Gekränkte Menschheit

Sigmund Freud prägte 1917 die Devise von den drei Kränkungen der Menschheit. Darunter werden drei bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen verstanden, die den Stolz und das Selbstbewusstsein der Menschheit ganz im Sinne einer narzisstischen Kränkung unterminieren.

Die erste Kränkung war der Paradigmenwechsel vom geo- zum heliozentrischen Weltbild, die sogenannte Kopernikanische Wende (1543). Die Heimat des Menschen, die Erde, ist nicht der Mittelpunkt des Weltalls, sondern bloß ein unbedeutender Planet, der um einen unbedeutenden Stern irgendwo im vorletzten Arm eines Spiralnebels kreist. Freud nennt diesen Umbruch im Weltbild die kosmologische Kränkung. Zu dieser gesellt sich die von Charles Darwin (1859) gemachte Entdeckung hinzu, dass der Mensch nicht von Gott erschaffen wurde, sondern aus dem Tierreich hervorgegangen ist. Darwins These wurde zwischenzeitlich vielfach bestätigt. Unsere Abstammung vom Affen zeigt sich nicht nur in unserem Körperbau, sondern auch in unserem Verhalten und unserer DNS. Bis zu 98,5% unserer Gene sollen mit denen des Schimpansen identisch sein. Das ist die sogenannte biologische Kränkung. Zu diesen beiden fügte Freud als dritte Kränkung nicht ganz unbescheiden seine eigenen Forschungsergebnisse hinzu, nämlich die Erkenntnis, dass sich der Mensch kraft seines Willens nicht selbst beherrschen kann, da er zu weiten Teilen seines Seelenlebens überhaupt keinen bewussten Zugang hat. Unser bewusster Anteil, das Ich, ist nicht Herr im eigenen Haus. Dies ist die psychologische Kränkung.

Hundert Jahre nach Freud sind noch eine ganze Reihe weiterer Kränkungen dazu gekommen, von denen die bedeutendste die von Richard Dawkins ist, der im Menschen wie in allen anderen Lebewesen nur Genhüllen sieht, die in einen immerwährenden Existenzkampf der Gene verwickelt sind. Die genetische Kränkung kann sogar in Unterpunkte aufgesplittet werden, denn als Menschen sind wir nicht nur Genhüllen, sondern darüber hinaus ist unsere Gen-Ausstattung bestenfalls mittelprächtig, verglichen beispielsweise mit derjenigen des Schachtelhalms. Darüber hinaus müssen wir uns allmählich an den Gedanken gewöhnen, dass der menschliche Geist, auf den wir ganz besonders stolz sind, auch nicht so genial ist, wie wir das gerne hätten, denn Computerprogramme besiegen inzwischen Großmeister nicht nur im Schach, sondern sogar im Go, ein Spiel, das anscheinend hauptsächlich auf Intuition beruht. Womöglich müssen wir einsehen, dass wir von unseren selbstgeschaffenen Machwerken inzwischen so abhängig geworden sind, dass sie uns beherrschen anstatt umgekehrt wir sie. (Rohbeck, 1993).

Aus all diesen Entdeckungen kann man den Schluss ziehen, dass die Aufgabe der Naturwissenschaften gerade darin besteht, unsere alten anthropozentrischen Vorstellungen über den Haufen zu werfen, dahingehend, dass der Mensch eben doch keine Sonderrolle im Kosmos spielt und nicht als Krone der Schöpfung auf Gottes Haupt funkelt. Der Mensch könnte sich in neuer Bescheidenheit üben, wäre da nicht der merkwürdige Umstand, dass ausgerechnet dieselben Naturwissenschaftler, die den Menschen entthronen, andererseits die Grundlagen für jene technischen Errungenschaften erarbeiten, die dem Menschen die Umgestaltung des gesamten Planeten (inklusive des Klimas) ermöglichen. Was für ein seltsames Paradoxon, dass gerade die Demontage des anthropozentrischen Weltbildes zum Anthropozän, dem menschengemachten Erdzeitalter, geführt hat!

Der Mensch ist derzeit das mächtigste Lebewesen auf diesem Planeten. Für viele Menschen sind heute Dinge selbstverständlich, die unseren Vorfahren noch nicht mal in ihren kühnsten Träumen eingefallen wären. Waschmaschine, Staubsauger, Thermomix und viele andere Geräte nehmen uns einen Großteil der körperlichen Arbeit ab. Wir schicken einander quer über den Erdball Fotos von unserem Urlaub oder von unseren Enkeln. Wir beziehen Kaffee aus Südamerika, Palmöl aus Indonesien und lassen uns die Pizza fertig gebacken ins Haus liefern. Wir steigen ins Flugzeug oder ins Auto, wenn uns nach einem Ortswechsel zumute ist, und lassen uns künstliche Zähne implantieren, wenn die alten unansehnlich geworden sind. Einige von uns schweben mit Gleitschirmen durch die Lüfte, reiten auf Wellen oder hinterlassen ihre Fußabdrücke sogar auf dem Mond. Warum um alles in der Welt fühlt sich die überaus erfolgreiche Menschheit dann trotzdem so tief gekränkt?

„Wenn wir heute über die kranke Gesellschaft klagen, übersehen wir, dass sie nicht nur kalt, egoistisch und unsolidarisch ist, sondern vor allem gekränkt, wahrscheinlich mehr als in jeder anderen Phase der Geschichte“, sagt Reinhard Haller, Chefarzt einer psychiatrischen Klinik in Österreich. Für Haller ist die Kränkung die Macht, die insgeheim unser aller Leben durchzieht. Kränkungen spiegeln sich in der Symbolik von Mythen und Sagen ebenso wie in Dramen und Romanen als Stoff der Weltliteratur. In der Geschichte von Kain und Abel erweist sich eine Kränkung, nämlich die zurückgewiesene Opfergabe, als Urmotiv des Urverbrechens. Kränkungen sind die Ursache von Streit, Konflikt und Krisen, von neurotischen Entwicklungen, Suchtprozessen und depressiven Störungen. Kollektive Gefühle der Kränkung stellen gewaltige soziale Energien dar, die zu Krieg und generationenübergreifender Feindschaft führen. „Wer lebt, der nicht gekränkt ist oder kränkt?“, wusste schon William Shakespeare. (Aus der Einleitung von Haller, Reinhard: Die Macht der Kränkung).

Auch manche Tiere reagieren gekränkt, aber immer nur dort, wo sie in den Dienst des Menschen genommen sind. Es gibt berühmt gewordene Geschichten von Elefanten, die sich noch nach Jahren an den Menschen erinnern, der ihnen einmal Schmerz zugefügt hat. Es gibt Geschichten von Katzen, die ihren Besitzern übelnehmen, wenn diese im Urlaub wegfahren. Tiere in Freiheit fügen sich gegenseitig jedoch keine Kränkungen zu. Neben dem Umgang mit dem Feuer und der Erfindung von Göttern und Religionen scheint also die Kränkung etwas typisch Menschliches zu sein, das ansonsten so in der Natur nicht vorkommt.

Eine Kränkung ist in erster Linie das Ergebnis einer Interaktion zwischen verschiedenen Teilnehmern, und zwar einer Interaktion, die in irgendeiner Weise fehlgeschlagen ist. Ein gelungenes Tennismatch besteht darin, die zugeworfenen Bälle angemessen zurückzuspielen. Erreicht mich ein Ball in einem hohem Tempo, spiele ich ihn ebenfalls mit einem hohen Tempo wieder zurück, das ergibt sich ganz automatisch aus der dem Wurf innewohnenden Energie. Kränkungen entstehen durch Störungen innerhalb der Dynamik, in der sich Menschen untereinander austauschen. Wenn mich jemand attackiert, erfordert meine Antwort eine ganz andere Energie, als wenn mir jemand freundlich entgegenkommt. Werde ich beispielsweise als Depp bezeichnet, entsteht eine Störung in der Dynamik, wenn ich diese Beleidigung unwidersprochen hinnehme oder mich gar lächelnd dafür bedanke, es sei denn, es gelingt mir, den Dank ironisch klingen zu lassen. Spiele ich die Beleidigung jedoch angemessen zurück, bin ich nachher nicht gekränkt, und die Sache ist bald vergessen. Ich fühle mich aber gekränkt, wenn mir dies nicht gelingt. In diesem Fall bleibt ein negativer Eindruck zurück. Die Kränkung liegt also nicht in der Beleidigung als solcher, sondern in der fehlgeschlagenen Interaktion und dem damit verbundenen negativen Eindruck.

Jede Kränkung ist gleichbedeutend mit einer nicht ausgelebten Reaktion. Kränkungen entstehen immer dort, wo ursprüngliche Gefühle zurückgehalten, unterdrückt, verleugnet, ignoriert oder falsch interpretiert werden. Kränkungen entstehen dort, wo auf Aktionen nicht spontan die angemessenen Reaktionen erfolgen (dürfen). Da im Tierreich das ursprüngliche Gefühl so gut wie immer mit der spontanen Reaktion identisch ist, treten keine Kränkungen auf.

Wenn eine Gazelle einen hungrigen Löwen sieht, überlegt sie sich nicht lange, was sie tun soll. Die Wahrnehmung des Löwen und der Impuls zur Flucht fallen exakt in eins. Ist die Gefahr vorüber, verschwindet damit auch sofort die Angst, und die Gazelle macht sich wieder in aller Ruhe über das nächste Grasbüschel her. Der Baum, der seine Blätter der Sonne entgegenstreckt, lebt seine Sehnsucht nach Wärme und Licht. Die Schnecke, die ihre Schleimspur auf der Erde hinterlässt, lebt ihre Erdverbundenheit. Vögel leben ihre Hingabe an die Luft, indem sie ihre Schwingen ausbreiten und fliegen. Alles in der Natur ist gelebtes Gefühl. Durch und in diesen Gefühlen ist alles Leben miteinander verbunden und aufeinander bezogen. Je nuancenreicher die Gefühle und die Beziehungen, desto vielfältiger und bunter blüht das Leben auf.

Kränkungen sind ein Ausdruck tiefgreifender Störungen in dieser Beziehungsdynamik, welche das Leben selber ist. Der einzelne Mensch fühlt sich gekränkt, wenn er seinen Mitmenschen nicht so antwortet, wie sein Gefühl es in diesem Moment eigentlich von ihm verlangt. Als Menschheit insgesamt fühlen wir uns gekränkt, wenn wir dem Leben nicht so antworten, wie es das Leben von uns erfordert, wenn wir unlebendig oder berechnend reagieren. Gekränkt sein ist ein Symptom für absterbende Lebendigkeit.

Sollte sich die Menschheit durch die Entdeckungen der Naturwissenschaftler also tatsächlich in ihrem Stolz und ihrem Selbstbewusstsein gekränkt fühlen, dann deutet das darauf hin, dasss dieser Stolz und dieses Selbstbewusstsein dem Leben im Weg stehen. Insofern muss man den Wissenschaftlern geradezu dankbar sein, wenn sie ein falsches Selbstbild demontieren. Schließlich kann man es ja auch mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen, dass der Affe unser Bruder ist und wir als Menschen in die große Familie aller Lebewesen eingebettet sind.

Wenn sich in unserer Gesellschaft immer mehr Menschen gekränkt fühlen, heißt das, dass wir uns als Gesellschaft mehr und mehr vom Leben entfernen und immer unlebendiger werden. An dieser Erkenntnis könnte was dran sein. Schließlich werden wir dazu erzogen, unsere Gefühle im Griff zu haben und sie nicht spontan auszuleben. Negative Gefühle wie Wut, Neid oder Eifersucht werden mehr und mehr tabuisiert. Ein reifer Mensch ist einer, der seine Gefühle zwar wahrnimmt, sie aber nicht spontan auslebt, sondern bewusst steuert. Im Grunde haben wir eine Heidenangst vor unseren Gefühlen. Wir sind davon überzeugt, dass wir uns gegenseitig alle umbringen würden, wenn wir spontan unseren Gefühlen nachgeben.

Wir glauben, dass Zivilisation, Kultur und Bildung das Tier in uns bezähmen. Dabei übersehen wir, dass Mord und Totschlag im Tierreich äußerst selten vorkommen, während sich Jahr für Jahr Millionen von Menschen gegenseitig umbringen. Wenn man sich nicht erlaubt bzw. durch Erziehung und sonstige Indoktrination nicht in der Lage ist, seine Gefühle in der jeweiligen Situation, in der sie entstehen, angemessen auszuleben, bleiben Kränkungen zurück. In der Akkumulation von Kränkungen stirbt das Gefühl und mit dem Gefühl die Lebendigkeit ab. Dann werden Kränkungen unter Umständen mörderisch. Geschieht die Akkumulation von Kränkungen gar im Kollektiv, werden daraus Kriege. Nicht die ursprünglichen Gefühle sind also die Ursache für überschießende Aggression, sondern die Eindrücke, die aufgrund von nicht gelebten Gefühlen in unseren Seelen zurückgeblieben sind.

Die Lösung für die zunehmende Kränkbarkeit unserer Gesellschaft sieht so aus, dass wir uns alle gegenseitig dazu anhalten, immer vorsichtiger miteinander umzugehen. Statt dass wir uns darauf einlassen, die Bälle, die uns zugeworfen werden, entsprechend zu parieren, tauschen wir im Rahmen der political correctness nur noch Freundlichkeiten und Plattitüden miteinander aus. Die Tennisbälle und Tennisschläger tauschen wir gegen weiche, kuschelige Plüschbälle, die wir auch nicht mehr werfen, sondern uns nur noch gegenseitig sanft in die Hand legen (dürfen). Statt im Spiel unsere Rückhand und unsere Muskeln zu trainieren, machen wir lieber das Spiel so langweilig, dass wir vor lauter Langeweile künstlich bald in jeder Geste und jedem Blick eine Kränkung vermuten. Wir erreichen somit das Gegenteil von dem, was eigentlich beabsichtigt war. Nicht die Kränkungen verschwinden aus der Welt, wohl aber die lebendigen und aufregenden Beziehungen, in denen wir uns erproben und bewähren können.
Schade drum!

70 Kommentare zu “Gekränkte Menschheit

  1. Wenn ich so was lese, dass das Ego ein fauliger und wurmsticher Apfel ist, so was könnte meine Uroma verzapft haben. Die hat allen anderen immer jeden Spass vermiest, weil sie selber schlechtdrauf war. An nichts hat sie freude gehabt und deshalb hat sie den andern nicht die Butter aufm Brot gegönnt. Ich mach, was Spass macht, wenn ich’s mir leisten kann. Ich geh nicht zu Fuß wenn sichs vermeiden lässt und ess der Umwelt zuliebe auch keine gedünsteten Möhrchen und Kohlrabischnitzel. Ich sehe ja nicht ein, warum ich auf verzichten soll, weil andere Menschen sich wie Karnikel vermehren. Ist nämlich nicht meine schuld. Ist doch Käse mit der Bescheidenheit. Soll ich mir nichts leisten, damit der Donals Trump sich noch ein Flugzeug mehr kaufen kann? Ich will auch nichts entspannt beobachten. Wozu das denn? Ich finde das Leben megamäßig. Was ich schon alls erlebt habe, geht auf keine Kuhhaut. Echt der Hammer.

  2. Pfff, das Geschwätz übers EGO steht mir bis zu den Ohren. Früher die Frau, die Erde, der Körper, was man verteufelt hat und heute ist es das EGO, das an allem Schuld ist. Erzählt mir mal was Neues, ist ja langweilig hier.

    • Vor allem: ohne Ego kann man in unserer Menschenwelt nicht navigieren! Es kommt keineswegs darauf an, es „abzuschaffen“, es irgendwie los zu werden oder aufzulösen – das ist schlicht nicht machbar, weil wir nun mal Tiere sind, die sich fortbewegen, die einen Stoffwechsel mit der Umwelt betreiben und ein soziales Leben führen.

      Kann mich gut erinnern, wie sich nach der Enttäuschung in Sachen Revolution ab den 70gern ein Teil der politisch Interessierten/Aktiven dem „Weg nach innen“ verschrieben haben: Erstmal sich selbst verändern, bevor man glaubt, die Welt verändern zu können. Klingt gut, aber gelandet sind viele in einer ziemlich egozentrischen Nabelschau, beim Seminar-Hopping oder als Gefolge eines Gurus / spirituellen Lehrers, gelegentlich hochnäsig genug, mit der eigenen Erleuchtung (neuerdings: Erwachen) subtil anzugeben.

      Kurzum: das mit dem Ego stimmt m.E. insofern, dass man mit diesem nicht „voll identifiziert“ sein sollte – sondern es ebenso entspannt beobachen können wie andere Entitäten der Existenz.
      Ich will schon BEMERKEN können, wenn mir einer an den Karren fahren will – aber automatenhaft darauf reagieren und jeden Fehdehandschuh aufnehmen will und muss ich auch nicht!

  3. Noch ein Nachtrag zum Ist-was-es-ist:
    Die Zugehörigkeit zu einem Kollektivkörper (Staatsbürgerschaft etc.) macht nur einen Teil des Problems aus. Was den Menschen angeht, kann ich dieses Ist-was-es-ist nur mit viel Mühe, wenn überhaupt, so stehen lassen.

    Ich will nicht zu einer Spezies gehören, die einen wunderbaren Planeten mit einer faszinierenden Natur in eine Wüste verwandelt. Ich will nicht zu einer Spezies gehören, deren Daseinsweise darin besteht, Lebendiges in Totes zu verwandeln. Ich will nicht zu einer Spezies gehören, die alles kaputtmacht, was ich für wahr und wertvoll erachte. Nein, ich will nicht. Aber es ist das, was ich beobachte, das kann man drehen und wenden,wie man will, es kommt nichts anderes dabei heraus.

    Zu dieser Spezies gehöre ich und kann gar nicht anders. Im Urwald kann ich nur mit einem Pick-Up voller Lebensmittel überleben und das nur für zwei Wochen in einer angenehmen Jahreszeit. Müsste ich dauerhaft und existenziell vom Sammeln, Jagen, Fischen leben und das auch noch im Winter, wäre ich innerhalb von ein paar Wochen tot. Ich bin bereits so eingebunden in diese künstlich-technische, von Landwirtschaft versaute Welt und existenziell von ihr abhängig, dass ein Ausstieg gar nicht möglich ist.

    An anderer Stelle war vom „Aushalten“ die Rede. Es gibt nichts, was schwieriger ist, als diese Diskrepanz auszuhalten. Es ist genau diese Diskrepanz, die mich als Mensch schier zum Verzweifeln bringt. Ich sehe keine Lösung, wie man den eklatanten Widerspruch auflösen kann. Alles, was mir diesbezüglich an Lösungen präsentiert wird, dient nur dazu, diesen tödlichen Widerspruch schönzureden, zu vertuschen oder zu verdrehen, sodass am Ende doch wieder ein heuchlerisches Loblied auf unsere Existenz als Menschen draus wird. Ich weigere mich, das zu tun. Wenn ich sonst schon nichts tun kann, dann wenigstens doch diesen Widerspruch aushalten.

    • Der Kern des Zen-Gedankens z.B. ist genau dies:
      Widersprüche kann man nicht einfach auflösen, man kann sie nur aushalten lernen.

      Angebotene ‚Lösungen‘ (am besten noch gegen Bares) können ihrem eigenen Anspruch niemals gerecht werden.

      Guido würde vermutlich sagen:
      ‚Es gibt eine Stimmigkeit in der Unstimmigkeit!‘ 😉

      Das Übertünchen, Maskieren, Schminken, Verkleiden, Umdeuten des ‚Hässlichen‘ schafft dieses ja nicht ab, wie jeder wissen kann, der sich Leute VOR dem Freibad und dann IM Freibad beguckt 😉
      Dabei ist das sogenannte ‚Hässliche‘ ja nur Normopfer.
      Norm = ‚Schönheit‘.
      Und die Wahrheit muss ja auch genormt werden, damit sie schön ist, denn eine hässliche Wahrheit kauft ja keiner.
      Der einzige wahre Widerspruch liegt also im Widersprechen des Wahren, eben des Nicht-Normgerechten, das somit als ‚hässlich‘ deklariert und ebenso empfunden wird und nicht ausgehalten werden kann, weil man das nicht darf.
      Mit den Be- u. Verurteilungen dessen, was Menschen an Hässlichem anrichten verhält es sich aber ebenso.
      Auch hier gibt es eine erhobene und eingeklagte ‚Norm‘ dessen, was vorgeblich gut und schön für diese Welt sein soll.
      Ich habe schon mehrfach im OP die Klammern gehalten und tiefe Einblicke in das Wesentliche des Menschseins (z.B. das Gedärm) nehmen …äh…müssen.
      Ich bin überzeugt, wenn wir in die Zeiten zurück gebeamt werden könnten, wo unter den Dinos noch die Welt ‚in Ordnung‘ war – wir wären entsetzt!
      Fressen und gefressen werden war schon im Urozean Thetys Alltagsprogramm und keine Spur von Beschaulichkeit oder ‚friedlicher‘ Koexistenz.
      Vulkane haben regelmäßig und mit katastrophaler Wucht den Erdmantel umgestülpt und alles vernichtet, was da vorher war, wuchs, gedeihte und…fraß und gefressen wurde.
      Die Erde war sogar schon mal flächendeckend eine Art Schneeball, eine fast perfekte Eiswüste und…schwupps, lächerliche 100 Millionen Jahre später kam das Kambrium mit einer Lebensexplosion.
      Ja, es ist nachgerade erbärmlich, was der Mensch hier anrichtet, zumal er es prinzipiell ja vermeiden könnte (der eklatante Unterschied zu den Dinozeiten), aber sich darüber aufzuregen, daran zu leiden ist so sinnvoll wie über das Wetter zu mosern – es ändert sich dadurch radikal nichts.
      Wenn man also nichts daran ändern kann, muss man es aushalten lernen.
      Wie macht man das?
      Man muss sich von den eigenen liebgewonnenen Idealvorstellungen (die eh jeglicher Realität entbehren) lossagen, trennen.
      Man muss Scheiße als den Preis des Lebens begreifen (siehe Gedärm) – ‚Ohne Scheiß kein Preis‘.
      Ich kann mir auch vorstellen Milliardär zu sein und mit dem Geld ganz tolle Sachen anzustellen – ich bin aber kein Milliardär und ich werde es auch nicht sein – was jetzt?
      Ich kann mir auch vorstellen Frieden auf Erden und allen Menschen einen Wohlgefallen –
      ist aber nicht so, war nie so, wird nie so sein – was jetzt?
      Das Leben als solches ist ja nicht nur Scheiße (siehe Gedärm, da gibt es auch noch andere Abteilungen 😉 ).
      Das Unabwendbare, das Unbegreifliche, das Unerhörte zum Fixpunkt zu machen bedeutet:
      Leiden, leiden, leiden. Nur ist das sinnlos, denn es ändert ja wie gesagt nichts.
      Ich war mal 1 Jahr lang in Indien – da lernst Du anders denken, denn sonst gehst Du daran kaputt!
      Von Ratten zerfressene Leichen im Rinnstein; Kinder werden totgefahren, um einer Kuh auszuweichen; eine Umweltverschmutzung, die ihresgleichen sucht; eine Armut, die beispiellos ist; Höllenlärm in den Städten + Gestank + maximale Ungerechtigkeit der Güterverteilung auf engstem Raum etc.etc.etc. – was machste denn da als ‚aufgeklärter, kultivierter, idealistischer‘ Europäer???
      Indien lehrte mich Demut.
      Nicht Mutlosigkeit, Demut.
      Definition Demut:
      ‚Tugend, die aus dem Bewusstsein unendlichen Zurückbleibens hinter der erstrebten Vollkommenheit (Gottheit, sittliches Ideal, erhabenes Vorbild) hervorgehen kann‘.

      Ich halte es für eine der perfidesten und hinterfotzigsten Machttricks, den Menschen ein allgemeines Gefühl von Schuld, damit Pflicht und Sehnsucht nach Vergebung (= Entschuldung) einzuimpfen, indem man ihnen vormacht, SIE könnten die Welt retten, verändern, wenn sie nur das Richtige täten und alle anderen dazu anhielten, mit gutem Beispiel voran gingen und überhaupt auf die Einhaltung der sittlichen Tugenden drängten.
      Mit genau der Tour sind wir dorthin geraten, wo wir beklagenswerterweise stehen.
      Denn das, was allgmein als ’sittlich‘ deklariert wird, steht in kolossalem Widerspruch zu sich selbst und damit alle diejenigen, die davon betroffen sind, sich davon haben vereinnahmen lassen.
      Jemand will die Welt befreien von Sklaverei, Prostitution, Kinderhandel, Krieg usw. –
      Ja und, was ist die Realität?
      Viele kommen großkotzig daher und propagieren dies, doch wenn man diese mal genauer unter die Lupe nimmt, gehören sie oftmals selbst dazu, so wie es zahlreiche Polizisten gibt, die selber zur Organisierten Kriminalität gehören.
      Kann man auch nur das abschaffen, verhindern?
      Niemals.
      Korruption z.B. ist so alt wie die Menschheit selbst.
      Was nun? Lerne damit zu leben, sonst gehst Du kaputt daran.
      Wie lebt man damit?
      Man lebt damit so wie ein Wanderer der von A nach B geht.
      Die kürzeste und einfachste Verbindung von A nach B wäre absolut flach, vieleicht sogar dauerhaft leicht abschüssig und eine direkte Gerade.
      Gibt’s das irgendwo auf der Welt, dass man so von A nach B kommt? Nein.
      Bleibt man dann zuhause?
      Nein. Denn Leben an sich bedeutet von A nach B zu wandern, ‚Zuhause-bleiben‘ ist keine Option.
      Also findest Du schroffe Berge und sumpfige Täler, gewunden-steinige Wege, verhängnisvolle Klippen, reißende Ströme, karges Land, Sand-Wüste, Eis-Wüste oder andere Unliebsamkeiten vor (Ich habe immer die Insektenschwärme im subtropischen Indien gehasst, bis ich eine andere Haltung dazu finden musste, weil es mir wirklich auch den geringsten Spaß vergällt hat!) und dazwischen oder dadurch suchst du dir deinen Weg aus, den du begehen kannst und magst, denn DARAN können dich letztlich all diese Hindernisse nicht hindern!
      Und einen solchen begehbaren Pfad gibt es für jeden.
      Nur nicht für die, die Ansprüche stellen.
      Und damit sind wir nach der Demut beim nächsten Punkt: Bescheidenheit, sich bescheiden können und nur auf das Essentielle, also wirklich Unverzichtbare konzentrieren.
      Und man ist schnell überrascht, wenn man sich denn mal darauf einlässt, wie wenig es tatsächlich braucht, um SEINEM Weg folgen zu können und dabei nicht zu verhungern.
      Wenn dann noch Einfallsreichtum dazu kommt, wird selbst eine Gefängniszelle zu einem Hort der Freiheit.

      Das ‚Paradies‘ liegt nirgendwo da ‚draußen‘ – es existiert dann und dort, wenn und wo du dich nicht vereinnahmen lässt von ‚egoistischen‘ Motiven, die immer ein ‚MEHR‘ fordern.
      Das MEHR zwingt einen ständig eben diese MEHR zu suchen, dafür Energie, Zeit aufzuwenden und sich daran zu verschwenden ohne wirklich etwas dazu zu gewinnen.
      MEHR Umweltschutz. MEHR Frieden. MEHR Gerechtigkeit………………….
      meist ist es sowieso unmöglich und dann kommt die Unzufriedenheit, die in Wirklichkeit eine mit sich selbst und seinem Scheitern an den eigenen Ansprüchen ist.
      Dann wir projiziert und – schwupps! – sind es die Scheißumweltverschmutzung, der Krieg, die Steuer, denen man stellvertretend den Kampf ansagt, anstatt seiner eigenen verderbten Geisteshaltung. Verderbt deswegen, weil sie einem alles verdirbt und nur noch mehr Unzufriedenheit auslöst, weil sie ihre eigenen Hoffnungen und Erwartungen nicht einlösen kann!
      Das EGO ist ein fauler, wurmstichiger Apfel im Geistes-Körbchen, der mit seiner Verfaultheit ansteckenderweise den Rest nach und nach mehltauartig überzieht und schon stinkt man sich selbst und hält den eigenen Gestank für den des Lebens selbst.
      Ja, das Leben stinkt auch, aber eben nicht nur.

      Ich habe selbst daneben gestanden als der operierende Arzt zu dem Gekröse vor sich meinte:
      „Was für ein Gestank, hoho! Aber, sehen Sie, was für eine prächtige Leber!“ 😉

      • Deine letzten beiden Kommentare beinhalten eine geballte Ladung an Einsichten, denen ich nicht widersprechen kann (schade, eigentlich 🙂 ), deshalb beschränke ich mich auf das, wo die Sandkörnchen in meinen Hirnwindungen knirschen. Es ist viel Wahres an dem, was Du sagst, aber trotzdem:

        Da Einfachheit in der Simulationsbirne namens Großhirn ja schon beinahe automatisch mit Zen verbunden wird, sieht das zunächst mal stimmig aus mit der Demut und der Bescheidenheit, aber mich als Leser Deiner Worte führt das ja automatisch bloß wieder in die Schiene, dass ich erst mal Demut und Bescheidenheit lernen oder ein Jahr nach Indien muss, um überhaupt etwas vom Leben zu kapieren. Und das klingt dann unweigerlich wieder moralisch. Ich gehe inzwischen schon davon aus, dass Du das nicht so meinst … aber hier kommt mein erster Einwand: Geht es im Zen wirklich um Demut und Bescheidenheit? Verbirgt sich dahinter nicht auch wieder das EGO, das sich als bescheiden inszeniert? Ist Demut und Bescheidenheit nicht wieder eine Maske, die zudem noch dasselbe Vokabular wie die christliche Maske benutzt? Ich verstehe Zen nämlich durchaus so, dass auch ein kotzbrockiger Milliardär im Geist des Zen stehen kann. Es gibt meiner Ansicht nach kein Kriterium, mit dem man einen Menschen, der im Geist des Zen lebt, von einem anderen unterscheiden kann. Das glauben bloß Ken Wilber und solche Typen. Jeder, der mir begegnet, könnte Zen leben, ohne dass ich auch nur das Geringste davon merke.

        Die Sache mit dem Leid:
        Wenn ich wahrnehme, wie wir als Menschen im Leben stehen und was wir tun, zieht es mir die Eingeweide zusammen, als hätte ich ein scharfes Messer im Bauch. Damit kann ich auf verschiedene Weise umgehen: Ich kann das Messer im Bauch in den Mittelpunkt meines Daseins stellen und einen Tanz darum herum aufführen wie ums Goldene Kalb. Ich kann mir selber Leid tun und jedem, der es nicht hören will, erzählen, wie schwer so ein Menschenleben und insbesondere meines doch ist. Ich kann stolz drauf sein, dass ich als Einziger so sensibel bin, dass ich ein Messer im Bauch spüre, wo andere ihren Magen haben, den sie zudem auch noch fröhlich mit Fleisch vollstopfen. Ich kann versuchen, anderen dasselbe Messer in dem Bauch zu rammen, denn warum soll es anderen besser ergehen als mir. Das alles kann ich tun, mit all diesen Reaktionen erzeuge ich Leid, entweder bei mir selber oder bei anderen. Ich kann das alles auch bleiben lassen. Aber wenn ich all diese Reaktionen unterlasse, ändert das nichts daran, dass ich trotzdem dieses Messer im Bauch habe.

        Als nächstes kann ich hundert Operationen und fünfhundert Sorten von Betäubungsmitteln ausprobieren. Ich könnte auch den Bauch samt Messer in die Luft sprengen. Ich will keine Operationen und auch keine Betäubungsmittel. Zumal die Erfahrung ja tatsächlich lehrt, dass man mit schöner Regelmäßigkeit das erzeugt, was man unbedingt vermeiden will. So ein Messer im Bauch tut allerdings weh. Zen ist keine Methode, diesen Schmerz verschwinden zu lassen. Im Gegenteil: Zen ist, wenn man diesen Schmerz unverstellt in seiner ganzen Schärfe spürt.

        Das Messer im Bauch kommt nicht von irgendwelchen Idealvorstellungen, wie die Welt sein sollte von wegen Rehlein kuschelt mit Wölflein und so. Das Messer im Bauch ist ein Gefühl, das allen Vorstellungen vorausgeht und Vorstellungen erst erzeugt. Für dieses Gefühl kann ich nichts, es ist halt da, ebenso wie ein Pantoffeltierchen.

        Und jetzt gib mal nicht so an mit Deinem Blick ins Gedärme. Ich weiß auch, wie es dort aussieht. Besonders nett, wenn erst mal eine Fettschürze mit den Verklumpungen in verschiedenen Abstufungen von Gelbtönen durchgemetzgert werden muss, bevor man überhaupt was von den Darmschlingen sieht. 🙂

    • Hm, was soll man dazu sagen?
      Jeder von uns ist Derivat eines schmuddeligen Vorgangs, den niemand live und in Farbe als dessen Produkt miterlebt haben möchte. 😉
      Muss man sich jetzt für die Schmuddeligkeiten der Altvorderen schämen?
      Oder sich gekränkt fühlen, weil man nicht aus dem Luxusjuwelen-Rezeptbüchlein elfenhafter Engel durch deren Hosianna entstiegen ist?
      Nö.

  4. @Nick

    „Erkenne Dich selbst“
    Ah, bin ich also wieder mal auf einen alten Weisheitsspruch hereingefallen, der bloß unnütze Gedanken um sich clustert, ohne die Weisheit des Spruchs zu hinterfragen. Du hast natürlich Recht. Was soll man erkennen, wenn man im Moment des Erkennens nicht mehr das ist, was man erkannt hat. Oder wenn man da sowieso einen blinden Fleck hat wie das Auge, das sich nicht erkennen kann. Oder wenn man nicht festlegt ist. Jaja, da töne ich also rum, dem Universum sein Geheimnis zu lassen, ohne zu merken, dass ich mir mein eigenes selber nehmen will. Typischer Fall von dumm gelaufen.

    „Nichts im Übermaß“
    Wenn „nichts im Übermaß“ eine Frechheit ist, weil Wahrheit bloß im Überschreiten von Grenzen erkennbar und Grenzen bloß Willkürakte sind, dann macht der Mensch ja alles richtig. Er verbraucht Energie im Übermaß und ist auch in anderen Sachen ziemlich maßlos, und warum soll er sich an Grenzen halten, wenn Grenzen bloß willkürliche Festlegungen sind? Warum soll man, so gesehen, Ressourcen schonen und ein verantwortungsbewusstes Wesen werden, wie Du an anderer Stelle anmerkst?

    Einerseits: das Pantoffeltierchen ist, was es ist. Warum bin ich nicht bereit, beim Menschen dasselbe zu sagen: der Mensch ist, was er ist. Verstandesmäßig rede ich mir schon ein, den Menschen wie ein Pantoffeltierchen zu sehen und zu sagen, der Mensch ist, was er ist, und wenn er in seinem Ist-was-er-Ist die Natur zerstört, zum Cyborg wird und einen bürokratieversessenen Überwachungsstaat aufbaut, dann ist der Mensch eben das und damit basta. Es gibt keinen Grund, den Menschen mit moralischen Kriterien zu messen – zumal ich ja sowieso der Meinung bin, dass das Instrument namens Großhirn, das moralische Kriterien aufstellt, eine Macke hat -, und das Pantoffeltierchen nicht. Wenn schon, dann gleiches Recht für alle. Gleichzeitig ärgere ich mich über die Menschen, weil sie mir Aktivitäten aufzwingen, die ich nicht nur für nutzlos, sondern für überflüssig wie einen Kropf halte. Ich komme auch auf ungefähr 95%, was nutzlose Probleme angeht. Und schon ist es nichts mehr mit: Der Mensch ist, was er ist, sondern ich möchte ihn anders haben. Der Eiertanz nervt, den ich ja doch irgendwie mittanzen muss, da man die Staatsbürgerschaft etc. ja nicht kündigen kann.

    Wie Karl Valentin sagte: „Der Mensch ist gut, wenn bloß die Leut nicht wären.“ Oder auch umgekehrt: ein Leut ist gut, wenn bloß die Menschen nicht wären.

    Feuer- und Wasserbewusstsein: Ja, eben genau. Die würden sich gegenseitig nicht mal als Bewusstsein erkennen. In „Sprecher für die Toten“ bringt Orson Scott Card ein schönes Beispiel für Missverständnisse aufgrund verschiedener Wesensart, und dabei sind die als Schweinchen bezeichneten Aliens trotz allem noch ziemlich menschlich.

    Spiegelneuronen:
    Läuft das, was Du sagst, nicht darauf hinaus, dass wir uns aufgrund unserer Spiegelneuronen bloß einbilden, die anderen zu verstehen, ohne mit den Anderen jedoch wirklich Kontakt zu haben? Meine Beobachtung sieht nämlich so aus, dass es so was wie einen kulturellen Überbau gibt, dahingehend, welche Gefühle in welchen Situationen erwartet werden. Entsprechen meine Gefühle dem kulturellen Überbau, werde ich von den Anderen verstanden, entsprechen sie nicht dem kulturellen Überbau, brüskiere ich die Anderen oder sie merken nicht mal, dass es überhaupt nicht stimmt, was sie mir gefühlstechnisch unterstellen. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus halte ich nicht sehr viel von den angeblich empathischen Fähigkeiten der Menschen. Das ist doch bloß eine Geschichte, die gerade in ist, weil jeder gemäß dem aktuell herrschenden Zeitgeist liebevoll, mitfühlend und empathisch sein will. Die ganze Empathie ist eine Modeerscheinung, sonst nichts. Dass Empathie bloß Spiegelfechtereien sind, leuchtet mir ein. Der Begriff ist also ganz passend.

    Transhumanismus und Evolution:
    In „Schöpfung außer Kontrolle“ stellt Olsberg die These auf, dass unbelebte Systeme nach den gleichen Kriterien evoluieren wie belebte. Zudem erfüllt anscheinend Unbelebtes wie eine Stadt die Kriterien, die für ein Lebewesen zutreffen: Wachstum, Fortpflanzung (Neugründung von Städten), Stoffwechsel etc. Natürlich sind es Menschen, die das „Leben“ der Stadt antreiben, aber es ist nicht so viel anders, wie wenn Mitochondrien die Zelle antreiben.

    In einem ähnlichen Gedankenspiel kann ich auch sagen, dass Feuer eine Evolution durchläuft. Der Transhumanismus gehört in die Evolution des Feuers. Das Feuer ist kein Derivat des Menschen. Sondern umgekehrt: Der Mensch ist ein Derivat des Feuers. Feuer gibt es sehr wohl ohne Menschen, aber nicht umgekehrt: Es gibt keine Menschen ohne Feuer. Evolution ist nicht im Sinne von Fortschritt zu verstehen, sondern im Sinne von Entfaltung der Möglichkeiten, die im Keim liegen. So gesehen ist ein Baum die Evolution eines Samens.

    Urgrund:
    Ich glaube, dass Urgrund und Kohärenzgefühl dasselbe sind. Wer vom Urgrund spricht, meint das Kohärenzgefühl, das er sich aus irgendeinem Grund als Substanz vorstellt. Der Urgrund ist auch nur nötig, wenn man unbedingt am Einheitsgedanken festhalten will. Wenn der Einheitsgedanke nicht aufrechterhalten wird, wird auch der Ur-Grund bedeutungslos. Vielleicht kann man den Ur-Grund auch mit der Quantenwelt identifizieren. Abstraktion der Abstraktion der Abstraktion. Okay, früher war ich mal Anhänger des Ur-Grunds, ich geb’s zu, aber schließlich bin ich heute nicht mehr, was ich gestern war.

    Luftballon:
    Ja, es gibt tatsächlich Physiker, die das Universum für eine Art sich selbst aufblasender Luftballon halten. Ich muss dabei immer ans EGO denken. Da passt die Beschreibung wunderbar. Das Christentum beschreibt im Grunde Naturabläufe wie Sonnenlauf oder Stoffwechsel, auf die sich das EGO als Gott draufgesetzt hat. Heute reißt sich das EGO das Universum unter den Nagel. Urknall und Inflationstheorie sind Beschreibungen des EGOs, nicht des Universums. Und was die Quantenphysik beschreibt, sind die Massenmenschen. Wenn Du weißt, wie EGO und Massenmenschen zusammenhängen, musst Du das bloß in die Sprache der Physik übersetzen und schon kriegst Du den Nobelpreis für die GUT, die great unifying theory.

    Ja, neulich dachte ich auch mal, dass Du schon ziemlich alt sein musst, als es um die Zellen ging, die sich schon vor 3,5 Milliarden Jahren munter teilten. Meine Erinnerung reicht nur 600 Millionen Jahre bis zu der Sache mit dem Ei und der Samenzelle zurück. Da bin ich wohl schon ein Stück jünger als Du. 🙂

    • „Nichts im Übermaß“
      Wenn „nichts im Übermaß“ eine Frechheit ist, weil Wahrheit bloß im Überschreiten von Grenzen erkennbar und Grenzen bloß Willkürakte sind, dann macht der Mensch ja alles richtig. Er verbraucht Energie im Übermaß und ist auch in anderen Sachen ziemlich maßlos, und warum soll er sich an Grenzen halten, wenn Grenzen bloß willkürliche Festlegungen sind? Warum soll man, so gesehen, Ressourcen schonen und ein verantwortungsbewusstes Wesen werden, wie Du an anderer Stelle anmerkst?“:

      Ich sage ja gar nicht, dass man die Ressourcen schonen soll, ich sage ja nur, dass es keinen Sinn macht nach einer ’neuen‘ Energiequelle zu suchen und sich davon Besserungen des Ganzen zu erhoffen, wenn das schon nicht mal mit dem Stadtwald in Köln klappt 😉
      ‚Nichts im Übermaß‘ ist die Definition eines Egos, das sich vor über 2500 Jahren einbildete, an seinem Wesen sollte die Welt genesen – deswegen nenne ich das eine ‚Frechheit‘.
      Fällt in die Rubrik: ‚Wasser predigen, selber Wein saufen‘ 😉

      „Gleichzeitig ärgere ich mich über die Menschen, weil sie mir Aktivitäten aufzwingen, die ich nicht nur für nutzlos, sondern für überflüssig wie einen Kropf halte. Ich komme auch auf ungefähr 95%, was nutzlose Probleme angeht. Und schon ist es nichts mehr mit: Der Mensch ist, was er ist, sondern ich möchte ihn anders haben. Der Eiertanz nervt, den ich ja doch irgendwie mittanzen muss, da man die Staatsbürgerschaft etc. ja nicht kündigen kann.“

      Genau: ICH möchte es anders haben, weil das/Dein ICH egoistischerweise seinen Vorteil vor Augen hat. 😉
      Wie sähe die Welt wohl aus, wenn jemand das Marienkäferlein nach seinen Wunschvorstellunge fragte und dem entspräche?….
      Vermutlich überall Blattläuse und keine Vögel…oder so…
      Es gibt folgende 3 Möglichkeiten:
      1. mittanzen (machen ja die meisten)
      2. nicht mittanzen und abseits stellen (macht unbeliebt und es kommt die Tanzpolizei)
      3. den Pianisten erschießen und der Schwof ist gecancelt. (wer kein Blut sehen kann, der schnippelt halt die Strings durch 😉 )

      Karl Valentin:
      Thumbsup! Das bayerische Obercheckerjuwel! 😉

      „Spiegelneuronen:
      Läuft das, was Du sagst, nicht darauf hinaus, dass wir uns aufgrund unserer Spiegelneuronen bloß einbilden, die anderen zu verstehen, ohne mit den Anderen jedoch wirklich Kontakt zu haben?…
      …Die ganze Empathie ist eine Modeerscheinung, sonst nichts.“:

      So ist es. Ich sagte ja auch dazu, dass die Spiegelneuronen nur SIMULIEREN, also eine Art Wahrscheinlichkeitsrechnung durchführen und keinesfalls auf subtilquantesoterischem Wege inspiriert werden?!
      Statt IQ halt der EQ. Ist nur ne neue Marketingsau, die durchs kapitalistische Dörfchen getrieben wird. Schon seltsam, dass jeder Scheiß evaluiert wird, nur diese Theorien nicht!? 😉
      Vor 2500 Jahren gab es MMenschen, die waren mindestens so schlau wie wir heute, wenn nicht schlauer – und, was hat’s genützt, (zum Besseren) geändert?
      Der ‚Akakdemiker‘ damals war wortwörtlich ein ‚Müßiggänger‘ (‚Wandelnder im Garten des Akademos‘ – wie die Peripatetiker, die ‚ zwischen den Säulen Umherwandler‘) und heute?
      Von der Muße zur Arbeit – was für ein Abstieg.
      OK, die konnten natürlich nur müßig daherschwadronieren, weil’s Heloten gab, die sie arbeitstechnisch als Sklaven entlastet haben…na, wenn’s wenigstens zu einer Weltverbesserung gereicht hätte, wäre es das Sklavenopfer wert gewesen.
      So ist es aber wie mit den heutigen Arbeitssklaven, die ständig eine verbesserte Welt versprochen bekommen, wenn sie nur tüchtig unterbezahlt für andere Interessen schuften.

      „In „Schöpfung außer Kontrolle“ stellt Olsberg die These auf, dass unbelebte Systeme nach den gleichen Kriterien evoluieren wie belebte.“
      http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/karl-olsberg-schoepfung-ausser-kontrolle-alles-blinkt-und-piept-als-waeren-die-menschen-nur-das-servicepersonal-ihrer-maschinen-1999023.html
      Zitat:
      „Das ist zweifellos richtig und bedenkenswert, doch schon die Rede von egoistischen Genen, die Lebewesen benutzen, ist problematisch, für Meme gilt dies erst recht. Als Retter in der Not fungiert trotz aller Manipulation durch die egoistischen Meme im letzten Kapitel dann erstaunlicherweise doch der freie Wille – samt der (sprachlich nicht gerade sensiblen) Aufforderung, mutig die Meme zu selektieren, die gut für uns sind.“

      Tja, da ist sie wieder, die Ambivalenzfalle.
      Der zitierte Egoismus würde entweder voraussetzen, dass Gene/meme sich ihrer selbst bewusst wären oder man muss Egoismus als Strukturkonservatismus begreifen.
      Dazu kommt, dass Evolution entweder als zielgerichteter Prozess eingestuft werden muss (was Deinem Baumbeispiel entspräche) oder als emergentes Phänomen zahlloser zielloser Strukturkonservativismen (ziellos mit Ausnahme des absoluten Selbsterhalts – wogegen aber Phänomen wie Apoptose oder die Umwandlung des amöben Schleimpilzes zum Fruchtkörper, der den Tod von 3/4 der beteiligten Amöben bedeutet etc. – die ja, nebenbei, nix von der ‚Sinhaftigkeit‘ ihres Tuns für ihre Spezies auch nur ahnen können – sprechen könnten).
      Wenn das Wasser zu Dampf verkocht – ist das dann Evolution?
      Ist der Mensch nix anderes als ein höherer Aggregatzustand der Archäobakteriumexistenz?
      Wir machen uns zu Sklaven der Maschinen, die wir selber geschaffen haben, um faul sein zu können und verlernen genau dadurch die Fähigkeiten, die uns zuvor unabhängig davon gehalten haben.
      Vielleicht ist der Transhumanismus ja der Bau eine maschinellen ‚Fruchtkörpers‘, um die Idee vom Menschen zu erhalten? – nur, wer braucht die schon???
      ‚Schöpfung außer Kontrolle‘ unterschreibe ich in der Form, dass ‚außer-Kontrolle-sein‘ die wesentlichste Voraussetzung dafür ist, dass sich über etwas ‚anderes‘ entwickeln kann!ekäme eki
      Zwei gleich Computer mit dem gleichen Programm könen sich unmöglich entwickeln, es sei denn, einer von denen bekäme einen ‚bug‘ (siehe Film ‚Brazil‘) und dieser würde sich programmändernd auf beide auswirken.
      Ob das aber alleine schon Evolution genannt werden kann?
      Es sind die FEHLER im System, die es paradoxerweise mit am Leben erhalten!
      Weswegen diese Idiotie der Fehlerausmerzung ein Ausdruck völlig unterprivilegierten Intellekts ist, wie man auch unschwer an den Apologeten der ganzen Fehlerhysterie ausmachen kann!
      Das wäre auch schon fast so etwas wie ein Gegen-Gottesbeweis:
      Der Schöpfer mit seinem Schöpfungsplan konnte Fehler gar nicht vermeiden, wenn das Projekt gelingen sollte – einen fehlerhaften Gott kann es aber nach Eigendefinition der Religionen nicht geben, sonst wäre Gotteslästerung auch nicht todeswürdig 😉

      „Der Transhumanismus gehört in die Evolution des Feuers.“:

      Transhumanismus ist ja ein ‚guter, alter‘ feuchter Alchemistentraum.
      Im Athanor der Alchemie schmurgelt das Leben und aus der Leber des Phoenix, den Brusthaaren der Sphinx und der Prostata von Angelus Merkel wird ein transhumaner Homunculus geboren, der dann endlich….ja was eigentlich wozu kann, tut???
      Egal, nicht drüber nachdeneken – MACHEN. Einfach, weil’s möglich ist.

      „Der Urgrund ist auch nur nötig, wenn man unbedingt am Einheitsgedanken festhalten will. Wenn der Einheitsgedanke nicht aufrechterhalten wird, wird auch der Ur-Grund bedeutungslos.“:

      Die Einheit kann es ja schon deswegen nicht geben, weil sonst gäbe es ja die Dualität nicht, die zweifelsfrei absolut und ausnahmslos unerlässlich ist für die Entstehung von überhaupt irgendetwas.
      Die Dualität, Verschiedenheit wieder auf einen gemeinsamen Ursprung eindampfen zu wollen, ist eine echte Unsitte.
      Wenn wir doch z.B. nach dem Tod wieder zu unserem Ursprung/Urgrund zurück kehren sollen – wieso gibt es dann immer noch die Dualität Himmel/Hölle?
      Macht keinen Sinn, sry, ihr Pfaffen.
      Ein rachsüchtiger Gott (was sonst ist die Bestrafung NACH dem Tod auch noch???) soll die Einheit des Seins versinnbildlichen? Ach Gottchen.
      Diese Vereinheitsbreiung, dieses künstlich erzwungene Abschaffen von Unterschieden (die es nicht umsonst gibt, weil erst der Unterschied Potentialgefälle erschafft, die lebenswichtig sind) ist ein weiterer Beleg für die Inkompetenz ihrer Propagandeure ( ‚Ist der Unterschied für dich zu stark, bist du zu schwach. Arschloch.‘ muss man denen zurufen).
      ‚Es lebe der Unterschied und das Defizit!‘ – DAS wäre mal ein Schlachtruf…

      „Ja, es gibt tatsächlich Physiker, die das Universum für eine Art sich selbst aufblasender Luftballon halten. Ich muss dabei immer ans EGO denken.“:

      Da simmer wieda bei da ProjekZion.
      Klein-Egolein versteht sich selbst nicht und sucht verzweifelt nach dem Erklärbär in sich.
      Verkauderwelschen des Seins in Formeln und Phrasen, die man studiert haben muss, um die Deutungshoheit über die eigene erbärmliche Existenznot vorgeblich erillusionieren zu können. 😉

      „Da bin ich wohl schon ein Stück jünger als Du.“:

      Ja, genau und deshalb stünde es Dir gut an, die Weisheit des greisen, kahlen Hauptes fügliche Referenz zu erweisen. Ich gebe mich auch mit einem Wort-Opfer zufrieden! 😉

  5. Nachtrag:
    Zygmunt Baumann – Zitat:

    „Identität ist der Zwillingsbruder der Feindschaft: Wir sind, wer wir sind, weil wir einen gemeinsamen Feind haben. So funktionierten die Menschen von den Urhorden der Jäger und Sammler bis zu den Nationalstaaten des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In der Geschichte der Menschheit gehörten Integration und Segregation immer zusammen: wir und die. Integriere dich, oder du wirst ausgestoßen. Das ist vorbei, „die“ sind unter uns, wo ist der Feind? Wir müssen die Kunst der Integration ganz neu erlernen, unter Verzicht auf das Entweder-oder, wenn wir unserer Lage gerecht werden wollen.“

    und weiter:

    „Wir träumen von einer verlässlichen Welt, einer Welt, der wir trauen können, einer sicheren Welt der Konformität. In den auf Thomas Morus folgenden Jahrhunderten war die moderne Welt eine optimistische, auf dem Weg nach Utopia. Als ich ein junger Mann war, was schon sehr, sehr lange zurückliegt, war ich ein unbeirrbarer Fortschrittsgläubiger. Ich war überzeugt, dass eine Gesellschaft ohne Utopie unerträglich sei. „Der Fortschritt“, schrieb Oscar Wilde, „ist die Verwirklichung von Utopien.“ Die Utopie ist die Hoffnung auf ein besseres Leben in der Zukunft. Die Menschheit hält Ausschau nach einem besseren Land und setzt ihre Segel.“

    Meine rede:
    Im Streben nach imaginärer Stabilität fördern wir, nolens volens, ihr Gegenteil, die Instabilität.

    Und:
    „Trotz aller Konflikte, Kriege und Klassenkämpfe im Frühkapitalismus hatten unsere Vorfahren einen Vorteil: Die Morphologie des menschlichen Zusammenlebens erzwang Solidarität. Henry Ford wusste, dass er seine Arbeiter anständig entlohnen musste, um seinen eigenen Erfolg zu gewährleisten. Diese Versicherung auf Gegenseitigkeit hat der Neoliberalismus in seiner Form der offenen Gesellschaft einseitig gekündigt. Gesellschaftliche Solidarität wurde zugunsten individueller Selbstverantwortung verdrängt. Es ist Sache des Einzelnen geworden, für sein persönliches Überleben in einer zersplitterten und unberechenbaren Welt zu sorgen, obwohl seine Ressourcen dafür völlig unzulänglich sind. Das allgemeine Gefühl der Prekarität, das mit dem Prozess ökonomischer Deregulierung einherging, löst zwischenmenschliche Bande auf und schürt das Misstrauen aller gegen alle. Der Fortschritt steht für die Bedrohung durch unablässige Veränderung. Jeder ist für den anderen ein potenzieller Gegner und Konkurrent. Das ist sehr beunruhigend.“

    Auch hier wieder der Kernpunkt:
    Angst vor Veränderung wegen Inkompetenz im Umgang mit dieser.
    Deswegen verzweifelter Zwang zur vermeintlichen Kontrolle zur Erzeugung einer Stabilität, die im Doppelpendeleffekt enden wird.

    und zuletzt:
    „Die Suche nach Identität ist Teil von Retrotopia: Da ich das Glück in der Zukunft nicht finde, trete ich den Rückzug in die Vergangenheit an. Der Historiker Eric Hobsbawm sagte, die Menschen fangen an, über Identität zu reden, wenn sie aufhören, über Gemeinsamkeit zu reden.“

    Die Identität, der Zwang zur Selbst-Definition (= Selbst_Abgrenzung!) ermöglicht die Feindseligkeit, die die dringend benötigte Kooperation zur Bewältigung der selbstgeschaffenen Probleme unmöglich macht.

    PS: Ich habe letztens einen Marienkäfer gefragt, wer er denn sei.
    Er hat die Frage nicht verstanden, schüttelte den Kopf und marienkäferte seines Wegs…

  6. @ Nick

    “Was drängt sich da auf, damit es offensichtlich diesen Nebelkerzenwerfer ‚Gehirn‘ braucht, um diesem Etwas Existenz zu verleihen?
    Man kann ja mit Fug und Recht sagen, dass eine Exformation Ausdruck einer Information ist.
    Welche Information ist es also, die sich durch das Gehirn des Menschen auiszudrücken versucht?“

    @ Marian

    “Was können wir der Welt denn überhaupt zurückgeben? Wir haben doch nichts, außer unserem Bewusstsein, auf das wir so stolz sind und das doch nicht mehr ist als die Blase eines Kaugummis? Sind wir nicht allesamt Bettler, die im Austausch überhaupt nichts anbieten können? Ja, und was dann?“

    Zwei Fragen, EINE Antwort? Offensichtlich muss die Antwort ‚etwas‘ sein, dass nur EINER Spezies zur Verfügung gestellt werden kann, während alle ANDEREN diese EINEN nicht aus den Augen lassen. ‚Etwas‘, dass nur EINER Spezies ermöglicht werden kann, während alle ANDEREN, aus gutem Grund, diese Möglichkeiten, in dieser Form(?), nicht haben. Wahrscheinlich wäre andernfalls das Leben gar nicht möglich. Vielleicht wäre es andernfalls gar unnötig!?

    Ich lasse das mal vorerst so stehen …

  7. @ Marian

    “Und ist das Postulat EINER Energiequelle nicht ähnlich wie die absolute Lichtgeschwindigkeit bloß aus den monotheistischen Religionen abgeleitet? Ist es nicht die Fortschreibung des Ein-Gott-Glaubens in mathematisch-abstrakter und bildlos gewordener Form?“

    Freut mich, dass Du diese EINE Energiequelle so interpretierst, dann kann ich nämlich noch auf ein kleines Aha-Erlebnis im vierten Teil hoffen 😉 .

    Was passiert eigentlich mit Energie, wenn z. B. FACEBOOK sein Rechenzentrum in Schweden komplett und für immer abstellen würde: http://t3n.de/news/sieht-facebooks-neuestem-473134/

    Was passiert mit all der Energie, die dort auf all den Servern gespeichert ist, in Form von Datensätzen aller User, sei es als Text, als Fotos, als Algorithmusauswertung? Immerhin formen täglich Millionen Menschen Energie in Daten um, die dann in Schweden in den Datenbanken landen und mittels weiterer Energie gekühlt werden müssen, um bestehen bleiben zu können?

  8. Zitat von Marian:

    “Warum hat sich beim Menschen das Gefühl gespalten, während man bei Tieren nichts dergleichen feststellen kann?“

    Einer der, wenn nicht DER älteste Mythos ist ja dieser Spaltungsvorgang, der sich in Götternamen (Ziu, Tuisto, Diabolos = Zweiteiler etc.) ausdrückt, im sogenannten ‚Sündenfall‘ der Erkenntnis, in der EhrFURCHT vor der Zweiheit, symbolisiert durch das Zwillingssymbol, zwei Säulen oder doppelgesichtige Götter u.ä.

    Spaltung steht ja am Beginn des Lebens selbst, siehe Zell- oder DNA-Teilung.

    Der DonnerKEIL ist ein über alle Mythen und Völker bekanntes göttliches Requisit.

    Der Faustkeil, der durch Abspalten von Material entsteht ist da wohl die Muttertechnologie des Spaltertums des Menschen.
    Mit der Erfindung des Faustkeils spaltete sich der Mensch vom reinen Affen ab.
    Die Frage nach der Ursache unseres Abgespaltetseins berührt die Frage nach der IDEE und ihrem Ursprung.

    Schopenhauer beschrieb ja mal seine Welt als eine Welt aus Wille und Vorstellung – wobei ich die Reihenfolge umdrehen würde:
    bei mir ist zuerst die Vorstellung, die Idee von etwas und dann das Streben, der Wille nach Verwirklichung, der dann früher oder später zur technischen Umsetzung führt.
    Plato hatte bereits 2400 Jahre zuvor die Idee von der Idee als Grundlage des Seins – platonische Körper etc. propagiert und er war mit Sicherheit nicht der Erfinder dieser Idee.

    Was also ist eine ‚Idee‘ und woher kommt sie?
    Ist sie zwangsläufig oder zufällig?

    Schon das Pantoffeltierchen ’sah‘ die Welt und sah sie doch nicht, weil schon der erste primitive Augenfleck auch nur ein ‚Importeur‘ von Impulsen und ‚Transformator‘ des Impulsimports gewesen war.
    Wir sehen tatsächlich NICHTS, wir bilden uns die Welt de facto und unzweifelhaft ein (siehe halt wieder Plato mit seinem Höhlengleichnis), wir rekonstruieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, indem wir Impulse so decodieren, dass sie möglichst widerspruchsfrei sind – allerdings nicht widerspruchsfrei zur ‚Realität‘, sondern in unserem Kopf.
    Wichtiger als alles andere ist dem Gehirn die Energieauswertung!
    Wenn ein falsches Bild eine positive Resonanz der Realität erzeugt, ist dieses Bild Maßstab.
    Wenn die Korrektur eines Bildes zuviel Energie bräuchte oder der Energieaufwand zu hoch ist, um es zu erhalten, dann wird es früher oder später fallen gelassen bzw. der Bilderträger geht an seiner Friktion mit der Realität aufgrund dieses falschen Bildes eben zugrunde.
    Der ‚entropische Imperativ‘ lässt grüßen.

    Hier zeigt sich, dass Lebensenergie nicht dazu benutzt wird, um die Realität zu verstehen oder maßstabsgetreu abzubilden (was eh unmöglich ist!) – sie ist dazu da, um das Dasein des Energietransformators zu ermöglichen.
    Das Leben eines solchen Individuums ist also wie der ‚Rote Fleck‘ auf Jupiter, der eine erstaunliche Selbstbeharrlichkeit selbst oder gerade unter turbulentesten Umständen aufweist, ohne dass dieser ‚Rote Fleck‘ tatsächlich eine Funktion erfüllt!

    Die Spaltung beginnt also schon dort, beim Pantoffeltierchen, dessen Selbsterhalt sein einziger ‚Zweck‘ ist und das dazu ’nur‘ soviel ‚verstehen‘ muss, dass es ausreicht, um daran nicht zugrunde zu gehen.
    Das Pantoffeltierchen, so ’natürlich‘ dieses ist im Sinne der Verbundenheit mit seiner Umgebung, ist bereits abgespalten, weil es nur Fragmente erkennt und deutet und sich danach ausrichtet und solchermaßen ein ‚Lebenssplitter‘ ist, ein Hobelspan, der abfällt vom Ganzen, das sich selber an sich schleift durch die Gegensätzlichkeit, ohne die es wiederum auch nicht existieren könnte.

    Wir können jetzt sogar noch simultan verschiedenste Deutungen der Impulsfragmente erpuzzeln, simulieren und uns luxuriöserweise das Ergebnis aussuchen, das uns am wenigsten mißfällt, also am wenigsten Korrekturenergie von uns abverlangt.

    Wenn man nun z.B. hingeht und alle Variationen, Permutationen etc. einer endlichen Menge von Fragmenten erstellt hat, dann wird man erkennen, dass man sich im Kreis gedreht hat und trotz der erstaunlich beeindruckenden Vielfalt von Ergebnissen die Beschränktheit der Verwertbarkeit bzw. Realitätsnähe ebenfalls erstaunlich und beeindruckend ist.
    Der Geist, der dies vollbringt, kann sich nicht selber abschaffen, so wenig wie Winnetou sich ein Loch in den Bauchnabel schießen und darin verschwinden kann!
    Derselbe Geist, den dieses Gefühl der Trennung vom Wahren umtreibt wie einen Grafen von Monte Christo in seiner Zelle, muss nun entweder ohnmächtig erkennen, dass er erkenntnistechnisch in einem ziemlich finsteren Loch haust, wo auch 1000 Kerzen nichts daran ändern, dass er immer nur dieselbe karge Kerkerwand anstarren kann, oder er flüchtet sich in dieser Situation in Halluzinationen, weil ihm diese Wahrheit unerträglich scheint (Kopfkino eben).
    Der Unterschied zum Grafen von Monte Christo ist: für den gibt es einen Ausweg, für unseren Geist nicht wirklich.

    Wer im Kerker sitzt, der WEISS, dass er abgespalten ist und vielleicht ist er in der Tat selbst ’schuld‘ daran, was aber unerheblich ist, weil seine Sachlage sich dadurch kein bisschen verändert!
    Dieses Gefühl trügt also nicht und es ist unmöglich, dieses Gefühl abzustellen.

    Der Gorilla z.B. hat den ‚Vorteil‘ uns gegenüber, dass ihn sein Gehirn weitaus weniger dramatisch mit diesem Fakt konfrontiert, er also weit weniger eine Idee davon hat, dass er im Grunde genau so gearscht ist wie wir, aber das spielt eben für ihn keine Rolle, da er trotzdem viel besser eingebunden ist und weniger Friktionen selbst erzeugt oder auch fremden Friktionen ausgesetzt wird als wir, wodurch sich sein Stresspegel in erstaunlichen Tiefen bewegt.

    Angenommen du bist wirklich so richtig hässlich:
    Was ist hilfreicher – ein blinder Spiegel oder ein hochglanzpolierter? 😉

    Unsere Spiegelneuronen haben wohl einen nicht unerheblichen Anteil an dieser Gefühlsspaltung.
    Ihre Vernetzung führte erst zu der Idee des Abgespaltenseins und damit zu den ’systematisierten Akten der Verzweiflung‘ (Bruce Lee) mit all ihren nun so bedauerlichen Folgeerscheinungen.
    Der Gorilla hat hie und da einen Mosaiksplitter von Spiegel, der ihm viel zu wenig widerspiegelt, was im Gegensatz zu seiner Grundwahrnehmung stünde, als dass er sich davon beunruhigen lassen würde.
    Wir sind rundumverspiegelt, für uns gibt es da kein Entrinnen.
    Paradoxerweise hat sich wohl diese Maximalvernetzung von Spiegelneuronen dergestalt entwickelt, dass eeine umfassendere empathische Simulation erzielt wurde, die hilfreich war, um sich miteinander besser abzustimmen, dabei einen selbst aber auch mehr bewusst machte, wie groß die tatsächliche Trennung zu den anderen eigentlich ist und eben auch die eigene von allem anderen ebenfalls!
    Eine echte Tragikkomödie 😉

    • Aber hallo! Am Beginn des Lebens steht die Verschmelzung, nicht die Spaltung. Wenn ich mich recht erinnere, fluppt eine Samenzelle in eine Eizelle rein, oder wie ging das noch? 🙂 Die Evolution als Baum: ein schönes Bild. Spaltet sich ein Ast vom Stamm ab oder ein Blatt vom Ast? Kann man doch so gar nicht sagen. Ist die Ausbildung von Sinnesorganen als Abspaltung zu interpretieren? Sind Sinnesorgane nicht vielmehr Arabesken? Schnörkel, die unkomplizierte Beziehungen aus reiner Lust an der Lust komplizierter machen, um den Lustgewinn zu erhöhen? Wer sollte den Schwanz von Herrn Pfau bewundern, wenn Frau Pfau keine Augen hat? Wer sollte das Zwitschern der Vögel vernehmen, wenn es keine Ohren gibt zum Hören. Das ist Fülle, Überfülle, und dann noch eins drauf gesetzt.

      Nein, der Sündenfall geht anders. Der Baum des Lebens ist gleichzeitig der Baum der Erkenntnis und Adam erkannte Eva, als er Kinder zeugte. Der Baum des Lebens und der Erkenntnis steht für den Familienstammbaum. Das ganze Alte Testment dreht sich um die Entdeckung der Abstammungslinien, deshalb diese endlosen Herleitungen, wer nun wen zeugte. Die Einsicht Abrahams bestand darin, dass er durch seine Fortpflanzung durch die Zeit hindurch zu einem ganzen Volk werden kann, so zahlreich wie die Sterne am Himmel. Der Sündenfall besteht darin, die Früchte dieses Baums selbst zu verspeisen, sozusagen zum Kinderfresser zu werden und seine Nachkommen zu nutzen, um sich selbst zu erhalten.

      Natürlich hast Du Recht: dank unseres Bewusstseins sitzen wir gefesselt in Platons Höhle. Unser Bewusstsein IST Abspaltung. Es macht uns zu Autisten und schmeißt uns in die tiefste Einsamkeit hinein. Alle rings um uns herum amüsieren sich köstlich, nur dem Menschen ist das nicht möglich, und deshalb bringen wir alle um, weil wir die Schattenspiele auf der Höhlenwand erstens falsch interpretieren und zweitens nicht aushalten. Es gibt in dem Gleichnis übrigens ein Feuer, das für den Schatten auf der Wand sorgt.

      In einem Schönheitswettbewerb hätte jeder Nacktmull bessere Chancen auf die Krone als ich. Ja und? Um das zu erkennen, brauche ich weder einen blinden noch einen hochglanzpolierten Spiegel. Jedes hässliche Gewerbegebiet, jede asphaltierte Straße, jeder Supermarkt spiegelt mein SEIN deutlicher wider als je ein Spiegel aus Silberfolie das könnte, egal wie geputzt der ist. Mit Spiegelneuronen kann ich nicht so wirklich was anfangen. Ich mache eher die Erfahrung, dass ich nicht von selbst weiß, wie andere sich fühlen und was sie denken, es sei denn, sie teilen es mir mit.

      • *Räusper…am Anfang des Lebens steht die Verschmelzung erst, seitdem die geschlechtliche Vereinigung = ‚Sex‘ ‚erfunden‘ wurde.
        Wenn man den Theorien glauben darf, dann vor vermuteten 600 Millionen Jahren…oder so.
        Leben gibt’s aber seit 3.7 Milliarden Jahren (zumindest vermuteter neuester Kenntnisstand).

        ‚Sündenfall‘:
        Ja, d’accord, aber ich hatte dieses Reizwort benutzt, um das Bild, das damit verwoben ist plakativ einzusetzen, sonst nichts.
        Vertreibung aus dem bewusstseinlosen Paradies von wegen erster Bewusstseinscheck mit Entdeckung der Scham, Schuld etc.
        Dass das keine Historizität besitzt und eine dogmatische Instrumentalisierung zur Machtsicherung der Kirche darstellt, ist mir durchaus bewusst, aber als Bild unschlagbar 😉

        ‚Dynamitstange‘:
        Ich bin nicht auf das Feuer fixiert und dieses ‚technische‘ Bild sollte nur illustrieren, dass es keinen Sinn macht über die Unsitte der Musteraufstellung (die von ähnlichen Willkürmomenten heimgesucht wird, wie etwa Sternbilder und daraus abgeleitete Astrologien) die Welt begreifen zu wollen.
        Eine explodierende Dynamitstange kann man nicht ‚begreifen‘, nur erleben und im günstigen Fall überleben.
        Das Bewusstsein ist ohne Mustersuche, Musteraufstellung, Mustererzwingung nicht denkbar.
        In der Musterung der Umwelt liegt die Abspaltung des Rationalen vom Gefühl und im Kalkül die Distanzierung, Entfremdung.
        Allein schon deswegen, weil die Wirklichkeit sich permanent verändert und selbst ein vermeintlich ’stabiler‘ Fluss ja auch nur eine Illusion ist, spätestens dann, wenn das Wadi mal wieder austrockent.
        Ein Muster ‚tackert‘ im Gehirn einen Augenblick als Hirntapete fest und dieser reminiszente Ausblick wird dann als Ersatz für die Realität genommen, so ähnlich wie Google’s Streetview, das ja schon innert Stunden überholt ist, wenn nicht Minuten!
        Ein Navi in Köln müsste eine Echtzeitaktualisierung haben, denn selbst mit einer monatlichen Aktualisierung hinkt das Gerät den ständigen Baustellenveränderungen, Einbahnstraßenumwidmungen, Geschwindigkeitsschildermutationen etc. hinterher 😉
        Das Bewusstsein hat die ‚Zeit‘ als Muster für sich entdeckt, um im Erschließen von Zyklen, Rhtyhmen und Periodiken vermeintliche Orientierungssicherheit für die Linderung seiner Zukunftsangst zu finden.
        ‚Zeit‘ ist genau so ein Mythos wie ‚Feuer‘.
        Bewusstsein ist aber keineswegs nur verurteilenswert!
        Ich betrachte es wie einen kochenden Kessel Wasser:
        mit zunehmender Erwärmung kommt es zu Konvektionen, dann zu ’stabilen‘ Mustern und dann zur Aggregatverschiebung – Dampf.
        Ein dynamisches Bewusstsein kann seinen trägen Aggregatszustand also evtl. überwinden – eine emergente Qualität entwickeln, die die unerfreulichen Procedere-Vorlauferscheinungen kompensiert……..vielleicht, vielleicht auch nicht.
        Keine Ahnung, ob das zutreffen wird, aber es ist zumindest vorstellbar und damit allein schon prinzipiell möglich 😉
        Ein Bewusstsein kann seine eigenen Muster zerstören, sich ‚entfesseln‘ von den selbstorganisierenden, iterativen Schleifen und ihren damit verbundenen ‚Feldern‘.
        Sonst gäbe es keine Kreativität – siehe den unkreativen Computer.
        Jedes Vexierbild kann einem dies ansatzweise vor Augen führen und erst recht natürlich echte Kunst, die jegliche konventionelle Verbindlichkeit abstreift und wie bei einer Sumi-e-Tuschemalerei mit angedeuteten Mustern den Verstand provoziert und foppt und gleichzeitig an der Nase packt und das bis dato ‚Unsichtbare‘ gerade dadurch sichtbar werden läßt.
        Ich habe noch nie ne technische Risszeichnung im Museum für Kunst gesehen – warum wohl 😉

      • PS:

        Picasso soll ja mal gesagt haben, dass ihn seine Bilder, Kunstwerke im Moment der Fertigstellung schon nicht mehr interessieren, weil für ihn der Moment des Werdens der interessante ist, nicht das fertige Produkt.

        Deswegen ist Picasso auch nie in ein Museum gegangen und sein eigenes in Antibes hätte er gemieden wie die Pest 🙂

        Im ständigen Abgleich mit Mustern (Erinnerungen, Indoktrinationen, Konventionen, Normen, Regeln…) geht der Kontakt mit dem aktuell Wirklichen ja sowas von verloren!
        Das gleicht ungefähr dem Versuch, die Wirklichkeit in Echtzeit zu erleben, indem man in Serie Polaroidbilder schießt und entwickelt und dann miteinander vergleicht, während vor dem eigenen Auge eigentlich alles bereits geschieht.

        Im indischen Jnana-Yoga gibt es übrigens auch diese Form der Bewusstseinsüberwindung durch dieses selbst.
        Klingt unlogisch, aber Logik ist ja so was von gestern, was das Heute angeht…

    • „Die Spaltung beginnt also schon dort, beim Pantoffeltierchen, dessen Selbsterhalt sein einziger ‚Zweck‘ ist und das dazu ’nur‘ soviel ‚verstehen‘ muss, dass es ausreicht, um daran nicht zugrunde zu gehen.“

      Ich staune auch sehr angesichts dieser eigenartigen Sicht der Dinge! Mottnik scheint das In-der-Welt-Sein selbst als Fehler zu betrachten, wenn ich es richtig verstehe.

      Also für mich kann ich sagen: Ich bin froh darüber, kein Mineral zu sein, kein reines chemisches Element ohne Leben. Ich freue mich, ein Wesen zu sein, das sich fortbewegen kann, sich entwickelt und etwas von der Umwelt wahrnimmt, sei das auch noch so beschränkt.

      @Fingerphilosoph: Spiegelneuronen ermöglichen Empathie, für soziale Hordenwesen ziemlich unverzichtbar. Was andere DENKEN, kann man damit nicht wahrnehmen, aber man spürt, was sie fühlen. Dieses Vermögen scheint bei den Individuen unterschiedlich stark ausgeprägt zu sein, doch ganz ohne wäre man Psychopath. Ich glaube nicht, dass bei dir gar nichts davon vorhanden sein soll! Noch nie gemerkt, wie sich eine schlechte Stimmung auf dich überträgt? Oder wie ansteckend Angst sein kann, aber auch Freude, gute Laune, Fröhlichkeit?

      Dass sich bei Tieren im übrigen grundsätzlich und überall kein Denken vom Fühlen abgespalten haben soll, bezweifle ich. Krähen, Papageien und seltsamerweise auch Kraken bringen kognitive Leistungen zu Stande, die Staunen machen! Vermutlich ist einfach ihre Erinnerungsfunktion nicht mit unserer vergleichbar – und mangels Sprache formen sich keine Begriffe, mal abgesehen von einfachen Warnrufen, die man so interpretieren könnte.

      • Empathie ist eine Sache purer Körperlichkeit. Resonanz findet im Körper statt, nicht in irgendwelchen Spiegelneuronen im Hirn. Spiegelneuronen sind eine Erfindung von Hirnforschern, die damit ihr Forschungsgebiet interessanter machen wollen. Fische und Fliegen leben in ziemlich großen Horden, sorry, Schwärmen, und das bei einem sehr kleinen Kopf, in den Spiegelneuronen überhaupt nicht mehr reinpassen. Wenn Du mit Deinen Spiegelneuronen, also Deinem Kopf fühlst, müsstest Du mir anhand meiner Worte jetzt sagen können, ob ich traurig, fröhlich, mitfühlend oder so drauf bin wie Dein Nachbar? Kannst Du das?

        Kraken haben das Weltwissen. Die können bei WMs sogar voraussagen, welche Mannschaft gewinnt. Ich nehme deshalb an, dass sich alle Tiere über uns halb totlachen und die Krähen, Papageien und Kraken vorschicken, um uns Menschen zu foppen. 🙂

      • ‚Spiegelneuronen‘ sind keine Detektoren, Transmitter oder Reflektoren von irgendetwas.
        Sie dienen ausschließlich der SIMULATION eines vermuteten Zustandes für den es Anhaltspunkte aufgrund typischer Signale/Impulse gibt und induzieren sozusagen ein ‚Stellvertretergefühl‘, so dass man in etwa ’nachempfinden‘ kann, wie sich das Gegenüber befindet, um daraufhin seine soziale Interaktion darauf abzustimmen.
        Sie sind keine Erfindung, da diese Eigenschaft unzweifelhaft existiert und nur ein bestimmter Teil des Gehirns nachweislich für Simulationen geeignet ist.
        Diese neuronalen Konglomerate werden als ‚Spiegelneuronen‘ bezeichnet, ohne deswegen natürlich eine spezielle Form von Neuron darzustellen.
        Corticale Neuronen sind so indifferent zueinander wie die Blätter ein-u.-desselben Baumes.
        Trotzdem arbeiten auch die Blätter eines Baumes zusammen und bilden eine funktionelle Einheit.
        Neuronenverbände mit speziellen Verarbeitungsmodi werden elastisch gebildet und sind keine starr verdrahtete Funktionseinheit, wie etwa ein Radio.

        Für die indifferente Auslegung des Begriffs ‚Spiegelneuron‘ kann der Begriff allerdings nix und damit komme ich zum nächsten Punkt 😉

        @ClaudiaBerlin:
        „Ich staune auch sehr angesichts dieser eigenartigen Sicht der Dinge! Mottnik scheint das In-der-Welt-Sein selbst als Fehler zu betrachten, wenn ich es richtig verstehe.“

        Es ist nichts eigenartig daran, die Dinge so zu beschreiben, wie sie nun mal sind.
        Ein Pantoffeltierchen ist ein Pantoffeltierchen.
        Seine Eigenschaften sind sehr überschaubar, da es nur sehr simple Interaktionsmuster mit seiner Umwelt aufweist.
        Wie man da daraus schließen kann, dass ich das In-der-Welt-Sein selbst als Fehler betrachte, erschließt sich mir mit keiner gängigen Logik und wird auch nicht mit meinen beträchtlichen Kenntnissen im Umgang mit von Willkür geprägten Deutungsgewohnheiten vieler nicht nachvollziehbarer?!

        „Ich freue mich, ein Wesen zu sein, das sich fortbewegen kann, sich entwickelt und etwas von der Umwelt wahrnimmt, sei das auch noch so beschränkt.“

        Danke für die Steilvorlage – das enthebt mich unangenehmen Kommentierens 😉

      • Soviel ich über die Spiegelneuronen gelesen habe, ist man auf sie gekommen durch Personen, die in bestimmten Hirnregionen Schäden hatten und eben zu keiner Empathie mehr fähig waren.

        Dass diese Spiegelneuronen „nichts mit dem Körper zu tun“ hätten, ist ja eine steile These. Das ganze große menschliche Gehirn ist doch eine Schaltzentrale, die nahezu alles regelt, was der Körper tut, beginnend bei Atmung, Herzschlag bis hin zum Grübeln.

        Eine Horde ist was anderes als eine Herde oder ein Schwarm – aber das weißt du ja sicher auch. In der Horde muss sozial interagiert werden und dafür braucht es das Einfühlen ins Gegenüber. Es gibt Menschen, denen fällt das sehr schwer, bei anderen ist es so extrem, dass sie eigentlich ihr Leben als Einsiedler im Schutzraum verbringen müssten. Nietzsche soll ja auch phasenweise sehr darunter gelitten haben.
        http://www.zeit.de/1989/02/das-alte-geschoepf——-gibt-auf/seite-10

  9. “Vielleicht zeichnen sich die ANDEREN ja eben dadurch aus, dass ihnen Instrumentalisierung wesensfremd ist.“

    Instrumentalisierung ist, genau wie Konkurrenz, so EIN Wort, welches schnell bei der Hand ist, wenn EINER über ANDERE schreibt. Den ANDEREN muss Instrumentalisierung fremd sein, sonst könnten sie nicht HARMONISIEREN bzw. Rekohärenz realisieren. Ich meinte ihr “Feueropfer“ auch nicht im Sinne eines Instruments zu ihrer Beherrschung unserer Spezies. Sie machen was notwendig ist.
    Doch man stelle sich mal vor, wir EINEN stießen, aufgrund unserer bisherigen und notwendigen Entwicklung im Schein des Feuers, auf eine Energiequelle, die uns alle bisherigen Energiequellen enorm reduzieren ließe, weil wir deren weiterer Ausbeutung nicht länger im bisherigen Ausmaß bedürften. Eine Energiequelle, die immens ist und an die bisher irgendwie keiner gedacht hat. Eine, die das All(es) in EINEM ganz ANDEREN Licht betrachten lässt. EINE verschränkte Denke, anstatt EINER beschränkten 🙂 …

    • Die Dachschindel, die jemandem finalisierend auf den Schädel kariolt ist in ihrem Verhalten weder zufällig noch absichtsvoll – lediglich konsekutiv.
      ‚Instrumentalisieren‘ implizierte Absicht, Zweckgebundenheit, die es bei den Anderen gar nicht geben KANN.
      Es ist ein Rückkopplungseffekt, der von uns nolens volens initiiert wurde und uns halt jetzt einholt.
      Planung ist im überwiegendem Maße komplett obsolet.
      Planung hat zur Grundlage ein vollständiges(!) Wissen, eine vollständige(!!) Kontrolle und eine Zweckgebundenheit, die nicht im Widerspruch zum Ganzen steht, denn sonst MUSS sie an den selbsterzeugten Friktionen scheitern!
      Da Pläne immer individuell, gruppengebunden, also exclusiv sind, sind sie nicht dem Ganzen verpflichtet und erzeugen zwangsläufig Friktionen.
      So funktioniert dieses Universum aber offensichtlich nicht.
      Das Universum steht nicht im Widerspruch zu sich selbst!
      Also ist das Universum nicht absichtsvoll, zweckgebunden, ein Vorsehungsprojekt.
      Es ist nicht zufällig, beliebig, aber eben auch nicht linearisierend, sondern nur konsekutiv gemäß den eigenen Bedingungen, die sich nun mal zwangsläufig aus einer Konstellation von Etwas heraus bilden, auch wenn diese Konstellation zufällig ist.
      Dass es so sein muss, wird allein durch unsere Existenz bewiesen, denn sonst gäbe es uns nicht, denn so etwas wie wir wäre dann unmöglich.
      Wenn es aber keinen Plan geben kann, dann braucht es auch keinen Planer.
      Das Postulat der Möchtegernplaner erzwingt Zwang durch Angst, also Einengung.
      Auch dieses Implosionsstreben steht gegen den expansiven Charakter des Universums und ist deswegen vielleicht nicht unbedingt falsch, aber zumindest dumm, weil es nicht funktionieren KANN.
      Die ‚Anderen‘ sind sozusagen die Blockadebrecher, die diesem universellen ‚Gesetz‘ seine Gültigkeit und den Respekt verschaffen, welche wir ihm verweigern.
      Dissipation kann man als universell gültige Eigenschaft und Tendenz begreifen.
      Selbst wenn eine Dynamitstange in Ultrazeitlupe explodiert, ist dies (nach der Explosion) weder zu verhindern, noch zu kontrollieren.
      Der Mensch befindet sich nun innerhalb der zerfetzenden Bestandteile der Dynamitstange und kartographiert deren Verteilung und Bewegung und mutmaßt und deutet, wo es nix zu mutmaßen und zu deuten gibt, weil einem einfach nur die Scheiße um die Ohren fliegt.
      Shit happens. That’s it. 😉

      Energiequelle:
      Es ist m.E. ein fundaMENTALER Irrtum zu glauben, irgendeine Energiequelle (Teslageneratoren oder Paradimensionale Katarakte oder Branes oder ‚Freie Energie‘ etc.) würde irgendetwas zur Rettung unseres Dilemmas beitragen!
      Es geht wieder mal nur darum, Energie zu ‚rauben‘, um irgendetwas in seinem Sinne zu machen, Dinge zu um/formen, zu manipulieren, also Pläne zu schmieden (Schmied: Esse-Energie <- lat:: esse = sein) also weit über das reine Da-Sein hinaus zu gehen und so wieder einmal zu befeuern, was nicht nur nicht das Wesentliche erfasst, sondern es genau dadurch auch noch vernichtet!?
      Ein Marienkäfer vernichtet Blattläuse um zu existieren, aber er vernichtet niemals auch nur einen einzigen Baum.
      Und gibt es zuviele Marienkäfer, droht das Gleichgewicht verloren zu gehen, dann kommen Regulatoren ins Spiel, die dies wieder bereinigen.
      Der Marienkäfer verzehrt auch Energie, aber er gibt auch welche an das System, aus dem er sich ernährt, zurück – wir nicht.
      Erst verhieß das Feuer die ultimative Lösung zu sein und bis zum Atomfeuer hat sich das nix geändert, nämlich dass dies ein ungeheurer Trugschluss sei.
      Egal welche Energieformen wir also da herbeisehnen, herbeitechnisieren oder herbeiphantasieren – es ändert nix an dem schädlichen Prinzip unserer Existenzweise nichts zurück zu geben – im Gegenteil: es verstärkt es sogar noch!

      Wieviel Energie braucht ein Affe, um voll und ganz Affe sein zu können?
      Das ist nicht mal ein Promille dessen, was ein Mensch benötigt.
      Finde den Fehler!….

      • Wenn das Universum weder absichtsvoll noch zweckgebunden ist, dann ist es doch falsch, das Universum mit Bewusstsein zu identifizieren, denn Bewusstsein definiert sich eben genau dadurch, dass es Absichten hat, Zwecke und Pläne verfolgt, objektiviert und instrumentalisiert. Bewusstsein ist notwendig, um mit Feuer umzugehen. Da muss man planen, Absichten verfolgen (Holz sammeln, um nachher den Braten zu schmausen), Folgen abschätzen (Schlafbäume nicht in Brand setzen) etc. Wer nicht zündelt, braucht also kein Bewusstsein, um es mal krass zu sagen. Außen und Innen, Wahrnehmung und Gefühl fallen bei Nichtzündlern in eins, und das ist eine Erfahrung, die auch der Mensch in seltenen Momenten kurzfristig mal machen kann. Für die Nicht-Trennung von Außen- und Innenwelt den Begriff Bewusstsein zu verwenden, ist doch nur wieder ein raffiniertes Spielchen eben dieses Bewusstseins. Wenn überhaupt ein Wort, dann wäre Seele wohl passender. Bewusstsein ereignet sich nur in der Trennung, in der Fragmentierung. Leben hingegen IST einfach. Alles was gesagt wird, sind bloß Geschichten, die was über den Geschichtenerzähler aussagen, aber nicht über die Welt und den Kosmos.
        Guidos Gesamt-Bewusstsein kann demzufolge nur das kollektive Menschheitsbewusstsein sein und nicht das Bewusstsein aller Lebewesen samt Viren und Bakterien. Das kollektive Menschheitsbewusstsein bringt weder die Welt noch die Sterne hervor, sondern bloß Theorien über die Welt und die Sterne.

        Allerdings ist das, was passiert, auch kein bloßer Rückkopplungseffekt, denn mit technischem Vokabular lässt sich die Nichtzündler-Erfahrung nicht beschreiben. Die Dynamitstange ist eben auch bloß ein Bild, das aufs Feuer zurückgeht. Ein technisches Bild, das Kausalität an die Stelle setzt, wo es eigentlich um Entsprechung geht. Entsprechung von Außen- und Innenwelt. Dein Bild von der Dynamitstange ist eindrucksvoll, aber es zeigt doch bloß wieder die Fixierung unseres menschlichen Geistes auf eine eng beschränkte Denkweise rund ums Feuer.

        Das Universum ist nicht konsekutiv in dem Sinne, das zwangsläufig ein einmal in Bewegung gesetzter Mechanismus nach bestimmten Regeln abläuft. Konsekutiv in Verbindung mit der Dynamitstange evoziert Kausalzusammenhänge, die so nicht bestehen. Es geht stattdessen um Entsprechung. Der technisch-industriell-militärisch-finanzielle Komplex, den die Menschheit hervorgebracht hat, spiegelt die Innenseite der Menschheit in radikaler und ungeschönter Weise wider. An dem Komplex können wir ablesen, wer und was wir als Menschheit sind. Heute ist mir aufgefallen, dass die neue Autogeneration enorm aufgeblasen wirkt, wie riesige Kaugummi-Blasen. Das passt zu dem, wie das EGO sich derzeit gerade in Szene setzt: immer noch aufgeblasener, aber bloß nirgends anecken. Das Problem ist, dass wir das, was wir von unseren Vorfahren bekommen haben, unaufgelöst an unsere Nachfahren weitergeben PLUS dem ganzen Schmonzes an Verwirrung, der in unserer Generation zusätzlich entstanden ist.

        Wenn wir uns zu Fürsprechern und Interpreten der ANDEREN machen, stülpen wir doch bloß wieder UNSERE Denkweise über die Anderen, statt sie selbst zu Wort kommen zu lassen. Wie lässt man Lebewesen, die sich nichtsprachlich mitteilen, zu Wort kommen? Doch nur, indem man beschreibt, was ein unvermittelter Kontakt in einem selbst auslöst, welche Gefühle man dabei hat, so was halt. Klar, das ist ziemlich schlichte Poesie. Sind die ANDEREN Blockadebrecher? Ich weiß es nicht. Sind wir Menschen Schädlinge? Je nun, was wenn das nun mal unser Wesen sollte? Können wir gegen unser Wesen leben? Schließlich ist es ja so, dass in der Natur sowohl Schädlinge wie Nichtschädlinge ihre entsprechende Rolle spielen und sich gegeneinander aufheben. Sind wir mit den ANDEREN in derselben Weise verschränkt wie zwei Teilchen mit entgegengesetztem Spin? Ist das nicht auch wieder bloß eine Vorstellung, die unser hypnotisierter Feuergeist hervorbringt? Was können wir der Welt denn überhaupt zurückgeben? Wir haben doch nichts, außer unserem Bewusstsein, auf das wir so stolz sind und das doch nicht mehr ist als die Blase eines Kaugummis? Sind wir nicht allesamt Bettler, die im Austausch überhaupt nichts anbieten können? Ja, und was dann?

      • Energiequelle:

        Damals beschrieb ich es so: http://www.gold-dna.de/update4.html#up76
        Ein paar Ausdrücke würde ich heute anders ausdrücken, Optimierung z. B., aber im Gunde sehe ich es heute noch so, wie damals beschrieben. Der Text stimmt Deinen Worten zu, und lässt doch jenen Raum, den mein Kommentar oben mit besagter Energiequelle füllt.

        “Egal welche Energieformen wir also da herbeisehnen, herbeitechnisieren oder herbeiphantasieren – es ändert nix an dem schädlichen Prinzip unserer Existenzweise nichts zurück zu geben – im Gegenteil: es verstärkt es sogar noch!“

        Keine Frage, denn so schaut es aus. Es gibt aber EINE Energiequelle, die vermag, was keine bisherige Energieform zu ermöglichen vermag, denn alle ANDEREN Energiequellen verstärken unser Dilemma in der Tat. Aber diese EINE Quelle soll Teil des vierten Teils des Zukunftsvierteilers an anderer Stelle werden.

      • Das Bewusstsein, das Kultur, Technik und Zivilisation hervorgebracht hat, ist in seiner Fixierung auf Feuer, Licht und Energie im wahrsten Sinne des Wortes geblendet. Energie erkennen wir nur als Energie, wenn sie eine bestimmte Form hat, und diese Form ist durch unsere Erfahrung mit dem Feuer vorgeprägt. Energie, die nicht aus Verbrennungs- oder Verschmelzungsprozessen kommt, erkennen wir gar nicht als Energie. Was wir erkennen, ist Energieraub, den wir jedoch mit dem Begriff Energie bezeichnen. Die Bezeichnung drückt genau das Gegenteil des Bezeichneten aus. Das ist so, wie wenn Du ein weißes Pferd trotz gegenteiliger Übereinkunft permanent als Rappen bezeichnen würdest, solange, bis niemand mehr sagen kann, was nun schwarz und was weiß ist.

        Mit dem Geist, den wir haben, werden wir immer nur Energieraub für uns nutzbar machen wollen und können. Deine Vision von EINER Energiequelle beruht auf einem Bewusstsein, das nicht so geprägt ist wie das menschliche, und da wird es schon schwierig, weil unser Geist zu einem guten Teil von Sprache geprägt ist und auch die menschlichen Sprachen das durch die Benutzung des Feuers entstandene Herrschafts-Verhältnis abbilden. Ein Wesen, dessen Bewusstsein nicht das Ergebnis des Umgangs mit dem Feuer ist, wird man schwerlich als „Mensch“ bezeichnen können. Schon gar nicht wird es ein „Übermensch“ im transhumanen Sinne oder ein gottgleiches Wesen sein.

        Ein nicht vom Feuer geprägtes Wesen ist in meinen Augen definitiv eine andere Spezies, die uns zutiefst fremd ist. Ich frage mich, ob wir mit so einer Spezies überhaupt kommunizieren können und wenn ja, wie. Vermutlich würden wir die Sprache dieser Spezies nicht mal als Sprache erkennen, geschweige denn, sie verstehen können.

        Und ist das Postulat EINER Energiequelle nicht ähnlich wie die absolute Lichtgeschwindigkeit bloß aus den monotheistischen Religionen abgeleitet? Ist es nicht die Fortschreibung des Ein-Gott-Glaubens in mathematisch-abstrakter und bildlos gewordener Form?

      • @Marian

        „Das Universum ist nicht konsekutiv in dem Sinne, das zwangsläufig ein einmal in Bewegung gesetzter Mechanismus nach bestimmten Regeln abläuft. Konsekutiv in Verbindung mit der Dynamitstange evoziert Kausalzusammenhänge, die so nicht bestehen.“

        Ich habe nie behauptet, dass das Universum ein ‚Mechanismus‘ sei – von daher ist eine ‚Widerlegung‘ unnötig.
        Die Explosion einer Dynamitstange ist konsekutiv, da beißt die Unbestimmtheit keinen faden ab 😉
        Das Universum ist natürlich keine Dynamitstange, mit meinen manchmal schiefen Bildern muss man halt leben, ansonsten droht eine Eloge peinlich exakter Aussagen, die aber dann auch wieder keiner lesen will, weil’s dann so richtig anstrengend wird.
        Außerdem möchte ich den Energieraub nicht noch verstärken, indem ich durch maximal mögliche Exaktheit der Beschreibung sowohl Zeit als auch Verstandesleistung verschwenden lasse 😉

        Ich bin kein Descartes-Apologet.
        Man muss halt leider ‚technische’/’mechanische‘ Analogien nehmen, weil die meisten Gehirne mit der assoziativen Freizügigkeit erfahrungsgemäß schnell überfordert sind.
        Man lese nur ein Koan und beobachte, was mit einem passiert.
        Dann lese man Daisetz T. Suzuki’s Elaborate zum Thema (immerhin selbst Japaner und Zen-Meister) und man erkennt schnell, dass auch er zu diesem unbeholfenem Werkzeug sprachlicher Holzschnittartigkeit greifen muss, um halbwegs verständlich zu bleiben.
        Die Alternative wäre Schweigen.
        Auch nicht schlecht, aber nicht wirklich hilfreich für andere.
        So muss man sich halt durch den irrlichternden Dschungel von Phrasen, Bildern und Kontextgestrüpp seinen Weg bahnen – eine Alternative dazu existiert m.W. nicht. 😉

        Das ‚Universum‘ kann auf keinerlei Weise auch nur näherungsweise angemessen beschrieben und damit erklärt werden.
        Es ist DAS Mysterium und verweigert sich jeglicher Eindeutung.
        Und somit ist es ein gigantischer Generator, der die Energien durch Fragen und Antwortversuche am Kreisen hält.
        Das Universum ist das maximale Koan, auf das es nur eine Antwort geben kann:
        das Verweigern einer definitiven Antwort, weil diese im Moment des Aussprechens schon wieder falsch, weil nicht aktuell wäre.
        Die Antwort ist also eine unermüdliche Aktualisierung der eigene Adaption an den steten Wandel – diesen kann man auch nicht formulieren, sondern nur ausleben, demonstrieren.

      • „Das Universum kann auf keinerlei Weise auch nur annäherungsweise beschrieben und damit erklärt werden.“

        Deshalb wende ich mich auch gegen Kosmologien und suche lieber nach einer Erklärung, wieso ich eine Erklärung fürs Universum brauche.
        Und nein, ich brauche keine, im Gegenteil: Jede Erklärung macht aus dem Offenen ein Geschlossenes, aus dem Weiten ein Enges, aus dem Geheimnisvollen ein Langweiliges. Welterklärungen sind tödlich.

        Warum wir als Menschen so versessen auf Welterklärungen sind, ist also interessanter als die Frage nach dem Ursprung der Sterne. Warum wollen wir in einer kleinen, engen, langweiligen Welt leben?

        Ich muss nicht das Universum erkennen, aber ich beschäftige mich gern mit der Frage, wer ich selber bin. Ich gehöre nicht zu denen, die sich für ALLES halten und deshalb eine kosmologische Erklärung mit Selbsterkenntnis identifizieren.

        „Erkenne Dich selbst“: Mir kommt es vor, als würde sich dieses Erkennen in Form einer Doppelhelix vollziehen: Der eine Strang dreht seine Spiralen um mein ICH, der andere Strang dreht seine Spiralen um die Menschheit als Kollektiv. Der Mensch erfährt sich in dieser Doppelnatur: als Individuum einerseits, als Kollektivwesen andererseits. Durch die Beschäftigung mit der Rolle des Feuers in der Geschichte der Menschheit tritt mir dieses Kollektivwesen namens Menschheit deutlicher vor Augen. Das Kollektiv kommt mir dabei erheblich beschränkter vor als das Individuum. Wenn das Ganze kein offenes System ist, ist das Ganze weniger als die Summe seiner Teile und nicht mehr, wie gern behauptet wird. Die Menschheit als Kollektiv ist kein offenes System, ebensowenig wie ein Staat oder eine Institution oder der Kosmos, sobald er erklärt wird. In einem offenen System sind die Strukturen nicht festgelegt.

        „Die Alternative wäre Schweigen.“ Ich kann mich zumindest der Total-Verbalisierung verweigern und bestimmte Bereiche für mich definieren, die ich aus der Verbalisierung rausnehme und dem Schweigen anheimstelle. Das Universum ein Mysterium zu nennen, ist für mich schon ein Schritt in diese Richtung, denn Mysterium drückt ja gerade aus, dass man nichts drüber aussagen kann. Gefühle bis ins letzte zu analysieren und dabei zu zerfleddern, ist eine weitere Möglichkeit, sich Schutzzonen zu schaffen.

        Der Mensch ist auch ein Koan: Mit dem Erfinden von Welterklärungen tritt er weitestmöglich aus sich heraus, entfremdet sich von sich selber und lebt nicht sein eigenes Wesen. Dass er nicht sein eigenes Wesen lebt, ist nun aber genau das, was den Menschen wesensmäßig ausmacht und von jeder anderen Spezies unterscheidet. So, und jetzt lös mal dieses Koan, Mensch, der Du bist. Eigentlich tun wir das alle: Jedes gelebte Leben ist eine Lösung.

      • @Marian

        „Erkenne Dich selbst“:

        Auf dem Tempel des Orakels von Delphi stand ja bekanntermaßen diese Sentenz und ergänzend dazu noch einmal: Nichts im Übermaß und noch was Drittes: Du bist.

        Mit der Aufforderung zur Selbsterkenntnis wurde eine Aufforderung zur Selbst-Definition vorgenommen, die unerfüllbar bleiben muss, weil das Wesen des Menschen eben gerade in seiner Unbestimmtheit liegt, die naturgemäß eben nicht definierbar ist 😉
        ‚Nichts im Übermaß‘ ist dazu erschwerend eine Frechheit, denn erst im Überschreiten von grenzen kann der Mensch die eigentliche Wahrheit erkennen, nämlich dass Grenzen, gleich welcher Art, willkürlich gesetzte Grenzen sind, deren Einhaltung uns mehr beschäftigt als deren Entledigung.
        ‚Du bist‘ kann man so verstehen, dass es den Einzelnen als unterscheidbares Individuum gibt aufgrund seines vorgeblich unterschiedlich definierten Wesens und die Trennung vom einen ‚Ich‘ zum anderen ‚Ich‘ damit vollzogen ist, also eine Form der Spaltung, die Gegensätzlichkeit herbei führt und so den ganzen Kladderadatsch ankurbelt, der uns so beschäftigt hält.

        Da war man andernorts gleichzeitig schon wesentlich weiter (im doppelten Sinne) und hatte verstanden, dass es gerade um das Gegenteil geht – das Entwerden des Individuums als konstant bewusste Identität, die sich natürlich als getrennt vom Rest der Welt erleben muss.

        Es ist ja wie bei einem Rätsel oder Zaubertrick – sobald diese aufgelöst werden, eindeutig wurden, jeglicher Ambivalenz enthoben, verfliegt das ‚Quasimagische‘, das Faszinierende, das Interessante daran.
        Ich bleibe mir (und anderen) aus diesem Grunde lieber ein Rätsel als mich der langweiligen Selbstdefinition zu ergeben und da ein eindeutiges, unwiderrufliches Ergebnis zu präsentieren, nur damit die Bagage um mich herum ihren ‚Seelenfrieden‘ bewahren kann, der in Wirklichkeit nur durch Pseudovergewisserung gut getarnte Schiß vor dem Unbekannten, weil Undefinierbaren ist. 😉
        Man muss mich also aushalten können oder es eben sein lassen.
        Das gilt halt für die Unbestimmtheit des Universums ebenso wie für die ‚Zukunft‘ oder Unverstandenes in der aktuellen Gegenwart.
        Würden wir mehr Energie darauf verwenden das Unbestimmbare einfach als das anzuerkennen und es wie auch immer jeweils wahlweise zu integrieren oder schlicht zu ignorieren anstatt eine eindeutige Gewissheit herauf beschwören zu wollen wie die Einfaltspinsel weiland in Delphi, würden bestimmt 95% aller Probleme mit einem Schlag verschwinden.

        Ein Feuerbewusstsein könnte ein Wasserbewusstsein weder verstehen noch, was noch viel wichtiger ist, akzeptieren.
        Ein Axolotl hat gar keine Augen, weil er die in seiner dunklen Höhle gar nicht braucht und wie sollte man ihm unser Konzept ‚Licht‘ erklären und ihn für unsere Interessen missionieren? Das wäre unmöglich 😉
        Man könnte mit einem Blinden ja auch nicht auf einer rein auf Farben basierenden Sprache kommunizieren.
        Vielleicht ist irgendjemand, -etwas in diesem Universum schon mehrfach verzweifelt bemüht gewesen uns das Entscheidende mitzuteilen, aber wir sind halt taub und blind und ohne Gefühl für dessen Botschaften und raffen’s deshalb in 100.000 Jahren auch nicht?

        Stanislaw Lem hat ja mal eine Geschichte über eine fremdartige ‚Intelligenz‘ (selbst das bleibt unbestätigt von ihm – man sollte es deshalb besser als sich intelligent verhaltendes Phänomen beschreiben) geschrieben (‚Der Unbesiegbare‘), die er sich auch weigerte aufzulösen, weil er eben der Ansicht war, dass wir da keine Chance haben aufgrund unserer radikalen Beschränktheiten eine solche Fremdartigkeit auch nur ansatzweise nachzuvollziehen – da hülfen selbst 100 Milliarden Spiegelneuronen nüscht. 😉

        Witzigerweise fanden das sogar seine Anhänger unbefriedigend und drängten ihn immer wieder, doch diese Geschichte irgendwie aufzulösen – dass es gerade das war, was dieses Buch so erfolgreich gemacht hat, ist ihnen weder aufgefallen, noch wäre das für diese Happy-end-junkies befriedigend genug gewesen 🙂

        Und genau DA liegt Schrödingers Hund begraben:
        Der Hund ist tot und nicht-tot zugleich.
        ‚WTF? – Ne, komm, das geht so nicht, da muss ich jetzt doch mal nachgucken gehen?!‘
        Und – schwupps – ist die Büchse der Pandora wieder einmal geöffnet worden…

      • @Marian:

        „Und ist das Postulat EINER Energiequelle nicht ähnlich wie die absolute Lichtgeschwindigkeit bloß aus den monotheistischen Religionen abgeleitet?“

        Niemand, wirklich ausnahmslos niemand kann ‚Energie‘ erklären.
        Dazu müsste er sich auch ‚außerhalb‘ dieses Universums bewegen können, interdimensional oder wirklich alles wissen, was es zu wissen gibt in diesem Universum – selbsterklärend, dass dies für Menschen immer unmöglich sein wird.
        Da wir ja noch nicht einmal die ‚Natur‘ von Energie erkennen, beschreiben, ableiten können, sondern nur mit ihren Eigenschaften und Phänomenen teilweise umgehen, sie nutzen gelernt haben, wissen wir ein kleines bißchen genau darüber, aber eben sonst nichts.
        ‚Quellenangaben‘ zur Energie sind angesichts des gigantischen Unwissens nicht möglich.

        Witzigerweise ist ja selbst in der Religion ‚Wissenschaft‘, wo man auch den EINEN ‚Schöpfergott‘ sucht, das Ur-Teilchen oder die Ur-Kraft oder die Great-Unifying-Theory etc., klar geworden, dass man den Ur-Grund für das Sein schlicht nicht finden kann.
        Ohne diesen Ur-Grund macht aber eine Energietheorie schon mal gar keinen Sinn, denn dieser Ur-Grund müsste ja dann die Quelle der EINEN Energie, aus der sich dann alle anderen Derivate abgespalten haben, beinhalten oder sie erzeugen, wie auch immer.
        Ich habe keine Ahnung, ob es diesen Ur-Grund gibt, geben kann oder wie er möglicherweise sich darstellen könnte – ich habe aber die unbestimmte (sic!) Ahnung, dass wir dies nie ergründen werden, weil wir es nicht können – aus Prinzip.
        Etwas so Grundlegendes MUSS maximal amorph sein.
        Aber das Gestaltlose ohne Namen ist unergründlich – wusste schon LaoTze.
        Man müsste es messen könne, um es wahrzunehmen.
        Aber das gestaltlose Nichts ist so wenig messbar wie ‚Kein-XYIrgendwas‘.
        Und eben daran scheitert es.
        Dem gestaltlosen Nichts sei Dank 😉

        Ja und selbst falls dieser unerhörte Fall einträte – was dann?
        Würden wir dieses Nicht-Etwas ermessen können und – falls ja – uns dienstbar machen, es ‚anzapfen‘ können, Energieparasiten, die wir nun mal sind?
        So wie wir die Lichtenergie der Sonne nutzen lernten oder die Atomenergie?
        Ich schätze, wir würden damit genau jenen Effekt einleiten wie jemand, der die Luft aus dem Luftballon absaugt, um sich des Überdrucks zu bedienen – wir würden die ‚Luft‘ aus dem Universum lassen und dieses würde wie ein platter Reifen (soll ja Torusform besitzen dat Dingen) anfangen zu eiern und schließlich würden wir die Karre an die ‚Große Mauer‘ fahren oder ein Loch in die Brane reißen, die uns von einem ganz anders gearteten Universum schützend trennt oder wie auch immer, es wäre unsere gute alte Tradition, einfach mal wieder die Katastrophe herauf zu beschwören und die Lichter gingen endgültig aus – DA bin ich mir GANZ sicher, haha! 🙂

        PS: Sogenannte ‚Gegenbeweise‘ sind sinnlos, da ich beschlossen habe, mich dieserhalben auf keine Diskussion einzulassen, solange wir noch nicht mal in der Lage sind, die noch vorhandenen Energien angemessen zu verwenden bzw. zu schonen und uns als verantwortungsbewusste Wesen erwiesen haben 😉
        Mit der ‚Schöpferenergie‘, so sie existieren sollte, spielt man eben nicht…

  10. Phasenübergang oder Endspurt? Nachdem wir EINEN uns nun derart entfremdet haben, leben wir aktuell wahrlich EINEN Höhenflug aus, mit Flügeln, die uns der Energieraub ermöglicht hat. Ist es doch jener Zenit, den ich mal ins Spiel gebracht habe? Ähnlich einem Höhenflug mit einem Flugzeug, um die Schwerkraft zu simulieren. Erst Steigflug und bevor es zum Sinkflug kommt, herrscht für Sekunden Schwerelosigkeit an Bord. Erleben wir gerade diese Sekunden, wo alles möglich scheint und die Weite des Alls in greifbare Nähe rückt, als Metapher für unendlich scheinende Möglichkeiten?

    Weiter oben erwähnst Du die Anbetung des Lichts, anderswo schriebst Du vom Konkurrenzkampf der Bäume, um ans Licht zu gelangen. Anlass für mich, mich mal wieder von Deinen Worten inspirieren zu lassen. Herausgekommen ist etwas über Licht und Bäume, Lichtnahrung, nur EIN wenig ANDERS 🙂

    https://faszinationmensch.com/2016/09/04/immer-mehr-licht-und-trotzdem-tappen-wir-im-dunkeln/

    Apropos Nahrung. Die Zukunft der Nahrung, da Landwirtschaft lebensfeindlich ist? Vielleicht essen wir zur falschen Zeit die falsche Nahrung und haben daher das Bedürfnis immer mehr immer öfter zu essen, weshalb immer mehr produziert werden muss? Erinnert mich an die Entwicklung des Lichts? Wie viel Nahrung bräuchten wir EINEN, wenn wir EINEN wie die ANDEREN speisen täten? Nahrung ist nicht mehr nur EINE Frage der Nahrung an sich, sondern Fragen von Lebensweisen. Wenn wir im kalten Winter essen, wie im warmen Sommer, dann brauchen wir uns nicht wundern, warum wir nicht wahrlich satt werden können und immer mehr Hunger schieben, obwohl wir so viel zu essen haben. Auch hier fällt mir das Licht ein: wir tappen immer mehr im Dunkeln, obwohl wir immer mehr Licht haben.

    • Ein Berggorilla hat eine Muskelmasse zum Fürchten und zum Staunen und das als überwiegender Vegetarier (Würmer, Käfer etc. mal außen vor wegen zu geringer Masseanteiligkeit am Futter).
      Er betreibt aber keine Landwirtschaft, obwohl er zu 100% aus dem Land, das ihn umgibt, lebt.
      Ich habe mal nachgeforscht, ob es Forschung zu der Frage gibt, wie ein Gorilla es schafft, eine solche Muskelmasse zu erzeugen,indem er sich vegetarisch ernährt, aber trotzdem den Wald nicht kahl frisst.
      Der Berggorilla soll zu 98.5% genetisch identisch mit uns sein.
      Was ist also DER entscheidende Unterschied???
      Keine Antwort darauf, weil es noch keiner für nötig gehalten hat dies zu erforschen!
      Wir brauchen nicht mehr Licht, wir brauchen eine intelligentere Ausrichtung unserer kleinen Stiftlampe namens ‚Geist‘.
      Wenn ich nur 1/1000 beleuchten kann, muss ich mir Gedanken darüber machen, worauf ich diese spärliche Lichtquelle nun ausrichte, woran ich mich zu orientieren versuchen soll und wie ich das hinkriege und nicht darauf hoffen, dass jemand eine Flutlichtanlage installiert und so sich alles offenbart – was einigermaßen lächerlich ist, denn eine Eule oder eine Fledermaus ’sehen‘ auch im Stockdusteren noch ganz hervorragend!?
      Ein Zen-Mönch (da gibt es in der Tat wissenschaftliche Erhebungen zu) braucht nur ein Drittel der Energie eines am westlichen Lebensstil orientierten Menschen und der Zen-Mönch leistet auch jeden Tag körperliche Arbeit!
      Der Unterschied: ein jeder dieser Mönche arbeitete für seine Ernährung zuerst direkt und unmittelbar und dann erst, wenn noch Zeit und Energie verfügbar waren, tat er anderes – oder eben auch nicht. 😉

      Im Kampfsport war das erste, was ich lernte, dass man nicht Muskeln aufbauen muss, um ’stark‘ genug für alle möglichen Gegner zu sein, sondern dass es vorrangig darum geht Blockaden abzubauen, die einen an der vollständigen Umsetzbarkeit der bereits vorhandenen Energie hindern!!
      Mit dieser Denkweise ist man aber hierzulande noch nicht mal ein Rufer in der Wüste – man befindet sich in einem phasenverschobenen Universum…

      • Ein Blick in die Natur offenbart: Pflanzenfresser bzw. Planktonfresser können sehr groß werden und sind ausdauernd ( Gorilla, Elefant, Blauwal ), Fleischfresser sind in der Größenordnung nicht vorhanden, aber dafür ungemein schnell und kurzfristig kraftvoll. Die größten Dinos waren Pflanzenfresser, der königliche Tyrann dagegen eher kleiner. Natur gleicht den niedrigen Energiegehalt der Nahrung durch Masse aus, die Masse entsteht also nicht primär durch die Nahrung. Das geschieht, weil die Körpermasse, aufgrund weniger Energie in der Nahrung, mehr Mitochondrien beinhaltet. Je mehr Mitochondrien in der Masse, desto eher kann der Körper durch das Eingebundensein in den Kontext von Sonnenlicht, Erdkontakt und Wasseraufnahme, jene Energie auffüllen, die durch die Nahrung allein nicht möglich ist. Daher frisst der Pflanzenfresser den Dschungel nicht leer. Bei uns EINEN ist das mal wieder anders, bedingt dadurch, dass wir uns von Sonnenlicht, Erdkontakt und natürlicher Wasseraufnahme längst entfremdet haben. Bei unseren Dicken liegt kein Ausgleich mittels Masse, zum Zwecke der Mitochondrienverdichtung, vor, sondern Dicke ist hier Ausdruck von zu viel Energie und Entfremdung.

        Zur genetischen Ähnlichkeit:

        Shakespeare standen zum Verfassen seiner Werke selbige 26 Buchstaben zur Verfügung, die den Machern der BILD-Zeitung zur Verfügung stehen. Trotz gleicher Buchstaben liegen Welten zwischen beiden.
        Jedes musikalische Meisterwerk besteht aus den gleichen Noten, was aber jedes Werk unterscheidet ist die jeweilige Betonung, Länge und die Pause zwischen den einzelnen Noten. Ein Musikstück aus 1000 verschiedenen Noten kann jedes mal komplett anders interpretiert werden, ohne dass die Abfolge der Noten verändert wird, einzig durch Änderung der Betonung, der Länge und den jeweiligen Pausen zwischen den Noten, zumal manche Noten so wenig betont werden können, dass sie gar nicht erklingen. Mit dem Genom läuft es ähnlich, weshalb die Ähnlichkeit von Genomen irrelevant ist.

        Blockaden:

        Das ist der Grund, warum wir Menschen wurden, was wir sind … nämlich von der Lebensgemeinschaft, durch Fortschritt von selbiger, blockiert, durch Isolation von Sonne, Erdkontakt und natürlichem Wasservorkommen. Die Arbeiten von Pollack seien diesbezüglich angemerkt. Je blockierter, desto mehr wird der Mensch sich bewusst, er braucht mehr Energie, weshalb der Energieraub weiter fortschreitet.

      • @Guido

        Das Beispiel mit dem Affen war dafür gedacht aufzuzeigen, wie wenig sich die sogenannte Wissenschaft den richtigen, weil wichtigen Fragen stellt 😉

        Was das Genom angeht, hast Du ja Recht, aber es bleibt die Frage, warum der Affe einen fast identischen Satz Gen_Noten anders paraphrasierte als der Mensch!

        Es bleibt auch die Frage danach, warum bzw. wie es dazu kam, dass man von diesem erfolgreichen Konzept abgewichen ist, zumal die Anzahl tierischer und menschlicher Mitochondrien pro Zelle in etwa gleich hoch ist und sich nur innerhalb hochenergetischer Organbereiche verschiebt – Herz, Leber et.al.?

        Die Anzahl der Mitochondrien in einem Neuron ist auch nochmal deutlich erhöht, natürlich wegen dem Energiebedarf (5% des Körpergewichts benötigen 20% des Energieumsatzes).
        Hier stellt sich für mich die Frage:
        Warum wurde der Energieverbrauch des Gehirns durch Vergrößerung des Cortex eklatant erhöht und damit die Energieabhängigkeit ebenfalls, wenn doch das Gehirn trotz aller Leistungsfähigkeit KEINEN DEUT mehr Orientierungsleistung erbringt als der gehirnlose Schleimpilz, der es mit japanischen Ingenieuren in der Stadtplanung aufnehmen kann? 😉

        Was drängt sich da auf, damit es offensichtlich diesen Nebelkerzenwerfer ‚Gehirn‘ braucht, um diesem Etwas Existenz zu verleihen?
        Man kann ja mit Fug und Recht sagen, dass eine Exformation Ausdruck einer Information ist.
        Welche Information ist es also, die sich durch das Gehirn des Menschen auiszudrücken versucht?

      • Das Wissen rings ums Feuer musste irgendwo abgelegt werden. Das ist der Grund, warum sich die Mutation, die Hirnstammzellen sich auffalten und das Gehirnvolumen durch eine Rinde auf dreifache Größe anschwellen lässt, sich durchgesetzt hat. Ja, sicher braucht es weder das Hirn noch das Zündeln. Ebensowenig, wie es Fotosynthese, Stoffwechsel, Bewegung, Sex, Kommunikation und was sonst noch alles braucht. Es braucht weder Pinguine, die ihre Jungen in eisiger Kälte aufziehen noch Wale und Vögel, die sich in ihren Wanderungen bis zur Selbstaufgabe erschöpfen. Es braucht weder Beutetiere noch Räuber, weder Einzelgänger noch Herdentiere, weder Wasser noch Land.

        Man ist von dem erfolgreichen Konzept abgewichen, weil es bei alledem überhaupt nicht um Erfolg oder Nichterfolg geht. In der Geschichte des Lebens gibt es keinen Fortschritt. Und dann gibt es ebensowenig Degeneration, denn Degeneration ist ja nichts anderes als Minus-Fortschritt.

      • „Ja, sicher braucht es weder das Hirn noch das Zündeln. Ebensowenig, wie es Fotosynthese, Stoffwechsel, Bewegung, Sex, Kommunikation und was sonst noch alles braucht. Es braucht weder Pinguine, die ihre Jungen in eisiger Kälte aufziehen noch Wale und Vögel, die sich in ihren Wanderungen bis zur Selbstaufgabe erschöpfen. Es braucht weder Beutetiere noch Räuber, weder Einzelgänger noch Herdentiere, weder Wasser noch Land.“

        Eben.
        Es wird nicht gebraucht, gleichwohl existiert es.
        Ein Hinweis mehr dafür, dass es keinen Zweck macht, einen Lebenszweck abzuzwacken.
        Is halt so.
        Eine Klippe irgendwo über dem Meer. Jemand springt rein.
        Frage an ihn: ‚Warum machstn des? Was isn da der Sinn?‘
        Antwort:
        ‚Klippe war da. Ich obenauf. Sah das Meer. Dachte, kann ich ja mal reinspringen. Hat Spaß gemacht. Sinn? Keine Ahnung, Mann, wovon du redest?‘

        Man kann also nachgewiesenermaßen Spaß haben, auch wenn man rein gar nichts rafft oder definiert oder entschlüsselt.
        Der Schleimpilz macht dazu auch leise ‚winkewinke‘ und freut sich ohne eine einzige Hirnzelle seines Daseins, einfach weil er es kann. 😉

        „Man ist von dem erfolgreichen Konzept abgewichen, weil es bei alledem überhaupt nicht um Erfolg oder Nichterfolg geht. In der Geschichte des Lebens gibt es keinen Fortschritt. Und dann gibt es ebensowenig Degeneration, denn Degeneration ist ja nichts anderes als Minus-Fortschritt.“

        Fast hätte ich ganz zugestimmt, aber dann doch nur halb 😉
        Das Archaeobakterium war/ist ja perfekt, deshalb hat es sich ja auch in Milliarden Jahren kein Jota verändert – allein das reicht ja schon, den Evolutionsgedanken ad absurdum zu führen.
        Wir sind aber die Epigonen und wir sind im Vergleich dazu sehr wohl degeneriert, denn wir sind ganz sicher nicht perfekt 😉
        Man kann natürlich jetzt sehr wohlwollend auch eine fortschreitende Degeneration als (Negativ-)Evolution begreifen, viel Sinn macht das aber nicht, eigentlich gar keinen 🙂
        Ein Darwinfink auf Galapagos hat einen anderen Schnabel als der in Peru.
        Der chinesische Handwerker hat ein anderes Werkzeugset zum Gas-Wasser-Scheiße-Problem als ich – wer ist jetzt der fortgeschrittenere Handwerker?
        Die Sonne degeneriert auch so vor sich hin, sie verlöscht und verschwindet eines Tages ganz.
        Auch keine Spur von Evolution, sie ist halt ein Stern und bleibt dies auch in weiteren 5 Milliarden Jahren.
        Die Taufliege hat 5000 Gene weniger als der Fadenwurm.
        Irgendetwas stimmt da nicht.
        Die genetische Komplexität nimmt vom Fadenwurm zur Taufliege ab, gleichwohl die Taufliege zweifellos den komplexeren Organismus darstellt.
        Das ist aber keine Evolution dergestalt, dass man sozusagen die Komplexität raffiniert hätte und demnach weniger Gene für eine höhere benötigte.
        Mich erinnert das an die Kartenspiele, wo viele sehr unterschiedlich in Anzahl, Form, Motiv etc. sind und zu ganz verschiedenen Komplexitätsgraden des Spiels führen – vom Maumau zum Bridge z.B. – es bleiben aber alle Kartenspiele, das Kartenspiel als solches ist z.B. nicht zum Schachspiel evolviert, trotz der vielen Spielarten!?
        Der Mensch ist heute auch nicht schlauer als vor 2500 Jahren zu Zeiten Platos.
        Gut, er hat mehr Faktenwissen, ein komplexeres technisches Niveau erreicht, aber die Birne lötet genau so lahm vor sich hin wie ehedem.
        Sind wir Werkzeug zum Transhumanismus?
        Wäre das eine Evolution?
        Nicht wirklich, denn unsere Technik, die uns eines Tages vielleicht mal auf das Dach steigt und uns abschafft ist ja trotzdem ein Derivat von uns – eben immer noch ein Energieräuber und Selbstzweckdarsteller.
        Manch einer trägt sich da mit der Hoffnung auf Emergenzeffekte, ich denke, die lügen sich damit die Tasche voll (Wall-e läßt grüßen: http://filme.disney.de/wall-e).

        Die Sonne und der Mond und die Planeten spiralieren ja auch umher und die Galaxie spiraliert umher und die Cluster spiralieren umher usw. usf. – viel Bewegung und doch kein Fortschritt.
        Kreislauf war noch nie Evolution.
        Erich Jantsch hat die Dissipation als Grundprinzip des Universums beschrieben und die sogenannte Evolution als eben dies: dispergierende Energie, die um der Dissipation willen dispergiert, weil es die Natur der Energie ist zu dispergieren und nichts sonst.
        Sehr ernüchternd, aber vermutlich wahr 😉

  11. Die kosmologische, biologische, genetische, psychologische Kränkung sind jeweils Teil-Kränkungen, die das menschliche Bewusstsein auf die letzte, die ultimative Kränkung vorbereiten. In den bisherigen Kränkungen richtet sich das Bewusstsein auf ein Objekt (den Kosmos, die Erde) oder auf ein verobjektiviertes Selbst (die Abstammung, die Psyche). Im nächsten Schritt muss das erkennende Bewusstsein sich logischerweise gegen sein eigenes Erkennen richten. Da es sich nicht mehr weiter verobjektivieren kann, um auf diese Weise für sich selbst als Erkennendes eine letzte uneinnehmbare Bastion zu errichten, greift es sich von innen heraus subjektiv selber an. Um beim Bild der Bastion zu bleiben: es ist die Hungersnot, die zuletzt das sich Verschanzte plagt und zum Aufgeben zwingt.

    In dieser letzten, ultimativen Kränkung demoniert das Bewusstsein sich selbst und hungert sich dort aus, wo es keinen Krieg und keine Belagerung gegen sich selbst führen kann. Der gordische Knoten löst sich auf, weil die Schnüre zerfallen. In der daraus entstehenden Leere wird der Mensch entweder verrückt oder frei. Doch die Freiheit ist ein Pyrrhussieg. Frei ist er nur, um nun das Gefängnis erkennen zu können, in das er sich im Verlauf der Demontage seines Bewusstseins freiwillig begeben hat und das nun sein alltägliches Leben bestimmt.

  12. @ Nick

    “Würde der Mensch standardmäßig weitestmöglich sich selbst entsprechen, wäre er nicht halb so defizitär wie er sich jetzt geriert.“

    Genau diese Art von Sätzen habe ich vermisst 😉 … ‚gerieren‘, welch kleines Wortjuwel.

    Dein Beispiel mit dem Marienkäfer zeigt auf, was Energieraub zu bewirken vermag, wenn er auf das Leben losgelassen wird:

    http://www.motor-talk.de/news/54-ps-laerm-schotter-und-zwei-kulleraugen-t5584266.html

    Zeigt sich das “Unmenschliche“ nicht offensichtlich in fossilen bzw. natürlichen Brennstoffen, die uns Menschen unseren gesamten bisherigen Fortschritt überhaupt erst ermöglicht haben und sein weiteres Fortschreiten weiter ermöglichen? Welch ein riesiger Spiegel uns doch alltäglich von den ANDEREN, sprich, all den “Unmenschen“, die von Natur aus nicht menschlich sind, vorgehalten wird. Wobei immer mehr Menschen bereit sind derartige Spiegel selbst in ihren Händen zu halten. Und was erblicken wir in diesem Spiegel? Doch mehr und mehr unsere eigene Unmenschlichkeit. Wir EINEN meinen wir seien EINE smarte Spezies? Nun, die ANDEREN dürften wahrlich klüger sein.

    • Wenn man wie ich davon ausgeht, dass Menschsein damit begonnen hat, dass ein Affe ein paar Erbsen in die Feuerglut gelegt hat, dann sind Brennstoffe nichts „Unmenschliches“, sondern was zutiefst Menschliches. Und tatsächlich gab es NIE Menschen, die kein Feuer benutzt haben. Die einzige Menschenart, die überlebt hat, ist der Homo sapiens, und den gibt es seit 200.000 Jahren, während man von Menschenähnlichen benutzte Feuerstellen gefunden hat, die 800.000 oder sogar eine Million Jahre alt sind. Um das Feuer aus dem Menschsein wegzudiskutieren, muss man unsere ganze derzeitige Vorstellung von Vergangenheit über den Haufen werfen und selbst dann kriegst Du das Feuer nicht weg, sind wir aktuell doch längst mit dem Feuer in Form von mit Energie hergestellten Produkten verschmolzen, sodass die Erzählung vom Feuerwesen eben aus der Gegenwart heraus ihren Sinn gewinnt.

    • „Kausalketten sprengen“
      Es ist ja nicht umsonst ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine ausufernde Linearität letztlich die eben dadurch zu vermeiden versuchte Non-Linearität (aka Chaos) fördert (siehe Doppelpendel-Effekt).
      Der Kausalität (der linear ausgerichteten Ordnungsmatrix) ist also – wie dem schwellenden Wellenkamm – die ‚Gischt‘, der Bruch immanent.
      So gesheen ist die Exponentialität der Ereignisse ein ‚gutes‘ Zeichen für den bevorstehenden Bruch der derzeit gültigen Kausalitätsmatrix – sie schafft sich möglicherweise selbst ab.

    • Das eigentlich ‚Unmenschliche‘ ist, dass die einstmals vorhandene ‚Menschlichkeit‘ (im Sinne einer 100%igen Marienkäferhaftigkeit) ersetzt wurde durch Surrogat-Possen wie ‚Herbie‘ & Co.
      Die Vermenschlichung der Technik zur Entmenschlichung des Menschen ist m.E. das wahrhaft Unmenschliche.
      Es soll ja jede Menge Menschen geben, die lieben ihr Motorrad, ihre Karre, den TV, die Fernbedienung mehr als ihre Mitmenschen.
      Hier ist also die Standarte des Unmenschlichen: die wachsende Beziehungslosigkeit zum Mensch/lichen, hin zum pseudolibidinösen Fetischismus.

      Es ist in der Tat eine interessante Frage, warum schon vor mindestens 1 Million Jahre in China Feuerstellen verwendet wurden und daraus kein Feuersturm des Geistes entfacht wurde, wie 800.000 Jahre später beim Homo ’sapiens‘.
      Ist also der Homo pekinensis, der Homo Heidelbergensis, ja sogar der Neandertaler mehr ‚Mensch‘ gewesen als der Homo ’sapiens‘?
      Kann man das grob vergleichen wie mit dem Unterschied zwischen Wolf (lupus lupus) und Hund (lupus domesticus = lupus ’sapiens‘)?
      Wenn man sich so manche verzogene, entartete, hysterische Töle anguckt, dann drängt sich einem zwangsläufig die eine oder andere Parallele auf 😉

      Die ‚Feuertaufe‘ kam ja tatsächlich erst mit der Entdeckung und Nutzung der fossilen Brennstoffe in Verbindung mit der gleichzeitig zur Verfügung stehenden Technik dafür.
      Irgendwo zwischen der Einführung der Dampfmaschine im Steinkohlebergbau zur Ablösung der Wasserkraft am Anfang des 18.Jahrhunderts und der Erdölförderung beginnend vor ca.150 Jahren funkte es nochmal gewaltig.
      Das war dann wohl der point-of-no-return.

      Mit der Industrialisierung des Feuers startete der alchemistische Athanor der Transformation offensichtlich seinen Endspurt…

    • Mit dem “Unmenschlichen“ meinte all die ANDEREN, die zu natürlichem Brennstoff wurden, die unseren Fortschritt anfeuern, begonnen beim Holz der Bäume, über die Kohle, die organisches Leben war, hin zum Erdöl, welches nicht minder organisches Leben gewesen sein soll … sprich, die ANDEREN lassen sich für unseren Fortschritt verbrennen und feuern so unsere Entfremdung an …

      • Ah – das Miss-Verständnis bleibt ja sonst nur dem weiblichen Anteil vorbehalten, haha!
        Na gut, hat’s meine Anima mal erwischt 😉

        So gesehen ermöglichte das ‚Unmenschliche‘ erst unser Mensch-Sein in der heutigen Form.
        So gesehen bleibt die Frage, inwieweit das ‚Unmenschliche‘ uns instrumentalisiert, gleichwohl es sich in weiten Teilen aufopfert?
        Dieser Planet ein einziger alchemistischer Ofen für den ‚Stein der Weisen‘?

  13. @ Mariam

    “Das ist auch ein gutes Mittel gegen Depressionen, selbst wenn man zum Schluss doch in die Fänge des oben beschriebenen EGO-Gott-Überwachungsstaats gerät und zermalmt wird.
    Und davon gehe ich inzwischen eigentlich schon aus.“

    Das bedeutet aber auch es geschehen zu lassen und es auf sich zukommen zu lassen, ohne den Versuch EINER ANDEREN Geschichte wenigstens im Ansatz zu wagen. Und ja, es zu wagen mag sich erst als Denkprozess zeigen, bevor es zu EINER, wie auch immer gearteten, Tat werden kann. Vielleicht tauscht man sich mit anderen Menschen, hinsichtlich der eigenen Gedanken, aus oder schreibt Texte darüber, die man ins Netz stellt, auch wenn man den ANDEREN damit nicht wirklich gerecht werden kann, auch wenn man dadurch EINEN Sinn für Kohärenz nicht unverfälscht vermitteln kann. Wahrscheinlich spielt es auch EINE große Rolle, wenn man Kinder hat, die ihren Eltern noch zuhören 😉 und die sich für natürliche Verwobenheit begeistern lassen, zumal man als Eltern diesbezüglich mehr und mehr gefordert ist, es mit dem Zeitgeist aufnehmen zu können, so dass die Kinder EINEM weiter gewillt sind zuzuhören und der Zeitgeist nicht allzu aufmerksam auf EINEN wird. Wobei man ja den Vorteil hat, dass der Zeitgeist eh nicht versteht, um was es EINEM diesbezüglich wirklich geht.

    Kausalketten können in kurzer Zeit die realisierte Welt völlig verändern, siehe die Entwicklung unseres energieräuberischen Fortschritts und dessen Folgen UND Ermöglichungen. Akausale Ermöglichungen indes können in kürzerer Zeit pandemische Ausmaße annehmen und Kausalketten sprengen.

    Ich meine mich zu erinnern, dass Du Begriffe wie Schwarm und Einssein kritisch siehst und in der Gleichheit die Bedeutungslosigkeit von Individuen und ihrer Einzigartigkeit siehst. Vielleicht ist es aber, wie Andreas Weber in ALLES FÜHLT anmerkt, tatsächlich einfacher mit dem Leben. Auch er rät im Grunde einfach abzuwarten und das Leben machen lassen. Dann aber hätte der Zeitgeist seinen uneingeschränkten Freiraum, auf Kosten der Meisten von uns EINEN … auch wenn sich die ANDEREN von den Auswirkungen erholen werden. Nun, diese Geschichte möchte ich nicht erleben und erzähle diese EINE Geschichte ANDERS, Schwarm und Einssein inklusive, nur einfach A N D E R S:

    “Einander Ähnliches findet zueinander, solange noch das EINE oder ANDERE im Wege ist. Es ist das Wesen des Wassers. Somit das Wesen des Lebens an sich. Daher auch der wesentliche Unterschied einander verschiedener Welten. Die getrennt von einander, im Sonnenlicht, erscheinen. Es aber nicht wirklich sind. Der Schrei nach Sicherheit das Ausmaß der Entfremdung. Je weniger Bindungen, desto vordergründiger das Verlangen nach eben solcher. Dualität, die sich absichtlich selbst im Wege steht. Um Heilung erfahren zu können. Als Schmerz. Das Hindernis das Symptom. Nicht hinderlich. Die Behinderung, die Möglichkeit zum Brückenbau. Heilung bedeutet über die Brücke zu gehen. Den ANDEREN zu begegnen. Der Brücke zu vertrauen. Wenn Ähnliches einander immer gleicher wird und Gleiches für das Unähnliche gilt, stehen sich letztendlich Gleich und Gleich direkt gegenüber – und erkennen EINANDER als EINS. Kohärenz. Schwärme aus Individuen. Die alle die gleiche LIEBE zum Leben teilen.“

    Aus ‚Ich LIEBE meinen Tumor‘ – 4. mutierte Auflage

    Gleich und doch so verschieden … die verrückteste LIEBESgeschichte der Welt.

    • Es bedeutet, es geschehen zu lassen, sich trotzdem einzubringen und sein Leben zu leben, selbst wenn es der Welt und ihrer Rettung gar nichts nützt. Das fühlt sich gut an. Befreiend. Machst Du etwa was anderes? Ist in die Geschichte, die DU erzählst, das Geschehen-lassen nicht sogar eingebettet? Ich lese DEINE Erzählung so, dass der Mensch aufgrund von HARMONIE ist, was er ist, und dass er sich nur aufgrund von HARMONIE verwandeln wird und nicht, weil er aus eigenem Willen und Vermögen die Welt retten kann/soll/muss. Wenn Du darauf hoffst, mit Deiner Erzählung der Sack Reis zu sein, der in China umfällt, oder der besagte wirbelsturmauslösende Schmetterlingsflügelschlag, dann bist Du kein Marienkäfer im Sinne der besagten 100%igkeit, sondern gemäß der Definition defizitär. 🙂

      Die Gazelle rennt um ihr Leben, wenn der Löwe hinter ihr her ist, weil dieses Rennen zum Wesen der Gazelle gehört. Wie trost- und freudlos wäre es denn, nicht zu rennen und sich damit selbst zu verraten? Im Wettrennen vollzieht sich etwas Wunderbares und es wäre ein Jammer, nicht zu rennen, bloß weil die Aussicht, dass der Löwe gewinnt, überwältigend groß ist. Das ist dieses trotzdem, Geschmack und Würze des Lebens.

      Vögel, Fische und Insekten bilden Schwärme, ich bin ein vom Feuer verhunztes Säugetier, und da hat die Schwarmbildung andere Bedeutung. Mein Urururopa, der Waldaffe, hat bloß Gruppen gebildet. Der Hang zur Kleingruppe steckt immer noch in mir. Wenn ich gleichzeitig von mehr als vier Personen umgeben bin, verliere ich den Überblick :-). Ich fürchte sogar, mein Urururopa war ein eremitischer Orang-Utan und kein Schimpansenähnlicher. Schwarmbildung unter Menschen ist gelebte Feuermentalität, es ist das Bestreben des Buschfeuers, ein Waldbrand zu werden, wenn nicht gar ein Weltenbrand. Die Schwarmbildung per Internet erinnert weit mehr an die Ziel- und Zügellosigkeit des Feuers denn an den eleganten Tanz der Fische und Vögel. Und bedenke: ohne Technik ist Schwarmbildung gar nicht möglich, und Technik ist Energieraub. Dann ist die Schwarmbildung per se was Defizitäres.

      Ich behaupte nicht, dass wir als Lebewesen getrennt voneinander existieren. Ich behaupte, dass wir über das Stoffliche und den Stoffwechsel die Einheit bilden und nicht durch unser Bewusstsein. Das Bewusstsein ist die fensterlose Monade, während wir mit unserem Körper mit der Welt nach wie vor im Austausch stehen, es sei denn, wir werden Chemitarier und zerstören auch diese Verbindung. Was ich übrigens für möglich halte.

      Ich stimme zu, dass im Sonnenlicht – im Licht des Geistes! – das Trennende hervortritt, womit wir wieder bei der Feuer- und Licht-Besessenheit sind, während in der Dunkelheit, im Verborgenen alles miteinander verschmilzt, wie im Mutterleib das Baby mit der Mutter. Im Sonnenlicht sind die Bäume Einzelkämpfer und Konkurrenten, verborgen im Humus des Waldbodens schieben sie sich gegenseitig heimlich Nährstoffe zu.

      Wenn ich über die Brücke gehe, will ich gar nicht mir selber begegnen. In dem Fall kann ich auf meiner Seite bleiben. Wenn ich über die Brücke gehe, dann um das Gegenteilige zu finden, denn gleichzeitig mit mir ist mein Gegenteil entstanden, das, was mich absolut verneint. Ohne diese meine Verneinung gäb’s mich nicht, und das ist Grund genug, um meinem Gegenteil die Hand zu reichen. DIR zum Beispiel 🙂 Was für eine gruselige Vorstellung, dass Ähnliches sich immer gleicher wird und sich am Ende Gleich und Gleich gegenüberstehen und dann gendern! Das Gleich und Gleich gesellt sich gern ist Entropie, Herzkammerflimmern, das Vorstadium des Todes. Leben besteht darin, den Gegensatz auszuhalten, und je größer der Gegensatz, desto lebendiger die Beziehung.

      „Ähnliches findet zueinander, solange das EINE oder ANDERE im Wege ist“: wahrscheinlich bilden Flüchtlinge deshalb in fremden Ländern Ghettos und Viertel und pflegen umso mehr ihre alten Religionen und Traditionen, je weiter sie von zu Hause weg sind. Der Grund dafür heißt Angst und nicht Wasser.

      • „Internet – Schwarmbildung“

        Das ist in der Tat nicht zu vergleichen mit Fischen, Vögeln, Insekten etc.
        Dort der echte Schwarm, hier nur Schwärmerei für dieselben Leitmotive.
        Ein Chor, obwohl im Konzert, ist nicht ansatzweise konzertiert wie ein echter Schwarm.
        Im echten Schwarm verschwindet das Individuum, geht völlig auf – die Individuen werden eins.
        Im falschen Schwarm bleibt jedes Individuum eines und obwohl eins im Leitmotiv, so doch uneins im Handeln.
        Der echte Schwarm ist Funktion.
        Der falsche Schwarm tut nur so als hätte er eine – in Wirklichkeit macht es soviel Unterschied ob es ihn gibt oder nicht, wie es einen Unterschied macht, ob man mit jeder Menge Leute im selben Bus sitzt oder eben nicht – das Wesentliche bleibt völlig unberührt davon.

        „Ohne diese meine Verneinung gäb’s mich nicht, und das ist Grund genug, um meinem Gegenteil die Hand zu reichen…“

        Damit es Dich auch weiter gibt, verneine ich jetzt mal grundsätzlich alles andere, was Du gesagt hast und behaupte das Gegenteil 😉
        Schon jede Pflanze weiß: Ohne Widerstand (z.B. Schwerkraft, Wind u.ä.) kein Wachstum.

      • Diskussionen sind wie Ballspiele, manchmal Tennis, manchmal Volleyball. Manchmal wirft man sich Bälle zu, manchmal schmettert man zurück.
        Manchmal braucht es Mitspieler, manchmal ein hartner Gegner. Ich freue mich auf das eine oder andere Match mit Dir. Frage: Was wäre ein Leben ohne Widerstand? Antwort: Langweilig!

      • „die postulierte Unsterblichkeit der Photonen“

        Ja, schon lustig, wie ein Weltbild konstruiert wird auf der jämmerlichen Basis unserer direkten Wahrnehmungsfähigkeit und wie wir uns in der Verifizierung unserer Thesen auf die technische Prolongation dieser Sinne verlassen und damit selbst absurdeste Behauptungen ‚wissenschaftlich‘ werden lassen können?
        Gestern noch erst einen Bericht über Uran gesehen und die Tscherenkow-Strahlung – da fabulierte ein Physiker allen Ernstes, dass die Elektronen mit Überlichtgeschwindigkeit dieses Phänomen erzeugten – Häh? Ja was denn nun…
        https://de.wikipedia.org/wiki/Tscherenkow-Strahlung
        Keiner kann mir erklären, woher das Elektron seine schier unerschöpfliche Bewegungsenergie bezieht, geschweige denn, woraus es denn nun eigentlich besteht etc.
        Na, immerhin ist das wenigstens meiner Steckdose egal.

        „Wie Voldemort hat es (das EGO) damals im Crash seine Gestalt verloren und benutzt nun die Tot-Esser und das Blut des Lebendigen, um sich in einem alchemistischen Prozess eine neue Gestalt zu geben. Die neue Gestalt wirft im heraufdämmernden Überwachungsstaat mit seinem industriell-technisch-finanziellen Komplex bereits deutliche Schatten. Voldemort steigt aus dem Kessel. Der Mensch als Tot-Esser hat sich diesem Dienst ergeben.“

        Der ‚Kessel-Mythos‘ ist ja auch so alt wie der Mythos an sich – das fragmentierte ICH wird durch eine Kesselzeremonie wieder zu einem Ganzen wiederauferstehen (Jesus war also nicht der erste? ) – Frankenstein, Homunculus und Golem winken auch dazu.
        Der Zombie-Mythos gehört für mich auch da rein – wankende, geistlose Fleischfetzen, denen es nur um die Erhaltung ihrer völlig sinnentleerten Präsenz (Existenz ist das ja schließlich nicht) geht und dafür wahllos alles verschnabulieren, was beim dritten Grunzer nicht eine Schrotflinte abfeuert oder schwimmen kann.

        „Marc Elsberg Zero“

        Ja, den hab ich auch gelesen und ich fand ihn sogar noch zu ‚retro‘, also bereits in seiner Zukunftsperspektive von der Gegenwart überholt.
        Nach meiner Kenntnis aktueller Umtriebe diesbezüglich liegt er bereits bei Erscheinen seines Buches um 2 Generationen hinter der Aktualität?
        Und man muss ja erst mal kapieren, dass das Nüssevergraben aus altruistischen Weltrettungs-Gründen EGO-Umtriebe sind und nur das Nüssevergraben aus purer Lust aus Selbstlosigkeit geschieht. Das ist ja gegen alles, was man je gelernt hat!
        Ja, das EGO will um jeden Preis überleben und ist sich auch nicht zu schade dafür seine absolut egoistischen Motive als ‚Umweltschutz‘ oder ’soziales Engagement‘ zu camouflieren – wenn’s denn dem eigenen Zwecke dienlich ist…
        Und natürlich: die Konditionierung durch das System des Egoismus muss eine Schamgrenze aufbauen, damit sich Annie Wilkes einreden kann, dass sie ja nur Geburtshelferin einer großen Sache ist, während sie sich grausam gebärdet und fürchterliche Konsequenzen herauf beschwört – aber immer mit einem freundlichen Lächelangebot: „Darf’s noch etwas Tee oder Kuchen sein?“ !?
        https://de.wikipedia.org/wiki/Misery_(Film)

        „Das mit dem Zeit-Bewusstsein verstehe ich nicht so ganz.“

        Ja, ich eigentlich auch nicht.
        ‚Zeit‘ ist so ein Faß, das lässt man besser geschlossen.
        Aber für mich ist klar, dass der Mensch aufgrund eines kosmischen Traumas (Katastrophe wse.) begonnen hat, den Himmel zu beobachten und dabei eben Rhythmen, Periodiken, Zyklen entdeckt hat und damit das Konzept des spiralierenden Fraktals ‚Zeit‘.
        Und damit konnte das EGO sich füttern, aufplustern und vor die armen Idioten hinstellen, die nix gerafft haben und sich als Göttermittler, -bote, – stellvertreter hinstellen, weil man ja jetzt wusste, wie der Hase läuft und wann Saatzeit, Erntezeit, Konstellationen von irgendeiner Bedeutung eintreten würden (Kalendermacher = ‚Zauberer‘ -> und mit dieser ‚Magie‘ war es nur ein kleiner Schritt zur All-Macht, denn von diesem leitete sie sich ja wortwörtlich ab).
        Fragt sich, was mehr Sinn macht, wenn man von Sinn reden will: Sein oder Berührung/Bindung. Wenn der Sinn des Lebens im Sein liegt, dann ist das Archäobakterium perfekt und alles nach ihm Degeneration. Wenn der Sinn des Lebens jedoch in der Berührung und in der Körperhaftigkeit aufgrund von Beziehungen (wozu auch physikalische und chemische Bindungen gehören) besteht, dann ist Komplexität keine Degeneration, sondern ein sich entfaltendes Feuerwerk an Bindungen und Beziehungen.
        Deswegen funkt es ja auch in Beziehungen oft (positiv wie negativ) und es kommt zu Entladungen bis hin zu Explosionen?

        Sein ohne Beziehung scheint mir eher nicht möglich und auf jeden Fall sinnlos – denn wohin führt ein reines Sein ohne Beziehung? Der ‚Sinn‘ sagt es ja etymologisch, dass da irgendeine Reise irgendwohin führen muss, sonst ist es keine Reise und macht somit keinen Sinn.
        Selbst ein eingefleischter Solipsist muss konsterniert konstatieren, dass er mindestens zur Hälfte sein ganz persönliches Migrationsumfeld in sich trägt und ‚Andere‘ ihm fleißig Gesellschaft leisten und er ohne eine Beziehung zu ihnen sehr schnell den Löffel abgeben muss, wenn er nicht aus dem Löffel eine Schöpfkelle eben für die ‚Anderen‘ macht?

        „Komplexität ist, wenn man so will, das „Trotzdem“ auf der Folie des Todes, das Apfelbäumchen im Weltuntergang.
        Ich sehe in diesem „trotzdem“ meine Kernbestimmung…“

        Jo, ich definiere mich auch in einem Wort als das fleischgewordene ‚Etiamque‘.
        Das ‚trotzdem‘ und das ‚außerdem‘ ergänzen sich also trotz aller Frickeligkeiten und Nickeligkeiten in diesem Sinne vielversprechend und bildet zudem die Basis für Emergenzen, die den ganzen Quatsch immer noch überraschende Wendungen verleihen können?

      • Die Naturwissenschaften und vor allem als ehemalige Leitwissenschaft die Physik sind aus den Religionen hervorgegangen und können ihre Abstammung nicht verleugnen, wie sehr sie sich darum auch bemühen. Das angeblich wissenschaftliche Denken ist nach wie vor von religiösem Gedankengut durchzogen, dazu gehört neben der Verherrlichung des Lichts auch die Idee von der Einheitlichkeit der Naturgesetze. Gibt es außer dem religiösen Allmachtsdenken sonst irgendeinen Grund, warum im Kosmos überall haargenau die gleichen Konstanten und Gesetze gelten sollten? Der religiöse Unterbau ist in der Interpretation der wissenschaftlichen Beobachtungen also immer noch präsent. Und dann kommt natürlich äußerst erschwerend hinzu, dass unser Wahrnehmungsapparat nicht auf die Erkennntis des Kosmos, sondern auf das simple Überleben einer affenähnlichen Spezies ausgerichtet ist, die von einer unter vielen Naturerscheinungen, vom Feuer, hypnotisiert wurde. Ich finde es schon erstaunlich, dass die angeblich intelligentesten Vertreter unserer Spezies in ihrer wissenschaftlichen Konditionierung gar nicht merken, wie sehr sie sich in immer abstruseren Vorstellungen und hanebüchenen mathematischen Konstrukten verlieren.

        Der Kelch-Mythos der Gralssucher respektive der Christenheit ist die verfeinerte Form des kannibalischen Kessel-Mythos. Symbol für das Sich-Einverleiben der Welt. Aneignung eben. Wie sich die Anbetung vom Feuer auf seine sublimierte Form, das Licht, verschiebt, so ist der Kelch die sublimierte Form des Kessels. Das Menschenopfer hat in der menschlichen Geschichte eine lange Tradition. Für die gute Ernte oder den Sieg über den Nachbarn wurden seit jeher bevorzugt Kinder, gerne Erstgeborene, geopfert. In Sumer war es der König, der von der Priesterschaft geopfert, sprich gemördert, wurde, wenn mal wieder eine Seuche, ein Krieg oder eine schlechte Ernte die Bevölkerung beunruhigte. Jesus als eingeborener Sohn und zugleich König der Menschen ist das Symbol in summa für diesen Opferwahn. Wie sich der Kessel in den Kelch verwandelte, nahm das Menschenopfer nach Jesus subtilere Formen an. Denn wir opfern heute wie eh und je unsere Kinder, Stichwort bspw. Rentenfinanzierung. Bei diesem ganzen Prozess der Sublimierung geht es um das Verschwinden des Anschaulichen, der Bildhaftigkeit zugunsten der reinen Formel, der Zahl. Es ist längst nicht mehr das bildhafte Wort, sondern die Zahl, die am Anfang war. Und die Zahl ist bei Gott und Gott ist die Zahl. Da die Biologie die Physik als Leitwissenschaft ablöst, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Zahl Fleisch wird und dieses Fleisch aus dem Kessel steigt. Naja, vielleicht ist es ja auch Tofu, was dieses Mal aus dem Kessel steigt 🙂

        Die kosmische Katastrophe könnte auch eine irdische gewesen sein: der Ausbruch des Supervulkans Toba auf Sumatra vor ca. 75.000 Jahren, der zu einem langen Winter führte und von manchen für den genetischen Flaschenhals im menschlichen Erbgut verantwortlich gemacht wird. Meiner Ansicht nach hat sich der menschliche Größenwahn jedoch in mindestens zwei Etappen vollzogen. Erstens durch die Beherrschung des Holzfeuers, das bereits vor 400.000 Jahren zur Jagd benutzt wurde, wobei man zwecks Treibjagd gezielt Landstriche abfackelte und damit Landschaft umgestaltete und zweitens in der Identifikation der Sonne mit Feuer, was dem brandrodenden Affen eine ganz neue EGO-Dimension eröffnete: die Erfindung von Göttern, mit denen er sich selbst in den Himmel projizierte. Götter, Verstädterung, Agrarisierung: alles ein zusammengehörender Komplex.

        Im Kern dieses Komplexes steht der Umbruch von der Stein- zur Metallzeit. Auch das war bereits ein point-of-no-return, in seinen Folgen ebenso dramatisch wie die Industrielle Revolution mit der Erfindung der Dampfmaschine. Die Wiege unserer Zivilisation, der fruchtbare Halbmond, ist heute weitgehend Wüste. Agrarwirtschaft ist zerstörerische Wachstumsindustrie. Die Ökis unterliegen einem folgenschweren Irrtum, wenn sie das Wachstumsproblem allein mit der industriellen Warenproduktion identifizieren. Mit der Industriellen Revolution hat sich die Wachstumsproblematik bloß potenziert, der Keim dazu liegt jedoch in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft ist der Tod der Natur, nicht erst die industrielle Entwicklung seit dem 18. Jh., das ist bloß die Beschleunigung des Todes. Wer immer die Natur retten will, muss sich von der Landwirtschaft verabschieden. Tja, und da hat die Menschheit also ernsthaft ein Problem. Denn wie soll das gehen? Freiwillig verhungern? Oder mit einem Öko-Diktator, der die Menschheit massiv reduziert? Oder mit Chemitariertum?

        Ja, das alles sieht tatsächlich nach Endspurt aus, und trotzdem frage ich mich, ob es nicht nur ein Phasenübergang ähnlich der Agrarisierung ist. Auch damals standen die Zeichen auf Untergang und tatsächlich sind die ersten Hochkulturen ja auch untergegangen, während der Mensch sich eifrig dran machte, nach der Wiege den Rest der Welt auch noch in Wüste zu verwandeln. Manchmal würde ich ja schon gern wissen, wie die Welt in 500 oder 5000 Jahren aussieht.

        Da die Menschheit sich auch noch im letzten Winkel der Erde und in den Anfangsgründen des Weltraums rumtreibt, ist es doch ziemlich wahrscheinlich, dass ein paar davon selbst eine gewaltige Katastrophe überleben und dann das Menschheitsprojekt 4.0 starten, wenn es denn überhaupt zu einer Katastrophe kommen sollte. Und es ist doch eine höchst interessante Frage, wieweit das Menschliche dabei vom Unmenschlichen – seien es nun die fossilen Brennstoffe, sei es das Feuer, seien es die Viren und Bakterien – instrumentalisiert wird. Oder ist diese Sicht nur wieder unsere beschränkte Denke, die sich außer Instrumentalisieren nichts anderes vorstellen kann? Vielleicht zeichnen sich die ANDEREN ja eben dadurch aus, dass ihnen Instrumentalisierung wesensfremd ist.

  14. Kränkung findet seinen Nährboden im Narzissmus, also einer bereits gestörten Selbstwahrnehmung.
    Diese wurde seit alters her gefördert durch die menschliche Hybris angesichts der Berauschung an den eigene Fähigkeiten die Welt um sich herum zu manipulieren, zu instrumentalisieren, eben zu dominieren aka beherrschen.
    Aus der Herrschaftsmentalität erwächst der Narzissmus des Absolutheitsanspruches (z.B.: „l’etat c’est moi!“), der natürlich sofort maximal gekränkt sein MUSS, wenn ihm ein Spiegel seiner eigenen Lächerlichkeit dieses Anspruches vorgehalten wird, denn dadurch wird das Selbstverständnis erschüttert auf dem die vermeintliche Souveränität thront.

    Ich habe viel mit Russen zu tun gehabt und mit ihnen gearbeitet und habe es immer als ausgesprochen wohltuend empfunden, dass diese weit weniger sentimental mit ihrer Eigenbedeutung umgehen können als hierzulande üblich.
    Da kracht’s, raucht’s schon mal, aber wenn der Pulverdampf verzogen ist, ist alles klar soweit, die Atmosphäre bereinigt – ganz im Gegensatz zu diesem Dünkelbrutkasten D.
    Wenn hier einer mal im Überschwang der Gefühle mit der Faust auf den Tisch haut, gilt er gleich als asozial oder gar Psychopath.
    Dass diese Form der ‚Psychopathie‘ das krasse Gegenteil bewirkt, nämlich gerade nicht die Erkrankung (und damit Kränkbarkeit) der Psyche, sondern deren Stabilisierung, hat man hier vergessen, obwohl es gerade dieser Landstrich war, der vor langer Zeit mal dafür bekannt war, dass hier Tacheles geredet und gehandelt wurde und Zimperlichkeiten wie die der Moderne als hochgradig verkommen betrachtet wurden.

    Wir halten nichts mehr aus, wir sind unfähig zur echten Konfrontation mit ‚Anderem‘, mit Gefühlen und auch mit eigenen Grenzen.
    Gleichzeitig wird aber die ‚Grenzenlosigkeit‘ menschlichen Potentials beschworen und Gottgleichheit postuliert, was sich ja auch in dem im Artikel angedeuteten globalen Machbarkeitswahn ausdrückt.

    Das EGO ist halt der selbstgekrönte König und dem mitten ins Gesicht zu sagen,dass er keine Kleider an hat, sondern nur ein hässlicher Nacktmull ist (sry für die bildhafte Gleichstellung, lieber Nacktmull!), ist Majestätsbeleidigung vulgo Blasphemie und somit ein Todesurteil.

    Dieses EGO kann nur sehr schwer entthronisiert werden, es ist mühselig, langwierig und im Endergebnis ungewiss – kurz: nicht sexy genug, um Massen dafür begeistern zu können.
    Die bräuchte es aber, um die radikalen Transformationen zu bewerkstelligen, um vielleicht noch einen ‚turn-over‘ hinzukriegen.

    Macht aber auch nix, die Transformation kommt so oder so und im Augenblick sieht es so aus, als würden wir uns selbst wegtransformieren in die Bedeutungslosigkeit, die wir von Anfang an verdient haben.

    Meines Erachtens sind wir bereits ein Instrument der ‚Natur‘ geworden, die mit uns unseren Abgang jetzt beschleunigt, um nachher oder gerade dadurch wieder etwas ‚Sinnvolleres‘ aufzubauen.
    Wir sind wie die Katalysatoren in einem Prozess, wo im Endergebnis von diesem Katalysator nichts mehr übrig bleibt – ist aber auch o.k. 😉

    • Hallo Nick,

      ich fand Deine Kommentare auf Martins Blog damals sehr bereichernd. Umso mehr freut es mich, von Dir zu hören!

      Dass mit der menschlichen Selbstwahrnehmung etwas nicht stimmt, unterschreibe ich sofort. Die interessante Frage ist aber doch, woher die menschliche Hybris kommt. Als der Mensch noch Waldaffe war, war er auf jeden Fall kein Narzisst, ebensowenig, wie ein Schimpanse oder ein Bonobo Narzisst ist. Meine Vermutung geht dahin, dass durch den Umgang mit dem Feuer der Keim des Größenwahns in den Frühmenschen gelegt wurde, denn Feuer ist eine Kraft, die die Landschaft (das Ökosystem) gestaltet, welches unsere Vorfahren (nur als Teil-chen) bewohnt haben. Feuer als gestaltende Kraft spielt auf einer höheren, umfassenderen Ebene als ein Säugetier wie Affe oder Mensch. Dann fing der Affe an zu zündeln, und das ist ihm zu Kopf gestiegen, in der wahrsten Bedeutung des Wortes. Die Großhirnrinde ist eine Mutation, die erst Sinn machte, als Lerninhalte (Feuer machen oder transportieren, kochen, seine Gruppe organisieren) gespeichert werden mussten. Es ist ja nicht nur das EGO als psychische Instanz, sondern es gibt dazu die materielle Entsprechung, die aus sechs Lagen Nervenzellen besteht. Ohne Großhirnrinde sind wir keine Menschen. In der Spiritualität wird so getan, als könnte der Mensch, wenn er nur wollte, das EGO einfach aufgeben und EGO-los als „wahrer“ Mensch leben, aber das stimmt nicht. Deshalb kannst Du das mit dem „turn-over“ vergessen.

      Ja, das ist ja eben das Problem: dass wir im Umgang miteinander nichts mehr aushalten, sondern uns nur noch mit Samthandschuhen anfassen (dürfen). Auf diese Weise entstehen natürlich keine Beziehungen, sondern bloß oberflächliche Bekanntschaften, die weniger Bestand haben als Eintagsfliegen. Russland kenne ich bloß aus der Literatur, aber selbst da wird schon eine andere Qualität sichtbar, was Gefühle bedeuten könnten, wenn man es denn zulassen und nicht permanent abbügeln würde. Ich denke schon, dass die Deutschen von einem lebhaften Austausch mit Russen nur profitieren könnten. Es stimmt natürlich, dass echte Auseinandersetzungen die Psyche stabilisieren und nicht etwa schwächen. Zunehmende Zimperlichkeit ist ein Zeichen von Degeneration. Oder von Vercyborgisierung.

      Ich kann nicht in die Zukunft sehen. Aber ich kann mir vorstellen, dass wir den Kelch noch nicht bis zum bitteren Ende geleert haben, sondern dass unserer Spezies die totale Vermaschinisierung erst noch bevorsteht und der Jammer hinterher exponenziell größer ist als jetzt schon.

      Andererseits besteht allen Unkenrufen zum Trotz auch die Möglichkeit, dass dieser Prozess, den wir als Menschen durchlaufen, im Rahmen der Evolution eine Notwendigkeit darstellt, um das Leben insgesamt voranzubringen, so wie Guido das mit seiner Arbeit beschreibt. Gut möglich auch, dass wir selbstauflösende Katalysatoren sind. Auch möglich, dass der Mensch als eine Art Feuerkraft, die des Mitleids fähig ist, mal in die Natur integriert wird und dann so was wie gärtnerische Aufgaben hat im Sinne der Naturverjüngung und der Erhaltung von Artenvielfalt. Aber ebensowenig wie ein Elefant sein Elefantsein wählen kann, können wir unser Menschsein wählen. Ob die Menschheit nun Gärtner, Zerstörer, Maschine oder Katalysator ist, wer kann das definitiv sagen? Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns innerhalb des Prozesses irgendwie zu positionieren und uns ansonsten der Evolution zu überlassen. Die Frage ist, wie man bei solchen Aussichten trotzdem ein halbwegs gutes Leben führt.

      Marian

      • Die Hybris entstand in dem Moment, wo sich der Mensch darüber BEWUSST wurde, dass er beginnend mit dem Feuer sich tatsächlich mehr und mehr aus dem Rückkopplungskreis der Erde auskoppeln konnte – quasi erstmal ‚Herr‘ über sich selbst werden konnte und danach über die ‚Welt‘.

        Prometheus, Luzifer, Fackelträger aller Art, seit mythischen Urzeiten verehrt, sind nichts anderes als die Symbole der Eigenvergottung des Menschen.
        Das Olympische Feuer der Antike, die Feuertempel des Zorastrismus, die Vestatempel. das ‚Ewige Licht‘ der Katholiken, Schmiedegötter usw. überall spukt dieses Mem der Bewusstwerdung und Machtergreifung im Zusammenhang mit dem Feuer.
        Es ist die Macht durch Manipulation, erzwungene Metamorphose/Transformation – der Schöpfergott aller Religionen ist das EGO.
        Wie sagt YHWH von sich selbst, wie sein Name ist? – „Ich bin der ich bin!“ und man muss es wohl so lesen: „Ich bin der ICH-bin“!

        Natürlich lässt sich das Ego nicht abschaffen, aber enttrhonisieren kann man es und ihm den Platz zuweisen, für den es eigentlich entstanden ist: Zeit-Bewusstsein.
        Raus aus dem Nur-Jetzt, hinein in das nornenhafte Dreigestirn Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft, mit einer gewissen Vorhersehbarkeit, die Berechenbarkeit bedeutete (Astronomie – Geometrie etc.) und damit (vermeintliche) KONTROLLE über das eigene Schicksal.
        Wer auf diese Weise das Schicksal entthront, die Fügung, das von göttlichen Mächten Unabweisbare – der wird selber Gott (zumindest in seiner Vorstellung).

        Saturn, der mächtigste alte Gott, war nicht umsonst der Gott der Zeit und des Erntezyklus, des Kalenders und ‚er fraß seine Kinder‘, weil die Zeit hervorbringt und wieder zurücknimmt, was sie geboren, erzeugt hat.

        Der Kelch wird gerade gekippt, wurde aber noch längst nicht zur Neige getrunken.
        Der Transhumanismus, die ‚Vercyborgisierung‘, ist ja schon längst auf dem Vormarsch.
        Ich sehe jeden Tag bewusstlose Deppen in Köln flanieren, die sich mit anderen darüber unterhalten, welcher App sie nun dankenswerterweise welche Entscheidungen überlassen.
        das fängt bei der Restaurantsuche an und hört bei der dating-App noch lang nicht auf, sondern geht bis zu einem umfassenden Zeitmanagement durch eine App – tatsächlich, der ganze Tagesablauf wird anempfohlen von einem Algorithmus.
        Von der Nanotechnologie, die schon sehr bald durch alle Adern fließen wird, auch gegen den Willen vieler, ganz zu schweigen.

        Demut, Bescheidenheit ist überall dort zu finden, wo jemand Grenzen erkennt und anerkennt – sei es aus freien Stücken oder nolens volens.
        Freiwillig geschieht dies selten und verordnen lässt es sich nicht, also wird es wohl so bleiben, wie es ist – selbstorganisierend.

        Das ‚halbwegs gute Leben führen‘ beginnt wohl mit der Verabschiedung von Verbesserungsabsichten und Erwartungshaltungen wie Hoffnungen.
        Erwartung wie Hoffnung bekunden ja bereits stillschweigend, dass man sich außerstande fühlt, etwas seinem Wunsche gemäß von selbst zu erwirken.
        Verbesserung gibt es nicht – siehe Leibniz: „Dies ist die beste aller MÖGLICHEN (nicht DENKBAREN!) Welten!“ (Anm. und Hervorhebung durch mich) – wahrscheinlich darf man noch nicht mal von ‚Evolution‘ reden, sondern muss es realistischer ‚Degeneration‘ heißen.
        Das unsterbliche Archäobakterium war bereits perfekt.
        Alles, was danach kam, war streng genommen bereits nur noch dilettierendes Derivat, den einen Schwamm oder den anderen Pilz mit vergleichbaren Eigenschaften mal ausgenommen 😉
        Komplexität hat zugenommen, dabei strebt das Universum ausschließlich das Gegenteil an – Entropie, die zum Potentialausgleich führt, in der Vollendung also die größtmögliche Verschlichtung des Seins.

        Was kann das für den Einzelnen nun bedeuten?
        Das ‚halbwegs gute Leben‘ ergibt sich wohl nur, wenn man sich auf seine Kernbestimmungen konzentriert und darin aufgeht.
        Der Marienkäfer ist zu 100% Marienkäfer und denkt keine sekunde darüber nach, jemand anderes sein zu wollen (‚Ach, Fisch oder Vogel sein wäre auch mal ganz nett oder vielleicht sogar besser als Marienkäfersein!‘) und er schert sich auch einen feuchten Marienkäferdung um die Veränderung seiner Umwelt (nicht nur, weil er da eh nix ausrichtet, sondern weil er dafür gar keine Zusatzkapazitäten hätte, da das 100%ige Marienkäferdasein bereits alle seine Ressourcen beansprucht! – sonst wärś ja auch nicht 100%ig 😉 ).
        Und da liegt der Hase im Pfeffer:
        Würde der Mensch standardmäßig weitestmöglich sich selbst entsprechen, wäre er nicht halb so defizitär wie er sich jetzt geriert.
        Wäre er damit beschäftigt heraus zu finden, was seine Bestimmung (Mensch-sein) ist und wie dies sich für das jeweilige Individuum in den Erforderlichkeiten dazu ausdrückt und würde er sich daran im Denken, Handeln orientieren im Sinne einer Entsprechbarkeitsverpflichtung – dann hätten wir kaum die Probleme, die wir halt jetzt haben.

        All diese Probleme können aber nichts daran ändern, dass es jedem Individuum – wie jedem Marienkäfer, jedem Wurm – möglich ist, sich selbst zu entsprechen.
        gelingt das näherungsweise, sollte das von Defiziten gespeiste Kompensationsbedürfnis stark zurück gehen und eine deutlich unbeschwertere und erfüllendere Lebensweise und ein befriedigenderes Lebensgefühl Einzug halten – ich habe jedenfalls noch keinen Marienkäfer weinen sehen und keinen Wurm mit Depressionen angetroffen 🙂

      • Überall spukt das Mem der Bewusstwerdung und Machtergreifung durch das Feuer. Waren die Götter in den Symbolen der ersten Hochkulturen noch sichtbar, so sind sie nach dem Crash der Zivilisationen, der sich irgendwann zwischen 1200 und 600 v.Chr. ereignet hat, zum bildlosen Spuk geworden, der als Licht, Logos oder Energie sein Unwesen treibt. In diesen Kontext gehören auch die Absolutsetzung der Lichtgeschwindigkeit und die postulierte Unsterblichkeit der Photonen, die angeblich seit eh und je unverändert durchs All schwirren, ungeachtet der Tatsache, dass wir täglich live erleben, dass und wie Sonnenlicht mittels Photosynthese in etwas anderes umgewandelt wird.

        Ja, der Schöpfergott aller Religionen ist das EGO. Wie Voldemort hat es damals im Crash seine Gestalt verloren und benutzt nun die Tot-Esser und das Blut des Lebendigen, um sich in einem alchemistischen Prozess eine neue Gestalt zu geben. Die neue Gestalt wirft im heraufdämmernden Überwachungsstaat mit seinem industriell-technisch-finanziellen Komplex bereits deutliche Schatten. Voldemort steigt aus dem Kessel. Der Mensch als Tot-Esser hat sich diesem Dienst ergeben. Das Erscheinen der Ego-Gottheit in den Jäger-Sammler-Kulturen, als sie noch simpler Geist war und ihr Erscheinen in Sumer, Babylon und Ägypten wird bescheiden wirken gegen diesen neuen, dieses Mal durchaus globalen Auftritt. Man könnte gespannt sein, wenn es nicht so gruselig und auch traurig wäre. In diesem Prozess wird der Mensch zur Maschine, denn es ist ja ein Todeskult. Es wird nicht dabei bleiben, dass nur der gesamte Tagesablauf durch eine App geregelt wird, es wird bestimmt bald elektronische Hilfen geben, die einem genau sagen, wann man wo wen wie lange anlächeln muss, um seine Karriere zu optimieren, gerade so, wie es Marc Elsberg in „Zero“ beschreibt. Und bei all dem muss man noch sagen: Wir bekommen bloß, was wir verdienen.

        Unter den Menschen sind die Eichhörnchen, die Nüsse vergraben, weil sie verrückt nach Nüssen sind, ausgesprochen selten. Die meisten menschlichen Eichhörnchen vergraben Nüsse, um Bäume zu pflanzen und damit das Klima und die Welt zu retten. Und man muss ja erst mal kapieren, dass das Nüssevergraben aus altruistischen Weltrettungs-Gründen EGO-Umtriebe sind und nur das Nüssevergraben aus purer Lust aus Selbstlosigkeit geschieht. Das ist ja gegen alles, was man je gelernt hat!

        Das mit dem Zeit-Bewusstsein verstehe ich nicht so ganz. Ich denke, das EGO ist ursprünglich ein Mittel, um alles rund ums Feuer zu managen. Für sich allein genommen, macht ein Zeitbewusstsein keinen Sinn, erst im Kontext mit dem Feuer: wie viel Holz man braucht, wie lange der Braten am Spieß brutzeln soll. Richtig wesentlich wurde es dann im Rahmen der Agrarisierung. Fatal ist, dass das erwachende Bewusstsein sich mit dem Feuer identifizierte und daraus seinen Größenwahn entwickelte. Ich denke, dass in Form der Menschheit ausprobiert wird, was herauskommt, wenn eine anorganische Kraft wie Feuer mit einem Säugetier kombiniert wird. Ob daraus eine überlebensfähige Spezies wird oder nicht, juckt keinen außer uns selbst. Wenn es mit der Menschheit nicht klappt, dann klappt halt was Anderes.

        Fragt sich, was mehr Sinn macht, wenn man von Sinn reden will: Sein oder Berührung/Bindung. Wenn der Sinn des Lebens im Sein liegt, dann ist das Archäobakterium perfekt und alles nach ihm Degeneration. Wenn der Sinn des Lebens jedoch in der Berührung und in der Körperhaftigkeit aufgrund von Beziehungen (wozu auch physikalische und chemische Bindungen gehören) besteht, dann ist Komplexität keine Degeneration, sondern ein sich entfaltendes Feuerwerk an Bindungen und Beziehungen. Ein Feuerwerk ist die Sache eines Augenblicks und in kosmischen Dimensionen sind 13,7 Mrd. Lichtjahre nicht viel mehr als ein solcher. (Mann, schon wieder diese Feuerbilder. Man wird sie echt nicht los!)

        Komplexität ist, wenn man so will, das „Trotzdem“ auf der Folie des Todes, das Apfelbäumchen im Weltuntergang.
        Ich sehe in diesem „trotzdem“ meine Kernbestimmung 🙂
        Das ist auch ein gutes Mittel gegen Depressionen, selbst wenn man zum Schluss doch in die Fänge des oben beschriebenen EGO-Gott-Überwachungsstaats gerät und zermalmt wird.
        Und davon gehe ich inzwischen eigentlich schon aus.

    • Nick! Da fällt mir doch glatt das Kinn auf die Füße. Welch wohlklingende Überraschung 🙂 … EIN Hoch auf die akausale Verwobenheit 🙂

      “Meines Erachtens sind wir bereits ein Instrument der ‚Natur‘ geworden …“

      Ja, der Wahn der Menschen arbeitet für das Leben …

      Bist Du nur auf der Durchreise oder spielst Du mit etwaiger “Sesshaftigkeit“?

      • Guido!
        Dein Kinn ist leider auf MEINE Füße gefallen und jetzt hinke ich schon wieder durch die Metaphernwüste und drehe mich wegen einem dickeren Fuß im Kreis 😉
        Ich bin immer Durchreisender, Sesshaftigkeit war mir zeit meines Lebens nicht vergönnt 🙂
        Da ich mich aber sowieso wegen Leuten wie Dir, – deren Kinn mir nicht nur auf die Füße fällt, sondern die mir auch immer wieder auf dieselben treten -, immer nur im Kreise drehe, werde ich ‚zwangsläufig‘ beim Drehen meiner Runden immer wieder an Dir vorbeischlendern, haha!
        Da geht es uns wie Sirius und unserer Sonne, die eine Vesica mit ihrer Ekliptik bilden – zyklische Kreuzungspunkte inclusive.
        Wenn’s taugt, dann ‚raste‘ ich gerne länger hier 😉

    • Ich habe das mit den Gefühlen, die laut diesem Artikel nicht mehr gezeigt werden dürfen, mit einem Freund diskutiert. Er gab zu bedenken, dass sich dies nicht auf ALLE Gefühle beziehe, sondern nur auf die negativen. Begeisterung und Freude darf man durchaus zeigen…

      Das Problem mit negativen Gefühlsäußerungen entsteht m.E. dadurch, dass sie von heutigen Menschen als „Statement für immer“ angesehen werden – und nicht als vorüber gehende Aufwallungen. Dabei ergibt doch jegliche Selbstbeobachtung eines Gefühls, dass es sich nicht lange hält, sondern unter der Beobachtung dahin schmilzt wie Eis in der Sonne, schneller sogar.

  15. Es gibt auch Gegentrends, wie etwa der weltweite Tourismus, der z.B. dazu führt, dass Müll beseitigt und Strände gereinigt werden, weil sich die Besucher sonst nicht wohl fühlen. Die Artenvielfalt zieht zunehmend in die Städte, wo kleinteilige Gärten, Parks, „urban gardening“ Bedingungen schaffen, die das ermöglichen. Der Mega-Erfolg des Magazins „Landlust“ ist auch ein Zeichen, dass Menschen allein mit Technik nicht glücklich leben – wenn auch „das Land“ keine Anderwelt mehr ist, es sein denn, man macht dort irgend etwas mit der Umgebung und pendelt nicht nur zur Arbeit in die Stadt und zurück.

    Im Großen und Ganzen läuft der Trend allerdings hin zum Maschinenhaften, das sehe ich auch so. Wobei das eben oft als Befriedung daher kommt und als gesetzliches oder „technisches Verunmöglichen von Fehlverhalten“. Ich würde es z.B. auch vorziehen, wenn eine Art unsichtbare Lärmschutzwand mich vor dem Radio-Lärm des Nachbarn bewahren würde – über den ich mich bezeichnenderweise mehr aufrege als über den gelegentlich (je nachdem wie der Wind steht) hörbaren Straßenlärm. Die Gefühle, die da evoziert werden, stören mich – und es hilft auch gar nichts, wenn ich die raus lasse und mich mit dem Nachbarn streite. Nächstens ist das Radion wieder wie gehabt zu hören….

    Menschlicher Kontakt nimmt insgesamt ab – und zwar ziemlich schnell, wie eine aktuelle Umfrage ergeben hat.

    • Ja, es stimmt schon, dass es auch positive Erscheinungen gibt. Du nennst das urban gardening (tolles Wort :-)), aber auch viele Wälder in Deutschland sind heute Schatzkammern und sehr viel artenreicher als vor 50 oder 100 Jahren. Einige Naturparks in Deutschland sind wirklich schön, da kann man nicht meckern.
      Aus den Wäldern im Osten wandern allmählich ja sogar wieder Räuber wie Luchs, Wolf und Bär wieder nach Deutschland ein. Ich bin gespannt, ob wir diese „Gefahr“ aushalten. Der Erfolg von Zeitschriften, die das Landleben rühmen, halte ich allerdings eher für eine Flucht in die Idylle. Das Problem ist jedoch, ob einzelne Menschen nun mit der Technik glücklich sind oder nicht, ändert nichts an der Gesamtdynamik, die unsere Umwelt in eine künstlich-technische und uns selber in Maschinen verwandelt. Und die gesetzliche Befriedung hat daran in der Tat einen nicht unerheblichen Anteil.

      Mir fällt auf, dass Du schreibst, dass Dich die Gefühle stören, die der Radio-Lärm auslöst und nicht der Radio-Lärm. Heißt das, dass Du lieber Deine Gefühle abschaffen möchtest anstelle des Radio-Lärms? Was aber, wenn Du Dich zu Recht aufregst und Dein Gefühl berechtigt ist? Vielleicht geht es ja auch gar nicht um den Lärm an sich, sondern darum, dass der Nachbar mit seinem Gelärme Deine Grenzen nicht achtet, die zu Recht bestehen.

      • Ob der Ärger „zu Recht“ besteht (wovon ich überzeugt bin), hilft kein bisschen gegen den Ärger. Das Beispiel eignet sich grade wunderbar als Ilustration des Themas „Verrechtlichung als Befriedung“. Ich habe nämlich genau vier Möglichkeiten:

        1. gütliche Einigung anstreben, vernünftig miteinander reden, um Verständnis für mein Ruhebedürfnis bitten, bzw. verständlich machen, dass ich nicht mit seinen Radio-Sendern beschallt werden will. (Done!)

        2. Ärger spontan rauslassen, lautstark Ruhe verlangen, Radio leiser, verdammt nochmal!!! (Done! Hilft je nach aktuellem Zustand des Nachbarn mal für kurze Zeit – ODER provoziert ihn zu wüsten Drohungen und lautstarkem Geschimpfe, Radio wird eher noch lauter…)

        3. Erste verrechtlichende Eskalationsstufe: Anrufung der Funktionsträger. Schließlich gibts eine „Gartenordnung“, die Zimmerlautstärke vorschreibt (Rechtsfrage: WAS ist Zimmerlautstärke in einem Garten? Ich hab auch mal Jura studiert….), der Vorstand müsste auf den Nachbarn einwirken… Würde vermutlich ebenso ausgehen wie bei Punkt 2.

        4. Nächste Eskalationsstufe: Ich werde schriftlich, drohe mit rechtlichen Schritten… und da ich mich in den Modalitäten des Rechtswesens ein wenig auskenne, würde das VIELLEICHT soviel Angst einjagen, dass für einige Zeit Ruhe einkehrt (evtl. wieder mit der Ausnahme, wenn Nachbar militant aufgelegt ist..).

        Bisher hab ich zwar mal an Stufe 3 und 4 GEDACHT, es ist mir allerdings klar, dass auch dieses Vorgehen den ÄRGER nicht unbedingt mindert. Gelegentliches Generve (=eine Frage der Dosis der Radio-Nutzung und unserer gleichzeitigen Anwesenheit) zu ertragen erscheint mir (noch) besser und stressärmer, als mich den Eskalationsstufen zu widmen. Macht ja Arbeit, die Aufmerksamkeit beschäftigt sich mit „Kampf“ – hey, das ist nicht das, was ich im Garten erleben will! Eine ins kriegerisch-schriftliche eskalierte Auseinandersetzung lässt keine spontane Friedlichkeit mehr zu, die es jetzt noch gibt (man grüßt sich…). Die Befriedung durch Verrechlichung wäre eine Illusion: ganz im Gegenteil würde man zu explizit „feindlichen Parteien“ – mit vielen negativen Folgen, die das Gartenerlebnis garantiert nicht bessern.

        “ Heißt das, dass Du lieber Deine Gefühle abschaffen möchtest anstelle des Radio-Lärms? “

        Wenn es keine Perspektive zur Lösung eines als negativ wahrgenommenen Umweltproblems, keine Option auf erfolgreiche „Weltverbesserung“ gibt: JA, dann würde ich gerne die Wahrnehmung ändern (und es GIBT da ja auch Möglichkeiten). Bei Radiolärm fällt mir das leider noch schwer, aber ich werde besser… 🙂

      • Wow, ich finde Deine Analyse der Situation ziemlich cool. Ich überlege mir gerade, wie ich in einer solchen Situation reagieren würde. Stufen drei und vier würde ich für mich selber nicht in Betracht ziehen, aber nicht aus Gründen der Aufrechterhaltung des Friedens, sondern weil mir das selber ein blödes Gefühl verursachen würde. Ich hätte das Gefühl, das Problem nicht selber gelöst zu haben, sondern meine persönliche „Macht“ mittels der Obrigkeiten verstärkt zu haben. Damit mache ich mich zum einen selber klein und zum anderen würde ich mir sagen müssen, dass es mir nur drum geht, mich auf Biegen und Brechen (in diesem Fall mittels Aufrüstung durch gesetzliche Bestimmungen/Obrigkeiten) durchzusetzen. Selbst wenn ich dann meine Ruhe bekomme, hätte ich im Endeffekt doch das Gefühl, versagt zu haben, und das ist ein unangenehmeres Gefühl als Ärger. Weil der Nachbar mich dazu gebracht hätte, was zu tun, was ich nicht tun will, hätte er am Ende die Auseinandersetzung für sich entschieden, gerade dadurch, dass ich bekommen habe, was ich will, nämlich Ruhe. Das würde ich dem Kerl nicht gönnen. Bleiben also nur die Punkte 1 und 2, und je nach Stand des Ärgers würde sich der Kontakt zwischen diesen beiden Punkten abspielen, wobei ich in Kauf nehmen muss, dass das Problem damit niemals endgültig gelöst wird, sondern dass es eben immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt.

        An meinem Ärger möchte ich nicht arbeiten, um ihn abzuschaffen. Denn damit überlasse ich dem Nachbarn „kampflos“ das Feld und das hat der Kerl auch nicht verdient. Wenn Du dem Nachbarn sein unmögliches Verhalten durchgehen lässt und an DIR arbeitest, damit DU fähiger wirst, das unmögliche Verhalten eines Anderen zu tolerieren, setzt Du meiner Ansicht nach ein ziemlich falsches Signal.

        Vielleicht geht es gar nicht um eine „endgültige“ Lösung, sondern nur um eine immer wieder neue pro Gartenbesuch. Manchmal setzt Du Dich durch und manchmal setzt sich der Radio-Dudler durch, und manchmal ist er nicht da, wenn Du kommst. Das macht den Garten doch eigentlich viel spannender … 🙂

      • „Selbst wenn ich dann meine Ruhe bekomme, hätte ich im Endeffekt doch das Gefühl, versagt zu haben, und das ist ein unangenehmeres Gefühl als Ärger.“

        Als „Versagen“ würde ich es nicht bezeichnen, wenn ich vorhandene rechtliche und institutionelle Möglichkeiten nutze, die nun mal zwecks „Befriedung“ zur Verfügung stehen. Kehrte dann Ruhe ein, hätte ich eher das Gefühl, mich durchgesetzt zu haben: Sieg!
        Allerdings hat so ein „Waffengang“ (bei dem ich ihm deutlich überlegen wäre) eben Kollateralschäden fürs Miteinander, die wiederum anderen Ärger bedeuten – deshalb lasse ich das. Wobei das keine Aussage für immer ist, derzeit dreht er immer „rechtzeitig“ dann doch leiser…

        „An meinem Ärger möchte ich nicht arbeiten, um ihn abzuschaffen. Denn damit überlasse ich dem Nachbarn „kampflos“ das Feld und das hat der Kerl auch nicht verdient. Wenn Du dem Nachbarn sein unmögliches Verhalten durchgehen lässt und an DIR arbeitest, damit DU fähiger wirst, das unmögliche Verhalten eines Anderen zu tolerieren, setzt Du meiner Ansicht nach ein ziemlich falsches Signal.“

        Ich lass es ihm ja nicht durchgehen, sondern interveniere. Allerdings kann man nicht dauernd intervenieren, wenn er in einer militanten Laune ist, hilft das auch nichts. Wenn du den unter „Möglichkeiten“ verlinkten Text liest, siehst du auch, dass das Gemeinte lediglich eine Mischung aus gerichteter Aufmerksamkeit und physischer Entspannung ist, die dann auch eine psychische Entspannung bedeutet. Gerade bei Lärmbelästigung wurde schon oft nachgewiesen, dass Menschen umso mehr genervt sind, je eher die Immision auf dem konkreten schuldhaften Handeln anderer beruht. Lärm in gleicher Lautstärke von Wasserfällen, Autostraßen etc. werden nicht mit demselben Ärger wahrgenommen. Das ist doch erstaunlich, zeigt aber auch die Möglichkeit, durch die eigene Haltung Einfluss auf den Ärger zu nehmen.
        (Was die Psyche des Nachbarn angeht, ist mir komplett egal, was er über mich denkt, allein sein Handeln interessiert mich, soweit ich davon betroffen bin).

        Im übrigen stelle ich das hier nur so ausführlich dar, weil es gut einen Aspekt des Themas vertieft. Es ist nicht etwa so, dass mich das dauernd beschäftigen würde! 🙂

      • Ich halte Dich schon nicht für eine schrullige Alte, die außer Gartenzwerg-Kriegen sonst keinen Lebensinhalt hat, keine Angst 🙂

        Ich frage mich gern mal, ob wir überhaupt einen Staat brauchen und wenn ja, wieviel davon. Ich träume von einer Gesellschaft ohne Staatsgewalt und gesetzlichen Zwang. Deshalb möchte ich nicht, dass der Staat (oder eine vergleichbare Institution) sich in die Beziehungen zwischen mir und meinem Nachbarn einmischt. Das ist etwas, das nur mich und meinen Nachbarn etwas angeht. Wenn ich auf rechtliche und institutionelle Möglichkeiten zurückgreife, rufe ich damit den Staat zu Hilfe, weil ich die Sache selber nicht zu meiner Zufriedenheit geregelt kriege. Den Ruf nach „Vater Staat“ respektive das Zurückgreifen auf gesetzliche Verordnungen empfinde ich persönlich als Unselbständigkeit und damit als Versagen, denn damit bestätige ich die Notwendigkeit einer übergeordneten Institution, die mein Leben regelt.

        Heißt das, der Radio-Lärm würde Dir nichts ausmachen, wenn die Gesetze und Gartenverordnungen das Gedudel absegnen würden? Das finde ich erstaunlich.
        Mich regt bisweilen auch „gesetzlich erlaubter“ Lärm auf. Was mich nervt, hängt doch in erster Linie von der jeweiligen Situation ab und nicht von den Gesetzen.

        Würde Dir denn auch Essig schmecken, wenn er Dir in einer Weinflasche mit Prämierung serviert würde und die angeblichen Weinkenner sich begeistert äußern würden? Und wenn er Dir trotzdem nicht schmeckt, würdest Du dann Entspannungs-Übungen machen, damit Du aus Gründen des Einklangs und des Friedens in das allgemeine Urteil einstimmen kannst?

    • Hallo Claudia,

      bei Deiner Bemerkung, was den Nachbar angeht, kam mir der Gedanke, dass wir generell ein Problem haben, was „die Macher“ angeht. Hundert Leute können Ruhe halten, es genügt einer, der sein Radio aufdreht, um 99 Andere zu stören. Hundert Millionen können gegen die Atombombe sein, aber es genügt eine Handvoll Leute, die sie erfinden, und schon ist das Ding in der Welt und die Menschheit wird es nie wieder los. Im Endeffekt setzen sich „die Macher“ (von was auch immer) so gut wie immer durch und der Rest der Welt muss es ausbaden. Auch Demonstrationen helfen da nicht viel.
      Das ist ein interessantes Problem. Ich habe eigentlich auch keine Ahnung, wie man als Nicht-Macher mit den Machern umgehen soll, zumal wenn sie was machen, was man selber gar nicht will.

      • Macher haben diese Macht, weil die Macher, die nichts anderes machen können, die Macht von all jenen bekommen, mit denen die Macher machen können, was die Macher für machbar halten. Je mehr sagen, dass das nichts mache, machen die Macher zu immer mächtigeren Machern. Was man dagegen machen kann? Mache, was die Macher nicht machen können und mache es für Andere möglich. Nur so werden die wenigen Macher von immer mehr Anderen an weiterer Macht gehindert. Wenn wenige Macher über viele Andere verfügen können, dann haben die Macher immer mehr Macht. Wenn aber viele Andere den wenigen Machern weitere Macht verunmöglichen, werden die Anderen nicht ihrerseits mächtig, um mit den Machern das zu machen, was die Macher immer mit den Anderen machten, sondern sie verwandeln Aneignung in Anverwandlung um und ermöglichen so jene Lebendigkeit, welche die Macher, indem sie Anderen das Leben schwer machten, in leblose Macht umprägten. Möge die Anverwandlung mit den Anderen sein. 🙂

      • Hallo Guido,

        Dein Kommentar beschreibt den Mechanismus der Machtakkumulation. Und es stimmt schon: einige wenige können Macht nur anhäufen, weil andere sie abgeben. Was den Umgang mit Nachbarn wie im Fall von Claudia angeht, hat man noch ein gewisses Repertoire an Wahlmöglichkeiten. Die hat man aber nicht, wenn eine Person Dir als Repräsentant einer größeren Organisation (Konzern, Staat) entgegentritt. Irgendwie musst Du Deinen Lebensunterhalt verdienen, und sobald Du das tust, musst Du Steuern zahlen. Du wirst gar nicht gefragt, ob Du die mit Deinen Steuerngeldern verbundene Macht abgeben willst oder nicht. Wenn Du es nicht tust, landest Du über kurz oder lang im Gefängnis. Du kannst aus dem Staat nicht austreten, ihn höchstens gegen einen anderen wechseln. Dann kannst Du Dich eventuell noch für Armut entscheiden, sodass Du keine Steuern zahlen musst, aber wenn Du Dich bloß aus dem Grund, keine Macht abgeben zu wollen, für Armut entscheidest, ist das auch keine freiwillig gelebte Armut um der Armut willen. Sondern eine Trotzreaktion, und damit erzwungen. Wenn Du Hartz IV beziehst, machst Du Dich damit sogar vom Staat vollkommen abhängig und musst dafür sein, dass Leute Steuern zahlen.

        Und jetzt sieh Dich mal um, wie viele Leute lieber in einer größeren Organisation arbeiten, wo sie sich hinter der Macht der Organisation verstecken können, als dass sie sich für eine selbständige Lebensweise entscheiden, die einem ja auch zunehmend tatsächlich verunmöglicht wird. Erst vorgestern war in der FAZ zu lesen, dass der Traum der jungen Leute darin besteht, eine Stelle beim Staat zu ergattern.

  16. Wieder einmal mehr ein sehr nachdenkenswerter Text Deinerseits. Da tönen wir Menschen mehr und mehr global herum und sind gekränkt, dass uns die Welt, trotz unseres Radaus, nicht mehr (zu) ereichen (ver)mag. Wie es der “Zufall“ mal wieder will, wurde heute der dritte Teil des Zukunftsvierteilers fertig:

    https://faszinationmensch.com/2016/08/29/die-zukunft-des-menschen-teil-3-aus-sicht-des-menschen/

    Ich habe mir erlaubt einen Deiner Kommentare in den Text einzubeziehen …

    Wenn ich so beobachte, wie wir EINEN zu unserer direkten Umwelt immer weniger eine resonante Beziehung aufbauen und nur noch durch sie hindurchhuschen, mit den Gedanken anderswo und den Augen zunehmend auf irgendwelchen Displays, die Geräusche, Signale und Klänge ausgeblendet von Kopfhörern, dann verwundert es nicht, dass dort, wo immer mehr Menschen derart ihre Umwelt ignorieren, rapiden Änderungen im Erscheinungsbild Tür und Tor geöffnet wird. Kann es sein, dass dort, wo die Umwelt von den Bewohnern anverwandelt wird, wo resonante Beziehungen bestehen, die Umgebung, der Lebensraum, länger bewahrt bleiben kann, weil sich um sie bzw. ihn gekümmert wird? Quantenmechanik im Makromodus?

    “Wenn sich in unserer Gesellschaft immer mehr Menschen gekränkt fühlen, heißt das, dass wir uns als Gesellschaft mehr und mehr vom Leben entfernen und immer unlebendiger werden. An dieser Erkenntnis könnte was dran sein. “

    Das sehe ich auch so. Stell Dir vor wir Menschen schaffen uns ab und immer mehr Menschen machen bereitwillig mit, Stichwort ‚Künstliche Intelligenz‘

    • Im selben Maße, wie wir als Menschen unlebendiger werden, wird auch die Umwelt unlebendiger. Da sind zum einen die Megacities, zum anderen die monotonen landwirtschaftlichen Flächen, die leergefischten Meere. Das ist Resonanz. Das Artensterben ist auch eine Resonanz auf das, was wir als Menschen sind. Unsere Umwelt spiegelt zurück, was der Mensch ist.

      Ich vermute, der Mensch fühlt sich vor allem gekränkt, weil er eine andere Resonanz erwartet. Wo er Liebe, Gefühl, Geborgenheit, Wärme etc. erwartet, starren ihm die kalten Gesichter seiner technischen Errungenschaften entgegen. Zwischen der Technik und dem Mensch besteht durchaus geistige Resonanz, ist die Technik doch die Schöpfung des menschlichen Geistes. Unser Körper ist aber ebenfalls auf Resonanz angewiesen, und der Körper wird um seine Resonanz betrogen. Ich vermute, Du meinst ganzheitliche Resonanz, wenn Du von Resonanz sprichst.

      Die Umwelt in eine technisch-tote zu verwandeln, ist ein Verbrennungsvorgang. Unsere Technik ist Asche des Lebens. Der Prozess wird nur nicht als solcher erkannt. Unser menschlicher Geist ist ein Kind des Feuers, denn er hat sich im Umgang mit dem Feuer entwickelt. Unserem Körper nach sind wir Affe und der Affe stirbt in diesem Prozess der Vermenschung ab. Feuer geht an sich selbst zugrunde, sobald es keinen Stoff mehr hat, den es verbrennen kann. Mal sehen, ob unser Geist auch an sich selbst zugrunde geht, sobald er keinen Körper mehr hat, den er verbrennen kann. Menschsein definiert sich durch die Besessenheit vom Feuer. Diese Besessenheit ist das, was wir Geist nennen.

      Feuer bewirkt dasselbe wie der Mensch: es zerstört das Leben, die lebendigen Beziehungen, die immer auch körperlich sind. Was wir als lebendig empfinden, ist aber nicht identisch mit resonant. Der Begriff Resonanz ist umfassender, bezieht sich auch auf Materie, die wir als unlebendig empfinden.

      Die Frage ist ja schon, ob es überhaupt unlebendige Materie gibt, weil die Quantenmechanik ja genau genommen eben lebendige Beziehungen beschreibt, wo es keine Subjekte und Objekte, sondern nur Interaktion (=Resonanz) gibt.

  17. Ich wollte mich bei der Firma beschweren, die meine Heizung reparieren sollte. Ich bin bei denen in einer Telefonschleife gelandet – dideldideldum, bitte warten … bitte warten … dann bin ich auch noch zweimal aus der Leitung rausgeflogen. Wenn ich am Anfang ein bisschen sauer war, dann war ich nach der Telefoniererei noch viel saurer, die mich übrigens bloß einen Haufen unnötige Zeit gekostet hat. Wie soll man da seine Gefühle denn ausleben? Das geht doch gar nicht!

    • Heute hat man als Gegenüber häufig eine Maschine. Man gerät in Telefonschleifen, findet bei einer Beschwerde keinen Ansprechpartner oder wird selber wie ein Automat behandelt, indem bestimmte Schritte in einem Ablauf vorgeschrieben werden, die man zwangsläufig einhalten muss, selbst wenn sie im eigenen Fall total unsinnig sind. Der Mensch verändert seine Umwelt so, dass spontane Gefühlsreaktionen unmöglich gemacht werden oder ins Leere laufen. Für mich sind das deutliche Hinweise darauf, dass der Mensch sich langsam, aber sicher selber in eine Maschine verwandelt. Er passt sich der von ihm geschaffenen künstlich-technischen Umwelt an. Das ist mit ein wesentlicher Grund, warum die Gesellschaft und mit ihr auch der einzelne Mensch immer unlebendiger wird.
      Die Kränkung, wie eine Maschine behandelt zu werden, wird damit beantwortet, dass der Mensch sich unempfindlich wie eine Maschine macht und damit zur Maschine wird. Es ist ein Teufelskreis, und ich kenne keine Methode, wie man den durchbrechen kann.

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