguckt, dann fällt einem schon auf, dass die verflucht grausam ist und dass Parasitismus die dominante Überlebensstrategie des Lebens selbst ist.
        Was also allenthalben beklagt wird, ist weniger die Zerstörung der Natur selbst (was in dem Sinne ja gar nicht geht), sondern die Zerstörung der ‚Röhrender Hirsch in der Abendsonne‘-Klebetapete, mit der bisher die wahre Natur (sowohl dieser selbst als auch des Menschen) zugekleistert wurde.
        Dass man das alles persönlich degoutant findet oder unästhetisch und die Folgen davon für sich selbst fürchtet – geschenkt.
        Wenn man eine Sardine fragt, was sie von dem Hai hält, der sie alle fressen will…der Hai aber trotz aller plakativ aufgeblasenen Monstrosität nix anderes macht als seinen ‚Job‘, dann erübrigt sich sowas wie ‚Schuldzuweisungen‘.
        Man tut immer so als hätte der Mensch die Wahl – ja wie denn???
        Seine natürlichen Defizite kann er nicht abschaffen, nur kompensieren – was kann er also tun?
        Ruhmreich und ohne Schande als Kapitän salutierend mit dem Schiff absaufen?
        Man mag das alles verabscheuen, hässlich finden, sich Schöneres ausdenken können, aber….
        Leibniz hat einmal gesagt: „Diese Welt ist die beste aller MÖGLICHEN Welten.“
        Hat er recht. Denkbar sind viel bessere Welten, allein es fehlt die Möglichkeit dazu (s.o.)

        In diesem Sinne: genieße, was die Materie Dir zu bieten hat – Besseres kommt nicht nach 😉

      • „Man kann über den Menschen denken, was man will, selbst gemacht hat er sich nicht.“
        BINGO!

        Wie einerseits Mutationen den Menschen verändert haben, so hat sich andererseits die Umwelt verändert, sodass diese Mutationen einen Überlebensvorteil boten. Durch den aufrechten Gang wurde unser Vorfahre zu einem Wesen, das seine Beute im Dauerlauf hetzen konnte. Das war die Kompensation für den Verlust der Fruchtbäume in der Savanne. Feuermachen hat unsere Vorfahren befähigt, in der Eiszeit zu überleben. Die Mutation, die dazu führt, dass sich die Hirnrinde auffaltet, ergo Speicherplatz für Erlerntes bietet, setzte sich durch, weil durch den Umgang mit dem Feuer Lernen zu einer überragenden Strategie wurde. Nichts von alledem ist vom Menschen zu verantworten. Er ist lediglich das Produkt einer Entwicklung, die womöglich tatsächlich drauf raus läuft, die biologische Grundlage durch eine technisch-industrielle zu ersetzen.

        Wenn wir uns nicht selber machen können, eine Menge Menschen aber so tun, als könnten wir das, verbirgt sich dahinter etwas Anderes, nämlich im Endeffekt wiederum dieser „natürliche Prozess“. Angenommen, die Evolution läuft auf die Erschaffung einer nicht-biologischen Intelligenzmaschine hinaus, dann dienen auch sämtliche Aktivitäten, die das verhindern wollen, eben diesem Prozess. Sie bewirken im Endeffekt das Gegenteil von dem, was beabsichtigt wird. Genau so was sehe ich eben hinter sämtlichen „grünen Bewegungen“, vom Sharen, Degrowthen bis hin zum Veganern und Gendern: sie fördern den Transhumanismus, verstanden als Verwandlung des Menschen in eine Maschine. Wenn es so sein sollte, lässt sich das durch nichts aufhalten. Dieser Blog dient auch dazu, dass ich mich an eine solche Möglichkeit gewöhne und sie schließlich zulassen kann.

        Die Natur ist nicht grausam. Sie ist, was sie ist. Grausam kommt sie nur denjenigen vor, die infantile Vorstellungen und durch die Religionen einen total verhunzten Begriff von Liebe haben. Ich finde die Natur weniger grausam als das, was Menschen tun, wenn sie sich lieben. Wenn versucht wird, die Wirklichkeit mit Tapeten zuzukleistern, kommt was Grausameres dabei heraus, als wenn man die Wirklichkeit akzeptiert. Der röhrende Hirsch ist übrigens out. Es sind heute die niedlichen Kaninchen, die niedlichen Mäuschen, die süßen Bärchen, die hochspirituellen Wale und außerdem noch Naturvölker in strohgedeckten Hütten, die man auf den Tapeten findet. Ich finde die Tapeten halt schon ziemlich fade, da ist mir die grausame Natur doch wesentlich lieber.

  2. Grrr. WordPress – fehlt:
    Materie – mater – Mutter Natur.
    Die Dichotomie ist in der Natur selbst angelegt, im Stofflichen wesentliche Existengrundlage, sonst gäb’s das alles hier nicht.
    Wer also die guten Dinge genießen will, muss mit den schlechten leben lernen.
    Das stoffliche Sein hat also Schattenseiten.
    Diese kann ich weder abschaffen, noch verhindern – aber ich kann diesen den Rücken zukehren und mich dem sonnigen Teil zuwenden und versuchen die Länge meines Schattens möglichst kurz zu halten – mehr geht halt nicht.

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